GriechenlandDer letzte Sirtaki

Griechenland ist am Ende. Wir müssen helfen – und dann sofort die Spielregeln der Währungsunion neu schreiben

Straßenszene in Athen: Das Land liegt am Boden, Europa muss helfen

Straßenszene in Athen: Das Land liegt am Boden, Europa muss helfen

Es wäre einfach, es wäre gerecht, und es würde uns erst einmal nichts kosten, die Griechen pleitegehen zu lassen. Sie haben über ihre Verhältnisse gelebt und müssten mit einem Staatsbankrott ebenso für ihre Sünden bezahlen wie die Banken, die ihnen zu viel Geld geliehen haben. Das wäre auch eine Lektion für alle anderen, die meinen, sie könnten ungestraft eine Schuldenorgie feiern.

Wie gern würde man so argumentieren. Menschliches Gefühl und wirtschaftlicher Gedanke – hier sind sie endlich einmal eins. Beide sagen, jedes Land und jede Bank sind für die Folgen ihres Handelns verantwortlich. Nur dann funktioniert Europa, nur dann funktioniert der Kapitalismus.

Anzeige

Schade nur, dass die einfache Antwort in diesem Fall die falsche ist. Verwirft man sie, ist es gar nicht mehr einfach. Es wird vielmehr schwer, ungerecht, und es kostet uns Deutsche erst einmal 8,4 Milliarden Euro.

Retten oder nicht retten – niemand weiß genau, wozu es führte. Die Psychologie der Märkte ist ebenso wenig vorherzusagen wie das Verhalten der Griechen. Doch eilt die Welt ihnen nicht zur Hilfe, droht die Finanzkrise schnell, sehr schnell zurückzukehren. Griechenland könnte seine Schulden im Ausland nicht mehr bedienen. Allein in Deutschland wären Kredite von 45 Milliarden Euro und damit erneut auch einige Banken bedroht. Auftrieb erhielten dagegen Spekulanten, die seit Monaten gegen Griechenland wetten. Als Nächstes attackierten sie wahrscheinlich Portugal, dann Irland, dann Spanien, dann vielleicht gar Italien.

Prüfen wir, ruft die Kanzlerin – und weiß es doch besser

Das Lawinenrisiko ist hoch. In diesem Spiel speist die Skepsis sich selbst, wie sich am Dienstag dieser Woche zeigte. Eine Agentur für Risikobewertung stufte Griechenland herab – demnach sind die Anleihen der Hellenen nur noch Ramschware. Kaum war die Neuigkeit heraus, schnellten die Zinsen für Griechenland an den Finanzmärkten nach oben, die Börsen rauschten talwärts. Auch Portugal erlebte einen Schock. Seine Zinsen liegen zwar weit unter den griechischen, aber innerhalb von zwei Tagen verdoppelten sie sich fast. Wenn die Geldgeber einem Land nicht mehr vertrauen, fordern sie horrende Margen für neue Kredite. Die wiederum können das Land schnell überfordern.

Seit dieser Woche ist endgültig klar: Ohne Hilfe ist Griechenland pleite – und könnte andere Länder mitreißen. Damit das nicht geschieht, braucht das Land Zeit, und die können nur wir ihm kaufen.

Zu Recht hat Angela Merkel verhindert, dass Europa den Griechen bedingungslos hilft. Endlich beginnen sie zu sparen. Trotzdem ist Berlin nicht ehrlich mit uns. Die Regierung will uns weismachen, man müsse den Griechen als Gegenleistung für die Hilfe nur ein ultrahartes Sparprogramm abringen, dann erhielte Deutschland seine 8,4 Milliarden Euro mit Zins und Zinseszins zurück. Doch die Europäer sind besser darin, Verträge zu unterschreiben, als sie zu halten. Kaum ein Land, das nicht schon einmal gegen den Euro-Vertrag verstoßen hätte. Man stelle sich vor, die empörten Griechen drohten linke oder rechte Extremisten zu wählen und sparten weniger. Würde Deutschland sie fallen lassen? Wohl kaum. In Wahrheit beginnt jetzt ein Ringen mit ungewissem Ausgang.

Leserkommentare
  1. Ich kann dem nur voll zustimmen. Die Hauptfehler lagen in der Vergangenheit, als man diese Südstaaten leichtgläubig in die Währungsunion EURO aufnahm. Nun gilt es aber unbedingt, unverzüglich geeignete Maßnahmen gegen Zocker und Spekulanten zu Lasten der Steuerzahler zu beschließen. Außerdem muss die EuroStat allen Euro-Staaten genauestens auf die Finger schauen, auch wenn die Staaten dabei Zuständigkeiten einbüßen. Vertrauen und Sicherheit sind das wert. Hoffentlich wird jetzt endlich gehandelt.

  2. da werden im Minutentakt Meinungen veröffentlicht, die aber auch wirklich das gesamte Spektrum in der Einschätzung der Lage wiedergeben, man dreht sich mehrmals im Kreis

    nein lassen wie es ist, einmal sind die Banker schuld, dann sind es die Politiker, dann sind es die Menschen, dann ist es keiner, dann sollte man zahlen, dann wieder nicht, dann bekommt man das Geld sicher wieder zurück, dann wieder nicht

    was will die Zeit??

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    ...Medien, Auflage machen.

    Dazu ist jeder Schwachsinn recht, mit Meinungsbildung im positiven Sinn hat das leider längst nichts mehr zu tun.

    ...Medien, Auflage machen.

    Dazu ist jeder Schwachsinn recht, mit Meinungsbildung im positiven Sinn hat das leider längst nichts mehr zu tun.

    • vandog
    • 30.04.2010 um 11:00 Uhr

    Ganz Ehrlich. So wie der Euro geboren wurde, war es nur ein Flickenteppich. Allein anzunehmen wir geben allen den Euro und es reicht einen einzigen Leitzins vorzugeben, und das Wirtschaftswunder aus Deutschland in den 50'zigern und 60zigern, wiederholt sich im Südeuropäschen Raum. Der hat von Marktwirtschaft und Kuturellen Underschieden einfach keine Ahnung.
    Solange nicht die Regierungen nach dem gleichen Standart arbeiten und die gleichen Spielregeln befolgen solange wird auch eine Gemeinschaftswährung keinen Erfolg bringen.

    Es gibt nun mal Verträge, die einzuhalten sind.
    Darum kann es nur den Weg des Ausschluss aus dem Euro geben.
    Falls nun mit schönen Umschreibungen und Aushebelungen der Verträge nun doch Geld fliessen sollt. Wäre das der Untergang der Europäschien Gemeinschaft. Denn die Signalwirkung an andere Sünder wäre fatal. Und sicher ist das der deutsche Michel dafür bluten muss.
    Und wie lange das noch gut geht ist fraglich.

  3. redet schon wieder von traumhaften Gewinnen und Renditen

    der Schreiberling des obigen Pamphlets lässt sich auch vor den Karren spannen, ich würde es darauf ankommen lassen, die Griechen pleite gehen zu lassen, denn wird man sehen was passiert, denn bei den Zahlen der Griechen werden sie pleite gehen, das ist nun mal klar, diese Reformen sind nicht durch zu drücken, auch in anderen Ländern wird das gesetzliche Pensionsalter nie und nimmer erreicht

    diese Milliarden gehen direkt in den Rachen der Spekulanten über, nächstes Jahr wird man lesen können, dass die reichsten 2000 Europäer um 100.000.000.000 reicher geworden sind, so viel Geld in so kurzer Zeit kann nur im Sumpf versickern, und dann noch der größte Witz, der Steuerzahler darf für diese Übernahme des Ausfallsrisikos auch noch Zinsen an die Banken bezahlen, so eine absurde Regelung habe ich noch selten gehört, diese Darlehen sollten Zinslos sein, die Banken werden für ihre Betrügereien auch noch belohnt - kein Wunder dass Ackermann sein grinsen gar nicht mehr verliert

    die Banken können das locker wegstecken und sonst verschwinden sie eben vom Markt, ganz einfach, ich würde nur bestimmet für die Wirtschaft wichtige Geschäfte übernehmen, Spekulanten wären da nicht darunter

    • joG
    • 30.04.2010 um 11:11 Uhr

    .... stärker geworden, während der Süden das Leben auf Kredit genoss."

    Dieser Satz zeigt eine der elementaren Empfindungen, die die Emotionen hier leiten. Dass sie immer wieder und wieder in der Boulevard Presse, öffentlichen Medien und sogar in sogenannten seriösen Zeitungen unreflektiert als Wahrheit bestätigt werden verstärkt in den Köpfen den Glauben und in Realität die Tiefe des Irrglaubens. Schauen Sie doch und prüfen Sie Ihre Behauptung: http://de.wikipedia.org/w...

    Auch ist es fraglich, dass diese Aussage richtig ist: "Gleichwohl profitiert kaum ein Land so stark vom Euro wie die Bundesrepublik."
    Das wird immer von Politikern und öffentlichen Bediensteten gesagt, aber wie ist das denn? Hat diese Zeitung diese Behauptung geprüft? Wie ist es denn mit der Effizienz? Wie entwickelten sich seit Einführung des EURO die Löhne, das pro Kopf Einkommen, die Verteilung, die Renten usw? Wie ist das? Was meinen Sie mit "profitieren"? Wieso sagen Sie, dass der EURO gut sei? Bisher war er das für die meisten Deutschen nicht.

    • k2
    • 30.04.2010 um 11:16 Uhr

    "Passion Play (When All The Slaves Are Free)
    And they're playin' that scratchy rock and roll
    Beneath the Matala Moon
    Magdalene is trembling
    Like a washing on a line
    Trembling and gleaming
    Never before was a man so kind
    Never so redeeming
    Enter the multitudes
    In Exxon blue"(Joni Mitchell).
    Re:"Der letzte Sirtaki"(loc. supra).

  4. In Deutschland wird immer so getan, als sollten ausschließlich die Deutschen für die Griechen zahlen. Tatsächlich aber ist vorgesehen, daß alle Euroländer zur Griechenrettung beitragen. Ich frage mich nachgerade, wer von denen sich letztlich überhaupt als zahlungswillig erweisen wird? Werden Länder wie Portugal oder Spanien, die selbst am Rande der Pleite stehen, tatsächlich ihr Staatsdefizit noch weiter erhöhen, um die Griechen zu retten? Ich habe da so meine Zweifel.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service