Zeitmagazin-Autotest Eine On-and-off-Beziehung

Peter Dausend fährt den Audi A3 1.6 TDI Eco und versucht, das Eigenleben des Wagens zu respektieren.

Ein Audi A3 TDI

Ein Audi A3 TDI

An der Ampel in der Berliner Mollstraße, rechts geht’s hoch zum Prenzlauer Berg, links liegt der Alexanderplatz, vollzieht sich mit dem braven, tapferen Supersparer, den ich probeweise fahre, plötzlich eine eigenartige Verwandlung – er wird zu einer etwas eigenwilligen Frau namens Christine. Ich muss voranschicken, dass ich mich als biederer Familienkutschenchauffeur, der zuweilen auf den alten Kleinwagen seiner Frau ausweicht, im Alltag aber meist mit dem Rad unterwegs ist, schnell daran gewöhnt habe, dass dieses Auto, der Audi A3 1,6 TDI, ein Eigenleben führt. Bremse ich, gewinnt es Energie zurück. Stoppe ich, schaltet sich der Motor ab. Trete ich die Kupplung durch, setzt die Selbststartautomatik ein. So weit, so high tech.

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Die Ampel steht also auf Rot, der Motor schweigt, und ich sinne darüber nach, wem dieser Augenblick des Kraftsparens nun mehr bringt. Dem Fahrer, der die Stille genießt, dem Auto, das sich ausruhen darf – oder der Umwelt, in die dieser neue Diesel gerade mal 99 Gramm CO₂ pro Kilometer ausstoßen soll, was dem Fahrer unweigerlich das Gefühl vermittelt, je mehr er mit diesem Auto fahre, desto mehr unternehme er gegen Klimawandel. Mitten in meinen Gedanken über diese automobile Öko-Logik fährt mir der Schreck in die Glieder. Der Motor springt an – ohne dass ich die Kupplung auch nur berühre. Das Auto lebt! Was kommt als Nächstes? Fährt es von alleine los, baut es einen Unfall und beult sich dann von selbst wieder aus, macht es Jagd auf Menschen, verändert sich meine Persönlichkeit – wiederholt sich also exakt das, was Stephen King 1983 in Christine beschrieb, jenem Roman, in dem sich ein 58er Plymouth Fury als wahre Höllenmaschine erweist?

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Zwei Tage später sitzt meine Schwiegermutter auf dem Beifahrersitz. Hinten drin sitzen meine Frau und die beiden vierjährigen Töchter. Es ist, nennen wir es mal so: kompakt. Von einer Hochzeit bei Bremen geht’s zurück nach Berlin. Ich gebe die Zieladresse ein – und Christine zeigt an, dass wir um 16.23 Uhr ankommen werden. Nach einer Viertelstunde meint Christine, es werde jetzt wohl eher 16.27 Uhr. Hinten spuckt ein Kind, das andere ruft: »Ich muss mal«, nach der Pause meldet Christine 16.44 Uhr. Unentwegt flüstert Christine dem Fahrer ins Ohr: »Fahr schneller, gib Gas, schleich nicht so rum wie dieser Comeback-Schumi.« Um 16.19 Uhr stehen wir vor unserer Haustür.

Aber von jetzt an leben wir wieder selbst.

Technische Daten :

Motorbauart: 4-Zylinder-Dieselmotor
Leistung: 77 kW (105 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 11,4 s
Höchstgeschwindigkeit: 194 km/h
CO2-Emission: 99 g/km
Durchschnittsverbrauch: 3,8 Liter
Basispreis: 23.750 Euro

Peter Dausend ist Redakteur im Hauptstadtbüro

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Musste

    schmuzeln

  2. Der Artikel klingt, als hätte ihn ein Normal-Autofahrer geschrieben und nicht einer dieser Vollgas-Test-Redakteure - sehr sympathisch. Das einzige, was mit fehlt: Sind die 3,8 Liter der reale Durchschnittsverbrauch, den der Redakteur erreicht hat? Dann ist mein naechstes Auto ein Audi A3 1.6 TDI Eco. Oder ist das nur die völlig irreale Angabe des Herstellers?

    • iawdw
    • 23.04.2010 um 23:17 Uhr

    @ Nutbush

    Der ADAC hat die Kiste scheinbar genauer unter die Lupe genommen.
    http://www1.adac.de/Tests...
    Habs ueberflogen und deren Fazit ist ja, dass man lieber zur normalen 1.6 TDI Variante greifen sollte.
    Deren Tester hat vor allem das Getriebe genervt.
    Aber Audi ist nur konsequent. Man baut ein Auto, um Greenwashing zu betreiben, und installiert ein Getriebe, das nach Greenwashingkriterien zurechtuebersetzt wird...

  3. Dass dieser Eco-Audi nur 3,8 l/100km verbraucht hat, halte ich für eine 'Falschmeldung'. Das ist schlicht unmöglich, zumal der Wagen im Großstadtverkehr von Berlin gefahren wurde. Ein so geringer Verbrauch ist m. E. nur möglich auf der Landstraße oder wenn man mit höchstens 120km/h auf der Autobahn trödelt - und andere behindert.
    Außerdem ist es nicht gerade billig, Öko-Autos zu fahren.
    Ist soviel technischer Aufwand wirklich gerechtfertigt nur um vielleicht 1 Liter Diesel einzusparen?
    Wirklicher Gewinn für unserer Klimaverbesserung wäre eine völlig neue Technik , die nicht auf Erdöl basiert.
    Im übrigen spart man am meisten Diesel/Benzin, wenn man die eine oder andere Fahrt mit dem Auto auslässt.

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    aha, wer auf der Autobahn 120 fährt trödelt also. Jetzt verstehe ich auch, warum ständig Leute schreiben, die Spritverbrauchsangaben der Hersteller wären aber so was von "unrealistisch" ...

    Also ich erreiche die Verbrauchsangaben des Herstellers - und falls mal nicht weiß ich genau warum. Eine neue Technik, die nicht auf Erdöl basiert wird dennoch hohen Energieverbrauch erzeugen, wenn die Fahrer weiter meinen, alles unter 180 Kmh sei "getrödelt".

    Es geht bei einer kraftstoffsparenden Fahrweise nicht um trödeln, sondern um vorausschauendes und möglichst gleichmäßiges Fahren. Das geht gerade auf der Autobahn sehr gut. Witzig ist, dass Sie kaum schneller da sind wenn Sie immer so schnell fahren wie möglich und das, obwohl Sie ca. 40 Prozent mehr verbrauchen. Aber Denken ist ja bekanntlich Glückssache ...

    aha, wer auf der Autobahn 120 fährt trödelt also. Jetzt verstehe ich auch, warum ständig Leute schreiben, die Spritverbrauchsangaben der Hersteller wären aber so was von "unrealistisch" ...

    Also ich erreiche die Verbrauchsangaben des Herstellers - und falls mal nicht weiß ich genau warum. Eine neue Technik, die nicht auf Erdöl basiert wird dennoch hohen Energieverbrauch erzeugen, wenn die Fahrer weiter meinen, alles unter 180 Kmh sei "getrödelt".

    Es geht bei einer kraftstoffsparenden Fahrweise nicht um trödeln, sondern um vorausschauendes und möglichst gleichmäßiges Fahren. Das geht gerade auf der Autobahn sehr gut. Witzig ist, dass Sie kaum schneller da sind wenn Sie immer so schnell fahren wie möglich und das, obwohl Sie ca. 40 Prozent mehr verbrauchen. Aber Denken ist ja bekanntlich Glückssache ...

  4. ... als "Hightech" zu bezeichnen, ist mutig. Schließlich floppte die schon in den 1990ern im "Golf E" ...

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    Sie haben ja Recht, 1990 war das ein Flopp. Heute dagegen entwickelt sich dieses System zum Standard (z.B. bei BMW). Es funktioniert auch deutlich besser. Wenn Sie sich einmal daran gewöhnt haben, wundern Sie sich an der Ampel in "normalen" Autos warum denn der Motor anbleibt :-)

    Sie haben ja Recht, 1990 war das ein Flopp. Heute dagegen entwickelt sich dieses System zum Standard (z.B. bei BMW). Es funktioniert auch deutlich besser. Wenn Sie sich einmal daran gewöhnt haben, wundern Sie sich an der Ampel in "normalen" Autos warum denn der Motor anbleibt :-)

  5. aha, wer auf der Autobahn 120 fährt trödelt also. Jetzt verstehe ich auch, warum ständig Leute schreiben, die Spritverbrauchsangaben der Hersteller wären aber so was von "unrealistisch" ...

    Also ich erreiche die Verbrauchsangaben des Herstellers - und falls mal nicht weiß ich genau warum. Eine neue Technik, die nicht auf Erdöl basiert wird dennoch hohen Energieverbrauch erzeugen, wenn die Fahrer weiter meinen, alles unter 180 Kmh sei "getrödelt".

    Es geht bei einer kraftstoffsparenden Fahrweise nicht um trödeln, sondern um vorausschauendes und möglichst gleichmäßiges Fahren. Das geht gerade auf der Autobahn sehr gut. Witzig ist, dass Sie kaum schneller da sind wenn Sie immer so schnell fahren wie möglich und das, obwohl Sie ca. 40 Prozent mehr verbrauchen. Aber Denken ist ja bekanntlich Glückssache ...

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    • trixo_
    • 06.05.2010 um 16:10 Uhr

    Ich finde es sollte jedem selbst überlassen bleiben, wie schnell er fahren mag, solange andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Man kann mit einem Ami-Schlitten bei konstant 120km/h mehr verbrauchen als mit einem modernen Auto kurz vor der Abregelgrenze. Dies nennt man technischen Fortschritt.
    Und man kommt nicht schneller voran? Nein? Berlin-Kamener Kreuz in drei Stunden. Dies ist zwar nicht unbedingt immer sinnvoll, aber für viele Menschen, die beruflich etwas in dieser Republik zu erledigen haben, manchmal notwendig.

    Spaß kann es nebenbei auch machen, man schläft dann auch nicht so leicht ein! Und sie ahnen gar nicht, wie vorausschauend man dann fahren muß!

    • trixo_
    • 06.05.2010 um 16:10 Uhr

    Ich finde es sollte jedem selbst überlassen bleiben, wie schnell er fahren mag, solange andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Man kann mit einem Ami-Schlitten bei konstant 120km/h mehr verbrauchen als mit einem modernen Auto kurz vor der Abregelgrenze. Dies nennt man technischen Fortschritt.
    Und man kommt nicht schneller voran? Nein? Berlin-Kamener Kreuz in drei Stunden. Dies ist zwar nicht unbedingt immer sinnvoll, aber für viele Menschen, die beruflich etwas in dieser Republik zu erledigen haben, manchmal notwendig.

    Spaß kann es nebenbei auch machen, man schläft dann auch nicht so leicht ein! Und sie ahnen gar nicht, wie vorausschauend man dann fahren muß!

  6. Sie haben ja Recht, 1990 war das ein Flopp. Heute dagegen entwickelt sich dieses System zum Standard (z.B. bei BMW). Es funktioniert auch deutlich besser. Wenn Sie sich einmal daran gewöhnt haben, wundern Sie sich an der Ampel in "normalen" Autos warum denn der Motor anbleibt :-)

    • trixo_
    • 06.05.2010 um 16:10 Uhr

    Ich finde es sollte jedem selbst überlassen bleiben, wie schnell er fahren mag, solange andere Verkehrsteilnehmer nicht gefährdet werden. Man kann mit einem Ami-Schlitten bei konstant 120km/h mehr verbrauchen als mit einem modernen Auto kurz vor der Abregelgrenze. Dies nennt man technischen Fortschritt.
    Und man kommt nicht schneller voran? Nein? Berlin-Kamener Kreuz in drei Stunden. Dies ist zwar nicht unbedingt immer sinnvoll, aber für viele Menschen, die beruflich etwas in dieser Republik zu erledigen haben, manchmal notwendig.

    Spaß kann es nebenbei auch machen, man schläft dann auch nicht so leicht ein! Und sie ahnen gar nicht, wie vorausschauend man dann fahren muß!

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