Kabarett Neuer Hof, alter NarrSeite 2/2

Im Januar 1990 richtete sich ein Text »An die verführten Führer«. Er sollte die Art der Strafe bestimmen. Der finale Vorschlag war: »Ihr sollt in der Kaufhalle nebenan / mit uns gemeinsam Schlange stehen. / Dann müsst Ihr – das wird Eure Strafe sein – / den Menschen in die Augen sehn.« Aufschlussreich war seine Erkenntnis: »Der christliche Westen hat immer auf Leistung gebaut, der atheistische Osten immer Gott vertraut.« Dem schloss sich 1995 an: »Früher hatten wir zwei beschissene Gesellschaftsordnungen. Jetzt haben wir nur noch eine. Und die reicht!«

 

Wer die wiedervereinigte Zeitgeschichte beurteilen will, sollte – nebst jenen des Peter Ensikat – die Bücher des Wolfgang Schaller lesen. Ensikat hatte 1998 über seinen Partner und Bruder im Geiste gesagt: »Viele von denen, die ihm heute seine Haltung vorwerfen, warfen ihm diese Haltung auch schon früher vor – es sind die Ewig-Heutigen, die alles Neue immer schon begrüßen, bevor es da ist.« Im letzten Buch Schallers Morgen war’s schöner steht eine kleine Prosaskizze: Der Narr und der König. Die Könige wechseln, und aus dem unfreien Narren wird ein freier Narr. »Stumm« bleiben beide Narren. Aus grundverschiedenen Gründen.

Der Autor, Jahrgang 1937, Kabarettist, Schriftsteller, Regisseur und einstiger Boxsportkommentator, gastierte 1982 als erster westlicher Kabarettist in der DDR bei der Leipziger Pfeffermühle. Drei Jahre später trat er dort zum dritten Mal auf, zusammen mit dem Freund und Kollegen Dieter Hildebrandt

 
Schreiben Sie den ersten Kommentar!

    Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

    • Seite 1 | 2 | Auf einer Seite lesen
    • Quelle DIE ZEIT, 15.04.2010 Nr. 16
    • Versenden E-Mail verschicken
    • Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
    • Artikel Drucken Druckversion | PDF
    • Schlagworte Kabarett | Intendant
    • Artikel-Tools präsentiert von:

    Service