Kunst-ProjektDie Kunst der Stadt

Vorboten einer Ausstellung: Der Künstler Olafur Eliasson spielt mit unserer Wahrnehmung des Alltags von 

Spiegelinstallation in Berlin von Olafur Eliasson

Spiegelinstallation in Berlin von Olafur Eliasson  |  © 2009-2010 Olafur Eliasson

Ein ganz normales Fahrrad steht da am Straßenrand, nur mit den Rädern stimmt was nicht. Weiße Kreidelinien im Park führen ins Nichts, oder doch bloß ins Gebüsch? Baumstämme liegen auf dem Bürgersteig herum, wie sind die hier gelandet? Und was ist mit all diesen runden Spiegeln? Und mit den Spiegeln, die sich in Spiegeln spiegeln, die sich in Spiegeln spiegeln?

Das Kunstprojekt
Innen Stadt Außen: Olafur Eliassons Arbeiten in Berlin

Innen Stadt Außen: Olafur Eliassons Arbeiten in Berlin  |  © Olafur Eliasson

Einige der Objekte, die auf den vorangegangenen acht Seiten zu sehen sind, stehen oder liegen schon seit Wochen auf den Straßen und Plätzen Berlins, ohne Kommentar, ohne Erklärung, ohne jeden Hinweis darauf, dass es sich um Kunstwerke handelt. In die Welt gesetzt hat sie der dänisch-isländische Künstler Olafur Eliasson, 43, der auch diese Seiten für das ZEITmagazin gestaltet hat.

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Olafur Eliasson
Olafur Eliasson

wurde 1967 geboren, wuchs in Island auf und studierte in Kopenhagen. Seit 2009 leitet er als Professor an der Universität der Künste in Berlin das Institut für Raumexperimente

Eliasson ist nicht nur einer der weltweit wichtigsten und erfolgreichsten Künstler der Gegenwart. Er ist auch, im allerbesten Sinne: der populärste. Das zeigt sich nicht nur an den Tausenden von Besuchern, die seit Jahren zu seinen Installationen und Ausstellungen strömen – sein Weather Project im Londoner Museum Tate Modern, eine künstliche Sonne in feinem Nebel, sahen zwischen Oktober 2003 und März 2004 mehr als zwei Millionen Menschen, viele von ihnen legten sich stundenlang auf den Boden, um das Kunstwetter auf sich wirken zu lassen. Verstörender war der Effekt anderer Eliasson-Projekte: Im Jahr 2000 färbte er das Wasser der Bucht vor Stockholm vorübergehend giftgrün – zwar mit einem garantiert umweltfreundlichen Farbstoff, dennoch sehr zum Schrecken der Stockholmer. Dieses »Green River«-Experiment führte Eliasson auch in Moss in Norwegen, in Los Angeles, Tokyo und Bremen durch. Bei Utrecht entdeckten Autofahrer 1999 einen doppelten Sonnenuntergang (einen davon hatte Eliasson mithilfe einer gelben Scheibe gebastelt, Durchmesser: 38 Meter), an der Südspitze Manhattans errichtete er 2008 vier Wasserfälle, die New York City Waterfalls .

Schon in der Wahl seiner Ausstellungsorte zeigt sich, dass Olafur Eliasson Kunst als öffentliche Angelegenheit versteht. Anstatt die Menschen nur ins Museum zu bitten, geht er mit seinen Kunstwerken dahin, wo die Menschen sind.

Seit 1994 lebt Eliasson hauptsächlich in Berlin und in seiner Geburtsstadt Kopenhagen. In seinem riesigen Atelier in Prenzlauer Berg, in dem stets 30 bis 50 Leute in wechselnden Teams arbeiten – Architekten, Kunsthistoriker, Designer, diverse Technikexperten –, bereitet Eliasson derzeit die Eröffnung seiner nächsten großen Ausstellung vor. Unter dem Titel Innen Stadt Außen wird sie vom 28. April an im Berliner Martin-Gropius-Bau zu besichtigen sein.

Aber eben nicht nur dort. Sondern eben auch, seit Wochen und Monaten schon, auf den Straßen und Plätzen Berlins. Und nun auch in diesem Magazin.

Wird die Ausstellung also wirklich erst am 28. April eröffnet? Oder läuft sie vielleicht schon längst? Und was hat es denn nun mit all diesen Spiegeln und herumliegenden Baumstämmen auf sich?

Eliasson könnte dazu einiges sagen – aber erst im nächsten ZEITmagazin. Jetzt sollen, so will er es, seine Stadtkunstwerke für sich sprechen, ohne Worte.

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Leserkommentare
  1. ja und wo sind jetzt die bilder (BILDSTRECKE)???

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  • Schlagworte Ausstellung | Fahrrad | Künstler | Museum | Spiegel | Architekt
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