Gespräch mit Django Asül "Och, ich probier das jetzt mal"Seite 2/2

ZEITmagazin: Wie ging es weiter?

Asül: Ich habe gleich am nächsten Werktag meinem Ausbilder gesagt, dass ich in ein paar Wochen aufhören werde, wenn die Ausbildung zu Ende ist. Das war der Wendepunkt. Meine Eltern waren natürlich am Anfang mittelprächtig erschüttert. Aber ich habe ihnen gesagt, ich steige ja nicht aus, ich gebe mir nur ein Jahr Zeit, um zu sehen, ob ich das hinkriege. Dann habe ich als Tennistrainer gejobbt, um Geld zu verdienen. Mit der kreativen Arbeit habe ich erst angefangen, als ich konkrete Auftrittsmöglichkeiten hatte.

ZEITmagazin: Wie haben Sie sich die verschafft?

Asül: Ach, das war lustig, bei uns in der Kreisstadt gab es ein Buchgeschäft und ein Café, und die haben gesagt, wir machen das.

ZEITmagazin: Wie bitte? Sie sind hin und haben gesagt, ich bin Bankkaufmann, ich bin 24, ich bin noch nie aufgetreten...

Louis Lewitan

gehört neben der Fotografin Herlinde Koelbl und dem ZEIT-Redakteur Ijoma Mangold zu den Interviewern unserer neuen Gesprächsreihe »Das war meine Rettung«. Lewitan ist Coach und einer der renommiertesten Stressexperten Deutschlands. Gerade erschien sein Buch »Die Kunst, gelassen zu bleiben«

Asül: Genau, und die haben erstaunlicherweise gesagt, das finden wir lustig, das machen wir. Und dann habe ich selber am PC die Karten gedruckt. Und der Hammer war, es waren beide Auftritte schon im Vorfeld ausverkauft. Ich war in meinem Heimatort bekannt und durch die Zeit am Gymnasium und im Tennisklub relativ gut vernetzt. Die Karten waren ruck, zuck weg. Das Schlimmste, was mir damals hätte passieren können, wäre gewesen, dass ich sehe, ich kann es nicht. Aber es hat geklappt, und dann ging es durch Mundpropaganda immer weiter nach oben. Dieser Knackpunkt im Leben war der Beginn meiner Kabarett-Karriere.

ZEITmagazin: Eigentlich war der Auslöser Ihrer Karriere die Angst vor der Routine. Wenn Sie über 200 Vorstellungen im Jahr geben, ist das nicht auch eine Art von Trott?

Asül: Nein, für mich ist kein einziger Auftritt Routine. Das ist eine völlig andere Situation, ich bin ja schon immer einer gewesen, der gern improvisiert, und für mich ist dann auch jeder Abend ein bissel anders. Das kann man auf keinen Fall vergleichen mit einem Menschen, der um 8.12 Uhr in der Früh schon weiß, was sich bis 16.48 Uhr am Nachmittag abspielen wird.

Das Gespräch führte Louis Lewitan

 
Leser-Kommentare
  1. Was mich ehrlich interessieren würde, ist dieser seltsame Zwiespalt, in dem Kabarettisten wie Django Asyl künstlerisch beheimatet sind.
    Er gehört sicher zu der Generation die Hildebrandt, Jonas, Beltz u.a. direkt nachfolgten, nachdem da ja schon eine gewisse Lück entstanden war.
    Aber wieso kommen die auf allen Ihren Touren an, und nur ein wenig im öffentlich rechtlichen Fernsehen vor, während sie die Privaten doch ziemlich gänzlich ignorieren ?
    So eine Tour ist doch nicht von GEZ-Gebühren finanziert, also ist doch mit einer Nachfrage zu rechnen, oder besser gesagt, ist doch diese Art des Kabarett bei weitem nicht so ungeliebt, wie sich das alleine durchs Fernsehen annehmen lässt.

    Gut, die 3Sat Abende, aber das ist doch schon fast Spartenfernsehen.

    Wie auch immer, hoffentlich hat er so lange Spaß an seinen Auftritten, wie zB. Dieter Hildebrandt und vielleicht bietet er ja in 20 Jahren mal für jemanden ein Beispiel, wie ihm selbst Mathias Beltz eins war.
    Ich wünsche es allen die Kabarett mögen und ihm so viel Erfolg, wie Mario Barth schon hat.
    Nur ob er sich noch nach Niederbayern trauen kann, wenn er als zweiter Beltz gilt ?
    Bis dahin bestimmt.

  2. "Einfach mal probieren" ist ein gutes Rezept. Ein Freund aus der Nachbarschaft hat ein paar Comedy-Video auf Youtube gestellt, die deutlich kurzweiliger sind als manches in der Glotze. Sucht auf Youtube nach "comedyfreakberlin".

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