ZEITmagazin: Herr Asül, Sie werden als Kabarettist sowohl von Ihrem Publikum als auch von der Presse hoch gelobt. Gab es im Hinblick auf den Beruf jemals Selbstzweifel?

Django Asül: Nein, weil ich ganz naiv und unbekümmert an die Sache herangegangen bin. Ich habe mir gesagt, och, ich probiere das jetzt mal, das scheint eine spaßige Angelegenheit zu sein, und wenn ich es nicht kann, dann lasse ich es eben bleiben. Und wenn man dann mitkriegt, dass es funktioniert, hätten Selbstzweifel ja fast krankhafte Züge.

ZEITmagazin: Ihre Karriere klingt so spielerisch leicht. Hatten Sie nie eine Krise, gab es nie einen Wendepunkt?

Asül: Doch, aber kurioserweise war das genau der Ausgangspunkt für mich, um Kabarettist zu werden. Ich hatte Abitur gemacht, dann eine Bankausbildung, und das war auch eine gute Sache. Das würde ich jedem empfehlen. Aber gegen Ende der Ausbildung habe ich mir gedacht, sag mal, war es das jetzt? Irgendwie dachte ich damals, am Ende einer Entwicklung angekommen zu sein.

ZEITmagazin: Wie hat sich das angefühlt?

Asül: Es war so ein Gefühl, in eine Sackgasse geraten zu sein. Was mich plötzlich so unheimlich deprimiert hat, war der Gedanke, so, und jetzt hängst du immer von Montag bis Freitag in der Bank fest. Ich hatte Angst vor dem Trott.

ZEITmagazin: Und was war Ihre Rettung?

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Asül: Das war dieser glückliche Zufall, dass ich just zu der Zeit den Matthias Beltz live gesehen habe, ohne genau zu wissen, wieso ich da eigentlich rein bin. Ich saß in der zweiten Reihe und habe ihn beobachtet und gedacht: Wahnsinn, der hat keine Requisiten, nichts, der redet zwei Stunden, und die Leute haben ihren Spaß. Aber ich habe gedacht, das kannst du nicht. Das war so ein Moment, der schon sehr frustrierend war. Doch am nächsten Tag bin ich wieder hin, habe ganz vorne gesessen. Es war so eine Kleinkunstbühne, Beltz war bloß anderthalb Meter von mir entfernt. Und plötzlich, in der Pause, habe ich mir gedacht: Doch, das versuchst du auch. Es war ein völlig irrationaler Gedanke, weil ich nicht wusste, wie geht das überhaupt. Ich hätte genauso gut sagen können, so, ich werde jetzt Astronaut oder Lothar Matthäus. Das erscheint mir im Rückblick so was von absurd.