ZEITmagazin Autotest Bedingt italiengeeignet

Jan-Martin Wiarda, Redakteur aus dem Ressort Chancen, fährt den Dodge Journey 2.4 Eco+

Wiegt fast zwei Tonnen: der Dodge Journey

Wiegt fast zwei Tonnen: der Dodge Journey

Was das Thema Urängste angeht, hätte ich ein Beispiel anzubieten: nachts mit einem Riesenauto und kaputtem Motor auf einer engen, abschüssigen italienischen Straße zwischen Hauswänden stecken bleiben – und es kommt Gegenverkehr. Als meine Frau und ich um ein Uhr nachts am Golf von Neapel ankommen, haben wir 1770 Kilometer zurückgelegt, sehr amerikanisch-komfortabel dank extra langer Sitzflächen, enormem Fußraum und technischen Finessen von Tempomat bis CD-Wechsler. Jetzt tuckern wir müde in Richtung Ferienhaus, dem Fiat unserer Vermieterin hinterher. Plötzlich ein Warnschild: Straßenbreite 1,90 Meter.

Man muss dazu sagen, dass es der Dodge Journey auf fast zwei Tonnen bringt, fünf Meter Länge und, nun ja, 1,88 Meter Breite. Ich sage: »Mit angeklappten Spiegeln passt das.« Hinter dem Schild fahren wir auf die Hauswände zu. Ich fahre weiter. Die Straße geht in eine scharfe Kurve und – steil bergab. »Okay«, sage ich nach fünfzig Metern. »Wohl nicht.« Meine Frau klettert aus dem Seitenfenster, hangelt sich an der Hauswand entlang hinters Auto und beginnt, mich rauszuwinken.

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Kupplung kommen lassen, anderthalb Meter rückwärts die Steigung rauf, Achtung, Wand, Bremse, Gas geben, Bremse los, Kupplung. Ich schwitze. Plötzlich ein »Rums«, das Gas läuft ins Leere und der Dogde bergab – in die Richtung Nadelöhr. Im letzten Moment ziehe ich die Handbremse. Vor uns stauen sich die Mofas, der Motor qualmt, nichts geht mehr. Der Dodge Journey ist ein feines Auto mit viel Stauraum, allerdings etwas wenig Zugkraft. Dafür ist er in der Autogasversion »Eco+« verbrauchsgünstig und für lange Autobahnfahrten und Ortsfahrten geeignet – solange sich die Orte nicht in Süditalien befinden.

Nach einigem Palaver hat sich netterweise der Mann der Vermieterin hinters Steuer gesetzt und den Dodge bergab rollen lassen, elegant vorbeigezirkelt an den Hauswänden, hinein in eine Einfahrt. Sein Schwager, Automechaniker, diagnostizierte am nächsten Morgen einen Riss des Kupplungszugs. Tags drauf kam dessen Cousin mit einer Art Mini-Unimog, gemeinsam bugsierten sie den Dodge einen Kilometer bis zur Hauptstraße hinauf. Rückwärts.

Was ich selbst zur Bergung beitrug?

Als wir feststeckten, war meine erste Idee, die Polizei um Hilfe zu rufen. Da wurde selbst für süditalienische Verhältnisse laut gelacht. 

Technische Daten

Motorbauart: 4-Zylinder-Benzin- und Gasmotor
Leistung: 125 kW (170 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 10,1 s
Höchstgeschwindigkeit: 180 km/h
CO2-Emission: 209 g/km
Durchschnittsverbrauch: 8,8 Liter (Benzin)/9,9 Liter (Gas)
Basispreis: 25.290 Euro

Jan-Martin Wiarda ist Redakteur im Ressort Chancen

 
Leser-Kommentare
  1. ... im Namen, welches Ihnen die Fußgängerfreude und den Polizeilacher brachten.

    Aber bevor wir uns über 2t, 170PS und ein trotzdem (amerikanisches) "Eco" amüsieren, liefert vor allem unsere Automobilindustrie mindestens genauso traurige Lacher.

    Man kann darin aber auch Positives sehen, denn je grotesker die Begriffe auf Un-Umweltprodukte angewandt werden, umso deutlicher wird ihr Missbrauch und umso eher wandelt sich das Individualgewissen im Straßenverkehr hin zum notwendigen Miteinander, welches zwar oft propagiert, selten aber gelebt wird.

    Bei Deutschlands Verkehrsdichte gehen den großen Blechumrandungen - egal mit welchem Antrieb - nicht nur der Platz sondern auch die Argumente aus.

    Ob es wirklich schon Kreise gibt, die ein Automobil als unschick ansehen, weiß ich nicht und wollte es mir auch nicht wünschen, aber ein "unvorteilhaft" oder "unsinnig" (für viele Vorhaben) dürfte man schon anstreben.

    Bis dahin wird meist nicht die defekte Kupplung bremsen, sondern das Individualbestreben der jeweils anderen Verkehrsteilnehmer.

  2. Wer war der ware Italienuntauglich ?

  3. Soviel in 50 Jahren Automobilbau dazugelernt ?

    1957 lag das Autogewicht vielen Modellen um die 850 kg. Ein Gewicht, welches sich ohne den Möglichkeiten von heute bereits einstellte. Dazu auch eine Kompetenz in Aerodynamik, o h n e die Windschutzscheibe so flach einzubauen, dass Innenraum verschwendet wird.

    http://www.auto-reporter....
    Ein Saab 93 bewies es bereits vor über 50 Jahren und zeigte auch schon den Glückgriff eine Coupeform mit einzubinden, so dass auch die Seitenansicht attraktiv wirkte, auf.

    Heute, über 50 Jahre später, gilt es erneut als Herausforderung ein Fahrzeuggewicht von 850 Kg zu erreichen.

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen
    • 2eco
    • 02.05.2010 um 14:59 Uhr

    Natürlich ist der Dodge nicht wirklich leicht, aber das Gewicht der Autos von Heute mit denen von früher zu vergleichen ist irreführend.

    Die Autos haben sich schon allein in der Größe verändert. Vergleichen sie mal einen alten Mini mit einem neuen. Oder eine alte S-Klasse mit einer neuen.

    Außerdem will doch jeder ein Auto mit Klima, Standheizung, ESP, ABS, Spritspartechnik, Sitzheizung, elektrische Fensterheber, Airbags, sichere Knautschzonen usw...

    Das alles zusammen wiegt eine ganze Menge.

    Selbst ein relativ kleiner Lotus Elise, welcher kompromisslos auf Sportlichkeit und Leichtbau ausgelegt ist bringt 900 kg auf die Waage. Und das obwohl auf jegliches Schnickschnack verzichtet wird und das Chassis aus Kohlefaser besteht.

    Und die Engländer verstehen etwas von Leichtbau!

    • 2eco
    • 02.05.2010 um 14:59 Uhr

    Natürlich ist der Dodge nicht wirklich leicht, aber das Gewicht der Autos von Heute mit denen von früher zu vergleichen ist irreführend.

    Die Autos haben sich schon allein in der Größe verändert. Vergleichen sie mal einen alten Mini mit einem neuen. Oder eine alte S-Klasse mit einer neuen.

    Außerdem will doch jeder ein Auto mit Klima, Standheizung, ESP, ABS, Spritspartechnik, Sitzheizung, elektrische Fensterheber, Airbags, sichere Knautschzonen usw...

    Das alles zusammen wiegt eine ganze Menge.

    Selbst ein relativ kleiner Lotus Elise, welcher kompromisslos auf Sportlichkeit und Leichtbau ausgelegt ist bringt 900 kg auf die Waage. Und das obwohl auf jegliches Schnickschnack verzichtet wird und das Chassis aus Kohlefaser besteht.

    Und die Engländer verstehen etwas von Leichtbau!

    • 2eco
    • 02.05.2010 um 14:59 Uhr

    Natürlich ist der Dodge nicht wirklich leicht, aber das Gewicht der Autos von Heute mit denen von früher zu vergleichen ist irreführend.

    Die Autos haben sich schon allein in der Größe verändert. Vergleichen sie mal einen alten Mini mit einem neuen. Oder eine alte S-Klasse mit einer neuen.

    Außerdem will doch jeder ein Auto mit Klima, Standheizung, ESP, ABS, Spritspartechnik, Sitzheizung, elektrische Fensterheber, Airbags, sichere Knautschzonen usw...

    Das alles zusammen wiegt eine ganze Menge.

    Selbst ein relativ kleiner Lotus Elise, welcher kompromisslos auf Sportlichkeit und Leichtbau ausgelegt ist bringt 900 kg auf die Waage. Und das obwohl auf jegliches Schnickschnack verzichtet wird und das Chassis aus Kohlefaser besteht.

    Und die Engländer verstehen etwas von Leichtbau!

  4. geil, einer der lustigsten und literarisch wertvollsten
    tests, die ich hier je las , yes =:))
    übrinx, zu den üblichen sauertöpfischen blödmannkommentaren,
    2t kann durchaus relativ öko sein. mein eigenes erlebnis
    diesbezueglich war ,z.B., daß ich mit einer S-klasse deutlich weniger (11 liter) als mit einem 4-zylinder mercedes slk (13,8 liter, jeweils durchschnitt über mehrere tausend kilometer) verbraucht habe, einfach, weil das powerplay mit dem kleinen rennwagenmäßig liegenden slk viel mehr spaß machte. mit soner dodge-kutsche rollt man doch nur apathisch dahin (bis man dann am golf von neapel feststeckt, hehe...)

  5. sind eben nix für Weiber.

  6. ... wird mit Kupplungsdefekten nicht unter Zugseilriß bestraft. Geschieht ihm recht ;-)

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