Museumseröffnung In Himmlers Reich
Seite 2/2:

Die Wewelsburg war nicht nur eine Stätte der Selbstbestätigung

Auf zahlreichen Exponaten, auf Stahlhelmen, Dolchen, Broschen, Stühlen, Geschirr und Bestecken, begegnen uns die blitzförmigen SS-Runen, das Emblem der Schutzstaffel, das im Zweiten Weltkrieg neben dem Eisernen Kreuz zum Schreckenssymbol in allen von den Deutschen eroberten und besetzten Gebieten werden sollte.

Ein eigener Raum ist den vor allem in Osteuropa gemeinsam mit der Wehrmacht verübten Verbrechen der SS gewidmet: vom Raub der Kulturgüter über den Besatzungsterror, die Umsiedlungen und Vertreibungen bis hin zum millionenfachen Völkermord. Am Ende sollte ein »Großgermanisches Reich« stehen vom Atlantik bis zum Ural. Wer über die Abläufe der Mordaktionen oder die monströsen politischen Pläne Näheres erfahren möchte, für den halten Schubfächer und audiovisuelle Medien eine Fülle an Zusatzdokumenten bereit.

Integriert in den Rundgang sind zwei Räume im Nordturm der Burg: zum einen die »Gruft«, in der die Totenfeiern stattfinden und die Totenkopfringe der Verstorbenen in einem besonderen Schrein aufbewahrt werden sollten, zum anderen der »Obergruppenführersaal«, der für die alljährlich vorgesehenen Treffen gedacht war. In der Mitte dieses Raumes befindet sich ein Bodenornament, die sogenannte »schwarze Sonne«, die, als eine Art Hakenkreuzersatz, seit den neunziger Jahren zu einem populären Symbol in rechtsradikalen und esoterischen Kreisen geworden ist. Deshalb war es ein guter Einfall der Ausstellungsmacher, dem Raum alles Mystisch-Pathetische zu nehmen, indem sie über das Ornament große Sitzkissen verteilt haben.

Die Wewelsburg war jedoch nicht nur eine Stätte der Selbstbestätigung und Selbstinszenierung der SS, sie war zugleich ein Schauplatz des Leidens und des Sterbens. Im Zweiten Weltkrieg sollte eine riesige ringförmige Burganlage rund um das Schloss entstehen. Um die Ausbaupläne zu forcieren, ließ die SS im Ortsteil Niederhagen ein KZ errichten. Rund 3900 Häftlinge, darunter vor allem sowjetische Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter, mussten im nahe gelegenen Steinbruch schwerste körperliche Arbeiten verrichten. Mindestens 1285 von ihnen kamen dabei ums Leben.

Der Doppelfunktion der Wewelsburg als Täter- und Opferort folgt das Arrangement der Objekte. Neben der schwarzen SS-Uniform finden sich die blau-weiß gestreiften Häftlingsjacken, neben Schutzhaftbefehl und Totenschein die Briefe und Erinnerungsberichte der Inhaftierten. Die mörderischen Konsequenzen des Rassenwahns werden so eindringlich sichtbar gemacht.

Auch die Geschichte der unmittelbaren Nachbarschaft wird beispielhaft miteinbezogen. Den Wewelsburgern konnte die brutale Behandlung der Häftlinge durch die SS-Wachmänner nicht verborgen bleiben. Die meisten sahen weg; nur wenige versuchten zu helfen, indem sie etwa den Geschundenen heimlich Lebensmittel zusteckten. Dokumentiert wird schließlich, wie lange es nach 1945 noch dauerte, bis sich der Blick des Dorfes auf die SS-Vergangenheit änderte und an die Stelle des Vergessens, Verdrängens und Beschönigens die kritische Auseinandersetzung trat. Man kann es nur schwer glauben, aber erst im Jahr 2000 wurde auf dem ehemaligen KZ-Appellplatz ein Mahnmal eingeweiht.

Drei ehemalige Häftlinge, darunter der 104 Jahre alte Leopold Engleitner aus Österreich, waren zur Eröffnung des neuen Museums angereist. Schon bald werden die Stimmen der Überlebenden nicht mehr zu uns sprechen. Umso wichtiger sind Orte wie dieser hier, welche die Erinnerung aufbewahren. Sie zeigen uns, was Menschen aus Menschen und mit Menschen gemacht haben.

Das Dokumentationszentrum auf der Wewelsburg, Burgwall 19, 33142 Büren-Wewelsburg, ist geöffnet Di–Fr 10–17 Uhr, Sa–So 10–18 Uhr; Tel. 02955/76220.

 
Leser-Kommentare
  1. 1. Warum?

    Entfernt. Verzichten Sie auf Bemerkungen, die als Relativierung der NS-Verbrechen verstanden werden können. Die Redaktion/sh

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ... die die Aufarbeitung der eigenen Geschichte hinterfragen, so lange ist es nötig unsere Geschichte aufzuarbeiten.

    Es geht hierbei um das 'nicht vergessen' und 'bewusst machen'.

    Ich finde in dem geschichtlichen Kontext des Artikels ihren NickName hier auf zeit.de übrigens von besonderem Interesse.

    ... die die Aufarbeitung der eigenen Geschichte hinterfragen, so lange ist es nötig unsere Geschichte aufzuarbeiten.

    Es geht hierbei um das 'nicht vergessen' und 'bewusst machen'.

    Ich finde in dem geschichtlichen Kontext des Artikels ihren NickName hier auf zeit.de übrigens von besonderem Interesse.

  2. dass weiterhin, wenn auch teilweise etwas fehlgeleitet, gemahnt wird. Menschen vergessen nur zu schnell.
    Und es zeigt der Welt unseren Willen nicht nocheinmal soetwas zuverschulden.
    Das Volk der Herero wartet übrigens immer noch auf eine Entschuldigung.

  3. ... die die Aufarbeitung der eigenen Geschichte hinterfragen, so lange ist es nötig unsere Geschichte aufzuarbeiten.

    Es geht hierbei um das 'nicht vergessen' und 'bewusst machen'.

    Ich finde in dem geschichtlichen Kontext des Artikels ihren NickName hier auf zeit.de übrigens von besonderem Interesse.

    Antwort auf "Warum?"
    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • leon1
    • 27.04.2010 um 16:32 Uhr

    Ich weiss nicht wie man Geschichte aufarbeitet ausser
    das Nachgeborene sagen : Ich werde alles tun das sowas nicht wieder passiert. Ein frommer Wunsch.
    Schon wieder ist Deutschland an einem Krieg beteiligt, Deutsche begehen Kriegsverbrechen die nich als solche benannt werden duerfen usf.
    Die Mehrheit der Bevoelkerung die sagt : Nie wieder Krieg wird mit dem Satz: Nie wieder Auschwitz zum Schweigen gebracht.
    Ist es das was unter Aufarbeitung zu verstehen ist?

    • leon1
    • 27.04.2010 um 16:32 Uhr

    Ich weiss nicht wie man Geschichte aufarbeitet ausser
    das Nachgeborene sagen : Ich werde alles tun das sowas nicht wieder passiert. Ein frommer Wunsch.
    Schon wieder ist Deutschland an einem Krieg beteiligt, Deutsche begehen Kriegsverbrechen die nich als solche benannt werden duerfen usf.
    Die Mehrheit der Bevoelkerung die sagt : Nie wieder Krieg wird mit dem Satz: Nie wieder Auschwitz zum Schweigen gebracht.
    Ist es das was unter Aufarbeitung zu verstehen ist?

  4. "Der Werwolf (seltener: Wehrwolf) wurde von Reichsführer-SS Heinrich Himmler als nationalsozialistische Freischärler- bzw. Untergrundbewegung ab September 1944 – kurz vor dem Zusammenbruch des „Dritten Reiches“ – ins Leben gerufen."

  5. Auf der einen Seite geben sich die Macher der Ausstellung große Mühe, detailgenau zu dokumentieren, auf der anderen Seite decken sie ein einzelnes Symbol(Bodenornament)ab.

    Wenn ein Bodenornament nicht gezeigt wird, stellt sich die Frage, ob noch mehr Dinge nicht gezeigt oder versteckt werden und warum. Dem Betrachter wird der Blick auf den originären Zustand verweigert und wenn er das merkt, fühlt er sich manipuliert und wird uU die Glaubwürdigkeit der Gesamtausstellung in Zweifel ziehen. Das ist sicher -anders als der Autor das offenbar annimmt- keine gute Idee im Sinne der Dokumentationskraft der Ausstellung.

  6. Kontraproduktivität erreicht. Wenn ich mich so durch die Fernsehprogramme zappe, sehe ich fast täglich irgendeinen Film, wo man, schon öfters jetzt in Farbe, Hitler in allen Variationen serviert bekommt. Als Staatsmann, als verehrter Führer, Hitler mit Hund, Hitler mit Kind, Hitler als Feldherr, Hitler mit seiner Eva, dazwischen mal zur Rechtfertigung für die filmische Devotionalie Hitler als hysterischer Redner. Heute waren zur Abwechslung auch rührende Briefe an Hitler dabei, angefangen vom Kind, das ihm Schokolade schickte, bis zur Frau, die sich von ihm ein Kind wünschte, sozusagen als Rahmenprogramm für ein paar grausliche Szenen..
    Interessant ist auch, dass die Farbfilme erst im letzten Jahrzehnt hervorkamen. Das ist wohl kaum ein Zufall. Schwarz - Weiß versinnbildlichte das Düstere des Naziregimes viel besser. Die Farbfilme betten vieles in geradezu liebliche Farben.In mir keimt der Verdacht, dass viele unter dem Deckmantel der politischen Korrektheit und Aufklärung geschäftliche oder politische Interessen verfolgen, die diametral dem aufklärenden Begleittext gegenüberstehen.

  7. kallewestrich: Auch noch schön angesiedelt in der teutschen Umgebung mit mystischem Background, erscheint uns jetzt die SS wie ein hochinteressanter Geheimbund. In Wirklichkeit eine systematische Tötungsmaschine mit vielen Rädchen...

    • leon1
    • 27.04.2010 um 16:32 Uhr

    Ich weiss nicht wie man Geschichte aufarbeitet ausser
    das Nachgeborene sagen : Ich werde alles tun das sowas nicht wieder passiert. Ein frommer Wunsch.
    Schon wieder ist Deutschland an einem Krieg beteiligt, Deutsche begehen Kriegsverbrechen die nich als solche benannt werden duerfen usf.
    Die Mehrheit der Bevoelkerung die sagt : Nie wieder Krieg wird mit dem Satz: Nie wieder Auschwitz zum Schweigen gebracht.
    Ist es das was unter Aufarbeitung zu verstehen ist?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Ich finde, die Herstellung eines Zusammenhangs mit dem Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, eingebunden in ein internationales Truppenkontingent und der Kriegspolitik des Dritten Reiches oder der SS im speziellen, immer sehr gewagt.
    Es gehört auch zur Aufarbeitung, dass die Monströsität des Dritten reiches als einzigartig anerkannt wird. Jeder Vergleich mit anderen Zeiten, ist im Umkehrschluß auch eine Relativierung.

    Man kann den Bundeswehreinsatz auch, bei allen Vorbehalten als eine weitere Rückkehr der Normalität sehen. Deutschland darf bei internationalen Militäreinsätzen wieder mitmachen, ohne das die Weltgemeinschaft Angst hat, dass wir sofort wieder in Welteroberungsphantasien verfallen.

    Das SS Museum halte ich für gewagt, der Direktor trägt da eine Menge Verantwortung, aber auch für eine gute Sache. Abgesehen von den Verbrechen der SS ist der Grundgedanke, der ihr zugrunde liegt, -ein elitärer Orden, heute mit Sicherheit bei vielen noch sehr präsent. Wohin das im ungünstigen Fall führen kann, dafür bietet das Museum, nicht nur für Deutschland, sondern für Alle ein lehrhaftes Anschauungsbeispiel.

    Ich finde, die Herstellung eines Zusammenhangs mit dem Bundeswehreinsatzes in Afghanistan, eingebunden in ein internationales Truppenkontingent und der Kriegspolitik des Dritten Reiches oder der SS im speziellen, immer sehr gewagt.
    Es gehört auch zur Aufarbeitung, dass die Monströsität des Dritten reiches als einzigartig anerkannt wird. Jeder Vergleich mit anderen Zeiten, ist im Umkehrschluß auch eine Relativierung.

    Man kann den Bundeswehreinsatz auch, bei allen Vorbehalten als eine weitere Rückkehr der Normalität sehen. Deutschland darf bei internationalen Militäreinsätzen wieder mitmachen, ohne das die Weltgemeinschaft Angst hat, dass wir sofort wieder in Welteroberungsphantasien verfallen.

    Das SS Museum halte ich für gewagt, der Direktor trägt da eine Menge Verantwortung, aber auch für eine gute Sache. Abgesehen von den Verbrechen der SS ist der Grundgedanke, der ihr zugrunde liegt, -ein elitärer Orden, heute mit Sicherheit bei vielen noch sehr präsent. Wohin das im ungünstigen Fall führen kann, dafür bietet das Museum, nicht nur für Deutschland, sondern für Alle ein lehrhaftes Anschauungsbeispiel.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service