Gespräch mit Django Asül "Och, ich probier das jetzt mal"
Der Kabarettist Django Asül, der seit 1997 immer wieder durch Deutschland tourt, spricht über seinen kalten Einstieg in den Beruf.
ZEITmagazin: Herr Asül, Sie werden als Kabarettist sowohl von Ihrem Publikum als auch von der Presse hoch gelobt. Gab es im Hinblick auf den Beruf jemals Selbstzweifel?
Django Asül: Nein, weil ich ganz naiv und unbekümmert an die Sache herangegangen bin. Ich habe mir gesagt, och, ich probiere das jetzt mal, das scheint eine spaßige Angelegenheit zu sein, und wenn ich es nicht kann, dann lasse ich es eben bleiben. Und wenn man dann mitkriegt, dass es funktioniert, hätten Selbstzweifel ja fast krankhafte Züge.
ZEITmagazin: Ihre Karriere klingt so spielerisch leicht. Hatten Sie nie eine Krise, gab es nie einen Wendepunkt?

37, geboren und aufgewachsen in Niederbayern, absolvierte zunächst eine Ausbildung zum Tennislehrer und eine zum Bankkaufmann, bevor er sich Mitte der neunziger Jahre dem Kabarett zuwandte. Seit 1997 tourt er immer wieder durch Deutschland. Asül ist türkischer Staatsbürger.
Asül: Doch, aber kurioserweise war das genau der Ausgangspunkt für mich, um Kabarettist zu werden. Ich hatte Abitur gemacht, dann eine Bankausbildung, und das war auch eine gute Sache. Das würde ich jedem empfehlen. Aber gegen Ende der Ausbildung habe ich mir gedacht, sag mal, war es das jetzt? Irgendwie dachte ich damals, am Ende einer Entwicklung angekommen zu sein.
ZEITmagazin: Wie hat sich das angefühlt?
Asül: Es war so ein Gefühl, in eine Sackgasse geraten zu sein. Was mich plötzlich so unheimlich deprimiert hat, war der Gedanke, so, und jetzt hängst du immer von Montag bis Freitag in der Bank fest. Ich hatte Angst vor dem Trott.
ZEITmagazin: Und was war Ihre Rettung?
Asül: Das war dieser glückliche Zufall, dass ich just zu der Zeit den Matthias Beltz live gesehen habe, ohne genau zu wissen, wieso ich da eigentlich rein bin. Ich saß in der zweiten Reihe und habe ihn beobachtet und gedacht: Wahnsinn, der hat keine Requisiten, nichts, der redet zwei Stunden, und die Leute haben ihren Spaß. Aber ich habe gedacht, das kannst du nicht. Das war so ein Moment, der schon sehr frustrierend war. Doch am nächsten Tag bin ich wieder hin, habe ganz vorne gesessen. Es war so eine Kleinkunstbühne, Beltz war bloß anderthalb Meter von mir entfernt. Und plötzlich, in der Pause, habe ich mir gedacht: Doch, das versuchst du auch. Es war ein völlig irrationaler Gedanke, weil ich nicht wusste, wie geht das überhaupt. Ich hätte genauso gut sagen können, so, ich werde jetzt Astronaut oder Lothar Matthäus. Das erscheint mir im Rückblick so was von absurd.
- Datum 19.04.2010 - 11:40 Uhr
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- Serie Das war meine Rettung
- Quelle ZEITmagazin, 15.04.2010 Nr. 16
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Was mich ehrlich interessieren würde, ist dieser seltsame Zwiespalt, in dem Kabarettisten wie Django Asyl künstlerisch beheimatet sind.
Er gehört sicher zu der Generation die Hildebrandt, Jonas, Beltz u.a. direkt nachfolgten, nachdem da ja schon eine gewisse Lück entstanden war.
Aber wieso kommen die auf allen Ihren Touren an, und nur ein wenig im öffentlich rechtlichen Fernsehen vor, während sie die Privaten doch ziemlich gänzlich ignorieren ?
So eine Tour ist doch nicht von GEZ-Gebühren finanziert, also ist doch mit einer Nachfrage zu rechnen, oder besser gesagt, ist doch diese Art des Kabarett bei weitem nicht so ungeliebt, wie sich das alleine durchs Fernsehen annehmen lässt.
Gut, die 3Sat Abende, aber das ist doch schon fast Spartenfernsehen.
Wie auch immer, hoffentlich hat er so lange Spaß an seinen Auftritten, wie zB. Dieter Hildebrandt und vielleicht bietet er ja in 20 Jahren mal für jemanden ein Beispiel, wie ihm selbst Mathias Beltz eins war.
Ich wünsche es allen die Kabarett mögen und ihm so viel Erfolg, wie Mario Barth schon hat.
Nur ob er sich noch nach Niederbayern trauen kann, wenn er als zweiter Beltz gilt ?
Bis dahin bestimmt.
War neulich im Münchener Lustspielhaus und durfte bezeugen, er ist einer der ersten Riege im deutschen Kabarett.
Das hat auch mit seiner unaufgeregten, lockeren und kindlich-offenen/natürlichen Art zu tun, er bleibt er selbst und das wird ihm zu Gute gehalten.
Aber so richtig gut und beklatscht wurde Django Asül immer erst dann, wenn er "bayrisch" gesprochen hat und endlich seine zu oft vermisste Mimik und Körpersprache adäquat eingesetzt hat.
Nachvollziehbar, dass jemand, der auch in Friesland tourt auf verständliche, weil akzentfreie Aussprache setzt, damit das Publikum mitkommt - es nimmt aber meist den typisch niederbayrischen Fein- (Grob-?) und Hintersinn heraus, der doch gerade seine Denke auszeichnet.
Deshalb mein Tipp an Django: Statt stets von allen Flach- und Hochländlern gleichermaßen verstanden und geliebt zu werden, statt nur an den Verstand der Zuschauer zu appellieren, öfters ungeglättet (nieder)bayrisch und authentisch bleiben und dafür vergöttert werden, zumindest südlich des Weisswurstäquators.
"Einfach mal probieren" ist ein gutes Rezept. Ein Freund aus der Nachbarschaft hat ein paar Comedy-Video auf Youtube gestellt, die deutlich kurzweiliger sind als manches in der Glotze. Sucht auf Youtube nach "comedyfreakberlin".
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