Lehre Nachhilfe für den Prof

Die Universität Kiel will ihre Dozenten coachen – für eine bessere Lehre

Mit dem Weiterbildungsprogramm der Uni Kiel sollen Dozenten fit gemacht werden für zeitgemäße Lehrmethoden, Zeitmanagement und Personalführung

Mit dem Weiterbildungsprogramm der Uni Kiel sollen Dozenten fit gemacht werden für zeitgemäße Lehrmethoden, Zeitmanagement und Personalführung

DIE ZEIT: Müssen Professoren an der Universität Kiel die Schulbank drücken?

Gerhard Fouquet: Natürlich nicht. Die Voraussetzung für eine gelungene Hochschullehre ist die Bereitschaft der Hochschullehrer zur Selbstreflexion. Wir glauben allerdings, dass auch jene Professoren, die bislang nicht mitmachen wollen, von einem Coaching profitieren würden.

Anzeige

ZEIT: Wie schlecht steht es denn bei Ihnen um die Qualität der Lehre?

Gerhard Fouquet
Gerhard Fouquet

Gerhard Fouquet, 57, ist Präsident der Christian-Albrechts-Universität zu Kiel.

Fouquet: Nicht schlechter als anderswo. Man könnte sogar sagen: dank der Initiative, die wir gestartet haben, besser. Die meisten deutschen Unis kennen bislang ja keine vergleichbaren Programme, viele Professoren sind seit Jahrzehnten in der Lehre tätig, und keiner gibt ihnen Anregungen, was sie wie besser machen könnten.

ZEIT: Und Sie tun das.

Fouquet: Wir bieten jedem Interessenten ein längerfristiges persönliches Coaching an. Das kann Anregungen zur Optimierung der Lehre einschließen. Daneben geht es auch um Zeitmanagement oder Personalführung. Zusätzlich haben wir einen Basiskurs Hochschuldidaktik im Angebot, der mit Zertifikat abschließt.

ZEIT: Wie viele Professoren lassen sich coachen?

Fouquet: Im ersten Jahr haben wir rund zehn Prozent erreicht, hinzu kommen Dutzende gecoachte wissenschaftliche Mitarbeiter, für die zudem die Teilnahme am Basiskurs vorgeschrieben ist.

ZEIT: So ganz verlassen Sie sich also doch nicht auf die Freiwilligkeit.

Fouquet: Stimmt. Wir überlegen sogar, ob wir das Coaching für neu berufene Professoren nicht doch zur Pflicht machen. Den größten Effekt haben Sie nämlich, wenn die Leute die Lehre von der Pike auf lernen. Am besten natürlich aus freien Stücken.

Das Interview führte Jan-Martin Wiarda

 
Leser-Kommentare
  1. Die Uni Kiel hat das beste online-Evaluierungssystem des Lehrpersonals (Studenten bewerten Dozenten anonym online, Dozent und sein Vorgesetzter bekommen Ergebnis per email), das ich bislang gesehen habe. Daß man da (noch) weiter verbessern will, ist sehr lobenswert.

    Es hilft allerdings wenig, wenn die Hochschullehre durchoptimiert wird aber auf den vorgelagerten Schulformen Feedback an Lehrer als Form des Mobbings verstanden wird.

  2. Wobei dieses Eva.system leider nicht in allen Fachbereichen angewendet wird.

  3. Ich finde es, wie bereits mein Vorredner auch, sehr lobenswert, dass die Uni Kiel die Qualität ihrer Lehre weiter verbessern will. Dies ist ein eindeutiges Zeichen dafür, dass sie sich nicht auf ihren Lorbeeren ausruhen, sondern weiter an sich arbeiten. In Zeiten der Globalisierung und der Bologna-Reform unvermeidbar.

    Ich studiere an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg Wirtschaftswissenschaften und bin mit der Qualität mancher Vorlesungen absolut nicht zufrieden. Die Dozenten, die sich dort mit großen Titel schmücken und mit ihren Büchern prahlen, halten Vorlesungen, in denen sie 90 min einfach vor sich hin stammeln. Grausam und manchmal wirklich eine Zumutung!!! Da sollte man sich doch wirklich mal ein Beispiel an der Uni Kiel nehmen und unsere Studiengebühren sinnvoll investieren um die Lehrqualität zu optimieren. Ein neuer Boden in der Bibliothek hilft da wirklich niemandem...

  4. Ach wie ist das schön, dass man das nicht schon die ganze Zeit voher schon können musste, um jetzt damit löffelweise gefüttert zu werden. Und es ist auch schön, dass das ganze auch noch zertifiziert wird, damit die ohnehin guten Chanceen von Professoren auf dem Arbeitsmarkt noch weiter verbessert werden, damit die Investion auch noch verschenkt wird. Als extern Beschäftigter bei Siemens oder sonstwo kann man von zertifizierten Qualifikationen nur träumen, dabei müsste dort noch nicht einmal jemand gewzungen werden. Stattdessen belöffelt man das einfache Volk mit lauter Sinnlosigkeiten. Hauptsache die Prioritäten sind klar.

  5. Doch, Herr Professor Fouquet, entgegen Ihrer Annahme sind auch Professoren der Universität Kiel nicht davor gefeit, die Schulbank drücken zu müssen. Bereitschaft zur Selbstreflexion reicht keineswegs aus. Wenn es, wie Sie meinen, bei Ihnen um die Qualität der Lehre nicht schlechter bestellt ist als anderswo, so heißt das ja noch lange nicht, daß sie deswegen gut sei. Außerdem täuschen Sie sich, wenn Sie behaupten, daß keiner den Uniprofessoren Anregungen gebe, was wie besser gemacht werden könne. Beispielsweise scheiterten meine eigenen diesbezüglichen Versuche stets an der schieren Arroganz der Unbelehrbaren. Die Universität Kiel sollte ihre begrüßenswerte Initiative, ihre Dozenten für eine bessere Lehre zu coachen, bereitwillig dazu nutzen, nicht länger von ihrem vom Wissenschaftstheoretiker Yehuda Elkana, dem Präsidenten und Rektor der Zentraleuropäischen Universität in Budapest, behaupteten sowie von Prof. Dr. Dr. h. c. Gerhart von Graevenitz, dem ehemaligen Rektor der Universität Konstanz, aus Gründen der Nichtjustitiabilität bestätigten „Recht“ Gebrauch zu machen, „etwas Falsches zu lehren“, sondern endlich nicht nur hinter vorgehaltener Hand, sondern auch offiziell zuzugeben, daß insbesondere die Relativitätstheorie allein schon aufgrund der fehlenden Transitivität der Lorentz-Transformation hinsichtlich des Realteils eines Weltpunkts im allgemeinen Falle nichtkollinearer Geschwindigkeiten nicht haltbar ist. Für einen allfälligen Transitivitätsbeweis zahle ich 10000 €.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service