Mediziner Diagnose: Mangelnde Wertschätzung

Nordeuropa zieht deutsche Ärzte an. Doch bald dürfte sich das Auswandern nicht mehr lohnen

Carsten Grimm war auf der Suche nach einem besseren Leben. Und Annette Bauer wollte eine neue Perspektive. Beide hatten ihr Medizinstudium um das Jahr 2000 abgeschlossen, und was sie in ihrer praktischen Zeit in Deutschland kennengelernt hatten, schreckte sie ab. »Das System war von vornherein so angelegt, dass wir nicht zu Mittag essen konnten und zwei Stunden länger blieben. Anders ließ sich die Arbeit nicht bewältigen«, sagt Bauer. 2003 trat sie ihre Stelle in Schweden an. Grimm ging 2002 nach Großbritannien. Die Entscheidung wegzuziehen fiel beiden leicht. Viele Ärzte in Deutschland hatten das Gefühl, kaum etwas wert zu sein. Was nicht zuletzt daran lag, dass es genügend Ärzte gab.

Heute, gerade einmal zehn Jahre später, sind 5000 Stellen in den Krankenhäusern unbesetzt. In vier Jahren werden es doppelt so viele sein, prognostiziert der Marburger Bund, die Interessenvertretung der Krankenhausärzte. Ebenso dramatisch sieht es in den Praxen aus. Auch hier wird sich der Mangel drastisch verschärfen: Jeder zweite der 150.000 niedergelassenen Ärzte ist über 55 Jahre alt. Und noch immer wandern deutsche Ärzte ab: 2008 verließen nach Zahlen der Bundesärztekammer 2000 von ihnen das Land, noch mal 100 mehr als im Vorjahr. Bundesgesundheitsminister Rösler dachte nun öffentlich darüber nach, einen Teil der Medizinstudienplätze an diejenigen zu vergeben, die bereit sind, sich später einige Jahre als Landarzt in Deutschland zu verpflichten. Längst ist ins Bewusstsein gerückt, wie wertvoll der Nachwuchs geworden ist.

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Als die Prognosen eines bevorstehenden Ärztemangels sich allmählich verbreiteten, war Carsten Grimm schon auf dem Weg nach Manchester. Hat er dort das bessere Leben gefunden, das er gesucht hatte? Der Beginn zumindest war schwierig. Erst nach zwei Monaten kam Grimm mit dem regionalen Dialekt der Krankenschwestern in Manchester zurecht. Bis dahin verstand er am Telefon kein Wort, ließ sich den Namen des Patienten geben und ging persönlich auf der entsprechenden Station vorbei. »Die Sprache, die Kultur, natürlich hat man es als Ausländer anfangs etwas schwerer«, sagt Grimm. Aber er lernte auch mehr und schneller, als es in Deutschland der Fall gewesen wäre. »Die Ärzte sind in kleinen Arbeitsgruppen organisiert, häufig wird man direkt vom Chefarzt angeleitet. So muss das Wissen nicht einen langen Weg von oben nach unten durchsickern.«

Annette Bauer fühlte sich in Schweden von Anfang an wohl als Ärztin: Weil die Krankenschwestern eine längere Ausbildung absolvieren, die einem Studium ähnlich ist, haben sie mehr Kompetenzen, sie machen alle Blutentnahmen. »Die so gesparte Zeit kann ich dem Patienten widmen.« Für ihre Nachtdienste bekommt sie doppelt so viel Stundenlohn, in Deutschland waren es nur 80 Prozent. »Es ist mir bis heute nicht gelungen, meinen schwedischen Kollegen zu erklären, dass man für einen anstrengenden Nachtdienst so schlecht bezahlt wurde«, sagt Bauer. In Schweden arbeiteten die Allgemeinmediziner meist als Angestellte in Gesundheitszentren, erzählt sie. Sie gehen um halb fünf nach Hause, wenn sie ihre acht Stunden gearbeitet haben. »Arzt zu sein ist hier ein Beruf und keine Berufung.«

Leser-Kommentare
  1. kallewestrich: Auf den Balearen, Kanaren, spanische Touristengebiete, überall entstehen immer noch Praxen, mit zum Teil exklusiven ANgeboten und ausschließlich für Privatkunden. Diese Ärzte klagen nicht. Aber sie verdienen sich auch dumm und dämlich.

  2. akute Gallensteinkolliken in der Nacht. Arzt wird gerufen , 23:00, 0:00, 1:00 2:00 nach 3 Std. kein Arzt., Anruf 112
    20 Minuten später kompetente Sanitäter. Patient wird mitgenommen aber weil die Herzinfarktrate auf Sjaelland
    hochlag, wurde eine Gallenblase übersehen und dem Patienten
    gesagt, er hätte keinen Herzinfarkt. Das wußte der selber auch. Die Gallensteine wurden sich selbst überlassen um die Entzündungswerte stiegen in die Höhe. Erst ein älterer Hausarzt erkannte die Notsituation und behandelte zumindestens die Schmerzen. Letztendlich wurde ein Operationstermin von knapp 3 Monaten Wartezeit terminiert.So lange tolerieren hiesige Mediziner das Leiden
    ihrer Patienten. Und nun frage ich mich ob die zugewanderten Mediziner,
    denen es in Dänemark wirtschaftlich hervorragend geht
    das System mit fragwürdiger Ethik unterstützen wollen
    oder sollte sich diese Wandlung des Deutschen Systems auch schon bemächtigen ?

  3. Ein Land ist nicht vertrauenswürdig, in dem offensichtlich auf Betreiben der Ärztekamarilla von willfährigen Politikern ein Numerus Clausus eingeführt wurde, der Deutschland einen Ärztemangel nie gekannten Ausmaßes bescherte. Deutschland leidet nicht nur an einem Ärztemangel. Der ist nur ein Symptom einer völlig unberechenbar gewordenen Politikerkaste, die mit dem Volk herumfuhrwerkt, dass es eine reine Freude ist (Vorsicht: Ironie). Die Demokratie deutschen Musters ist offensichtlich nicht in der Lage, schwerwiegende politische Fehlentscheidungen zu verhindern. Der politischen Klasse ist es allerdings gelungen, eine ernsthafte Diskussion über mehr direkte Demokratie zu verhindern. Das Mißtrauen, das die politische Klasse dem Volke gegenüber hegt, widerspiegelt sich im Mißtrauen, dass das Volk ihrer Elite gegenüber hegt. Da keine politische Partei dieses Mißtrauen bündelt, stimmen die Deutschen mit den Füßen ab, (hatten wir das nicht schon einmal?)
    Der Artikelschreiber möchte sich die Situation schönreden. Sie wird aber in Wirklichkeit nicht besser. Lediglich aus Ländern, denen es noch schlechter als den Deutschen geht, mag sich der eine oder andere wieder nach Hause verirren. Es bleibt dabei, die Deutschen flüchten, die Elite holt sich ein anderes Volk.

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    zu ihren europäischen Nachbarn und der darauf gegründete Wohlstand nähren den Strom deutscher Zuwanderer in die Schweiz. Konstruieren Sie keine Zusammenhänge, wo keine bestehen.

    Es gibt keinen Ärztemangel!
    Im Gegenteil: in den letzten 20 Jahren gab es einen Ärztezuwachs von 20Prozent auf weit über 300.000 niedergelassene Ärzte.
    Gleichzeitig sind die Gesundheitskosten von 120.000.000.000 Euro auf 360.000.000.000 Euro explodiert.
    Hier trauen ernsthaft Ärzte zu jammern, dass sie zu wenig verdienen.
    Realitätsverlust....

    zu ihren europäischen Nachbarn und der darauf gegründete Wohlstand nähren den Strom deutscher Zuwanderer in die Schweiz. Konstruieren Sie keine Zusammenhänge, wo keine bestehen.

    Es gibt keinen Ärztemangel!
    Im Gegenteil: in den letzten 20 Jahren gab es einen Ärztezuwachs von 20Prozent auf weit über 300.000 niedergelassene Ärzte.
    Gleichzeitig sind die Gesundheitskosten von 120.000.000.000 Euro auf 360.000.000.000 Euro explodiert.
    Hier trauen ernsthaft Ärzte zu jammern, dass sie zu wenig verdienen.
    Realitätsverlust....

  4. Der offensichtlich fachunkundige Artikel von Herrn Heinrich muß Berufsinsider überraschen.

    Ich habe in kürzester Zeit promoviert und approbiert, meine Ausbildung an zwei Universitätskliniken absolviert, bin seit 1991 Facharzt mit zwei Zusatzbezeichnungen, leite ein ambulantes Schwerpunktzentrum, habe bis heute 76 wissen-schaftliche Publikationen verfasst und besitze in Kürze vier Fortbildungszertifikate.

    Ich habe aber auch durch die jeweiligen Gesundheitsreformen 67% meines Einkommens seit 1990 verloren. Herr Rösler hat als erstes die Ärzteschaft mit einer Welle neuer Bürokratie überzogen, die Kassen übertrumpfen sich im Kassenwettbewerb mit teils sinnentleerten Qualitätsanforderungen zu Lasten der Ärzte, um ihre Kundschaft trotz immer schlechterer Leis-tungen zu halten.

    Die Patienten merken genau, wie Bürokratie ihre Behandlungs-zeit reduziert: Die Wartezeiten werden länger.

    In der deutschen Medizin gilt schon lange die Schizophrenie
    der Fleischtheke: Maximaler Tierschutz, das Schnitzel darf
    nur 1 Euro kosten.

    Meine Tochter hat im Gymnasium 10 x "1" und 1 x "2": Sie will nicht so verrückt sein, später in Deutschland zu arbei-ten.

    Die "Honorarerhöhung 2009" für Ärzte hat in NRW zu Einkom-menskürzungen aller Fachrichtungen von 10-70% geführt.

    Bei der nächsten "Honoraraufbesserung" emigriere auch ich.

    Lieber Herr Heinrich, jetzt machen Sie erst einmal Ihre Hausaufgaben und schreiben uns dann einen schönen Artikel über Diagnosen im deutschen Gesundheitssystem.

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    Die Gesellschaft zahlt die teure Ausbildung damit die Ärzte dann woanders reich werden

    Die Gesellschaft zahlt die teure Ausbildung damit die Ärzte dann woanders reich werden

  5. Der Arztberuf ist noch immer der bestbezahlte Beruf in D.
    Dass es auch unter den Ärzten große Gehaltschwankungen gibt, ist normal.
    Das gibt es jedem akademischen Beruf.
    Wenn ich das Gejammer höre, dass man 2 Stunden länger bleiben müsste, um die Arbeit zu schaffen:
    Auch das ist in akademischen Beruf normal!
    Viele Ärzte haben eine Beamtenmentalität und wollen verdienen wie ein Unternehmer.
    Und die vielen Frauen wollen sich nur selbst verwirklichen, haben aber nicht verstanden, dass der Arztberuf ein hohes Maß ein Einsatz verlangt.
    Wenn man pünktlich nach hause gehen will, muss man Hausfrau werden...

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    Das sind ja Wortschoepfungen und Gedankenstraenge aus der 'Ueberleisterer' Gesellschaft, Frauen zurueck an den Herd und wer keine 70 Stunden Woche machen will ist 'Minderleister'.
    Wissen Sie, wie es sich anfuehlt, allein fuer das Leben und Ueberleben von mehreren Stationen und Neuaufnahmen vearantwortlich zu sein ueber Nacht, uebers Wochenende, wo eine falsche Entscheidung, ein uebersehenes Ergebnis dauerhafte Schaeden oder gar den Tod eines Patienten verursachen kann?
    Natuerlich gibt es Pappnasen in jedem Beruf, aber solche Plattitueden abzuliefern und sich auf dem hohen Ross der 'ich arbeite auch lange' und 'wer auf seine Familie und seine Gesundheit achten will muss Hausfrau werden'?
    Wollen Sie dass Ihr Kind von einem Arzt aufgenommen und behandelt wird, der gerade einen Wochenenddienst mit 3 Stunden Schlaf hinter sich hat? Oder sind Kinder auch nur fuer 'Minderleister' und Hausfrauen? Echte Leistungstraeger leisten sich da wohl Kindermaedchen und Haushaelterinnen.

    Das sind ja Wortschoepfungen und Gedankenstraenge aus der 'Ueberleisterer' Gesellschaft, Frauen zurueck an den Herd und wer keine 70 Stunden Woche machen will ist 'Minderleister'.
    Wissen Sie, wie es sich anfuehlt, allein fuer das Leben und Ueberleben von mehreren Stationen und Neuaufnahmen vearantwortlich zu sein ueber Nacht, uebers Wochenende, wo eine falsche Entscheidung, ein uebersehenes Ergebnis dauerhafte Schaeden oder gar den Tod eines Patienten verursachen kann?
    Natuerlich gibt es Pappnasen in jedem Beruf, aber solche Plattitueden abzuliefern und sich auf dem hohen Ross der 'ich arbeite auch lange' und 'wer auf seine Familie und seine Gesundheit achten will muss Hausfrau werden'?
    Wollen Sie dass Ihr Kind von einem Arzt aufgenommen und behandelt wird, der gerade einen Wochenenddienst mit 3 Stunden Schlaf hinter sich hat? Oder sind Kinder auch nur fuer 'Minderleister' und Hausfrauen? Echte Leistungstraeger leisten sich da wohl Kindermaedchen und Haushaelterinnen.

  6. zu ihren europäischen Nachbarn und der darauf gegründete Wohlstand nähren den Strom deutscher Zuwanderer in die Schweiz. Konstruieren Sie keine Zusammenhänge, wo keine bestehen.

  7. Es gibt keinen Ärztemangel!
    Im Gegenteil: in den letzten 20 Jahren gab es einen Ärztezuwachs von 20Prozent auf weit über 300.000 niedergelassene Ärzte.
    Gleichzeitig sind die Gesundheitskosten von 120.000.000.000 Euro auf 360.000.000.000 Euro explodiert.
    Hier trauen ernsthaft Ärzte zu jammern, dass sie zu wenig verdienen.
    Realitätsverlust....

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    Die Gesundheitskosten sind auf 260.000.000.000 Euro explodiert.
    Das Gesundheitssystem ist in wenigen Jahren völlig unbezahlbar...

    Die Gesundheitskosten sind auf 260.000.000.000 Euro explodiert.
    Das Gesundheitssystem ist in wenigen Jahren völlig unbezahlbar...

  8. Die Gesundheitskosten sind auf 260.000.000.000 Euro explodiert.
    Das Gesundheitssystem ist in wenigen Jahren völlig unbezahlbar...

    Antwort auf "Opfer der Propaganda!"

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