Atheismus in muslimischen Ländern Online ohne AllahSeite 2/2
Das gilt auch für M., eine Frau, die im Forum schreibt und aus einer liberalen Familie stammt. Ihre Mutter trägt kein Kopftuch, eine Schwester ist Filmschauspielerin. »Meine Familie ahnt vielleicht, dass ich nicht an Gott glaube. Aber wir würden niemals offen darüber reden.«. Für arabische Atheisten, die in der Hölle der Sprachlosigkeit schmoren, ist das Internet ein wunderbarer Ausweg. »Die Frage, ob Gott existiert, interessiert mich zwar nicht, doch sie bestimmt mein Leben«, schreibt eine wütende Userin, die offenbar aus einem sehr restriktiven Land, vielleicht Saudi-Arabien, stammt. »Trotz Globalisierung darf ich nicht ohne Zustimmung meines Mannes reisen. Frauen bleiben hinter einer Mauer aus Angst gefangen, weil ihnen der Glaube an sich selbst fehlt.« Die Verzweiflung der Schreiberin wird zunächst von einem Mann barsch gekontert, der behauptet, es zähle nicht, was der Mensch wolle, sondern was im Koran stehe. Dann empfiehlt er ein umstrittene Sure zum Umgang mit widerspenstigen Gattinnen: »Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!« Doch statt Beifall kommt nun heftiger Widerspruch eines anderen männlichen Users, der sich bei der Frau bedankt: »Ich bin wirklich betroffen. Ihr Text erinnert mich daran, dass es harte soziale Gründe gibt, Atheist zu sein.« Im Handumdrehen bricht dieser Wortwechsel mehrere Tabus. Frauen, die mancherorts nicht einmal allein Auto fahren dürfen, stellen selbstbewusste Forderungen; Männer können deren emanzipatorischen Gedanken ohne Gesichtsverlust zustimmen; Ungläubige und Muslime begegnen sich nicht nur in abgekarteten Gerichtsverfahren, sondern im freien Austausch der Argumente.
Die Souveränität der Atheisten erweist sich gerade dann, wenn sie auf Muslime reagieren. Zu deren Lieblingsthemen gehören die »Wunder des Korans«, die angeblich moderne wissenschaftliche Erkenntnisse vorwegnahmen, so auch der Vers: »Sehen die Ungläubigen nicht, dass Himmel und Erde eine feste Masse bildeten und wir sie dann spalteten?« Dazu postet ein Muslim triumphierend, der Koran beschreibe den »Big Bang«, die heute gültige Theorie zur Entstehung des Universums. In ähnlicher Manier werden weitere Suren auf Roboter und Flugzeuge bezogen. Die Atheisten reagieren mit Humor und spitzer Koran-Exegese, um die Orthodoxen mit deren eigenen Waffen zu schlagen.
»Ich verachte Ihre Meinung, aber sie muss gesagt werden dürfen«
Trotzdem bilanzieren die Erfinder der Website zaghaft: »Man darf die Freiheitserwartungen nicht überziehen. Europa hatte schließlich mehr als zweihundert Jahre Zeit.« Gemeint ist natürlich die europäische Aufklärung, von der es oft gönnerisch heißt, die islamische Welt müsse sie noch »nachholen«. Vergessen wird dabei gern die Mu’tazila, jene Theologie, die zwischen dem 8. bis 12. Jahrhundert einen »logischen Islam« suchte und den Koran rational auslegte. An diese Tradition wollen die Internetaktivisten anknüpfen, allerdings auf eigene Weise. Denn die Mu’tazila war eine elitäre Bewegung, die zeitweise sogar per Inquisition den Strenggläubigen nachstellte. Arabische Atheisten des 21. Jahrhunderts aber bevorzugen den Dialog. Der jordanische Mitbegründer von el7ad.com beruft sich am liebsten auf Voltaire: »Ich verachte Ihre Meinung, aber ich gäbe mein Leben dafür, dass Sie sie sagen dürfen.« Ein Sieg der Toleranz ist, wovon die Computer-Gottlosen träumen.
Dies spüren denn auch die Aktivisten des »elektronischen Dschihad«. Täglich versuchen islamistische Nerds, die Seite zu sabotieren. Sie simulieren Massenzugriffe, als würden Hunderttausende User gleichzeitig auf die Seite drängen, das soll den Server schwächen, damit die Dschihadisten eindringen können – um Debattentexte zu löschen oder gar Autoren zu identifizieren. Bislang prallten die Attacken ab, denn einer der Betreiber ist hauptberuflich für IT-Sicherheit zuständig. Erwischt hat es jedoch Mohamed, als er eine »Atheisten-Zeitung« online stellte, die er nur an die Forumsseite anlehnte. Er nutzte nicht den sicheren Server, über den das Forum läuft, und plötzlich standen sein Klarname und seine Berliner Adresse im Internet. Seine Gegner outeten ihn als Atheisten und warnten über Facebook: »Wir wissen, was du tust, komm auf den rechten Weg zurück!«
Mohamed liest das als Morddrohung. Doch einschüchtern lässt er sich nicht. Er schreibt in anderen Foren als bisher und vermeidet provozierende Pointen, denn sein Ziel ist nicht, die eigene Meinung effektvoll zu propagieren – er möchte etwas bewegen. »Wenn ich schreibe: Ich glaube nicht an Allah, dann liest ja kein Muslim weiter«, sagt er. Lieber kritisiert er al-Qaida und den wahhabitischen Fundamentalismus. Neulich hat er einen Aushang gesehen, ganz altmodisch auf Papier, dass sich am Prenzlauer Berg regelmäßig eine Atheistengruppe treffe. Zu der will er nun Kontakt aufnehmen. Sie mag christlich geprägt sein, aber Mohamed ist immer offen für neue Wege.
- Datum 30.04.2010 - 14:52 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
- Kommentare 49
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Ist das der Beginn der Beginn der humanistischen Revolution im Einflussbereich des Islam?
Sicherlich hat es auch früher vokale muslimische Apostaten gegeben, doch welche Auswirkungen hat deren Nutzung des Internets? Die Antworten würden mich interessieren.
Der Artikel bezeichnet es zurecht als "gönnerhaft", zu behaupten, der Islam müsse die Aufklärung noch nachholen, was aber weniger daran liegt, dass der Islam heute aufgeklärter wäre, als diese Behauptung annimmt, sondern eher daran, dass "Nachholen" impliziert, dass sie in der christlichen Welt abgeschlossen ist. Die islamische Welt hat den Beginn seiner humanistischen und rationalen Revolution genauso nötig wie die christliche Welt die Beendigung der Ihrigen.
....aber auch etwas merkwürdig in seiner Logik ist der Artikel auch. Ein Atheist alleine ist schon ein eigenartiges Wesen, weiß er doch das Unwissbare. Einen Atheisten positiv zu würdigen, der so fest glaubt, dass er sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, schließlich das einzige, das er hat, für das Gefühl sagen zu dürfen, was Andere ärgert, kommt irgendwo in seiner Nähe zur Rationalität dem Fanatismus eines Fundamentalisten nahe. Aber solch inkonsistente Denkweisen durchziehen unsere öffentlichen Diskussionen momentan auf vielen Bereichen mit zwischenzeitlich verheerenden Folgen. Da aber die Verschrobenheit der Positionen den meisten Mitspielern verborgen bleibt, kompliziert in ihrer Logik, wie sie ihnen scheint, sehen sie auch nicht die Herkunft sondern nur die Symptome unklaren Denkens in den vielen Scheitern gut gemeinter Meinung und Handlungen wie Generationen Verträge und solidarischer Systeme.
....aber auch etwas merkwürdig in seiner Logik ist der Artikel auch. Ein Atheist alleine ist schon ein eigenartiges Wesen, weiß er doch das Unwissbare. Einen Atheisten positiv zu würdigen, der so fest glaubt, dass er sein eigenes Leben aufs Spiel setzt, schließlich das einzige, das er hat, für das Gefühl sagen zu dürfen, was Andere ärgert, kommt irgendwo in seiner Nähe zur Rationalität dem Fanatismus eines Fundamentalisten nahe. Aber solch inkonsistente Denkweisen durchziehen unsere öffentlichen Diskussionen momentan auf vielen Bereichen mit zwischenzeitlich verheerenden Folgen. Da aber die Verschrobenheit der Positionen den meisten Mitspielern verborgen bleibt, kompliziert in ihrer Logik, wie sie ihnen scheint, sehen sie auch nicht die Herkunft sondern nur die Symptome unklaren Denkens in den vielen Scheitern gut gemeinter Meinung und Handlungen wie Generationen Verträge und solidarischer Systeme.
Die nicht jeden, der anders denkt/ glaubt als sie selbst, als Degenerierten beschimpfen.
Die bösen mittelalterlichen Muslime unterdrücken ihre ehemaligen Glaubensbrüder, die vollsten Herzens für eine gerechte Gesellschaft kämpfen.
Mal abgesehen davon, dass in meinen Augen Aussagen wie etwa "Das Leben hat keinen Sinn" selbst sinnfrei sind, sollte man sich doch einmal überlegen, was Humanismus, Aufklärung und Renaissance nicht bedeutete: Diese Begriffe standen nie grundsätzlich für eine Abkehr von der Religion. In Fällen wie René Decartes, der die Existenz Gottes sogar (philosophisch begründbar) als bewiesen ansah, trifft sogar das Gegenteil zu.
Vor allem im Falle der islamischen Religion ist es dumm zu sagen, eine Abkehr von dieser sei zukunftsweisend. Viele Dinge wie etwa die Zwangsehe, die Beschneidung der Frau oder der Ehrenmord werden entweder von den heiligen Texten verboten (haram) oder nicht als Pflicht (fard) oder empfohlene Handlung (halal) dargestellt.
Im Übrigen empfehle ich der Redaktion genügend Wissen zu sammeln, bevor angefangen wird zu berichten: "koranbezogenen Rechtsprechung" (bezogen auf die Bestrafung der Apostasie) ist schlichtweg falsch. Eine Textstelle dazu werden Sie im Koran nicht finden.
"Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!"
Wenn es da steht, ist es auch so gemeint.
Ich kenne einen, der hat an der Al-Azhar-Universität in Kairo die Bibel studiert. Als er sich zum Christentum bekehrte, versuchten seine eigenen Brüder, ihn zu erdolchen! Heute lebt er zurückgezogen in Deutschland.
Es ist interessant, dass man Zitate oder Aussagen, die ein so offensichtlich negatives Licht auf den Islam werfen, anscheinend nur äußern darf, wenn man im Gegenzug den "Beweis" für die Weltoffenheit der islamischen Welt erbringt.
>was Humanismus, Aufklärung und Renaissance nicht
>bedeutete: Diese Begriffe standen nie grundsätzlich
>für eine Abkehr von der Religion.
Mag ja sein, dass sie damals nicht dafür standen. Aber für den humanistischen, aufgeklärten Zustand, den wir _heute_ erreicht haben, spielt die Abkehr von der Religion sicherlich eine entscheidende Rolle.
"Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!"
Wenn es da steht, ist es auch so gemeint.
Ich kenne einen, der hat an der Al-Azhar-Universität in Kairo die Bibel studiert. Als er sich zum Christentum bekehrte, versuchten seine eigenen Brüder, ihn zu erdolchen! Heute lebt er zurückgezogen in Deutschland.
Es ist interessant, dass man Zitate oder Aussagen, die ein so offensichtlich negatives Licht auf den Islam werfen, anscheinend nur äußern darf, wenn man im Gegenzug den "Beweis" für die Weltoffenheit der islamischen Welt erbringt.
>was Humanismus, Aufklärung und Renaissance nicht
>bedeutete: Diese Begriffe standen nie grundsätzlich
>für eine Abkehr von der Religion.
Mag ja sein, dass sie damals nicht dafür standen. Aber für den humanistischen, aufgeklärten Zustand, den wir _heute_ erreicht haben, spielt die Abkehr von der Religion sicherlich eine entscheidende Rolle.
Das oben genannte Zitat stammt - zumindest im Wortlaut - NICHT Voltaire, sondern von Evelyn Beatrice Hall, die so versuchte einen Teil der Lehre Voltaires zusammenzufassen.
"Ermahnt sie, meidet sie im Ehebett und schlagt sie!"
Wenn es da steht, ist es auch so gemeint.
Ich kenne einen, der hat an der Al-Azhar-Universität in Kairo die Bibel studiert. Als er sich zum Christentum bekehrte, versuchten seine eigenen Brüder, ihn zu erdolchen! Heute lebt er zurückgezogen in Deutschland.
Es ist interessant, dass man Zitate oder Aussagen, die ein so offensichtlich negatives Licht auf den Islam werfen, anscheinend nur äußern darf, wenn man im Gegenzug den "Beweis" für die Weltoffenheit der islamischen Welt erbringt.
>was Humanismus, Aufklärung und Renaissance nicht
>bedeutete: Diese Begriffe standen nie grundsätzlich
>für eine Abkehr von der Religion.
Mag ja sein, dass sie damals nicht dafür standen. Aber für den humanistischen, aufgeklärten Zustand, den wir _heute_ erreicht haben, spielt die Abkehr von der Religion sicherlich eine entscheidende Rolle.
Man stelle sich eine Moschee vor, in der viele Menschen versammelt sind. Es kommt die Zeit des Gebetes und viele gehen wie üblich vor einer unsichtbaren Autorität in die Knie. Einige bleiben aber stehen. Nichts passiert. Allahs Zorn läßt sie nicht auf der Stelle tot umfallen. Denn Allah ist nicht mächtig. Er hat nur die Macht, die wir Menschen ihm geben. Oder auch nicht geben.
Willkommen in Europa, willkommen in der geistigen Freiheit.
"Willkommen in Europa, willkommen in der geistigen Freiheit."
Willkommen in Deutschland, wo Kreuze an Schulwänden die "christlich-abendländische" Kultur ausdrücken, aber Kopftücher die Neutralität des Staates verletzten.
Autor von Kommentar Nr. 5 lege ich nahe sich mit jeglichen Texten des Islams auseinanderzusetzen. Alle Versen im Koran, ja auch jegliche Sunna bezogenen religiösen Pflichten sind im Kontext zu betrachten. Zum Respekt der Frau, das verpsreche ich Ihnen, finden sie so Einiges. Ja und Sie haben recht, die Weltoffenheit des Islams ist wohl zu nennen: Vor allem deswegen, weil der Islam den Respekt von andersgläubigen Monotheisten seit seiner Gründung bestätigte, während z.B. Judenverfolgung im christlichen Mittelalter stets gängige Praxis war.
Nirgendwo wird der Clash of Civilizations fundamentaler geschürt als in einigen westlichen Staaten (um nicht alle in einen Topf zu werfen).
Ich halte nichts von Kreuzen und jeder kann wie er lustig ist, als Schülerinn (nicht als Lehrerin) Kopftücher tragen.
Diese Diskussion ist im Gegensatz zu dem was in manchen islamnischen Länder so passiert, nichts ! Immerhin kann man hier auch darüber diskutieren ! Ich halte den Westen nicht für unglaublich weitentwickelt und freiheitsmäßig, aber im Vergleich mit den Arabischen Staaten ist er doch ein ganzes Stück weiter.
Was steht denn so im Koran in Bezug auf Menschen die gar keinen Glauben haben (oder nicht jüdischen oder christlichen Glaubens sind)?
Kreuze sind selbstverständlich genau wie Kopftücher zu kritisieren. Ob sie Neutralität des Staates verletzen, ist mir egal. Was mir weh tut, ist daß die Anhänger dieser Symbole ihr Leben auf Knien verbringen.
Wen dem so wäre, dann zeigen Sie mir doch mal eine Kirche in Saudi-Arabien, ein Priesterkolleg in der Türkei etc. ! Es gehört zu den kolportierten Schemata des multikulturellen Relativismus, die Intoleranz des heutigen Islam mir der angeblichen Toleranz in früheren Zeiten zu relativieren, so als ob das die heutige Situation erträglicher machen würde. Jahrhunderte der "Toleranz" in islamischen Ländern (Armenier) haben dazu geführt, dass z.B. der Christenanteil in der Türkei von 25 auf 0,3 % gesunken ist.
Toleranz? Nun ja - in dem Sinne, dass Nicht-Moslems nicht alle ermordet wurden (aber nur wenn sie Monotheisten waren), war es wohl wirklich tolerant.
Allerdings sollte man auch die historischen Hintergründe für diese "Toleranz" erwähnen, denn diese entsprang keinesfalls islamischer Friedensliebe, sondern war schlicht Anpassung an die realen Verhältnisse:
1. In den Gebieten, welche die Kalifen in der Frühzeit des Islam eroberten, waren Moslems zumindest die ersten Jahrzehnte/-hunderte zahlenmäßig klar in der Minderheit. Man konnte nicht alle Nicht-Muslime abschlachten. Das hätte Aufstände gegeben, denen die die muslimischen Eroberer nicht gewachsen gewesen wären. Außerdem hätte es zukünftige Eroberungen erschwert, weil die Verteidiger dann noch verzweifelter bis zuletzt gekämpft hätten.
2. Warum also die Ungläubigen töten, wenn man sie auch für sich arbeiten lassen konnte? Die arabischen Eroberer waren meist Beduinen und kulturell weit niederstehender als die eroberten Perser, Ägypter, Griechen usw.. Warum den Reichtum dieser Länder zerstören, wenn man auch in Saus und Braus leben konnte, ohne jemals wieder arbeiten zu müssen - es sei denn im Kriegshandwerk. Die Unterworfenen hatten keine Rechte, durften fleißig Steuern zahlen und wenn sie doch mal aufmuckten, wurde ihnen sehr schnell gezeigt, wer Herr im Land ist. Dann war es mit der Toleranz vorbei...
Ich halte nichts von Kreuzen und jeder kann wie er lustig ist, als Schülerinn (nicht als Lehrerin) Kopftücher tragen.
Diese Diskussion ist im Gegensatz zu dem was in manchen islamnischen Länder so passiert, nichts ! Immerhin kann man hier auch darüber diskutieren ! Ich halte den Westen nicht für unglaublich weitentwickelt und freiheitsmäßig, aber im Vergleich mit den Arabischen Staaten ist er doch ein ganzes Stück weiter.
Was steht denn so im Koran in Bezug auf Menschen die gar keinen Glauben haben (oder nicht jüdischen oder christlichen Glaubens sind)?
Kreuze sind selbstverständlich genau wie Kopftücher zu kritisieren. Ob sie Neutralität des Staates verletzen, ist mir egal. Was mir weh tut, ist daß die Anhänger dieser Symbole ihr Leben auf Knien verbringen.
Wen dem so wäre, dann zeigen Sie mir doch mal eine Kirche in Saudi-Arabien, ein Priesterkolleg in der Türkei etc. ! Es gehört zu den kolportierten Schemata des multikulturellen Relativismus, die Intoleranz des heutigen Islam mir der angeblichen Toleranz in früheren Zeiten zu relativieren, so als ob das die heutige Situation erträglicher machen würde. Jahrhunderte der "Toleranz" in islamischen Ländern (Armenier) haben dazu geführt, dass z.B. der Christenanteil in der Türkei von 25 auf 0,3 % gesunken ist.
Toleranz? Nun ja - in dem Sinne, dass Nicht-Moslems nicht alle ermordet wurden (aber nur wenn sie Monotheisten waren), war es wohl wirklich tolerant.
Allerdings sollte man auch die historischen Hintergründe für diese "Toleranz" erwähnen, denn diese entsprang keinesfalls islamischer Friedensliebe, sondern war schlicht Anpassung an die realen Verhältnisse:
1. In den Gebieten, welche die Kalifen in der Frühzeit des Islam eroberten, waren Moslems zumindest die ersten Jahrzehnte/-hunderte zahlenmäßig klar in der Minderheit. Man konnte nicht alle Nicht-Muslime abschlachten. Das hätte Aufstände gegeben, denen die die muslimischen Eroberer nicht gewachsen gewesen wären. Außerdem hätte es zukünftige Eroberungen erschwert, weil die Verteidiger dann noch verzweifelter bis zuletzt gekämpft hätten.
2. Warum also die Ungläubigen töten, wenn man sie auch für sich arbeiten lassen konnte? Die arabischen Eroberer waren meist Beduinen und kulturell weit niederstehender als die eroberten Perser, Ägypter, Griechen usw.. Warum den Reichtum dieser Länder zerstören, wenn man auch in Saus und Braus leben konnte, ohne jemals wieder arbeiten zu müssen - es sei denn im Kriegshandwerk. Die Unterworfenen hatten keine Rechte, durften fleißig Steuern zahlen und wenn sie doch mal aufmuckten, wurde ihnen sehr schnell gezeigt, wer Herr im Land ist. Dann war es mit der Toleranz vorbei...
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