Israel & IranDer Feind meines Feindes

Israel und Iran sind erbitterte Gegner. Dabei waren sie bis in die achtziger Jahre hinein Verbündete. Die Geschichte einer seltsamen Freundschaft von Thomas Speckmann

iran-rakete

Test-Start einer iranischen Sejil 2-Rakete: Einst half Israel Teheran mit Raketentechnik  |  © VAHI REZA ALAEE/AFP/Getty Images

Am 18. Juli 1977 reist General Hasan Toufanian nach Israel . Irans stellvertretender Verteidigungsminister trifft sich mit Israels legendärem Militärchef Mosche Dajan und mit Ezer Weizmann, dem Außenminister und späteren Präsidenten. Es geht um gemeinsame Rüstungsvorhaben. Eines davon ist das Projekt Flower: die Weiterentwicklung einer israelischen Antischiffsrakete. Auch möchte der Abgesandte des Schahs von Persien gern über U-Boot-Raketen sprechen: Iran ist besorgt über Indiens und Pakistans atomare Raketenrüstung. General Toufanian hat bereits einen Test von Israels nuklearwaffenfähiger Langstreckenrakete Jericho beobachten dürfen, er war begeistert. Das Interesse an dieser Technik ist entsprechend groß.

Das Flower-Geschäft kommt zustande. Als Anzahlung liefert Iran ein Jahr später, 1978, Öl im Wert von 280 Millionen Dollar an Israel. Experten beider Länder beginnen mit dem Aufbau einer Raketenfabrik in der Nähe von Sirdschan im südlichen Iran und einer Testanlage bei Rafsandschan. Als im Februar 1979 die Islamische Revolution das Regime von Schah Mohammed Reza Pahlevi stürzt, bedeutet das auch das Ende von Flower. Die israelischen Ingenieure werden ausgeflogen, die Pläne und Blaupausen der Waffensysteme mit einem stark geschützten diplomatischen Kurier nach Israel zurückgebracht.

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Und dennoch: Selbst nach der Machtergreifung durch das Mullahregime ging die iranisch-israelische Zusammenarbeit nach kurzer Pause weiter. Als im September 1980 der Iran-Irak-Krieg begann, stand Israel wieder an der Seite der Iraner. Nach Recherchen der britischen Sonntagszeitung Observer verkaufte man während des gesamten Krieges, der bis 1988 andauerte, jährlich Waffen für 500 Millionen Dollar an Teheran . Das amerikanische Magazin Time berichtete, dass Israelis 1981 und 1982 Schweizer Bankkonten einrichteten, um die Geschäfte abzuwickeln.

Persiens König befreite einst die Juden aus der babylonischen Gefangenschaft

Auch die Amerikaner nutzten die alten Verbindungen der iranisch-israelischen Waffenbrüderschaft. Nach dem Bericht des Kongress-Untersuchungsausschusses zur Iran-Contra-Affäre begann der Verkauf amerikanischer Waffen über Israel an Iran im Sommer 1985 – mit Billigung von Präsident Ronald Reagan. Die Lieferungen umfassten mehr als 2000 Panzerabwehrraketen und 235 Bausätze für Luftabwehrraketen. Weitere Geschäfte im Umfang von zwei Milliarden Dollar, darunter 82 Kampfflugzeuge und 4000 Raketen, wurden vom US-Justizministerium vereitelt. Israel soll ferner willens gewesen sein, Teheran Raketen für den Luftkampf, Radarausrüstung, Munition für Mörser und Maschinengewehre, Feldtelefone, Panzermotoren, Artilleriegranaten und Ersatzteile für Transportflugzeuge zu verkaufen.

Israel und Iran Seit’ an Seit’. Es war eine aus heutiger Sicht wunderliche Allianz. Wie ist sie zu erklären? Wie kam sie überhaupt zustande? Gleich vielen anderen Geschichten im Nahen Osten beginnt auch diese lange, sehr lange vor unserer Zeit. Genau genommen gründet das besondere Verhältnis zwischen Israel und Iran im Jahr 539 vor Christi Geburt. Da eroberte der Perserkönig Cyrus der Große Babylon und befreite die Israeliten aus ihrer langen Gefangenschaft. Cyrus erlaubte ihnen die Rückkehr nach Jerusalem und finanzierte den Wiederaufbau ihres Tempels; der Rest dieses Bauwerks – die Klagemauer – gilt als eine der wichtigsten religiösen Stätten des Judentums. Die Israeliten waren König Cyrus so dankbar, dass sie ihm den Status eines von Gott gesandten Retters verliehen. Er ist der einzige Nichtjude, dem diese Ehre widerfahren ist.

In den folgenden Jahrhunderten siedelten sich viele Juden in Iran an. Wie andere Kulturen im Persischen Reich genossen auch sie religiöse Freiheit; in persönlichen und familiären Belangen durften sie ihren eigenen Gesetzen und Gebräuchen folgen. 651 geriet das Land unter die Herrschaft der Araber, die Islamisierung des gesamten Nahen Ostens schritt unaufhaltsam voran. Die Distanz zu den neuen Herren einte Juden und Iraner, zumal Letztere von den Arabern zwar den Islam übernahmen, sich aber die persische Sprache und ihre indoeuropäische Lebensart bewahrten.

Ende der 1970er Jahre noch zählte die jüdische Gemeinde in Iran 100.000 Mitglieder. Es war ihre goldene Ära: Unter dem Regime des Schahs, der sich selbst gern in die Tradition Cyrus’ des Großen stellte, verfügte sie über kulturelle Autonomie und profitierte von seiner Politik einer forcierten Verwestlichung des Landes und dem ökonomischen Aufschwung. Selbst heute – unter den Diskriminierungen der Islamischen Republik – beherbergt Iran immer noch die größte jüdische Gemeinschaft im Nahen und Mittleren Osten außerhalb Israels, und das, obwohl drei Viertel der iranischen Juden das Land seit der Revolution verlassen haben.

Leserkommentare
  1. es git keine natürliche Feindschaft. Dass Israel versucht hat, den Feind seines Feindes zu stärken, ist eine übliche Strategie im Kalten Krieg gewesen. Und das Israel Waffen und tTechnik an den Iran bzw. Persien verschachert hat, liegt ja schlicht daran, dass sie Geld brauchten, Freundschaft von wegen!

  2. ...richtig.Es gab immer ein kompliziertes iranisch-arabisches Verhältnis(vielleicht sind die Iraner deshalb Schiiten?),aber man sollte dies auch nicht überbewerten.Der Schah und dem ähnlich die tuerkischen Kemalisten konnten nur deshalb enge Beziehungen aufbauen weil sie ihr Volk ueberhaupt nicht gefragt haben.Die türkisch-isrealischen Beziehungen sind zur Zeit auf einem Tiefstand und der Iran hat eine radikale Revolution durchgemacht.

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    Ja, schon.

    Nur finde ich herdersche und hegelsche Kommentare wie diese etwas naiv:

    "Es war eine aus heutiger Sicht wunderliche Allianz. Wie ist sie zu erklären? Wie kam sie überhaupt zustande? Gleich vielen anderen Geschichten im Nahen Osten beginnt auch diese lange, sehr lange vor unserer Zeit. Genau genommen gründet das besondere Verhältnis zwischen Israel und Iran im Jahr 539 vor Christi Geburt."

    So eine Rückkoppelung dient der Plausibilität - und geht immer. Die Vergangenheit kann für jede Gegenwart instrumentalisiert werden, immer. Je schlechter die Argumentation, umso weiter greift der Autor zurück.

    Den Rest des Artikels fand ich so la la.

    • Kapser
    • 19. April 2010 20:02 Uhr

    Es war Cyrus' Nachfolger Darius, welcher den Aufbau des Jerusalemer Tempels finanzierte.

    Hebräisch und Arabisch sind beides semitische Sprachen. Die Perser sprechen keine semitische Sprache, haben jedoch eine Abrahamische Religion übernommen.

    Zur Zeit des Cyrus und Darius existierte weder Islam noch Christentum (welche beide in den religiösen Überlieferungen des Jüdischen Volkes ihre gemeinsame Herkunft finden).
    Perser, Araber und Israelis verwenden nebst verwandter Sprache und Religion, auch einen sogenannten Lunarkalender.

    Da die Menschen heutzutage insgesamt mehr Gemeinsamkeiten miteinander teilen als vor mehr als 2500 Jahren, werden sich in Zukunft hoffentlich Regierungen bilden, unter welchen die Menschen in dieser Region endlich wieder in Frieden miteinader leben können.

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    Ja, das hoffe ich auch.
    Die globale Vernetzung und der internationale Druck, insbesondere auf den Iran (evtl. Atomprogramm) und Israel (Zwei-Staaten-Lösung/Palästinenser/einzige Atommacht i.d. Region), werden ihren Teil dazu beitragen.

  3. Nun ich frag mich warum man nicht mehr auf die Rolle der USA eingegangen ist, die man in der Region nicht ausenvorlassen sollte, und die auch als SChutzmacht schon mal für den iran und gegen den Iran aufgetreten ist. Auch ist die iranische Sorge von Amerika immer mehr eingekreist zu werden und sich deshalb lieber auf ( das kleine Amerika )Israel zu konzentrieren nicht ohne die Rolle der USA in dieser Entwiklung zu verstehen die dem Irak auch giftgas und waffen gegen den Iran gelifert hat.

    Apropo warum is eingentlich nur von Sovietischen Waffenliferungen an den Irak zu lesen und nicht von den Amerikanischen ?

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    Herr Tusoalsob,
    Amerikanische Waffenlieferungen werden nicht erwähnt, da der Irak nur wenige Waffen aus USA erhielt. Die meisten Waffen lieferten UdSSR/Rußland und Frankreich. Z.B. flog die irakische Luftwaffe Mirage Kampfjets mit Exocet-Raketen.
    Giftgas hat der Irak nicht aus dem Ausland erhalten sondern selbst hergestellt, was gar nicht so schwierig ist.
    Welche anderen Mythen über USA und Israel sind Ihnen noch bekannt?

  4. Da der der Iran bis zu Revolution 1979 eine informelle Kolonie der Briten und Amerikaner war, kann man nicht von einer israelisch-iranischen Freundschaft sprechen und das Annehmen der Waffen im Krieg gegen den Irak war wohl eher die Verzweiflungstat eines überrumpelten Landes, als ein Akt der Freundschaft.

  5. Wenn die libanesischen Christen eine nicht arabische Minderheit sind, was sind sie denn dann bitte?
    Per Defition sind alle Menschen, die Arabisch als Muttersprache sprechen, Araber. Mit dem Islam hat das nichts zu tun.

    @laudatio
    Die Iraner sind seit der Safawidenzeit (15. Jh.) Schiiten, das geschah damals in Abgrenzung zum sunnitischen Osmanischen Reich, mit den Arabern hat dies wiederum nichts zu tun.

  6. Herr Tusoalsob,
    Amerikanische Waffenlieferungen werden nicht erwähnt, da der Irak nur wenige Waffen aus USA erhielt. Die meisten Waffen lieferten UdSSR/Rußland und Frankreich. Z.B. flog die irakische Luftwaffe Mirage Kampfjets mit Exocet-Raketen.
    Giftgas hat der Irak nicht aus dem Ausland erhalten sondern selbst hergestellt, was gar nicht so schwierig ist.
    Welche anderen Mythen über USA und Israel sind Ihnen noch bekannt?

  7. 8. [...]

    Bitte verzichten Sie auf undifferenzierte Behauptungen. Die Redaktion/sh

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  • Schlagworte Iran | Israel | David Ben Gurion | Allianz | Irak | Sowjetunion
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