Islam-Debatte: Aufklärung zwecklos
Der Radikalreformer Tariq Ramadan redet über den guten Islam
Wenn es mit der Welt einmal zu Ende geht, so lautet ein Bonmot von Heinrich Heine, dann muss man ins verschlafene Holland auswandern, denn dort passiert alles erst fünfzig Jahre später. Heine hatte recht, aber anders als er dachte. In den Niederlanden gehen die Uhren nämlich nicht nach, sie gehen vor, dort brechen Konflikte auf, die woanders erst in Umrissen zu erkennen sind. Ein Schlüsselkonflikt ist der radikalisierte Islam.
Vor sechs Jahren wurde in Amsterdam der Filmemacher Theo van Gogh von einem Muslim auf offener Straße buchstäblich hingerichtet; die aus Somalia stammende Islamkritikerin Ayaan Hirsi Ali hat nach jahrelangen Morddrohungen dem Land zermürbt den Rücken gekehrt. Die Niederlande scheinen tief gespalten: Das »Wir« der Aufgeklärten steht geschlossen gegen die Front der »anderen«. Es ist die Logik der Eskalation.
Wie kann man diesen Teufelskreis der Verfeindung unterbrechen? Das Groninger Lolle-Nauta-Forum hatte dieser Tage Rat suchend Ian Buruma und Tariq Ramadan in die Universitätsidylle eingeladen, und allein der Umstand, dass so unterschiedliche Denker Seite an Seite auftraten, war eine dramatische Botschaft an die Adresse der zerstrittenen europäischen Intellektuellen. Die Botschaft lautete: Freunde, es ist sinnlos, Muslime zu beschimpfen und sie mit den säkularen Waffen der historischen Aufklärung niederzuringen. Auch wenn man tausendmal im Recht ist – die Muslime erreicht man damit nicht, man nährt nur den Hass und vertieft das Schisma. Stattdessen komme alles darauf an, die europäischen Muslime aus ihrer Isolation zu locken und sie mit der liberalen Demokratie auszusöhnen.
Das sagte nicht nur der Kulturwissenschaftler Ian Buruma, das sagte auch Tariq Ramadan, Schweizer Bürger und Islamwissenschaftler in Oxford, Enkel von Hassan al-Banna, dem Gründer der ägyptischen Muslimbruderschaft und als Intellektueller das, was man gemeinhin »umstritten« nennt. Vor sechs Jahren verbot ihm Präsident Bush die Einreise in die USA, weil er einer Organisation Geld gespendet hatte, die Beziehungen zur Hamas unterhielt und von der US-Regierung später als terroristisch eingestuft wurde; im Januar hob Außenministerin Hillary Clinton das Verbot wieder auf. Der mildeste Vorwurf gegen Ramadan lautet, er sei ein Wolf im Schafspelz und rede mit gespaltener Zunge. Für die Welt ist er, so schreibt das Blatt im Kulturkampfdeutsch, eine »lächelnde Bombe«.
Aber in Groningen zählte nicht der Verdacht, sondern das Argument, und Ramadans wichtigstes lautete: Jeder Versuch, gläubige Muslime von außen »aufzuklären«, sei zwecklos, weil sie dies als Übergriff verstehen würden, als feindseligen Akt von Ungläubigen. Der Islam müsse sich vielmehr »von innen« reformieren, er müsse aus eigener Kraft, aus seinen eigenen Traditionen eine Antwort auf die Moderne finden. Ian Buruma, der ein eindringliches Buch über den Mord an Theo van Gogh geschrieben hat (Die Grenzen der Toleranz, Hanser Verlag), sah es ähnlich. Die Ideale der Aufklärung, sagt er, liefen Gefahr, zu einem westlichen Kampfmythos zu verkommen, zu einem nationalen »Wert«, der die Spirale aus Hass und Verfeindung bloß weitertreibe. Nicht irgendwelche Werte, allein Recht und Gesetz bildeten das Band, das eine moderne Gesellschaft zusammenhalte.
Auch Ramadan predigt seinen Glaubensbrüdern strikten Rechtsgehorsam, auch er weiß, dass Fundamentalismus und Demokratie unvereinbar sind. Deshalb müsse der Islam sich eine andere Geschichte über seine Stellung in der Moderne erzählen, nicht die Geschichte vom Kampf, sondern die von einer multiplen Identität, bei der man sowohl engagierter Bürger eines Gemeinwesens wie auch gläubiges Mitglied einer Religionsgemeinschaft ist. In diesem Sinn gehören Buruma und Ramadan zu einer neuen Avantgarde. Auch sie haben multiple Identitäten, und sie sagen: Muslime, macht es uns nach, versteht euch als Bürger, verlasst die soziale Isolation. Eine grundlose Hoffnung? Eine andere, so hieß es in Groningen, haben wir in Europa nicht.







Der Flirt mit dem Islam und die Diskreditierung muslimischer Dissidenten, wie sie Assheuer und andere betreiben, wurzelt im anti-aufklärerischen Ressentiment der westlichen Intellektuellen.
In einem Aspekt gleichen sich Islamisten, Rechtsradikale und ein nicht geringer Teil der linken Intelligenzija: Man hat entschieden etwas gegen die Freiheit. Und so stellt man sich auf die Seite des "edlen Wilden", statt für die Errungenschaften der Aufklärung einzutreten: http://www.achgut.com/dad...
Immer wenn auf die historische Entwicklung des Islam und seine kriegerischen Inhalte hingewiesen wird kommen wahlweise die Kreuzzüge als Gegenargument bzw. wie hier wird auf die Menschen hingewiesen.
Es sagt niemand, daß Menschen, die in den Islam hineingeboren werden, grundsätzlich nicht friedlich sind.
Das gilt für den Islam wie alle Religionen.
Jedoch sagt das nichts darüber aus, daß der Islam eben in sich nicht friedliche Elemente birgt, zumindest nach dem Friedensbegriff von Kant, der dem Friedensverständnis der UN zugrunde liegt.
Das Argument mit den Menschen ist daher Unsinn.
Ihre Argumente sind bar jeglicher historischer Entwicklung. Wie ist denn der Islam z.B. nach Jerusalem gekommen? Richtig: Durch kriegerische Eroberung.
Ihren Argumenten mit den Kreuzzügen ist entgegenzusetzen, daß diese zumindest beim ersten aufgrund von Hilferufen von Christen gegen die kriegerische Bedrängung durch Moslems zustande kamen.
Al Andalus? Ein islamisches Märchen. In El Andalus gab es Juden und Christenprogrome, es gab ständige von dort ausgehende Raubzüge in christliche Nachnbarländer usw.
Zur Behandlung von Juden und Wissenschaftlern empfehle ich Ihnen, einmal nach dem Namen Maimonidis zu googeln.
Das Haus des Wissens in Bagdad war ein Kopie einer vorher zerstörten Einrichtung im vorislamischen Persien.
Es wurde größtenteils durch nichtislamische Wissenschaftler aufrechterhalten.
Die islamische Philosophie in Verbindung mit der griechischen lag in ständigem Kampf mit dem Islam, was eigenlich nicht zu verwundern ist.
Entsprechende Werke der griechischen Philosophie wurden deshalb auch gar nicht ins arabische übersetzt. Diese wurden durch zeitgleiche Übersetzungen in europäischen Klöstern erhalten.
Nichts da mit dem Argument, die Araber hätten eine Brückenfunktion zwischen dem alten Griechenland und Europa innegehabt. Alles nachzulesen u.a. bei dem französischen Philosophen Remy Braque.
nass.
"engagierter Bürger eines Gemeinwesens wie auch gläubiges Mitglied einer Religionsgemeinschaft", das klappt wunderbar, selbst im Islam. Es fehlt nur eine Kleinigkeit:
das demokratische Gemeinwesen, und da hapert es nicht nur gewaltig, das funktioniert überhaupt nicht.
"gewaltsame Ausbreitung ist definitiv nicht nur vereinbar mit europäischem Denken, sondern konstitutives Element davon"
Der Unsinn dieser Aussage läßt sich schon durch einfaches Lesen des UN-Zivilpaktes widerlegen.
Na gut, dann nehmen wir uns doch mal Malaysia, Türkei und Indonesien vor.
In Malayasia gibt es einen Moslemanteil von gerade mal 60 % an der Bevölkerung. Trotzdem wird die nichtmoslemische Bevölkerung massiv benachteiligt - obwohl sie zum weitaus größten Teil an der wirtschaftlichen Entwicklung des Landes beteiligt ist. Es gibt Quotensysteme zugunsten Moslems an den Hochschulen, Firmen müssen einen moslemischen Miteigentümer haben, es gilt für Moslems die Scharia, die Einfuhr von Bibeln muß von einer moslemischen Religionsbehörde genehmigt werden usw.
Indonesien: Dazu nur: Nach Medienberichten Ende 2009 wurden dort in den letzten 4 Jahren nahezu 1000 (Eintausend) christliche Kirchen niedergebrannt.
In der dortigen Provinz Aceh wurde nach einem Artikel in der India-Times angedacht, den Vollzug von Körperstrafen als Touristenattraktion zu vermarkten.
Türkei: Ein ursprünglich weitgehend christliches Land. Heute wird dort den Urchristen die Ausbildung von Priestern verweigert, gleichzeitig müssen Priester die türkische Staatsangehörigkeit haben. Dies wird in wenigen Jahren dazu führen, daß es keine orthodoxe Priester mehr dort gibt.
Zu dem Schicksal der Aramäer und Armenier, die ebenfalls zu früheren Zeiten dort siedelten, braucht man nicht mehr viel zu schreiben, das ist bekannt.
"Auch das Christentum konnte sich nur durchsetzen, weil gewisse Herrscher (römischer Kaiser) sich dazu bekehren ließ. Pragmatismus ist für einen Herrscher außerdem sicherlich kein Makel."
Und von welcher weltlichen Macht wurde dem römischen Kaiser der Übertritt zum Christentum nahegelegt?
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