Unis in Österreich Wem der Numerus clausus droht
Der Run auf österreichische Universitäten nimmt zu. Die Ausländerquote wird allerdings nicht mehr lange halten.
Die meisten Österreicher finden es durchaus amüsant, wenn sie auf einer Tiroler Berghütte von ostdeutschen Arbeitskräften bedient werden, die dem tristen Dasein nach der Sozialhilfenorm Hartz IV entflohen sind. Der sprachliche Clash von Knödel und Kloß, Gespritztem und Schorle, Obers und Sahne ist eine unerschöpfliche Quelle harmloser Heiterkeit. Wenn es allerdings darum geht, dass österreichische Maturanten mit deutschen Numerus-clausus-Flüchtlingen um rare Studienplätze in Österreich konkurrieren, hört der Spaß schlagartig auf.
Derzeit fühlen sich österreichische Hochschulpolitiker »erleichtert«, »zufrieden«, sogar »erfreut«, da der Europäische Gerichtshof vor zwei Wochen den belgischen Universitäten zugestanden hat, ihre medizinischen Fakultäten mit Ausländerquoten gegen französische Studienplatzbewerber abzuschotten. Indirekt folgert daraus, dass auch Österreich sein gegenwärtiges Provisorium noch für einige Jahre beibehalten darf, demnach in dem Fach Medizin 75 Prozent der Studienplätze für österreichische Bewerber, 20 Prozent für Anwärter aus der EU (größtenteils sind das Deutsche) und fünf Prozent für Kandidaten aus Staaten außerhalb der EU vorbehalten sind.
Die Erleichterung dürfte allerdings nicht von langer Dauer sein. Der Ansturm deutscher Abiturienten, der im kommenden Jahr massiv zunehmen wird, weil durch die Verkürzung der Ausbildungszeit an deutschen Gymnasien gleichzeitig zwei Abiturjahrgänge nach Studienplätzen im In- und Ausland streben werden, wird Österreich zwingen, sich endgültig von zwei heiligen Kühen zu verabschieden: von der Matura als bedingungsloser Studienberechtigung ebenso wie von dem »freien und offenen« Hochschulzugang. Was für angehende Medizin- und Psychologiestudenten bereits heute Praxis geworden ist, dürfte demnächst auch künftigen Publizisten, Architekten und Volkswirten blühen – der Massentest, um einen der limitierten Ausbildungsplätze zu erobern.
Begonnen hat das Ende des gemütlichen Hochschulzugangs im Jahr 2006, als der Numerus clausus und ein zusätzlich zur Matura erforderliches Aufnahmeverfahren für das Medizinstudium eingeführt wurden. Die österreichische Matura hatte bis zu diesem Zeitpunkt (und zum Teil noch immer) eine international einmalige Kaufkraft. Während europaweit das Prinzip gilt, dass die Chance, an der Wunschuniversität zum Wunschstudium zugelassen zu werden, umso höher sind, desto besser das Abschlusszeugnis ist, konnte man in Österreich bis vor Kurzem selbst mit einem grottenschlechten Maturazeugnis jedes Fach (mit Ausnahmen von Kunst, Musik und Sport) inskribieren. Das wohl bizarrste Austriacum bestand darin, dass man für die Ausbildung zur medizinisch-technischen Assistentin ein sehr gutes Maturazeugnis brauchte, hingegen mit einem Maturazeugnis voller »Genügend«-Noten problemlos ein Medizinstudium beginnen konnte.
Die Meinung mancher österreichischen Politiker, bei den deutschen Numerus-clausus-Flüchtlingen handle es sich um Studenten zweiter Wahl, ist ein gravierender Irrtum. Zwar gehören die meisten der Abiturienten, die sich in Österreich um einen Studienplatz bewerben, nicht zu jener Spitzengruppe, die aufgrund ihres hohen Notendurchschnitts sofort und ohne Wartesemester einen Studienplatz erhalten, aber von schwächeren Abiturienten kann kaum die Rede sein.
Ebenso problematisch ist die landläufige Gleichsetzung von Matura mit Abitur. Beide Abschlüsse sind zwar in der öffentlichen Wertschätzung beider Länder eine Art profanes Sakrament, das die Voraussetzung für eine höhere soziale Existenzform darstellt. Österreichische Maturanten schneiden jedoch bei den Aufnahmeverfahren in Medizin und Psychologie gegenüber ihren deutschen Mitbewerbern durchgehend deutlich schlechter ab. Würden die medizinischen Fakultäten meritokratisch vorgehen und die Studienbewerber ohne Rücksicht auf Ausländerquoten nach dem Resultat der Tests aufnehmen, wäre der Prozentsatz deutscher Studenten bedeutend höher.
In Psychologie, wo es keine Quotenregelung gibt, ist dies der Fall. Bei dem Aufnahmetest waren an der Universität Wien seit der Einführung des Numerus clausus 54 Prozent der angetretenen Deutschen erfolgreich, aber nur 33 Prozent der Österreicher. Warum? Deutsche Gymnasiasten sind mit einiger Wahrscheinlichkeit nicht klüger als ihre österreichischen Kollegen, aber sie haben einen kompetitiven Vorteil, der systematisch an der gymnasialen Oberstufe in Deutschland hergestellt wird.
Seit der Einführung des Numerus clausus vor vier Jahrzehnten werden in Deutschland schulische Leistungen und Noten ernst genommen, weil jede Note, auch die von ungeliebten Nebenfächern, im wahrsten Sinn des Wortes zählt und in die auf Zehntelstellen berechnete Abiturgesamtnote einfließt. Im genügsamen Österreich hingegen gilt ein »Genügend« als ausreichend positive Note und wird von Wiener Gymnasiasten mit Galgenhumor als das »Sehr gut des kleinen Mannes« bezeichnet.
- Datum 30.04.2010 - 09:42 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
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Ich weiß nicht wo der Autor seine Schulbildung genossen hat, ich musste sehr wohl vertiefende Wahlpflichtgegenstände wählen. Vielleicht liegt es auch einfach am Alter und es war vor, Hausnummer, 30 Jahren noch nicht üblich.
Die 33% liegen, unter anderem, vermutlich darin begründet, dass viele einfach der "Probier mas mol" Fraktion angehören,
deren Anteil unter den bundesdeutschen Studenten, aufgrund des ökonomischen und organisatorischen Mehraufwandes, einfach geringer ist.
Und wenn, dann sinds eh nur die Bayern die den Schnitt hochreissen! ;-)
Die verhaltensgesteuerte Notengebung wird allerdings auch in Deutschland thematisiert.
Wobei der Unterschied zwischen den Geschlechtern im Wiener Medizin Test in der Schweiz zB nicht auftritt. Scheint also wirklich ein spezifisch österreichisches/deutsches(?) Problem zu sein
Für die Zentralmatura wirds allerdings langsam Zeit.
Aus Wien, von der Boku
floke83
WAHLPFLICHTGEGENSTÄNDE
Zusätzlich zu den Pflichtgegenständen muss jeder Schüler innerhalb der 6. - 8. Klasse die der Schulform entsprechende Anzahl
von Wahlpflichtfächern in Kleingruppen besuchen. Das Angebot richtet sich nach Bedarf und Mindestteilnehmerzahlen. Man
unterscheidet dabei Wahlpflichtgegenstände der Kategorie A (zusätzlich) und Wahlpflichtgegenstände der Kategorie B
(vertiefend/erweiternd).
A) Zusätzliche Wahlpflichtfächer
Diese Wahlpflichtkurse sind mehrjährig aufbauend konzipiert. Späteres Einsteigen ist daher normalerweise nicht möglich.
Folgende Fächer sind grundsätzlich möglich (wenn nicht bereits Pflichtgegenstand): Weitere lebende Fremdsprache, Latein,
Informatik, Darstellende Geometrie, Musik, Bildnerische Erziehung.
B) Vertiefend/erweiternde Wahlpflichtfächer
Die Wahlpflichtkurse dieser Kategorie sind als zweijährige Kurse ausgelegt (6.- 7. Kl. oder 7. - 8. Kl.) und werden vertiefend
und erweiternd zu den bestehenden Pflichtfächern geführt. In der 8. Klasse sind auch einjährige Kurse möglich. Folgende Fächer können zur Wahl stehen: Religion, Deutsch, Englisch, Latein, Französisch, Geschichte, Geographie, Mathematik,
Biologie, Chemie, Physik, Philosophie, Musik, Bildnerische Erziehung.
BG Hollabrunn
WAHLPFLICHTGEGENSTÄNDE
Zusätzlich zu den Pflichtgegenständen muss jeder Schüler innerhalb der 6. - 8. Klasse die der Schulform entsprechende Anzahl
von Wahlpflichtfächern in Kleingruppen besuchen. Das Angebot richtet sich nach Bedarf und Mindestteilnehmerzahlen. Man
unterscheidet dabei Wahlpflichtgegenstände der Kategorie A (zusätzlich) und Wahlpflichtgegenstände der Kategorie B
(vertiefend/erweiternd).
A) Zusätzliche Wahlpflichtfächer
Diese Wahlpflichtkurse sind mehrjährig aufbauend konzipiert. Späteres Einsteigen ist daher normalerweise nicht möglich.
Folgende Fächer sind grundsätzlich möglich (wenn nicht bereits Pflichtgegenstand): Weitere lebende Fremdsprache, Latein,
Informatik, Darstellende Geometrie, Musik, Bildnerische Erziehung.
B) Vertiefend/erweiternde Wahlpflichtfächer
Die Wahlpflichtkurse dieser Kategorie sind als zweijährige Kurse ausgelegt (6.- 7. Kl. oder 7. - 8. Kl.) und werden vertiefend
und erweiternd zu den bestehenden Pflichtfächern geführt. In der 8. Klasse sind auch einjährige Kurse möglich. Folgende Fächer können zur Wahl stehen: Religion, Deutsch, Englisch, Latein, Französisch, Geschichte, Geographie, Mathematik,
Biologie, Chemie, Physik, Philosophie, Musik, Bildnerische Erziehung.
BG Hollabrunn
WAHLPFLICHTGEGENSTÄNDE
Zusätzlich zu den Pflichtgegenständen muss jeder Schüler innerhalb der 6. - 8. Klasse die der Schulform entsprechende Anzahl
von Wahlpflichtfächern in Kleingruppen besuchen. Das Angebot richtet sich nach Bedarf und Mindestteilnehmerzahlen. Man
unterscheidet dabei Wahlpflichtgegenstände der Kategorie A (zusätzlich) und Wahlpflichtgegenstände der Kategorie B
(vertiefend/erweiternd).
A) Zusätzliche Wahlpflichtfächer
Diese Wahlpflichtkurse sind mehrjährig aufbauend konzipiert. Späteres Einsteigen ist daher normalerweise nicht möglich.
Folgende Fächer sind grundsätzlich möglich (wenn nicht bereits Pflichtgegenstand): Weitere lebende Fremdsprache, Latein,
Informatik, Darstellende Geometrie, Musik, Bildnerische Erziehung.
B) Vertiefend/erweiternde Wahlpflichtfächer
Die Wahlpflichtkurse dieser Kategorie sind als zweijährige Kurse ausgelegt (6.- 7. Kl. oder 7. - 8. Kl.) und werden vertiefend
und erweiternd zu den bestehenden Pflichtfächern geführt. In der 8. Klasse sind auch einjährige Kurse möglich. Folgende Fächer können zur Wahl stehen: Religion, Deutsch, Englisch, Latein, Französisch, Geschichte, Geographie, Mathematik,
Biologie, Chemie, Physik, Philosophie, Musik, Bildnerische Erziehung.
BG Hollabrunn
Also als Wiener, kann ich der Numerus clasus Einführung nur zustimmen denn Vorlesungen in Cineplexx Kinosaal bringen keinem was..
Es ist anzumerken, dass man in Österreich in der Oberstufe zwischen 12 und 15 Fächer hat.
Ein Beispiel für 15 Fächer:
Fach Stundenanzahl
1 Deutsch (3)
2 Mathematik (3)
3 Englisch (3)
4 Latein (3)
5 Spanisch (3)
6 Geografie und Wirtschaftskunde (2)
7 Geschichte und Sozialkunde (2)
8 Psychologie und Philosophie (2)
9 Bildnerische Erziehung (2)
10 Religion bzw. Ethik (2)
11 Biologie und Umweltkunde (2)
12 Chemie
13 Physik
14 Bewegung und Sport
15 Wahlpflichtgegenstand (2)
Zudem ist die Matura nicht so subjektiv wie dargestellt:
In ganz Österreich müssen die Aufgabenstellungen für die Matura zuerst eingereicht und bestätigt werden. Dadurch wird vermieden, dass die Lehrer die Anforderungen zu niedrig setzen.
Sodann werden sämtliche Maturaarbeiten von einer unabhängigen Schule zweitgelesen.
Der mündliche Teil findet vor einer Kommission statt, die sich aus den prüfenden Lehrern, dem Klassenvorstand, dem Direktor der Schule und dem Vorsitzenden zusammensetzt. Letzterer wird ebenfalls von einer unabhängigen Schule gestellt und hat Einfluss auf die Notengebung.
....wie Hedgefondmanager. Mit zwei Regularien konfrontiert arbitrieren sie die zwei Systeme zum persönlichen Nutzen. Sehr schön!
Ich bin von dieser Beschimpfung des österreichischen Bildungssystem einfach nur schockiert. Mir fehlen die Worte. Wenn dem Herrn Österreich nicht passt, soll er doch woanders hingehen. Kritik ist gut, aber was er Betreibt, ist reine Beflegelung.
Es is widerlich, nun auch in der Bildung den Weg hin zu noch mehr Laissez-faire-Kapitalismus zu gehen. Haben wir es in Österreich wirklich nötig, jeden Mist, der auf deutschem Boden wächst, zuübernehmen?
Wieso fehlt der Link "Kommentar als bedenklich melden" bei diesem "Artikel"?
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"Österreichische Maturanten schneiden jedoch bei den Aufnahmeverfahren in Medizin und Psychologie gegenüber ihren deutschen Mitbewerbern durchgehend deutlich schlechter ab."
es ist vollkommen egal ob zweitklassig oder erstklassige deutsche Studenten, wie kommt der österreichische Steuerzahler dazu deutschen Studenten die Ausbildung zu finanzieren???
kommt er dazu: Er nimmt einen kleinen Teil der vielen Millionen Steuereinnahmen aus dem Tanktourismus. Sogar der öst. Umweltminister hatte die Stirn, zu meinen, daß auf diese Einnahmen nicht verzichtet werden sollte. Eines der Gebiete, auf denen sich Österreich als schlitzohriger Profiteur betätigt.
kommt er dazu: Er nimmt einen kleinen Teil der vielen Millionen Steuereinnahmen aus dem Tanktourismus. Sogar der öst. Umweltminister hatte die Stirn, zu meinen, daß auf diese Einnahmen nicht verzichtet werden sollte. Eines der Gebiete, auf denen sich Österreich als schlitzohriger Profiteur betätigt.
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