Christentum Nur um Liebe geht es nicht

… sondern um Gerechtigkeit. Der Theologe Johann Baptist Metz, einflussreicher Gegenspieler des Papstes, fordert eine theologische Neubesinnung

 Herzensjungfrau und Liebesbotschafterin Maria als frommes Souvenir in Lourdes

Herzensjungfrau und Liebesbotschafterin Maria als frommes Souvenir in Lourdes

In einer Zeit, in der alle Welt vom sexuellen Missbrauch vor allem in der katholischen Kirche spricht, mag es abwegig erscheinen, wenn einer zum Thema Religion an den Glutkern der Bibel zu erinnern sucht. Ich will es gleichwohl riskieren.

Gott ist Liebe, betonte das erste große Rundschreiben Benedikts XVI. Doch es gibt einen zweiten biblischen Gottesnamen, der auch in der neutestamentlichen Gottesbotschaft Widerhall und Bestätigung findet: Gott ist Gerechtigkeit. »Dies wird sein Name sein… Der Herr unsere Gerechtigkeit« (Jeremias 23,6). Dieser Gottesname mag für die Rede von einem platonischen Ideengott vernachlässigbar erscheinen, unverzichtbar ist er aber für den biblisch bezeugten Geschichtsgott. Er setzt die biblisch fundierte Gottesrede den geschichtlichen Erfahrungen der Menschen aus. Deshalb muss diese Gottesrede eine zeitempfindliche Rede sein, die nicht nur erklärt und belehrt, sondern auch selber lernt. An der Wurzel dieses biblischen Gottesnamens schlummert immer auch eine unabgegoltene Gerechtigkeitsfrage, die Frage nach der Gerechtigkeit für die unschuldig und ungerecht leidenden Opfer unseres geschichtlichen Lebens.

Anzeige
Johann Baptist Metz

Er ist einer der großen friedlichen Revolutionäre innerhalb der katholischen Theologie und neben Hans Küng der prominenteste deutsche Linkskatholik. Johann Baptist Metz, Jahrgang 1928, war Konsultor des Päpstlichen Sekretariats für die Ungläubigen und lehrte Fundamentaltheologie in Münster. Bekannt wurde er als Begründer der Neuen Politischen Theologie. Christentum ist für ihn vor allem memoria passionis, das Eingedenken von Leid, Unrecht und Gewalt.

Die literarische Heimat für den Zusammenhang von Gottesfrage und Gerechtigkeitsfrage lässt sich in den biblischen Texten und ihrer Theodizee entdecken, also dort, wo die Passionsgeschichte der Menschen von Anfang an in die Botschaft vom gerechtigkeitsschaffenden Heil der Menschheit eingerückt ist. Die Sprache dieser Traditionen sucht dem Schrei der Menschen ein Gedächtnis zu geben und der Zeit der Welt ihre Zeitlichkeit, das heißt ihre Frist. Der späte Einbruch des Zeitlichkeitsdenkens in die Religionen und Kulturen der Welt durch die biblische Apokalyptik – gestützt von der Sprache der Propheten und von der Leidenssprache der Psalmen – darf inzwischen als religions- und kulturhistorisch anerkannt gelten.

Diese apokalyptischen Texte der Bibel sind nämlich in ihrem Kern keineswegs Dokumente leichtsinniger oder zelotisch angeschärfter Untergangsfantasien, sondern literarische Zeugnisse einer Weltwahrnehmung, die die Antlitze der Opfer »aufdecken« will, Zeugnisse einer Weltsicht, die das »enthüllt«, was wirklich »der Fall ist« – gegen die in allen Weltanschauungen immer wieder auftauchende Neigung zur mythischen oder metaphysischen Verschleierung des himmelschreienden Unglücks in der Welt und gegen jene kulturelle Amnesie, die heute auch die vergangenen Leidenden unsichtbar und ihre Schreie unhörbar macht.

Die biblische Apokalyptik »enthüllt« die Spur der Leidenden in der Geschichte der Menschheit. Sie kann dazu anregen, jenes einzige große Narrativ, jene einzige »Großerzählung« zu formulieren, die uns heute – nach der Religions- und Ideologiekritik der Aufklärung, nach Marxismus und nach Nietzsche und nach den postmodernen Fragmentierungen der Geschichte – überhaupt noch geblieben ist: die Lesbarkeit der Welt als Passionsgeschichte der Menschen. »Selig, die Trauernden«, sagt Jesus in der Bergpredigt. »Selig, die Vergesslichen«, verkündet Nietzsche als Prophet der Postmoderne. Was aber wäre, wenn sich die Menschen eines Tages nur noch mit der Waffe des Vergessens gegen das Unglück und die Leidenden in der Welt wehren könnten? Wenn sie ihr eigenes Glück nur auf das mitleidlose Vergessen der Opfer bauen könnten, also auf eine kulturelle Amnesie, in der eine als fristlos imaginierte Zeit alle Wunden heilen soll? Woraus könnte dann der Aufstand gegen unschuldig und ungerecht Leidende noch seine Kraft ziehen? Was würde dann überhaupt noch zu einer größeren Gerechtigkeit, zum Ringen um eine »gemeinsame Augenhöhe« der Menschen in der Einen Welt inspirieren? Und was wäre, wenn in unserer säkularen Welt die Vision von einer letzten Gerechtigkeit endgültig verlöschen würde?

In den wuchernden Angeboten von »Spiritualitäten« müssten sich gerade Christen an den messianischen Grundzug ihres Christentums und seiner Spiritualität erinnern lassen. Jesu erster Blick ist ein messianischer Blick. Er gilt zunächst nicht der Sünde der anderen, sondern ihrem Leid. Diese messianische Leidempfindlichkeit hat nichts zu tun mit Wehleidigkeit, mit einem unfrohen Leidenskult. Sie hat aber alles zu tun mit einer biblischen Mystik der Gerechtigkeit: Gottesleidenschaft als Mitleidenschaft, als praktische Mystik der Compassion. Ein Christentum, das sich an seiner biblischen Wurzel fasst, bekommt es immer wieder damit zu tun.

Haben sich die Christen von der urbiblischen Gerechtigkeitsfrage vielleicht zu schnell und zu früh verabschiedet? Hat sich das Christentum – im Lauf der Zeit – zu ausschließlich als eine sündenempfindliche und zu wenig als eine leidempfindliche Religion interpretiert? Warum zum Beispiel tut sich die Kirche mit unschuldigen Opfern immer schwerer als mit schuldigen Tätern? Solche Fragen sind nicht rein spekulativ auszuräumen, auch nicht mit rein moralischen Appellen. Aber vielleicht mit einekirchlichen Rechtsverständnis, das unter dem Primat einer rettenden Gerechtigkeit für die unschuldig leidenden Opfer steht.

Leser-Kommentare
  1. das Gott stellen, das sie selbst erfunden haben, und nicht sich selbst und ihre Mitmenschen, solange ist diese Ideologie völlig indiskutabel.
    Von den begangenen unermesslichen Verbrechen mal gar nicht zu reden.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Es ist natürlich einfach so etwas zu behaupten, nur stellen sich mir mindestens zwei Fragen:
    1. Woher wissen Sie dass Christen "nicht sich selbst und ihre Mitmenschen in die Mitte ihres Lebens stellen"?
    2. Was heisst das überhaupt und mit welcher diskutablen Ideologie erreichen Sie dies?

    Es ist natürlich einfach so etwas zu behaupten, nur stellen sich mir mindestens zwei Fragen:
    1. Woher wissen Sie dass Christen "nicht sich selbst und ihre Mitmenschen in die Mitte ihres Lebens stellen"?
    2. Was heisst das überhaupt und mit welcher diskutablen Ideologie erreichen Sie dies?

  2. über uns alle. Ja, alle sind wir schuldig, müssen wir, direkt oderund indirekt, schuldig werden (am Leid von Mitgeschöpfen, seien es Menschen, oder auch - dazu schweigt die Bibel aber eher, Tiere), der eine mehr, der andere weniger, früher meist direkt, heute eher indirekt).
    Die große Endgerechtigkeit, das "Jüngste Gericht", das ist wahrlich eine Idee mit Sprengkraft - die es gleichwohl im Islam auch gibt, und die es wohl auch außerhalb der Bibel schon in Ansätzen gab.
    Mal andersrum besehen: Warum klagen? Die große Gerechtigkeit kommt ja erst am Ende - oder: Sind wir da vielleicht schon mitten drin?!?
    Wenn man sich bedenkt, wie sehr wir uns mit all den Verfehlungen unserer Vorgänger und auch von uns selbst befassen, und eben auch belasten, mit den Opfern, den Massen von Opfern, die unseren Weg säumen - das frisst viele von uns quasi auf, womit wir dann, rein biologisch besehen, auch am Ende sind.
    Ja, es ist schon erstaunlich, wie wenig die (großen) Kirchen sich der Bibelaussage über die große Endgerechtigkeit stellen, stattdessen, wie weltliche Strömungen, gern von der großen irdischen Zukunft träumen - und zwar eine, die auch über Generationen, quasi für immer, anhalten könne...!
    Das himmlische Jerualem ist abereben nicht auf der Erde - sondern im Himmel, (oder wenn schon auf Erden, dann aber nur für kurze Zeit)...

    • Crest
    • 17.04.2010 um 23:38 Uhr

    besser gleich das "Original", etwa den Hinduismus.

    Dort erhält man noch passgenauere Aufrechnungen (für Krämerseelen).

    Herzlichst Crest

  3. Wann auch immer ich der Gerechtigkeit gedachte,fiel der Name des Zaddik mir ein.Nie hätte je die Liebe bestehen können,ohne den ZaddikAuch wenn es welche gab,die böse wurden,als ich von Gerechtigkeit sprach,so war mir freilich gleich bewußt,daß dies nicht meine Bosheit ist:Gerechtigkeit ist nicht gleich Bosheit.Vielmehr ist die Gerechtigkeit mit Liebe und Güte gepaart."Der Gerechte gedeiht wie die Zeder am Libanon"Gerechtsein heißet zugleich Liebsein.Mit solchen,die Gerechtsein mit Böse-Sein gleichsetzen,könnte man Mal ander Mal darüber reden.Daß der Gerechte Gottes,der Herr Jesus Christus,der Zaddik ist,der Heilige Gottes,das bleibet die Wurzel Abrahams.Bleibet die Schar der Heiden

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich zitierte frei die Stelle von den Zedern des Libanon,die dem Gerechten gleichen.Heute lese ich Psalm 29,5:"Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern,/der Herr zerschmettert die Zedern des Libanon.Er läßt den Libanon hüpfen wie ein Kalb.".Wie kann denn die Stimme des Herrn die Zedern zerbrechen?.Die Zedern des Libanon bleiben im Staatswappen des Libanon verbürgt:Klar bleibet,daß der Gerechte des Herrn zerbrechen muß wie die Zeder des Libanon,-ogbleich die Zeder das stabilste Holz liefert.So soll zerschmettert bleiben die Zeder des Libanon?Er richtet alle wieder auf.So können wir gedenken des Herrn.Mehr hierzu kann ich nicht hinzufügen.

    Ich zitierte frei die Stelle von den Zedern des Libanon,die dem Gerechten gleichen.Heute lese ich Psalm 29,5:"Die Stimme des Herrn zerbricht die Zedern,/der Herr zerschmettert die Zedern des Libanon.Er läßt den Libanon hüpfen wie ein Kalb.".Wie kann denn die Stimme des Herrn die Zedern zerbrechen?.Die Zedern des Libanon bleiben im Staatswappen des Libanon verbürgt:Klar bleibet,daß der Gerechte des Herrn zerbrechen muß wie die Zeder des Libanon,-ogbleich die Zeder das stabilste Holz liefert.So soll zerschmettert bleiben die Zeder des Libanon?Er richtet alle wieder auf.So können wir gedenken des Herrn.Mehr hierzu kann ich nicht hinzufügen.

  4. Es ist natürlich einfach so etwas zu behaupten, nur stellen sich mir mindestens zwei Fragen:
    1. Woher wissen Sie dass Christen "nicht sich selbst und ihre Mitmenschen in die Mitte ihres Lebens stellen"?
    2. Was heisst das überhaupt und mit welcher diskutablen Ideologie erreichen Sie dies?

  5. Zu behaupten, Gott wäre gerecht, setzt auf die Herz- oder Informationslosigkeit des Zuhörers.

    Was war am Massenmord von Babys, Kleinkindern und unzähligen Tieren gerecht?! (ägypt. Plagen, Sintflut)
    Was bleibt seine Gerechtigkeit beim tausendfachen Mörder Mose?! (Ex 32,27ff) (Nicht einmal ermahnende Worte, nachdem Mose wie Osama Bin Laden handelte!)
    Was ist an der Bestrafung für Gedankenverbrechen gerecht?! (Matt. 5,22) Nur für GEDANKEN strafen ist GERECHT?!
    Wo ist seine Gerechtigkeit bei der Billigung der Sklaverei?! (z.B. Lev,25,44-46, 1Pet 2,18 und Kol,3,22)
    Wo ist seine Gerechtigkeit bei der Aufforderung zur Kindererziehung durch Prügel?! (u.a. Heb 12,6-9)
    Was ist gerecht an der Vorverurteilung und der ewig währenden Strafe für Anders- und Nichtgläubige?! (Mk 16,16, Joh 3,36 u.v.m.)
    Was ist gerecht an der Herabstufung der Frauen? (1Kor 11,3 9-12)
    Was ist gerecht daran, zwar das Verbot anderer Religionen in die 10 Gebote aufzunehmen, aber z.B. nicht das Verbot jeglicher Gewalt oder die Meinungsfreiheit oder die Tierrechte oder die Abschaffung der Todesstrafe oder die Toleranz gegen Schwule, Fremde u.ä.? (s.d.)
    Was ist gerecht an Millionen Opfern und Obdachlosen durch Naturkatastrophen, die allesamt von Gott kommen?! (Mt 10,29)

    Diese Liste ist nahezu endlos fortsetzbar. Man muss sich wirklich einen persönlichen Individual-Gott zusammenbasteln bzw. -phantasieren/-träumen/-wünschen, um am Ende noch behaupten zu können, Gott wäre gerecht...

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Gott als der Gerechte ist der gütige,verzeihende Gott,wie Er am Kreuze sich offenbarte.Dem ist nichts hinzuzufügen.

    Gott als der Gerechte ist der gütige,verzeihende Gott,wie Er am Kreuze sich offenbarte.Dem ist nichts hinzuzufügen.

    • Logine
    • 18.04.2010 um 9:14 Uhr

    Nach meiner Ansicht ist eine religiös begründete Ethik - und darum dreht sich die Frage der Gerechtigkeit ja grundsätzlich - entweder willkürlich oder nutzlos. Nur wenn der Mensch das Gute tut, weil es an sich, nach humanistischen Grundsätzen gut ist, das Leid mindert, das Wohl fördert, ist es gut. Nicht, weil irgendein über allem stehendes Prinzip es befiehlt. Schon Sokrates lässt seinen Euphytrion an der göttlichen Autorität und Deutungshoheit zweifeln.

    Schon die Idee des Absoluten steht im Widerspruch zur Zufälligkeit, dem Gesetz von Ursache und Wirkung, das das gesamte belebte und unbelebte Universum durchdringt.

    Das Urteil über gut und schlecht, Liebe, Heil, Gerechtigkeit (ja gar das Christentum als solchem) ist m.E. nur narrativ, in der Retrospektive möglich.

    Der Titel des Beitrags hat mich zugegebenermassen in die Irre geführt. Ich hätte gehofft, der Autor würde die Kirche daran erinnern, dass auch und gerade sie sie und ihre Vertreter diesen Göttern (oder besser Idealen) der Liebe und Gerechtigkeit, die sie seit Jahrhunderten verkünden, verpflichtet sind.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sehr geehrter Herr!
    Sokrates starb den Tod eines Gerechten,-wie mein Lehrer mir dies beibrachte.Bei Platon hieß es demgemäß,daß der vollkommen Gerechte würde sterben müssen.Vor dem Tode opferte Sokrates einen Hahn(dem Gott der Heilkunst,soweit ich dies recht weiß).Damals lernte ich,daß der vollkommen Gerechte den Tod erleiden müsse( laut Platon)Diese Rede vom Vollkommen-Gerechten ging mir niemals aus dem Ohr.Daß Christus diesen Tod erleiden mußte,bleibet für mich völlig gewiss.Er war ja auch ein Gerechter im höchsten Sinne.
    Mein Beitrag ist:Bevor jemand vom Christentum spricht und dieses auch verurteilen könnte,mag doch die persönliche Hinwendung ans Herz kommen,so daß ein Jeder damit konfrontiert bleibet:Wie steht es um Dein Herz,erinnere ich mich,sprach Karl Barth den Seinen zu(Ich bin freilich nicht evangelisch,schätze dies aber zuhöchst) .Dies bleibet mir ein Denken an den Wahren.
    Hinauszugehen in die Welt der Politik,-das freilich bleibet groß und frei.Letztlich verbleiben nur wenige Größen.wie etwa Richard von Weizsäcker,die in ihren Worten dem Geheimnis sehr treu bleiben.
    mit besten grüßen
    tg

    mit Ihrer Feststellung zum Artikel "Der Titel des Beitrags hat mich zugegebenermassen in die Irre geführt. Ich hätte gehofft, der Autor würde die Kirche daran erinnern, dass auch und gerade sie sie und ihre Vertreter diesen Göttern (oder besser Idealen) der Liebe und Gerechtigkeit, die sie seit Jahrhunderten verkünden, verpflichtet sind."

    Genau so erging es mir auch beim Lesen dieser "hochgelahrten" völlig "unrevolutionären" Salbaderei. Jedenfalls hat sie kaum bis gar nichts damit zu tun, was Jesus den Evangelien-Überlieferungen zufolge als "Gerechtigkeit" zu vermitteln versuchte.
    Mir ist zudem überhaupt nicht klar geworden, wer die Adressaten dieses mühselig zu lesenden Artikels sein sollen.

    Von dem im Titel vorgestellten sogen."Papst-Gegenspieler", hätte ich erwartet, dass er seine Chance als prominenter Theologe in diesen stürmischen Zeiten anders nutzt.

    Prof. Hans Küng hat sich dagegen in einem offenen Brief in klarer Sprache weltweit direkt an die Bischöfe wendet, wie z.B. Spiegel-Online berichtet:
    http://www.spiegel.de/pan...

    Sehr lesenswert auch darin, wie der Tübinger Theologe Hermann Häring unmissverständlich den Zustand der Vatikankirche analysiert.

    Über diesen aktuellen Zünstoff hätte ZEIT-Online stattdessen berichten sollen.

    Sehr geehrte/r Herr/Frau logine,

    auch eine humanistische Ethik wäre demnach aber nutzlos und willkürlich, denn was ist denn bitte das Humane in bestimmten Situationen? Es kann durchaus gerechtfertigt sein, zu sagen, ich lasse andere Menschen verhungern, denn ansonsten reichen die Nahrungsmittel vielleicht nicht für alle. Mancher findet ja auch (auch auf linker Seite), dass der Sozialstaat abgeschafft werden sollte, denn er lulle die Menschen ein und mache sie zu dahindämmernden Existenzen ohne Ziel. Wer soll da entscheiden? Wieder ein ZK der KPdSU? Das war auch nicht besser. Und auch bei den Schlüssen eines Jeremy Bentham kräuseln sich mir die Haare. Wenn sie ethische Philosophie überblicken, merken sie schnell, dass sie alles mögliche rechtfertigen können, also müssen sie sich entscheiden undd dafür brauchen sie einen Maßstab, nur welchen?
    Religiöse Ethiken haben demgegenüber den Vorteil, dass sie auf Ethiken beruhen, die nicht von ihnen stammen, sondern von einer Instanz, die mehr als wir in der Lage ist, abzusehen, was wirklich nützlich und gerecht ist, denn Gott ist ja auch Herr über die Zeiten und allwissend. Außerdem binden religiöse Ethiken Menschen stärker als rein logische. Darüber hat Herr Schnabel von der ZEIT mal geschrieben. Religiöse Menschen leisten oft mehr und länger als ihre Zeitgenossen, weil sie nicht nur aus Verstand handenln, sondern wenn dann mit Herz (wobei ihre Handlungen dann nicht immer gut sein müssen). Da ist noch viel zu verstehen.

    MfG

    Hainer

    Sehr geehrter Herr Hainer,

    vor allem Sie, der immer wieder andere, wie zum Beispiel "Eagle_1", darauf aufmerksam macht, dass man keine "Zerrbilder über die Katholische Kirche" machen soll, was ja vollkommen richtig ist, sollten nicht den gleichen Fehler begehen wie Eagle_1. (Links sofort mit KPdSU zu verbinden, ist ebenfalls eine Diffamation bzw. ein Zerrbild über die Linken.)
    Denn ein Dummkopf, der über die Dummheit eines anderen lacht, ist nicht nur dumm, sondern auch nervend. Etwas freundlicher formuliert kann man auch sagen:
    "Das, was du nicht willst, dass man dir tu,
    das füge auch keinem anderen zu."
    Das wäre die Devise, nach der sich jeder Mensch orientieren sollte, weil sie humanistisch ist. Wenn Sie nun wissen wollen, was Humanismus ist, dann lesen Sie sich am besten folgende Seite durch, da Sie nach Maßstäben gefragt haben, wonach sich die Humanisten richten:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Darüber hinaus sollten Sie, wenn Sie schon ein negatives Beispiel nennen ("was ist denn bitte das Humane in bestimmten Situationen? Es kann durchaus gerechtfertigt sein, zu sagen, ich lasse andere Menschen verhungern, denn ansonsten reichen die Nahrungsmittel vielleicht nicht für alle"), dann sollten Sie uns vielleicht auch sagen, was für einen Vorschlag denn die Religion darauf hätte? Sie wäre in diesem Fall genauso ratlos oder besser gesagt, auch Ihre Entscheidung wäre anzuzweifeln, ob sie denn die richtige Wahl treffen würde.

    Zudem würde ich Sie gerne folgendes fragen: Woher wissen Sie, ob es Gott wirklich gibt? Vielleicht gibt es ihn ja gar nicht. Oder ob die Bibel in Wirklichkeit nicht ein Produkt der kreativen Fantasie von Menschen war?
    Die Antwort lautet schlicht: Man kann weder die Existenz noch das Nicht-Vorhanden-Sein Gottes beweisen, undzwar genauso wenig, ob es besser ist, sich an eine religiöse oder humanistische Ethik zu halten.
    Doch eines kann man ganz gewiss sagen, nämlich, dass man als rational denkender Mensch aus der Ungewissheit, ob es Gott gibt oder nicht, den Schluss ziehen sollte, dass es schlecht für die Menschen stünde, wenn Sie sich auf etwas (z.B. Gott) verlassen würden, von dem sie gar nicht sicher wären, ob es Ihn denn wirklich gibt und er hinter ihnen steht. Aus diesem Grunde ist es ratsamer, die Dinge selber in die Hand zu nehmen und nach dem Ermessen der Vernunft und des Humanismus zu handeln, anstatt sich auf Gott zu berufen, von dem man gar nicht weiß, ob er existiert oder nicht.
    Einen Vorteil haben die religiösen Ethiken sicherlich nicht, da die Gottessfrage, wie Sie selber in Ihrem Kommentar "21.Wechsel zwischen Extremen" "eine unentschiedene" ist. Daraus lässt sich selbstverständlich entnehmen, dass man die religiöse Ethik nicht als besser ansehen kann, mit dem Argument: sie stamme "von einer Instanz, die mehr als wir in der Lage ist, abzusehen, was wirklich nützlich und gerecht ist", da man halt nicht weiß, ob es denn wirklich einen Gott gibt!

    Außerdem würde ich gerne folgendes sagen: Gläubige handeln nicht mit Herz, sondern aus Gottesfurcht. Sie halten sich an die Gebote, weil Sie ansonsten fürchten, von Gott verurteilt zu werden.
    Ein Atheist hingegen handelt aus eigener, innerer Überzeugung moralisch, wenn er dies denn tut, und nicht weil er Angst hat, dass ihn Gott bestraft. Das heißt, dass der Atheist aus wahrer Liebe bzw. mit Herz handelt, da er aus uneigennützigen Gründen handelt, während die Gläubigen aus Furcht bzw. Egoismus handeln, denn der eigentliche Kerngedanke von Ihnen ist es, dass sie ins Paradies kommen, deshalb handeln sie moralisch.
    Darum ist mir ein gut handelnder Atheist lieber als ein gut handelnder Christ.
    Doch ein skeptischer Gläubiger wiederum ist mir lieber als ein gläubiger Atheist, wie Blaise Pascal es sagte.

    MfG

    Dosojewskij

    Sehr geehrter Herr!
    Sokrates starb den Tod eines Gerechten,-wie mein Lehrer mir dies beibrachte.Bei Platon hieß es demgemäß,daß der vollkommen Gerechte würde sterben müssen.Vor dem Tode opferte Sokrates einen Hahn(dem Gott der Heilkunst,soweit ich dies recht weiß).Damals lernte ich,daß der vollkommen Gerechte den Tod erleiden müsse( laut Platon)Diese Rede vom Vollkommen-Gerechten ging mir niemals aus dem Ohr.Daß Christus diesen Tod erleiden mußte,bleibet für mich völlig gewiss.Er war ja auch ein Gerechter im höchsten Sinne.
    Mein Beitrag ist:Bevor jemand vom Christentum spricht und dieses auch verurteilen könnte,mag doch die persönliche Hinwendung ans Herz kommen,so daß ein Jeder damit konfrontiert bleibet:Wie steht es um Dein Herz,erinnere ich mich,sprach Karl Barth den Seinen zu(Ich bin freilich nicht evangelisch,schätze dies aber zuhöchst) .Dies bleibet mir ein Denken an den Wahren.
    Hinauszugehen in die Welt der Politik,-das freilich bleibet groß und frei.Letztlich verbleiben nur wenige Größen.wie etwa Richard von Weizsäcker,die in ihren Worten dem Geheimnis sehr treu bleiben.
    mit besten grüßen
    tg

    mit Ihrer Feststellung zum Artikel "Der Titel des Beitrags hat mich zugegebenermassen in die Irre geführt. Ich hätte gehofft, der Autor würde die Kirche daran erinnern, dass auch und gerade sie sie und ihre Vertreter diesen Göttern (oder besser Idealen) der Liebe und Gerechtigkeit, die sie seit Jahrhunderten verkünden, verpflichtet sind."

    Genau so erging es mir auch beim Lesen dieser "hochgelahrten" völlig "unrevolutionären" Salbaderei. Jedenfalls hat sie kaum bis gar nichts damit zu tun, was Jesus den Evangelien-Überlieferungen zufolge als "Gerechtigkeit" zu vermitteln versuchte.
    Mir ist zudem überhaupt nicht klar geworden, wer die Adressaten dieses mühselig zu lesenden Artikels sein sollen.

    Von dem im Titel vorgestellten sogen."Papst-Gegenspieler", hätte ich erwartet, dass er seine Chance als prominenter Theologe in diesen stürmischen Zeiten anders nutzt.

    Prof. Hans Küng hat sich dagegen in einem offenen Brief in klarer Sprache weltweit direkt an die Bischöfe wendet, wie z.B. Spiegel-Online berichtet:
    http://www.spiegel.de/pan...

    Sehr lesenswert auch darin, wie der Tübinger Theologe Hermann Häring unmissverständlich den Zustand der Vatikankirche analysiert.

    Über diesen aktuellen Zünstoff hätte ZEIT-Online stattdessen berichten sollen.

    Sehr geehrte/r Herr/Frau logine,

    auch eine humanistische Ethik wäre demnach aber nutzlos und willkürlich, denn was ist denn bitte das Humane in bestimmten Situationen? Es kann durchaus gerechtfertigt sein, zu sagen, ich lasse andere Menschen verhungern, denn ansonsten reichen die Nahrungsmittel vielleicht nicht für alle. Mancher findet ja auch (auch auf linker Seite), dass der Sozialstaat abgeschafft werden sollte, denn er lulle die Menschen ein und mache sie zu dahindämmernden Existenzen ohne Ziel. Wer soll da entscheiden? Wieder ein ZK der KPdSU? Das war auch nicht besser. Und auch bei den Schlüssen eines Jeremy Bentham kräuseln sich mir die Haare. Wenn sie ethische Philosophie überblicken, merken sie schnell, dass sie alles mögliche rechtfertigen können, also müssen sie sich entscheiden undd dafür brauchen sie einen Maßstab, nur welchen?
    Religiöse Ethiken haben demgegenüber den Vorteil, dass sie auf Ethiken beruhen, die nicht von ihnen stammen, sondern von einer Instanz, die mehr als wir in der Lage ist, abzusehen, was wirklich nützlich und gerecht ist, denn Gott ist ja auch Herr über die Zeiten und allwissend. Außerdem binden religiöse Ethiken Menschen stärker als rein logische. Darüber hat Herr Schnabel von der ZEIT mal geschrieben. Religiöse Menschen leisten oft mehr und länger als ihre Zeitgenossen, weil sie nicht nur aus Verstand handenln, sondern wenn dann mit Herz (wobei ihre Handlungen dann nicht immer gut sein müssen). Da ist noch viel zu verstehen.

    MfG

    Hainer

    Sehr geehrter Herr Hainer,

    vor allem Sie, der immer wieder andere, wie zum Beispiel "Eagle_1", darauf aufmerksam macht, dass man keine "Zerrbilder über die Katholische Kirche" machen soll, was ja vollkommen richtig ist, sollten nicht den gleichen Fehler begehen wie Eagle_1. (Links sofort mit KPdSU zu verbinden, ist ebenfalls eine Diffamation bzw. ein Zerrbild über die Linken.)
    Denn ein Dummkopf, der über die Dummheit eines anderen lacht, ist nicht nur dumm, sondern auch nervend. Etwas freundlicher formuliert kann man auch sagen:
    "Das, was du nicht willst, dass man dir tu,
    das füge auch keinem anderen zu."
    Das wäre die Devise, nach der sich jeder Mensch orientieren sollte, weil sie humanistisch ist. Wenn Sie nun wissen wollen, was Humanismus ist, dann lesen Sie sich am besten folgende Seite durch, da Sie nach Maßstäben gefragt haben, wonach sich die Humanisten richten:
    http://de.wikipedia.org/w...

    Darüber hinaus sollten Sie, wenn Sie schon ein negatives Beispiel nennen ("was ist denn bitte das Humane in bestimmten Situationen? Es kann durchaus gerechtfertigt sein, zu sagen, ich lasse andere Menschen verhungern, denn ansonsten reichen die Nahrungsmittel vielleicht nicht für alle"), dann sollten Sie uns vielleicht auch sagen, was für einen Vorschlag denn die Religion darauf hätte? Sie wäre in diesem Fall genauso ratlos oder besser gesagt, auch Ihre Entscheidung wäre anzuzweifeln, ob sie denn die richtige Wahl treffen würde.

    Zudem würde ich Sie gerne folgendes fragen: Woher wissen Sie, ob es Gott wirklich gibt? Vielleicht gibt es ihn ja gar nicht. Oder ob die Bibel in Wirklichkeit nicht ein Produkt der kreativen Fantasie von Menschen war?
    Die Antwort lautet schlicht: Man kann weder die Existenz noch das Nicht-Vorhanden-Sein Gottes beweisen, undzwar genauso wenig, ob es besser ist, sich an eine religiöse oder humanistische Ethik zu halten.
    Doch eines kann man ganz gewiss sagen, nämlich, dass man als rational denkender Mensch aus der Ungewissheit, ob es Gott gibt oder nicht, den Schluss ziehen sollte, dass es schlecht für die Menschen stünde, wenn Sie sich auf etwas (z.B. Gott) verlassen würden, von dem sie gar nicht sicher wären, ob es Ihn denn wirklich gibt und er hinter ihnen steht. Aus diesem Grunde ist es ratsamer, die Dinge selber in die Hand zu nehmen und nach dem Ermessen der Vernunft und des Humanismus zu handeln, anstatt sich auf Gott zu berufen, von dem man gar nicht weiß, ob er existiert oder nicht.
    Einen Vorteil haben die religiösen Ethiken sicherlich nicht, da die Gottessfrage, wie Sie selber in Ihrem Kommentar "21.Wechsel zwischen Extremen" "eine unentschiedene" ist. Daraus lässt sich selbstverständlich entnehmen, dass man die religiöse Ethik nicht als besser ansehen kann, mit dem Argument: sie stamme "von einer Instanz, die mehr als wir in der Lage ist, abzusehen, was wirklich nützlich und gerecht ist", da man halt nicht weiß, ob es denn wirklich einen Gott gibt!

    Außerdem würde ich gerne folgendes sagen: Gläubige handeln nicht mit Herz, sondern aus Gottesfurcht. Sie halten sich an die Gebote, weil Sie ansonsten fürchten, von Gott verurteilt zu werden.
    Ein Atheist hingegen handelt aus eigener, innerer Überzeugung moralisch, wenn er dies denn tut, und nicht weil er Angst hat, dass ihn Gott bestraft. Das heißt, dass der Atheist aus wahrer Liebe bzw. mit Herz handelt, da er aus uneigennützigen Gründen handelt, während die Gläubigen aus Furcht bzw. Egoismus handeln, denn der eigentliche Kerngedanke von Ihnen ist es, dass sie ins Paradies kommen, deshalb handeln sie moralisch.
    Darum ist mir ein gut handelnder Atheist lieber als ein gut handelnder Christ.
    Doch ein skeptischer Gläubiger wiederum ist mir lieber als ein gläubiger Atheist, wie Blaise Pascal es sagte.

    MfG

    Dosojewskij

    • star
    • 18.04.2010 um 9:33 Uhr

    Es ist wohltuend, diesen Artikel zu lesen, weil er – über alle Grabenkämpfe von Religionen und Kulturen hinweg - uns Menschen auf das hinweist, was uns Menschen im Innersten zusammenhalten sollte und müsste, wenn wir denn unseren interreligiösen Auftrag, nämlich den Erhalt von Frieden, Gerechtigkeit und Bewahrung der Schöpfung ernst nehmen.

    Alle großen Religionen der Menschheit sind um eine Mystik des Leidens konzentriert. Metz stellt fest: „Fremdes Leid wahrzunehmen ist unerlässliche Bedingung aller universalen moralischen Ansprüche.“ In diesem Zusammenhang verwendet Metz das Wort „Compassion“ als Zentralaussage „für das Weltprogramm der biblischen Religionen im Zeitalter der Globalisierung. Diese Compassion als teilnehmende Wahrnehmung fremden Leids, als Eingedenken des Leids der anderen, ist in meinen Augen die biblische Mitgift für Europa.“

    Das leer bleibende Kreuz in A. Seghers Roman „Das siebte Kreuz“ vermag Ansporn und Herausforderung für einen jeden Menschen in der Gegenwart zu sein, mit Hilfe seines Verhaltens dazu beizutragen, dass die Anzahl der nicht ans Kreuz geschlagenen Menschen in der Gegenwart durch unser jeweiliges persönliches Verhalten im Alltag verringert werden kann. Das siebte Kreuz der Potentaten von heute muss leer bleiben durch unsere nicht nachlassende Solidarität und Empathie mit denjenigen, die Kreuzesleiden erfahren, die ihrer Menschenwürde beraubt und ihrer göttlichen Schöpferidentität beraubt werden.

    Paul Haverkamp, Lingen

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service