Es waren nur drei Wörter, und Barack Obama ließ sie eher beiläufig fallen, doch sie alarmierten Israelis und viele amerikanische Juden aufs Äußerste. Eine Lösung des Nahostkonflikts, sagte Obama auf dem Atomgipfel, sei für sein Land von »vitalem nationalen Sicherheitsinteresse«. Das hatte bisher noch kein amerikanischer Präsident so scharf formuliert. Diese drei Wörter markieren die neue Sicht auf den hundert Jahre währenden Streit und Amerikas wachsende Distanz zur israelischen Regierung. Sie erklären, warum Obama Israels Premier neulich nur durch einen Seiteneingang ins Weiße Haus ließ und er Benjamin Netanjahu ein gemeinsames Foto verweigerte.

Von »vitalem nationalem Sicherheitsinteresse« für die USA, das soll heißen: Achtung, Israel, wir werden uns nicht aus dem Nahostkonflikt heraushalten, denn eure Interessen sind nicht mehr zwangsläufig die unseren! In diesen drei Wörtern steckt der ganze Zorn über Israels Besatzungs- und Siedlungspolitik, die der amerikanischen Mission in der Region schadet, Feinde wie Iran und al-Qaida stärkt und obendrein das Leben amerikanischer Soldaten zwischen Kabul und Bagdad gefährdet. Und das ist nicht nur die wachsende Überzeugung des Präsidenten, sondern auch die seiner Außenministerin und seiner obersten Generäle.

Israel trägt Mitschuld am Tod amerikanischer Soldaten? Das hat so niemand gesagt, aber diese Behauptung schwingt mit. Soeben beklagte General David Petraeus vor dem Verteidigungsausschuss des Senats, dass der Streit zwischen Israelis und Palästinensern und die Besatzung des Westjordanlands den Antiamerikanismus schürten. Und Hillary Clinton sekundierte auf einer jüdischen Festveranstaltung: Eine Friedenslösung sei »entscheidend« für die Belange der USA. Wo immer sie derzeit im Ausland auftrete, werde ihr der ungelöste Nahostkonflikt entgegengehalten.

Streit zwischen den beiden aufs Engste Verbündeten gab es schon häufig, das erste Mal nach der Sueskrise 1956. Doch bislang spielte er sich meist hinter den Kulissen ab, und noch nie hat ein US-Präsident behauptet, der gute Freund gefährde Amerikas Sicherheit. Israels Siedlungsbau wurde zwar stets gerügt – aber eher als nationale Angelegenheit betrachtet und nicht als globale Gefahr. Nach außen taten die USA bislang immer, als passe zwischen sie und Israel kein Blatt Papier.