Israel & Iran Der Feind meines FeindesSeite 4/4

Noch wichtiger war, dass ein aggressiveres und dominanteres Israel den iranischen Balanceakt, enge Beziehungen zum jüdischen Staat aufrechtzuerhalten, ohne übermäßigen Groll seiner arabischen Nachbarn auf sich zu ziehen, weiter verkomplizierte. Jerusalems Weigerung, 1967 erobertes Land wieder zurückzugeben, tat jedoch genau das. Das Verhältnis kühlte merklich ab. Reza Pahlevi ließ alle gemeinsamen Projekte einstellen und unterstützte Resolution 242 des UN-Sicherheitsrates, die Israels Rückzug aus den besetzten Gebieten forderte.

Nachdem Ägypten unter Anwar al-Sadat 1972 mit der Sowjetunion gebrochen und mehr als zehntausend sowjetische Militärberater des Landes verwiesen hatte, konzentrierte sich Moskaus Militärhilfe auf Bagdad. Die wachsende Stärke des Iraks bedeutete für Israel wie Iran eine Bedrohung. Diese drei hätte Gott nicht schaffen sollen: Perser, Juden und Fliegen lautete der Titel eines Pamphlets von Saddam Husseins Onkel und Schwiegervater Khairallah Talfah. Eine Renaissance der iranisch-israelischen Entente war die Folge. Um Bagdad zu schwächen, bewaffneten Teheran und Jerusalem von 1970 bis 1975 kurdische Aufständische im Nordirak und bildeten sie gemeinsam aus.

Selbst noch im Jom-Kippur-Krieg 1973 behielt der Schah seine Schaukelpolitik bei. Einerseits ließ er die Welt wissen, dass er den arabischen Angriffskrieg für legitim halte. Auch unterstützte Iran Ägypten mit Öl; iranische Maschinen flogen ein saudisches Bataillon zu den umkämpften Golanhöhen und brachten auf dem Rückflug verwundete syrische Soldaten zur Behandlung nach Teheran. Andererseits aber weigerte sich der Schah, das arabische Ölembargo gegen Israel mitzutragen, und die Regierung in Teheran lieferte Waffen an Israel, vor allem die dringend benötigten schweren Mörser.

Erst die Islamische Revolution bereitete dieser Politik ein jähes Ende. Ajatollah Chomeini annullierte sämtliche Verträge und Abkommen, die Israel und Iran seit 1948 untereinander geschlossen hatten. In Teheran stürmten die frommen Revolutionäre die diplomatische Mission Jerusalems und übergaben sie symbolisch der PLO Jassir Arafats.

Doch selbst die islamistischen Fanatiker ließen das alte Bündnis 1980, nach Saddam Husseins Überfall auf Iran, noch einmal aufleben. Israel lieferte Waffen für die Front, die Ajatollahs revanchierten sich mit Informationen ihres Geheimdienstes über den Standort des irakischen Atomreaktors Osirak. Ein Angriff iranischer Kampfflugzeuge am 30. September 1980 hatte keinen durchschlagenden Erfolg gehabt. Der gelang dann ein Dreivierteljahr später israelischen Jagdbombern. Die iranischen Gotteskrieger nahmen diese Hilfe des alten Freundes und neuen Feindes, des »kleinen Satans Israel«, dankbar zur Kenntnis.

Der Autor ist Historiker und Politologe; er lebt in Düsseldorf

 
Leser-Kommentare
  1. es git keine natürliche Feindschaft. Dass Israel versucht hat, den Feind seines Feindes zu stärken, ist eine übliche Strategie im Kalten Krieg gewesen. Und das Israel Waffen und tTechnik an den Iran bzw. Persien verschachert hat, liegt ja schlicht daran, dass sie Geld brauchten, Freundschaft von wegen!

  2. ...richtig.Es gab immer ein kompliziertes iranisch-arabisches Verhältnis(vielleicht sind die Iraner deshalb Schiiten?),aber man sollte dies auch nicht überbewerten.Der Schah und dem ähnlich die tuerkischen Kemalisten konnten nur deshalb enge Beziehungen aufbauen weil sie ihr Volk ueberhaupt nicht gefragt haben.Die türkisch-isrealischen Beziehungen sind zur Zeit auf einem Tiefstand und der Iran hat eine radikale Revolution durchgemacht.

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    Ja, schon.

    Nur finde ich herdersche und hegelsche Kommentare wie diese etwas naiv:

    "Es war eine aus heutiger Sicht wunderliche Allianz. Wie ist sie zu erklären? Wie kam sie überhaupt zustande? Gleich vielen anderen Geschichten im Nahen Osten beginnt auch diese lange, sehr lange vor unserer Zeit. Genau genommen gründet das besondere Verhältnis zwischen Israel und Iran im Jahr 539 vor Christi Geburt."

    So eine Rückkoppelung dient der Plausibilität - und geht immer. Die Vergangenheit kann für jede Gegenwart instrumentalisiert werden, immer. Je schlechter die Argumentation, umso weiter greift der Autor zurück.

    Den Rest des Artikels fand ich so la la.

    Ja, schon.

    Nur finde ich herdersche und hegelsche Kommentare wie diese etwas naiv:

    "Es war eine aus heutiger Sicht wunderliche Allianz. Wie ist sie zu erklären? Wie kam sie überhaupt zustande? Gleich vielen anderen Geschichten im Nahen Osten beginnt auch diese lange, sehr lange vor unserer Zeit. Genau genommen gründet das besondere Verhältnis zwischen Israel und Iran im Jahr 539 vor Christi Geburt."

    So eine Rückkoppelung dient der Plausibilität - und geht immer. Die Vergangenheit kann für jede Gegenwart instrumentalisiert werden, immer. Je schlechter die Argumentation, umso weiter greift der Autor zurück.

    Den Rest des Artikels fand ich so la la.

    • Kapser
    • 19.04.2010 um 20:02 Uhr

    Es war Cyrus' Nachfolger Darius, welcher den Aufbau des Jerusalemer Tempels finanzierte.

    Hebräisch und Arabisch sind beides semitische Sprachen. Die Perser sprechen keine semitische Sprache, haben jedoch eine Abrahamische Religion übernommen.

    Zur Zeit des Cyrus und Darius existierte weder Islam noch Christentum (welche beide in den religiösen Überlieferungen des Jüdischen Volkes ihre gemeinsame Herkunft finden).
    Perser, Araber und Israelis verwenden nebst verwandter Sprache und Religion, auch einen sogenannten Lunarkalender.

    Da die Menschen heutzutage insgesamt mehr Gemeinsamkeiten miteinander teilen als vor mehr als 2500 Jahren, werden sich in Zukunft hoffentlich Regierungen bilden, unter welchen die Menschen in dieser Region endlich wieder in Frieden miteinader leben können.

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    Ja, das hoffe ich auch.
    Die globale Vernetzung und der internationale Druck, insbesondere auf den Iran (evtl. Atomprogramm) und Israel (Zwei-Staaten-Lösung/Palästinenser/einzige Atommacht i.d. Region), werden ihren Teil dazu beitragen.

    Ja, das hoffe ich auch.
    Die globale Vernetzung und der internationale Druck, insbesondere auf den Iran (evtl. Atomprogramm) und Israel (Zwei-Staaten-Lösung/Palästinenser/einzige Atommacht i.d. Region), werden ihren Teil dazu beitragen.

  3. Nun ich frag mich warum man nicht mehr auf die Rolle der USA eingegangen ist, die man in der Region nicht ausenvorlassen sollte, und die auch als SChutzmacht schon mal für den iran und gegen den Iran aufgetreten ist. Auch ist die iranische Sorge von Amerika immer mehr eingekreist zu werden und sich deshalb lieber auf ( das kleine Amerika )Israel zu konzentrieren nicht ohne die Rolle der USA in dieser Entwiklung zu verstehen die dem Irak auch giftgas und waffen gegen den Iran gelifert hat.

    Apropo warum is eingentlich nur von Sovietischen Waffenliferungen an den Irak zu lesen und nicht von den Amerikanischen ?

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    Herr Tusoalsob,
    Amerikanische Waffenlieferungen werden nicht erwähnt, da der Irak nur wenige Waffen aus USA erhielt. Die meisten Waffen lieferten UdSSR/Rußland und Frankreich. Z.B. flog die irakische Luftwaffe Mirage Kampfjets mit Exocet-Raketen.
    Giftgas hat der Irak nicht aus dem Ausland erhalten sondern selbst hergestellt, was gar nicht so schwierig ist.
    Welche anderen Mythen über USA und Israel sind Ihnen noch bekannt?

    Herr Tusoalsob,
    Amerikanische Waffenlieferungen werden nicht erwähnt, da der Irak nur wenige Waffen aus USA erhielt. Die meisten Waffen lieferten UdSSR/Rußland und Frankreich. Z.B. flog die irakische Luftwaffe Mirage Kampfjets mit Exocet-Raketen.
    Giftgas hat der Irak nicht aus dem Ausland erhalten sondern selbst hergestellt, was gar nicht so schwierig ist.
    Welche anderen Mythen über USA und Israel sind Ihnen noch bekannt?

  4. Da der der Iran bis zu Revolution 1979 eine informelle Kolonie der Briten und Amerikaner war, kann man nicht von einer israelisch-iranischen Freundschaft sprechen und das Annehmen der Waffen im Krieg gegen den Irak war wohl eher die Verzweiflungstat eines überrumpelten Landes, als ein Akt der Freundschaft.

  5. Wenn die libanesischen Christen eine nicht arabische Minderheit sind, was sind sie denn dann bitte?
    Per Defition sind alle Menschen, die Arabisch als Muttersprache sprechen, Araber. Mit dem Islam hat das nichts zu tun.

    @laudatio
    Die Iraner sind seit der Safawidenzeit (15. Jh.) Schiiten, das geschah damals in Abgrenzung zum sunnitischen Osmanischen Reich, mit den Arabern hat dies wiederum nichts zu tun.

  6. Herr Tusoalsob,
    Amerikanische Waffenlieferungen werden nicht erwähnt, da der Irak nur wenige Waffen aus USA erhielt. Die meisten Waffen lieferten UdSSR/Rußland und Frankreich. Z.B. flog die irakische Luftwaffe Mirage Kampfjets mit Exocet-Raketen.
    Giftgas hat der Irak nicht aus dem Ausland erhalten sondern selbst hergestellt, was gar nicht so schwierig ist.
    Welche anderen Mythen über USA und Israel sind Ihnen noch bekannt?

  7. 8. [...]

    Bitte verzichten Sie auf undifferenzierte Behauptungen. Die Redaktion/sh

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