Schule Was unsere Kinder lernen wollen

Wie eine Schule aussehen muss, in die alle wieder gerne gehen. Eine Rede

Ist die Schule krank? Viele sind unzufrieden, die Eltern, die Lehrer, die Kinder. Und wenn man sich die Klagen anhört, dann klingt das so: Die Kinder haben psychosomatische Störungen wie Bauchschmerzen und leiden an Hyperaktivität. Es gibt physische Gewalt, Mobbing, Drogen und Alkohol. Der Lernstress ist für Kinder und Eltern enorm. Im Kanton Zürich nehmen bis zu 40 Prozent der Kinder im Hinblick auf die Aufnahmeprüfung ins Gymnasium private Nachhilfeeinrichtungen in Anspruch. Schulverweigerung ist immer häufiger, wird aber totgeschwiegen. Und die Wirtschaft klagt, dass immer mehr Schülerinnen und Schüler für eine Lehre nicht qualifiziert sind.

Ist die Schule also krank? In den letzten Jahren haben bis zu 60 Prozent der Zürcher Schülerinnen und Schüler sonderpädagogische Maßnahmen erhalten, zum Beispiel Unterstützung in Mathematik oder Deutsch. Die Schule ist krank, besser: Sie wird krank gemacht. Es herrscht allgemeine Verunsicherung. Die Gründe dafür liegen weniger in der Schule selbst als vielmehr in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur. In allen drei Bereichen finden gegenwärtig Umwälzungen statt, die man ohne Übertreibung als Zäsuren in der Menschheitsgeschichte bezeichnen kann. Das haben wir noch nicht richtig begriffen, aber wir spüren es und sind beunruhigt. Diese Verunsicherung wirkt sich im Besonderen auf die Schule aus, ist sie doch das Vorzimmer der Gesellschaft. Werfen wir einen kurzen Blick auf diese Umwälzungen.

Anzeige

Bis zum 19. Jahrhundert war die Mehrheit der Schweizer Bauern. Heute sind es noch zwei bis drei Prozent. Dafür arbeiten 70 Prozent der Menschen in der Dienstleistungs- und Informationsgesellschaft, die ganz andere, vor allem kommunikative und soziale Kompetenzen, erfordert. Diese strukturellen Veränderungen der Wirtschaft wirken sich auf die Schule aus. So wurde überhastet in vielen Primarschulen Frühenglisch eingeführt. Die Globalisierung der Wirtschaft und die anhaltende Immigration von Arbeitskräften – neuerdings viele gut qualifizierte deutsche Arbeitskräfte – führen zusätzlich zu diffusen existenziellen Ängsten. Bis Ende der achtziger Jahre war es in der Schweiz eigentlich undenkbar, arbeitslos zu werden. Jeder, der wollte, fand eine Arbeit. Das hat sich in allen sozialen Schichten geändert. Wir haben zwar immer noch eine niedrige Arbeitslosenquote, die Verunsicherung ist aber trotzdem da. Und diese Verunsicherung geben die Eltern an ihre Kinder weiter. Damit geht ein unglaublicher Förderwahn einher, der bereits im Vorschulalter beginnt – wobei keine Studie bisher belegen konnte, dass die Kinder sich unter dieser Förderung besser entwickeln.

Der Kern der Gesellschaft ist die Familie. Und die hat sich dramatisch verändert. Wir haben heute eine Situation, in der viele Eltern ihre Kinder allein aufziehen müssen, ohne Großeltern, Tanten, Onkel, immer öfter sogar als Alleinerziehende. Wir sind zudem ein Volk von Kleinfamilien – mit durchschnittlich 1,4 Kindern pro Familie – geworden. Der Auslöser dieser Entwicklung war die Pille. Simone de Beauvoir hat die Mutterschaft als die Fessel der Frau bezeichnet. Diese Fessel wurde durch die Erfindung der Pille gesprengt. Früher waren Kinder Schicksal. Heute können wir bestimmen, ob Kinder auf die Welt kommen oder nicht. Damit steigen die Erwartungen mancher Eltern: Wenn sie schon ein Kind haben, soll es hochbegabt sein – und ein Erfolg, ein Juwel werden. Diese Erwartungen setzen die Kinder wie auch die Lehrer unter enormen Druck.

Die Frau hat sich in den vergangenen 40 Jahren emanzipiert, hat mit dem Mann gleichgezogen und ihn teilweise bereits überholt. Das hat es wohl in der Menschheitsgeschichte auch noch nie gegeben. Eine markante Auswirkung dieser Entwicklung: In der Schweiz haben wir in den Gymnasien 58 Prozent Mädchen, aber nur noch 42 Prozent Jungen. Letztere sind nicht etwa dümmer, sie sind einfach anders als die Mädchen. Sie sind unreifer, weniger angepasst, weniger fleißig und weniger sprachbegabt, was ausreicht, um in der Schule benachteiligt zu werden. Nach der Schule werden die Frauen diskriminiert. 40 Prozent der Akademikerinnen und gar 90 Prozent der Frauen in Top-Positionen sind kinderlos. Kind und Karriere vertragen sich in der Schweiz immer noch nicht. Kommt hinzu, dass die Frauen allgemein weniger verdienen.

Kultur ist die Klammer, welche die Gesellschaft zusammenhält. Wir erleben derzeit, wie unsere Kultur in vielfacher Weise auseinanderfällt. Die kulturellen Interessen der jüngeren Menschen entsprechen immer weniger denjenigen der älteren Menschen. Eine Kluft zwischen den Generationen tut sich auch in Bezug auf die soziale Hierarchie auf. In der Vergangenheit galt der alte Mensch als weise, aufgrund seiner langen Lebenserfahrung verfügte er über eine natürliche Autorität. Die Beziehung zwischen den Generationen ist heute zunehmend auf den Kopf und die Autorität der Erwachsenen infrage gestellt. Die jungen sind in vielen Bereichen, insbesondere was die Informationstechnologie und das Wissen anbetrifft, kompetenter als die älteren Menschen. Wenn der Schüler mehr weiß über ein Computerprogramm, kann der Lehrer seine Schwäche auf Dauer nicht verbergen. 90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen tummeln sich täglich mehr als zwei Stunden im Internet. Die Kinder wachsen als digital natives auf, Erwachsene haben den Status von digital immigrants . Die Erwachsenen müssen dazulernen, wenn sie nicht unglaubwürdig werden und die Kinder in ihrer Entwicklung nicht behindern wollen.

Diese Umwälzungen in Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur verlangen von der Schule große Anpassungen. So sollte jeder Jugendliche, wenn er die Schule verlässt, ein perfektes Zehnfingersystem auf dem Keyboard beherrschen. Es reicht nicht mehr, soziale Kompetenz mit Fleiß, Pünktlichkeit und Ordentlichkeit zu benoten. Die Kinder müssen teamfähig, eigenständig und solidarisch gemacht werden. Und das Wichtigste: Jedes Kind soll sein Entwicklungspotenzial verwirklichen können, was nur mit kindgerechtem, individualisiertem und ganzheitlichem Unterricht erreicht werden kann.

Falsch verstandenes Lernen hat eine lange Tradition. In unserer Gesellschaft bedeutet Lernen in erster Linie Auswendiglernen, Gute-Noten-Bekommen und Aufs-Gymnasium-Gehen. Was aber Lernen wirklich bedeutet, zeigen uns die Kinder in ihrer frühen Entwicklung.

Die ersten fünf Lebensjahre machen zeitlich etwa ein Drittel der Kindheit aus. In diesen wenigen Jahren durchlaufen die Kinder deutlich mehr als die Hälfte ihrer gesamten Entwicklung. In den ersten fünf Lebensjahren eignen sich die Kinder ein bis acht Wörter pro Tag an. Ihr Wortschatz wächst bis zum fünften Lebensjahr auf 1500 bis 8000 und mehr Wörter an. Zusätzlich machen sich die Kinder mit den grammatikalischen Regeln der Wort- und Satzbildung vertraut. Kleine Kinder sind Lerngenies. Dabei sind sie in keine Schule gegangen und hatten keine Prüfungen zu bestehen. Warum soll dieses beeindruckende Lernvermögen den Kindern mit dem Eintritt in die Schule plötzlich abhandengekommen sein? Warum sollen sie nur noch unter strengster Anleitung von Erwachsenen lernen und sich weiterentwickeln können? Eigentlich wollen die Kinder immer noch lernen – aber auf ihre Weise.

Damit Kinder gut lernen können, müssen sie sich psychisch und körperlich wohlfühlen. Vielen Kindern scheint es schlecht zu gehen, weil sie in der Schule emotional nicht mehr aufgehoben sind. Damit soll keiner Wohlfühlpädagogik das Wort geredet werden. Studien aber zeigen, dass eine gute Qualität der Beziehungen zwischen Schülern, Lehrern und Eltern die Lernmotivation der Kinder steigert und ihr Leistungsvermögen verbessert.

Eine große Herausforderung ist die Individualisierung des Unterrichts. Weshalb Schüler nicht gleich behandelt werden dürfen, zeigen Kinder wie Eldar, Lars und Patrick. Eldar beginnt sich mit 7 Jahren für Buchstaben zu interessieren. Mit 16 Jahren ist seine Lesekompetenz für einen Erwachsenen durchschnittlich ausgebildet. Lars fängt bereits mit 3 Jahren an zu lesen. Er verfügt mit 16 Jahren über eine Lesekompetenz, die deutlich höher ist als diejenige von Eldar. Patrick schließlich begreift das Lesen nicht vor dem 10. Lebensjahr, seine Lesekompetenz bleibt auch mit 16 Jahren niedrig. Je älter Eldar, Lars und Patrick werden, desto mehr unterscheiden sie sich in ihrer Lesekompetenz.

Warum also ist individualisierter Unterricht so wichtig? Nehmen wir an, Patrick, Eldar und Lars sind alle 10 Jahre alt und besuchen dieselbe Klasse. Nehmen wir zudem an, dass die Lehrerin nicht individualisiert unterrichtet, sondern sich am Durchschnitt der Klasse orientiert, zu dem Eldar gehört. Sie gibt der Klasse also einen Text vor, den Eldar gut lesen kann. Damit hat er ein Erfolgserlebnis. Nicht so Lars, der solche Texte bereits mit 7 Jahren gelesen hat. Er langweilt sich und ist unterfordert. Patrick wiederum ist hoffnungslos überfordert. Lars und Patrick können auf ihre Lernsituation mit Verhaltensauffälligkeiten und psychosomatischen Symptomen reagieren. Die Lernmotivation eines Kindes wird dann gestärkt und das Selbstwertgefühl bestätigt, wenn Anforderungen und Kompetenz des Kindes so weit übereinstimmen, dass es in seinen Lernbemühungen meist erfolgreich ist.

Wir aber wollen von dieser Vielfalt nichts wissen. Defizite sollen möglichst früh erfasst und so therapiert werden, dass sie behoben werden. Eine Leseschwäche lässt sich aber nicht wegtherapieren. Was das Kind braucht, ist eine Unterstützung, die ihm hilft, seine beschränkten Kompetenzen möglichst gut zu nutzen. Und es sollte lernen, seine Leseschwäche zu akzeptieren. Dazu muss aber auch sein soziales Umfeld bereit sein, damit das Kind nicht zusätzlich verunsichert und sein Selbstwertgefühl möglichst wenig beeinträchtigt wird.

Schließlich stocken wir unseren veralteten Bildungskanon ständig mit neuen Erkenntnissen auf. Das kann auf Dauer nicht gut gehen. Was also muss im Lehrplan entsorgt werden (und da sollte man keinen Lateinlehrer fragen)? Manfred Prenzel, der ehemalige Leiter der Pisa-Studie in Deutschland, meinte vor einigen Jahren, mindestens 30 Prozent des Mathematik-Stoffs im Gymnasium könne ohne nachteilige Folgen weggelassen werden. Das gilt wohl auch für andere Fächer. Wir sollten unseren Kindern keinen Stoff mehr zumuten, der sie in die Vergangenheit zurückführt, sondern ihnen Stoff vermitteln, der sie auf die Zukunft vorbereitet.

 
Leser-Kommentare
  1. Habe den Artikel wie so oft zu diesem immerwiederkehrenden Thema in der ZEIT nur überflogen und es wiederholt sich...

    "Die Kinder müssen teamfähig, eigenständig und solidarisch gemacht werden. Und das Wichtigste: Jedes Kind soll sein Entwicklungspotenzial verwirklichen können, was nur mit kindgerechtem, individualisiertem und ganzheitlichem Unterricht erreicht werden kann."

    Leute: W-a-l-d-o-r-f-s-c-h-u-l-e

  2. In der Du-musst-Schule lernt man immer noch AUSWENDIG. In der Ich-kann-Schule lernt man INWENDIG.
    In die Du-musst-Schule MUSS man gehen und KANN sie schwänzen. In der und durch die Ich-kann-Schule lernt jeder sein ganzes Leben lang und wächst dadurch ständig über sich hinaus.
    Je weniger die Du-musst-Schule selbst kann, umso mehr DRUCK macht sie. Die neue Ich-kann-Schule nennt eine Erziehung mit Druck ErDRÜCKung; sie selbst lässt sich was einfallen, was ZIEHT.
    Die Du-musst-Schule erklärt deinem BEWUSSTEN Verstand alles hundertmal, bis der letzte Rest von Klarheit vernichtet ist. Die neue Ich-kann-Schule wendet sich nur mit den wenigen Dingen an den bewussten Verstand, für die er tatsächlich zuständig ist, und wendet sich zum Ausgleich mit optimalem Erfolg an die im UNBEWUSSTEN ruhenden Kräfte und Talente.
    In der Du-musst-Schule ist LERNEN die tägliche SELBSTQUÄLEREI für das was der sog. Lehrplan vorschreibt. In der neuen Ich-kann-Schule kann man ein Wörterbuch lesen und weiß daher, dass man lernt, wenn man "eine Fährte des Lebens verfolgt und Erfahrungen sammelt". So bricht man in der DMS zusammen und in der IKS wächst man über sich hinaus.
    Die Du-musst-Schule behandelt einen als Schülermaterial, die Ich-kann-Schule achtet und stärkt deine Würde.
    In der Ich-kann-Schule gibt es keinen Unterricht: kein nach unten gerichtet Werden, da wird nicht für´s Leben sondern IM LEBEN miteinander gelernt. Jeder trägt seine Ich-kann-Schule IN SICH. Guten Erfolg damit!
    Franz Josef Neffe

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Soweit ich mich erinnern kann, gibt's außer "können" und "müssen" noch andere Modalverben oder wie die Dinger auch heißen "mögen".

    Ich habe als Lehrer schon viele Säue gesehene, die durchs Dorf getrieben werden; etwas wirklich überzeugendes Neues - die Methodik oder Schulorganisation betreffend - habe ich noch nicht kennenlernen dürfen. Von dem Konzept einer "Ich-Kann-Schule" habe ich allerdings noch nie gehört. Vielleicht können uns Sie Ihre doch recht vage formulierten Allgemeinplätze etwas näher erläutern. Es würde mich mal interessieren, was das für eine Schule ist, in die man nicht gehen muss und in der man über sich hinauswächst.

    Soweit ich mich erinnern kann, gibt's außer "können" und "müssen" noch andere Modalverben oder wie die Dinger auch heißen "mögen".

    Ich habe als Lehrer schon viele Säue gesehene, die durchs Dorf getrieben werden; etwas wirklich überzeugendes Neues - die Methodik oder Schulorganisation betreffend - habe ich noch nicht kennenlernen dürfen. Von dem Konzept einer "Ich-Kann-Schule" habe ich allerdings noch nie gehört. Vielleicht können uns Sie Ihre doch recht vage formulierten Allgemeinplätze etwas näher erläutern. Es würde mich mal interessieren, was das für eine Schule ist, in die man nicht gehen muss und in der man über sich hinauswächst.

  3. „Die kulturellen Interessen der jüngeren Menschen entsprechen immer weniger denjenigen der älteren Menschen.“ Das war in jeder Generation schon der Fall ! Nichts Neues !

    90 Prozent der 12- bis 19-Jährigen tummeln sich zwar täglich mehr als zwei Stunden im Internet, aber ob sie dadurch ihr Wissen erweitern, darf ernsthaft bezweifelt werden. 90 Prozent dieser Gruppe können weder das Wort „Informationstechnologie“ korrekt schreiben noch wissen sie überhaupt, was der Begriff Informationstechnologie inhaltlich bedeutet. Diese Kinder wachsen daher eher „digital naiv“ auf.

    Kinder sind Lerngenies – da stimme ich dem Autor ausnahmsweise zu. Ihre Neugier und Wissbegierigkeit ist auszubauen. Die Schule/der Lehrer/die Lehrerin, die sog. modernen Pädagogen, bremsen eher den lernwilligen Schüler.

    Der tägliche K(r)ampf mit der Grundschule zeigt mir, daß man sich auf Schule nicht verlassen kann und darf. Die umfassende Allgemeinbildung, Berufs- und Lebenserfahrung der Eltern und Großeltern wird unserem Kind jedenfalls weitergegeben – außerhalb der Schule. Natürlich muß unser Kind nicht mehr Sütterlinschrift lernen, auch Latein muß er nicht unbedingt lernen. Aber es gibt genügend „alten Stoff“, der unser Kind zukunftsfähig macht.

  4. trotz toller psychologischer und pädagogischer erkenntnisse, das kinder nicht auf das leben in gegenwart und zukunft vorbereitet werden. zu wenig individuelle förderung. kinder werden durch einen, seit jahrzehnten, unveränderten lehrplan geschleust, der oft keine andere möglichkeit lässt als auswendig zu erlernen, anstatt lernen in verbindung mit realitäten zu erlernen. allein die trennung der fachgebiete weiß man, ist kompletter schwachsinn. siehe waldorfschulen. was bleibt von dem wissensdurst der kinder übrig, wenn jede stunde ein neuer lehrer ein anderes fach unterrichtet? wie sollen sie unsere welt verstehen können und zusammenhänge begreifen bei diesem schulsystem? wer geld hat schickt sie auf privatschulen. an eine grundlegene schulreform hat sich noch keine regierung geagt.
    wie war noch der witz: ein politiker und ein bischof unterhalten sich, sagt der politiker: wir halten sie arm, und ihr sie dumm! dumme menschen sind leichter zu manipulieren und regieren.

  5. Moin,

    ich verstehe nicht, was Heute so viel schlechter läuft.
    In den Tagen meiner Schulzeit in den 70ern wurde wenig auf die Schüler eingegangen (mit Ausnahmen), man lernte viel auswendig (ich eher weniger), die Klassen waren größer (37 Schüler in der Sexta) und trotzdem kann ich mich nicht daran erinnern, dass die Probleme so gravierend gewesen wären:
    "...psychosomatische Störungen wie Bauchschmerzen und leiden an Hyperaktivität. Es gibt physische Gewalt, Mobbing, Drogen und Alkohol. Der Lernstress ist für Kinder und Eltern enorm...."
    Auch damals war beileibe nicht alles Gold und ich sicher kein Musterschüler. Die Intensität der Betreuung war niedrig, wir haben unsere Hausaufgaben in Zug und Bus gemacht, aber kaum jemand wird sagen wir hätten nichts gelernt und wären mit Schulende schlagartig lernresistent geworden.
    Kann es sein, dass dies nicht mit einer kranken Schule zu tun hat, sondern dass sich die Gesellschaft verändert hat?
    Das ein Hauptschüler der damals, ein Wollen vorausgesetzt, einen Job bekommen konnte der den Lebensunterhalt sicherte, Heute kaum auf mehr als HartzIV rechnen kann? Und auch nicht darauf vertrauen kann, dass es ein sicheres soziales Netz gibt? Dieses permanent über den Nacken der Kinder schwebende Damokles-Schwert ist nicht unbeteiligt. Unter permanenter Sorge oder gar Angst können Kinder IMHO kein Grundvertrauen als Basis für Lernerfolge entwickeln.
    Würde hier ein neues, altes Sicherheitsgefühl eingerichtet wären wir IMHO bald weiter.

    CU

  6. Bitte formulieren Sie Ihre Kritik deutlicher, um eventuelle Missverständnisse zu vermeiden. Danke, die Redaktion/vv

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    Verzichten Sie bitte auf diskriminierende Pauschalisierungen und formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/vv

    Verzichten Sie bitte auf diskriminierende Pauschalisierungen und formulieren Sie Ihre Kritik sachlich. Die Redaktion/vv

  7. Die wesentliche Voraussetzung für guten Unterricht ist und bleibt ein stabiles Selbstbewußtsein des Lehrers. Wer mit den Veränderungen in der Welt da draußen nur mäßig bis gar nicht zurecht kommt und ohnehin nur mit seinen Eigenen Wehwechen beschäftigt ist, kann für die Kinder kein Fels in der Brandung sein.

Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren

Service