Preiskampf Die WasserschlachtSeite 3/3
Von einer pauschalen Kritik an den Wasserkonzernen hält Robert Holländer freilich wenig. Die Vernachlässigung der Netze sei keine Spezialität der Privaten, sondern könne bei Kommunen genauso vorkommen. »Häufig zahlt es sich für Lokalpolitiker eben mehr aus, in etwas Sichtbares wie Straßen oder Kindergärten zu investieren anstatt in die unterirdische Infrastruktur.« Schon heute werde in Deutschland weniger in die Pflege der Netze investiert als notwendig. Die Qualität des Trinkwassers sieht Holländer dagegen nicht gefährdet, weil sie in der Europäischen Union streng reguliert sei.
Ob die Wasserpreise unter der Regie privater Versorger tatsächlich sinken, hängt nicht zuletzt davon ab, ob die finanziell Not leidenden Kommunen mögliche Kostenvorteile an ihre Bürger weitergeben. Ein eher abschreckendes Beispiel könnte Berlin sein. Obwohl mit leicht zu förderndem Wasser reich gesegnet, hat die Bundeshauptstadt einen vergleichsweise hohen Wasserpreis. Grund ist ein Deal aus dem Jahre 1999. Damals verkaufte der rot-schwarze Senat 49,9 Prozent der Berliner Wasserwerke an ein Konsortium aus Veolia und RWE (damals noch Vivendi). Als Gegenleistung für einen satten Privatisierungserlös, mit dem die damalige Finanzsenatorin Annette Fugmann-Heesing (SPD) ihren Haushalt aufhübschen wollte, wurde den Konzernen eine hohe Kapitalverzinsung zugesichert. Die Zeche für diese Politik, von der bislang sowohl die privaten Versorger wie die Stadt profitiert hätten, zahlten die Wirtschaft und der Bürger, kritisiert Jochen Esser, grüner Finanzexperte im Berliner Abgeordnetenhaus.
»Wasser ist nicht irgendein Produkt, sondern Lebensgrundlage«
Robert Holländer hält die aktuelle Wasserpreis-Diskussion für populistisch. Im Kern gehe es um die Entscheidung, ob die Wasserversorgung dem Quartalsdenken geopfert werde. »Wasser ist nicht irgendein Produkt, sondern unsere Lebensgrundlage. Gerade der Grundwasserschutz braucht eine langfristig angelegte Politik. Kurzfristige Renditeerwartungen sind hier fehl am Platz«, sagt die Grünen-Politikerin Rühle. Es geht aber nicht nur um ökologische, sondern auch um ökonomische Nachhaltigkeit, wenn Holländer davor warnt, den »Generationenvertrag beim Betrieb und Erhalt der Netze« aufzukündigen.
Fragt sich, wer von einer Preissenkung überhaupt profitieren würde. Am ehesten wohl mittelständische Betriebe, die viel Wasser verbrauchen, etwa Wäschereien oder die Hotellerie. Die Großindustrie versorgt sich in Deutschland fast vollständig aus eigenen Quellen, ist also auf das öffentliche Netz gar nicht angewiesen. Und für die Haushalte dürfte der Wasserpreis eine Quantité négligeable sein. Im Jahr 2008 kosteten tausend Liter Trinkwasser durchschnittlich 1,85 Euro inklusive Mehrwertsteuer. Bei einem gemittelten Wasserverbrauch von 125 Litern pro Tag und Einwohner zahlt der Durchschnittsbürger gerade mal sieben Euro monatlich für das gar nicht so kostbare Nass.
Das ist weniger als in England oder Frankreich, wo die Wasserversorgung deutlich stärker zentralisiert und privatisiert ist. Überhaupt wissen nur wenige Bürger, wie viel Wasser sie verbrauchen und was sie dafür bezahlen müssen. Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2007 schätzten die Befragten den durchschnittlichen Wasserpreis auf 4,61 Euro pro Kubikmeter – mehr als das Doppelte des tatsächlichen Durchschnittspreises.
- Datum 23.04.2010 - 17:51 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 22.04.2010 Nr. 17
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Wo wird nicht gelogen und betrogen und getrickst mit allen Mitteln ?
Wasser für alle zu vernünftigen Preisen, überwacht von der
Bundesregierung bundesweit, nicht wie im Mittelalter.
Kein Kaspertheater der Länder und Kommunen dulden, wie z.B. Wasserwerke usw. an Investoren verkaufen und zurück mieten,
um zu einer gegebenen Zeit Steuer zu sparen.
Die Auswüchse sind ja bekannt. Die Pleiten auch, die Schuldigen
sind nicht verurteilt, immun sagt man unantastbar, wie lange noch?
Die Wasserversorgung gehört in die öffentliche Hand. Nur so ist gewährleistet, dass nicht nur das Profitdenken die Wasserversorgung bestimmt, sondern die Versorgungssicherheit. Wenn man dem privaten Sektor die Wasserversorgung überlaesst, dann kann man sicher sein, dass eher fueher als später die Preise kräftig ansteigen und die Investitionen ins Netz auf ein Minimum heruntergefahren werden. Wo soll denn sonst die Rendite herkommen? Die armen Aktionäre wollen doch schliesslich auch versorgt werden.
Und was ist ausserdem daran auszusetzen, wenn eine Stadt über ihre Wasserwerke einen anderen Sektor quersubventioniert? Schliesslich bietet sie doch damit eigentlich nur eine Dienstleistung für ihre Bürger an. Ich fände es gar nicht schlecht, wenn z.B. die Kindergartengebühren, oder Kosten für öffentliche Verkehrsmittel durch eine Quersubvention gesenkt werden könnten. Was waere denn so schlimm daran. Ach ja die Privaten würden keinen so guten Schnitt mehr machen. Stimmt, das wars! :)
ist eins der teuersten in Europa...
"Laut einer Umfrage aus dem Jahr 2007 schätzten die Befragten den durchschnittlichen Wasserpreis auf 4,61 Euro pro Kubikmeter – mehr als das Doppelte des tatsächlichen Durchschnittspreises."
Dieser Wert kommt anscheinend daher, dass gemäß dem Wasserverbrauch auch die Abwassermenge mit bezahlt wird -zu einem Mehrfachen des Trinkwasserpreises.
Insofern ist der Schätzwert nicht zu hoch, sondern noch zu niedrig. Es dürfte wenige Kommunen in D. geben, wo Trinkwasser+Abwasser zu 4,61€/m³ zu haben ist.
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