Chile Der große Garten des PräsidentenSeite 3/3
Hat sie für Piñera gestimmt? Señora Silda schüttelt den Kopf. »Ich bin Sozialistin, seit ich zwölf bin, daraus mache ich keinen Hehl.« Auch menschlich hat sie nichts für ihn übrig. »Im Fernsehen lächelt er immer, aber wenn man ihn näher kennt, merkt man, dass er nichts als Zahlen und Geschäfte im Kopf hat«, sagt sie. Für Chile ist die Wahl Piñeras eine Zäsur. Nach dem Ende der Pinochet-Diktatur hat die Concertación das Land regiert, ein Bündnis aus Sozialisten, Sozialdemokraten und christlichen Demokraten. Nun ist zum ersten Mal seit 50 Jahren eine rechte Regierung in freien Wahlen an die Macht gelangt.
Am nächsten Morgen steuert José Trujillo Godoy die Sor Teresita durch sanfte Wellen, ein Muscheltaucherboot. Wer ihn fragt, den nimmt er mit hinaus. Die See ist ruhig heute und Don José gelassen, seine gegerbten Hände ruhen auf dem hölzernen Steuerrad. Er trägt eine Jogginghose, einen kurzärmeligen Wollpullover und von Salz erstarrte Lederstiefel, am Hals hängt eine Kette mit einem goldenen Delfin. Seit 40 Jahren fährt er zur See. Früher ist er selbst getaucht, jetzt beschäftigt er Lohntaucher. Dolorindo, Manuel, Marcelo und Sergio pressen sich in dicke Gummianzüge, legen Bleigürtel an, ziehen Schwimmflossen und Taucherbrillen über. Der Kompressor knattert, die Atemschläuche zischen; Taucherflaschen wären zu teuer. Dolorindo geht zuerst über Bord, Minuten später sind von ihm und den anderen nur noch Luftblasen zu sehen. Fast sechs Stunden bleiben sie unter Wasser, in 15 Metern Tiefe, und kommen nur hoch, um die prall gefüllten Netze abzuliefern. Wir sitzen an Deck und essen pan de lancha, Schmalzbrot mit Speck. Ab und zu springt Don José auf, um den Drucklufttank zu prüfen oder einen Schlauch nachzuführen. Mit der Seilwinde hievt er Netze an Bord und füllt die Muscheln in Säcke ab. Irgendwann sind es sehr viele Säcke, Dolorindo und die anderen schälen sich erschöpft aus ihrer Gummikleidung.
Auf dem Rückweg führen Delfine am Bug einen Paarsprung vor. Wir machen fest am Anleger von Inio. Der Boden unter den Füßen schwankt wie das abgewetzte Deck der Sor Teresita. Don José und seine Taucher bleiben an Bord, das Festland und der Parque Tantauco gehen sie nichts an. Gut wäre nur, sagt Don José, wenn Piñera hier wenigstens ein paar Handymasten aufstellen würde. Dann könnten sie zu Hause anrufen in den Wochen, in denen sie von ihren Familien im Norden der Insel getrennt sind. »Und er soll endlich die Brücke bauen, die Chiloé mit dem Festland verbindet. Darum haben viele von uns ihn gewählt.« Der Kapitän verabschiedet sich, ohne einen Fuß auf den Anleger zu setzen.
Señora Silda erntet Salatköpfe im Gewächshaus. Es ist heiß und feucht unter der Plane. Früher haben die Leute aus dem Dorf bei ihr gekauft. Dann machten sie es ihr nach und legten eigene Beete an. So sei es auch mit dem Park, meint Señora Silda. »Anfangs waren die Leute neidisch, aber jetzt haben sie die Chancen erkannt.« Eine Frau aus dem Dorf bietet neuerdings auch Abendessen an, ein Mann hat ein Schnellboot für Passagiere gekauft. Die Zukunft, da ist sich Señora Silda sicher, wird mehr Touristen nach Inio bringen, vielleicht wird auch die Brücke helfen. Ihr Mann Carlos baut schon mal eine Hütte neben dem Haus, als Speisesaal für die nächste Saison. Ihm wird es zu eng in Küche und Esszimmer.
- Datum 17.05.2010 - 10:15 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
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...ist wirklich traumhaft schoen!!
Die brücke ist nicht zu realisieren. Am meeresboden der Canal de Chacao treffen DREI geologische platten miteinander. Dieser teil hat der Name: piedra remolino. Wer eine brücke dort baut wird erleben wie in weniger als zwei jahre die konstruktion in meer sikt. Die geologische platten webegen sich wie eine windrad...
Die brücke war eine schnapsideee von expresident Ricardo Lagos. Seine exfrau hat eine beton fabrik für grosse brücken pfeiler...
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