Mathematische Ideen entstehen nicht im Labor und nur selten planmäßig. Man muss Zeit finden zum Nachdenken, muss Überlegungen nachhängen können, muss Ruhe haben oder auch gelegentliche Ablenkung, muss sich konzentrieren oder ausspannen. Dafür gibt es kein allgemeingültiges Erfolgsrezept. Das spiegelt sich auch in den Orten wider, an denen mathematische Ideen entstehen.

Am Schreibtisch

Der Mathematiker, sagt ein Bonmot, sei »ein mythologisches Wesen, halb Mensch, halb Stuhl.« Natürlich entsteht viel Mathematik am Schreibtisch, der nach allgemeiner Ansicht ein Ort der Ruhe, der Konzentration, ohne Ablenkung ist.

Ohne Ablenkung? Von Leonhard Euler wird berichtet, dass er konzentriert am Schreibtisch arbeiten konnte, während seine vielen

Kinder auf seinem Rücken herumturnten und ihm zwischen den Beinen herumwuselten. Aber Euler, einer der produktivsten Mathematiker der Neuzeit, war offenbar ohnehin kaum abzulenken: Auch die Erblindung 1771 hat seine Produktivität nicht ernsthaft eingeschränkt; fast die Hälfte seiner Werke entstand danach.