Reformpädagogik und Missbrauch Hartmut von Hentig muss reden

Und die, die ihm zugejubelt haben, auch – etwa Bildungsministerin Annette Schavan

Vielleicht werden Historiker in Mentalitätsstudien einmal auf das Frühjahr 2010 zurückblicken. Da wurde plötzlich etwas öffentlich, was zuvor verborgen, ja ganz dichtgehalten wurde, obwohl es viele Beteiligte und Mitwisser gab: der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in den vornehmsten katholischen Einrichtungen und auch in der hoch angesehenen reformpädagogischen Odenwaldschule.

Die Vergehen von Lehrern und Erziehern sind schwer zu begreifen, aber Menschen können eben respektlos sein und manche treiben es verbrecherisch. Was allerdings so tief erschüttert, ist das Schweigen. Das anhaltende Schweigen vieler Opfer ist noch am verständlichsten. Sie schämen sich und neigen häufig dazu, Schuld, die sie nicht haben, auf sich zu nehmen. Auch das Schweigen der Täter verwundert nicht, außer dass es da nicht einen Aussteiger gab, der als Wiedergutmachung die Schweigemauer durchbrechen wollte. Aber nachhaltig irritierend ist das Schweigen der Päpste. Das jenes Papstes in Rom und auch das des deutschen Pädagogenpapstes Hartmut von Hentig.

Anzeige

Der Papst und seine Bischöfe können offenbar ihre ganz allgemein gehaltene Sprache über Sünde und Umkehr, über Reue und Gnade so wenig ablegen wie ihre spätantiken Trachten. Am Umgang des Vatikans mit den übergriffigen katholischen Priestern in Irland und den USA kann man studieren, wie am Nicht-wahrhhaben- und am Nicht-hingucken-Wollen festgehalten wurde. Der Ruf der Kirche war so viel wichtiger als das Leiden der Opfer. Das Ideengebäude durfte nicht beschädigt werden.

Schwierigkeiten mit der Genauigkeit und mit Sätzen in der ersten Person haben auch die säkularisierten Priesternachfolger, wie es beispielsweise die Funktionäre von Welterlösungsparteien waren und wie es manchmal Lehrer, auch Reformpädagogen sind, eben alle, die genau wissen, was richtig ist und wie es geht. Sie beherrschen die Kunst, ins Allgemeine auszuweichen. Ein bestürzendes Beispiel dafür ist die Erklärung von Hartmut von Hentig »Was habe ich damit zu tun?« (ZEIT 13/10), in der er die Übergriffe von Gerold Becker als »freundliche Annäherungen« verharmlost hat.

Gerold Becker ist sein Lebensgefährte. Hartmut von Hentig, der im September 85 Jahre alt wird, gilt als Nestor der deutschen Pädagogik. Er hat sich auch immer als Bürger und Intellektueller eingemischt und hervorgetan. Ich selbst bin ihm Mitte der sechziger Jahre das erste Mal begegnet, da war ich rebellischer Schüler in Göttingen und er junger Professor, engagiert für eine neue Schule. Seitdem ist er für mich ein wichtiger Mentor, bis heute. Das allerdings macht mir sein Schweigen, Ausweichen und Verharmlosen so unerträglich.

Gerold Becker, der in den siebziger und achtziger Jahren Leiter der Odenwaldschule war und der als Täter und Dulder des Missbrauchs in dieser Schule beschuldigt wird, hat sich inzwischen bei den Opfern entschuldigt, allerdings in einer Form, die an die Verspätungsdurchsagen der Bahn erinnert. Nichts von Selbstreflexion. Auf die Vorwürfe, die bereits 1998 erhoben wurden, war er zuvor nicht eingegangen, und die Fragen seiner Freunde und Bekannten hatte er mit der Gegenfrage pariert: »Traust du mir das zu?« Auch zu dieser Übertragung der Beschämung auf die Fragenden bisher kein Wort.

Schon vor Monaten hörte ich davon, dass ehemalige Schüler der Odenwaldschule, die von Gerold Becker und anderen Lehrern sexuell missbraucht worden waren, dieses zum 100. Geburtstag der Schule im Frühjahr an die Öffentlichkeit bringen wollten. Ein zweiter Versuch nach dem vor mehr als zehn Jahren versandeten. Auch ich fand bis vor Kurzem, dass da eine Sache hochgespielt würde. Ich habe gefürchtet, dass es zum Skandal kommt und dass auch Hentig mit hineingezogen wird. Ich wollte es nicht wahrhaben. Schweigen. Die Pädagogik sollte nicht beschädigt werden. Verleugnen. Lieber erst gar nicht hingucken.

Wir Schulerneuerer waren und sind immer noch viel zu erlösungsbedürftig und deshalb geneigt, dem schönen platonischen Ideenhimmel zuweilen den Vorrang vor einfachen, irdischen Beobachtungen zu geben. Da gibt es Abspaltungen, die Hartmut von Hentig schärfer an sich vorgenommen und Idealisierungen, die er schöner und perfekter modelliert hat, als seine Anhänger es konnten. Diese Abspaltungen im mentalen Betriebssystem zu erkennen steht an. Das geht nicht ohne Selbstreflexion.

Vielleicht ein Schlaglicht: Hentigs Gegenspieler als Hochschullehrer in Bielefeld, Niklas Luhmann, machte ein Kinderspiel zur Maxime seiner Theorie: »Ich sehe was, was Du nicht siehst.« Das bedeutet: Jeder hat seinen blinden Fleck. Luhmann sprach gelegentlich auch von dem Knick in der Optik, durch den sich alle Individuen auszeichnen und unterscheiden, ein Knick, der mit seiner Produktion von Missverständnissen eine logische Voraussetzung für Verschiedenheit, mithin von Kommunikation sei. Daraus ergibt sich, dass wir den Blick der anderen brauchen, dass es Wahrheiten nur im Diskurs gibt. Diese radikal diesseitige Theorie gewinnt für mich in diesen Tagen immer mehr an Überzeugungskraft. Hartmut von Hentig verkörpert demgegenüber jetzt den blinden Seher, der seine Ideen und Entwürfe von einer geliebten Welt möglichst nicht von Wahrnehmungen einer unreinen Wirklichkeit stören lassen will.

Seine Autobiografie heißt Mein Leben – bedacht und bejaht . Aber man erfährt nie, gegen welche Verneinung sich diese Bejahung behauptet. Hentig wuchs in einer Zeit auf, als Homosexualität strafbar war, da hätte er nach seinem Outing keine Chance als Pädagoge gehabt. Einem enttäuschten Freund hat er einmal geschrieben: »Die mögen sich ›outen‹ … Ich selber überlebe durch Platonismus.«

Die manchmal etwas zu heilige, eben auch scheinheilige und pathetische Reformpädagogik hat jetzt die Chance der Irritation, also eine Lerngelegenheit. Während Priester und hohe Priester in Misskredit geraten, hat allerdings eine Praxis neuen Lernens in den Schulen längst ihre eigene Würde erlangt. Vielleicht ist überhaupt das die Chance der aktuellen Verstörung: dass die Intelligenz der Praxis sich von Priesterideologien frei macht. Es ist gar nicht so schwer: Etwas weniger pädagogische Theologie, etwas mehr zivilgesellschaftliche Kultur. Der Psychotherapeut Micha Hilgers hat kürzlich verwundert darauf hingewiesen, dass den allermeisten Schulen fehlt, was in anderen helfenden Einrichtungen inzwischen selbstverständlich ist: Supervision.

Jetzt aber nicht wieder das Kind mit dem Bade ausschütten! Auch die eben bemühte Theorie vom blinden Fleck hat gewissermaßen ihren blinden Fleck: Ihr fehlt der Blick zum Horizont, die Utopie, nennen wir es Vision. Wir brauchen auch die Seher.

Wenn auch Hartmut von Hentig in der Verteidigung seines Freundes Gerold Becker ihm und sich selbst auf den Leim gegangen ist, so bleibt sein Werk, seine starke Spur bei der Erneuerung der Schulen. Darin war er übrigens eher pragmatisch und viel stärker von seinen Amerika-Aufenthalten geprägt als von den Ideologien deutscher Pädagogik oder der »Reformpädagogik«. Und auch wenn wir ahnen, dass sein Platonismus eine Flucht aus dem Körper und aus der Sexualität sein könnte und dass die Kinderverehrung womöglich einem misanthropischen Zug entspringt, so bleibt das Einzigartige seiner Person. Kaum einer, der so offen und so freundlich auf andere zugehen kann.

Vor allem, er ist ein Mensch, dem man ansehen kann, wie er Leiden in Leidenschaft verwandelt. Und nun sitzt er in seiner Wohnung am Kurfürstendamm, ist verfemt, meidet die Öffentlichkeit, sieht sein Werk und sich zerstört und überlegt auszuwandern oder, wer weiß, Weitergehendes. Er muss noch einmal anders sprechen! Und auch die, die ihm zugejubelt haben und nun verstummt sind, dazu gehört übrigens auch Bildungsministerin Annette Schavan, sollten sprechen. Von sich, von ihm und mit ihm! Oder das Kultusministerium in Stuttgart, dessen damaliger Minister Helmut Rau ihn am 26. Januar dieses Jahres im Weißen Saal des Stuttgarter Neuen Schlosses zu seinem »letzten pädagogischen Vortrag« mit dem Titel Das Ethos der Erziehung eingeladen hatte. Der Minister und all die geladenen Honoratioren feierten ihren Hentig.

Das Feiern ist vorbei. Es könnte ein Gewinn der Erschütterungen sein, dass wir in der Ablösung von Predigten durch Diskurse ein Stück weitergekommen sind. Was ansteht, hat der Philosoph Odo Marquard vor Jahren den »Abschied vom Prinzipiellen« genannt. Nicht mehr Himmel auf Erden, denn das zieht häufig die Hölle nach sich, nein, Erde auf Erden, das wär’s.

 
Leser-Kommentare
  1. Haben Sie, Reinhard Kahl, nicht Herrn von Hentig idolisiert und sind sie nicht deswegen so enttäuscht, da sie erkennen müssen, dass er ein Mensch wie jeder andere ist? Nun reagiert er nicht so, wie Sie sich dies wünschen.

    Vielleicht steht Herr von Hentig noch unter Schock und kann noch nicht sprechen? Dies wissen wir nicht. Geben Sie ihm noch etwas Zeit und versuchen Sie mit Herz und Verstand ihn als Mensch mit allen seinen Facetten zu erkennen. Während des Prozesses des Erkennens sollten Sie versuchen nicht zu urteilen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    bis ins Grab, für alles und jeden.
    Das ist es, was uns vor die Hunde gehen lässt.
    Verlangt nichts von euren Mitmenschen, versucht sie lieber in allen Facetten zu verstehen.
    Kann es sein, dass man sich so die Mühe erspart seine Idole überhaupt jemals kritisch zu würdigen?

    bis ins Grab, für alles und jeden.
    Das ist es, was uns vor die Hunde gehen lässt.
    Verlangt nichts von euren Mitmenschen, versucht sie lieber in allen Facetten zu verstehen.
    Kann es sein, dass man sich so die Mühe erspart seine Idole überhaupt jemals kritisch zu würdigen?

  2. Das ist schon bemerkenswert. Da schreibt R. Kahl "Wir Schulerneuerer ... sind ... erlösungsbedürftig." Noch überzeugender wäre es gewesen in der Überschrift nicht Annette Schavan vorzuschieben.

  3. 3. Oh ...

    surprise, surprise

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • joG
    • 23.04.2010 um 16:27 Uhr

    "Vielleicht werden Historiker in Mentalitätsstudien einmal auf das Frühjahr 2010 zurückblicken. Da wurde plötzlich etwas öffentlich, was zuvor verborgen, ja ganz dichtgehalten wurde, obwohl es viele Beteiligte und Mitwisser gab: der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in den vornehmsten katholischen Einrichtungen..."

    Die Tatsache der Probleme ist seit Jahrzehnten bekannt. Zumindest wissen wir ob des zum geringen Anteil über Proporz besprochenen Problem religiöser und im Besonderen der RKK seit den Veröffentlichungen in den USA oder Irland. Dass das auch hier ähnlich sein musste? Das wurde damals hier nicht weiter beachtet und interessierte nicht.
    Wie in einem Interview heute früh gesagt wurde ist das Problem aber nicht alleine bei den Kirchen. 90% der Fälle sexuellen Missbrauchs seien im Familiären Umfeld. Den Rest teilen sich Sportvereine, öffentliche Schulen, Kitas und eben auf religiöse und private Heime und Internate. Hier müsse man ansetzen, zumal die bekannten Fälle im Fokus der heutigen Hysterie vor vielen, vielen Jahren geschahen, während heute die Kinder misshandelt werden. Es sei natürlich zum Verständnis eine geschichtliche Aufarbeitung sinnvoll. Wichtig sei es aber den heutigen Zustand zu verbessern.

    • joG
    • 23.04.2010 um 16:27 Uhr

    "Vielleicht werden Historiker in Mentalitätsstudien einmal auf das Frühjahr 2010 zurückblicken. Da wurde plötzlich etwas öffentlich, was zuvor verborgen, ja ganz dichtgehalten wurde, obwohl es viele Beteiligte und Mitwisser gab: der sexuelle Missbrauch von Kindern und Jugendlichen in den vornehmsten katholischen Einrichtungen..."

    Die Tatsache der Probleme ist seit Jahrzehnten bekannt. Zumindest wissen wir ob des zum geringen Anteil über Proporz besprochenen Problem religiöser und im Besonderen der RKK seit den Veröffentlichungen in den USA oder Irland. Dass das auch hier ähnlich sein musste? Das wurde damals hier nicht weiter beachtet und interessierte nicht.
    Wie in einem Interview heute früh gesagt wurde ist das Problem aber nicht alleine bei den Kirchen. 90% der Fälle sexuellen Missbrauchs seien im Familiären Umfeld. Den Rest teilen sich Sportvereine, öffentliche Schulen, Kitas und eben auf religiöse und private Heime und Internate. Hier müsse man ansetzen, zumal die bekannten Fälle im Fokus der heutigen Hysterie vor vielen, vielen Jahren geschahen, während heute die Kinder misshandelt werden. Es sei natürlich zum Verständnis eine geschichtliche Aufarbeitung sinnvoll. Wichtig sei es aber den heutigen Zustand zu verbessern.

    • Medley
    • 23.04.2010 um 9:40 Uhr

    ...zumindest in seiner radikalen Form. Ideologien und Ideologen haben allermeist die Absicht Menschen möglichst na an das eine ideale Welt heranzuführen. DAS ist aber der falsche Weg! Stadessen sollte man lieber versuchen, die Welt ideal an den Menschen anzupassen, denn es soll nicht, wie jeder Schneider es weiß, der Arsch in die Botze, sondern die Botze an dem Arsch passen, um es mal auf gut deutsch zu sagen. Aber auch bitte da nicht übertreiben, denn eine zu gute Anpasssung bedeutet auch immer Stillstand und ein bisschen Ziel für eine hoffnungsvollere Zukunft sollte auch sein. Dann also die Hose dann doch ein bisschen enger, damit eine Motivation zur Diät auch erspürbar sein kann.

  4. Es ist Kahl, der reformpädagogische Heldenverehrung betrieben hat.
    Kahl und andere Verbreiter der reformpädagogischen Lehre in den öffentlichen Schulraum wirken, als ob sie die eigene - durch schwarze Pädagogik geschundene? - Schülerseele mehr im Blick haben als heutige Schüler und die vielfältigen Anforderungen an sie.
    Ein analoger "Mechanismus" liegt den noch vagen wissenschaftlichen Erkenntnissen zufolge der Pädophilie zugrunde: Prägung in vorpubertärer Zeit wird lebens- und triebbestimmend und sucht Erlösung in der Aktion mit Kindern, wobei Bedürfnisse der Kinder selbst aus den Augen geraten.
    Und Hentig: ohne Studium der Pädagogik, ohne wissenschaftliche Reputation ist er auf einen Pädagogen-Thron gehoben worden. Folgerichtig hat er kaum wissenschaftlich veröffentlicht, sich über wissenschaftliche Methodik sogar verächtlich gemacht und sich nahezu ausschließlich. aber sehr erfolgreich bellestristisch geäußert.
    Gleichwohl wird seine Methodik - über durch Stiftungen finanzierte Multiplikatoren - z.B. durch Reinhard Kahl - den politischen und Verwaltungsentscheidern nahegelegt. Die verheerenden Auswirkungen dieser unwissenschaftlichen Vorgehensweise aufs öffentliche System kann z.B. in Berlin soeben betrachtet werden.
    Wie sollte sich von Hentig äußern? Sich selbst dementieren?
    Reinhard Kahl ist erkennbar in Not: wenn von Hentig, der Nestor, sich nicht wiederum erlösend äußert, stürzt das Kahl finanzierende reformpädagogische Multiplikatorensystem in sich zusammen.

  5. Hartmut von Hentig hat in den siebziger Jahren die Modellschulen Laborschule ( bis 10 Klasse ) und das Oberstufenkolleg ( eine Mischung aus Oberstufe und Grundstudium ) gegründet und sehr viele reformpädagigische Ansätze unsetzen kölnnen. Ich selber habe das Oberstufenkolleg besucht und kann nur sagen, dass es eine der bereichernsten Erfahrungen meines Lebens war. Im Übrigen habe ich anschließend erfolgreich studiert.
    Es ist nicht die Reformpädagogik, die den Missbrauch hervorbringt, sondern die spezielle Lebensform des Internats, die selbstverständlich Lehrer mit pädophilen Neigungen anzieht und Kinder schutzlos deren Übergriffen aussetzt.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Die Zusammensetzung der Laborschule Bielefeld und des Oberstufenkollegs ist stark sozial segregiert. Die Elternschaft der Laborschule setzt sich aus deutlich mehr Universitätsangehörigen, weniger Migranten, weniger ungelernten Arbeitern als ein durchschnittliches nordrhein-westfälisches Gymnasium zusammen. Und hat eine bessere räumliche, sachliche und personelle Ausstattung.
    Dass unter diesen Umständen Schule gelingt, bestreitet niemand.
    Von Hentig hat seine Bielefelder Erkenntnisse belletristisch publiziert, aber nicht international wissenschaftlich zur Diskussion gestellt.
    Meine Kritik gilt der unüberprüften, nicht durch valide vergleichende wissenschaftliche Untersuchungen gesicherten Übernahme der unter den o.g. speziellen Bedingungen entwickelten Methoden ins öffentliche Schulwesen.
    Als Beispiel möchte ich die Schuleingangsstufe anführen: Das Gelingen unter Bielefelder Spezialvoraussetzungen hat zur Einführung ins öffentliche Schulwesen geführt.
    In Berlin müssen sich jetzt Lehrer herkömmlicher Schulen Schulanfangsunterricht mit Schülern im Alter von 5 bis 9 Jahren bestreiten.
    Strukturell erfordert diese Art der KLassenzusammensetzung ein weniger angeleitetes, weit schülerferneres Vorgehen als herkömmlicher Unterricht im altersnäheren Klassenverband.
    Das Ergebnis kann man am Aufschrei der Berliner Grundschullehrer gegen die Vergleichsarbeiten ablesen: Drittklässer sind nicht in der Lage, die Aufgaben zu lesen, von Verstehen und Lösen ganz zu schweigen.

    entfernt.
    Bitte bleiben Sie trotz Ihrer Empörung bei einer höflichen, angemessenen Wortwahl. Danke. Die Redaktion/km

    • sudek
    • 24.04.2010 um 8:21 Uhr

    vielleicht gehen Sie mal 1 Jahr als Familienleiter/in in die Odenwaldschule und berichten dann auf Basis von real Erlebtem.
    Supervision gibt es seit 2000 (!!!) für neue KollegInnen und für die restlichen Kollegen.

    Allein eine solche Aufgabe zu bewältigen hatten 2003 nur 2 Kolleginnen und Kollegen. Es sollte generell immer(!!) eine Frau und ein Mann eine Familie leiten.

    Die Zusammensetzung der Laborschule Bielefeld und des Oberstufenkollegs ist stark sozial segregiert. Die Elternschaft der Laborschule setzt sich aus deutlich mehr Universitätsangehörigen, weniger Migranten, weniger ungelernten Arbeitern als ein durchschnittliches nordrhein-westfälisches Gymnasium zusammen. Und hat eine bessere räumliche, sachliche und personelle Ausstattung.
    Dass unter diesen Umständen Schule gelingt, bestreitet niemand.
    Von Hentig hat seine Bielefelder Erkenntnisse belletristisch publiziert, aber nicht international wissenschaftlich zur Diskussion gestellt.
    Meine Kritik gilt der unüberprüften, nicht durch valide vergleichende wissenschaftliche Untersuchungen gesicherten Übernahme der unter den o.g. speziellen Bedingungen entwickelten Methoden ins öffentliche Schulwesen.
    Als Beispiel möchte ich die Schuleingangsstufe anführen: Das Gelingen unter Bielefelder Spezialvoraussetzungen hat zur Einführung ins öffentliche Schulwesen geführt.
    In Berlin müssen sich jetzt Lehrer herkömmlicher Schulen Schulanfangsunterricht mit Schülern im Alter von 5 bis 9 Jahren bestreiten.
    Strukturell erfordert diese Art der KLassenzusammensetzung ein weniger angeleitetes, weit schülerferneres Vorgehen als herkömmlicher Unterricht im altersnäheren Klassenverband.
    Das Ergebnis kann man am Aufschrei der Berliner Grundschullehrer gegen die Vergleichsarbeiten ablesen: Drittklässer sind nicht in der Lage, die Aufgaben zu lesen, von Verstehen und Lösen ganz zu schweigen.

    entfernt.
    Bitte bleiben Sie trotz Ihrer Empörung bei einer höflichen, angemessenen Wortwahl. Danke. Die Redaktion/km

    • sudek
    • 24.04.2010 um 8:21 Uhr

    vielleicht gehen Sie mal 1 Jahr als Familienleiter/in in die Odenwaldschule und berichten dann auf Basis von real Erlebtem.
    Supervision gibt es seit 2000 (!!!) für neue KollegInnen und für die restlichen Kollegen.

    Allein eine solche Aufgabe zu bewältigen hatten 2003 nur 2 Kolleginnen und Kollegen. Es sollte generell immer(!!) eine Frau und ein Mann eine Familie leiten.

  6. Aber auf die Katholische Kirche im Ganzen und Einzelnen, vor allem auf die den Herrschenden dieser Krummenrepublik nicht genehme Personen, jede Menge direkt, unbarmherzig hart und marktschreierisch draufzuhauen, das können die gleichen sehr gut.
    Wer hört schon mal etwas von Harting? Man könnte diesen nur als die graue Eminenz des pleiteanrüchigen Bildungssystems dieses Landes nennen. Wieviel mehr Übles von den Linkisch-Linken hierzu über Papst! Was soll also dieser Vergleich?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Sie schreiben es und ich stimme ihnen absolut zu.

    Die Gleichen, die sonst vor Empörung fast platzen, finde hier keine klaren Worte.
    So ist das immer wenn eine ideologische Welt mit ihren Verfehlungen konfrontiert wird und viele Intellektuelle wissen sich gut rauszureden.

    Orpheus

    die gläubig an den Lippen Ihrer Idole hängen, sei es jetzt Mixa, Ratzinger, Hentig oder wer sonst noch kritiklos verehrt wird und wurde. Dieses Übel ist leider auch unter sog Intellektuellen verbreitet.

    besonders, wenn es um Reformpädagogik geht.
    Von "links" propagiert, nützt sie vor allem Kindern aus akademischem Hause, besonders benachteiligt werden Unterschichtkinder durch reformpädagogische Methoden.
    Die reformpädagogische Odenwaldschule wies aus der Reihe tanzendem Nachwuchs von Geld- und Erbadel den gepolsterten Weg zum Abitur, 24 Stunden am Tag dauerbehütet von "genialen Pädagogen".
    Als ausgleichende Missbrauchsopfer, so beschreiben es ehemalige Schüler, dienten die extra-bedürftigen Schüler.
    Die schrittweise Einführung reformpädagogischer Methoden an öffentlichen Schulen wird finanziell massiv von den großen Medienkonzernen gepuscht.
    Wenn die Bedeutung des Lehrers bei gleichzeitigem Kräfteverschleiß von Eltern, Lehrern, Schülern abgewertet und die des Materials aufgewertet wird, muss mehr davon gekauft werden.
    Das tun wohlhabende Eltern bereitwillig.
    Wer als Erziehungswissenschaftler oder Elternvertreter auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien beharrt, die die Minderleistung reformpädagogischer Methoden beschreiben, wird von den "linken" Journalisten, die, oh Wunder, etwas mit den Medienkonzernen zu tun haben, als "Rechter" gehandelt.

    Sie schreiben es und ich stimme ihnen absolut zu.

    Die Gleichen, die sonst vor Empörung fast platzen, finde hier keine klaren Worte.
    So ist das immer wenn eine ideologische Welt mit ihren Verfehlungen konfrontiert wird und viele Intellektuelle wissen sich gut rauszureden.

    Orpheus

    die gläubig an den Lippen Ihrer Idole hängen, sei es jetzt Mixa, Ratzinger, Hentig oder wer sonst noch kritiklos verehrt wird und wurde. Dieses Übel ist leider auch unter sog Intellektuellen verbreitet.

    besonders, wenn es um Reformpädagogik geht.
    Von "links" propagiert, nützt sie vor allem Kindern aus akademischem Hause, besonders benachteiligt werden Unterschichtkinder durch reformpädagogische Methoden.
    Die reformpädagogische Odenwaldschule wies aus der Reihe tanzendem Nachwuchs von Geld- und Erbadel den gepolsterten Weg zum Abitur, 24 Stunden am Tag dauerbehütet von "genialen Pädagogen".
    Als ausgleichende Missbrauchsopfer, so beschreiben es ehemalige Schüler, dienten die extra-bedürftigen Schüler.
    Die schrittweise Einführung reformpädagogischer Methoden an öffentlichen Schulen wird finanziell massiv von den großen Medienkonzernen gepuscht.
    Wenn die Bedeutung des Lehrers bei gleichzeitigem Kräfteverschleiß von Eltern, Lehrern, Schülern abgewertet und die des Materials aufgewertet wird, muss mehr davon gekauft werden.
    Das tun wohlhabende Eltern bereitwillig.
    Wer als Erziehungswissenschaftler oder Elternvertreter auf den Ergebnissen wissenschaftlicher Studien beharrt, die die Minderleistung reformpädagogischer Methoden beschreiben, wird von den "linken" Journalisten, die, oh Wunder, etwas mit den Medienkonzernen zu tun haben, als "Rechter" gehandelt.

  7. Die Zusammensetzung der Laborschule Bielefeld und des Oberstufenkollegs ist stark sozial segregiert. Die Elternschaft der Laborschule setzt sich aus deutlich mehr Universitätsangehörigen, weniger Migranten, weniger ungelernten Arbeitern als ein durchschnittliches nordrhein-westfälisches Gymnasium zusammen. Und hat eine bessere räumliche, sachliche und personelle Ausstattung.
    Dass unter diesen Umständen Schule gelingt, bestreitet niemand.
    Von Hentig hat seine Bielefelder Erkenntnisse belletristisch publiziert, aber nicht international wissenschaftlich zur Diskussion gestellt.
    Meine Kritik gilt der unüberprüften, nicht durch valide vergleichende wissenschaftliche Untersuchungen gesicherten Übernahme der unter den o.g. speziellen Bedingungen entwickelten Methoden ins öffentliche Schulwesen.
    Als Beispiel möchte ich die Schuleingangsstufe anführen: Das Gelingen unter Bielefelder Spezialvoraussetzungen hat zur Einführung ins öffentliche Schulwesen geführt.
    In Berlin müssen sich jetzt Lehrer herkömmlicher Schulen Schulanfangsunterricht mit Schülern im Alter von 5 bis 9 Jahren bestreiten.
    Strukturell erfordert diese Art der KLassenzusammensetzung ein weniger angeleitetes, weit schülerferneres Vorgehen als herkömmlicher Unterricht im altersnäheren Klassenverband.
    Das Ergebnis kann man am Aufschrei der Berliner Grundschullehrer gegen die Vergleichsarbeiten ablesen: Drittklässer sind nicht in der Lage, die Aufgaben zu lesen, von Verstehen und Lösen ganz zu schweigen.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service