Migranten in Südafrika Hau ab oder stirb!Seite 2/2

Blikkiesdorp ist ein Paradebeispiel, wie durch staatliche Fehlplanung die Fremdenfeindlichkeit verstärkt wird. Hier richten arme Südafrikaner ihre ganze Wut gegen die entwurzelten Ausländer. Sie werden nicht als Leidensgefährten wahrgenommen, sondern als Konkurrenten im Verteilungskampf um knappe Güter: Arbeit, Lebensmittel, Wasser, Strom, Medikamente, Baumaterial, Brennholz, ein Dach über dem Kopf.

Neulich inspizierte Dan Plato, der Bürgermeister von Kapstadt, das Lager. Als er erklärte, dass er mit Blikkiesdorp eigentlich ganz »happy« sei und die Siedlung zu den besten ihrer Art gehöre, wurde er von den Anwohnern niedergeschrien. Eine Frau ohrfeigte ihn. Unterdessen hat Basil Vellai, der Polizeichef der Region, die Politiker vor weiteren Besuchen gewarnt: »Die Wut der Leute wächst. Blikkiesdorp ist eine Zeitbombe.«

Das hindert andere Behörden nicht, hier weiterhin Immigranten unterzubringen. Haben sie seit den Gewaltexzessen von vor zwei Jahren nichts dazugelernt? Damals vertrieb ein enthemmter Mob Tausende Ausländer aus den Elendsquartieren und brannte ihre Hütten und Läden nieder. 60 Menschen wurden getötet. Bilder von dem Mosambikaner Ernesto Nhamwavane, den junge Männer auf eine Matratze zwangen, mit Benzin übergossen und bei lebendigem Leibe verbrannten, gingen um die Welt. Es waren Szenen der Barbarei, die viele Beobachter an die schlimmsten Zeiten der Apartheid erinnerten. »In diesen Tagen ist definitiv etwas zerbrochen«, schreibt Andile Mngxitama in seinem Buch Go home or die here, »Haut ab oder sterbt hier«, das die Ursachen der Pogrome untersucht. In Blikkiesdorp war es die Vision von der Regenbogennation, von einer toleranten, multikulturellen, weltoffenen Gesellschaft.

»Die militante Xenophobie hat eine lange Tradition, sie kam nicht über Nacht«, sagt Ahmed Dawlo, Direktor des Verbands der Somalier in Südafrika. Afrikanische Immigranten, die wegen ihrer Sprachen keiner versteht, würden als Arbeitsdiebe, Lohndrücker, Drogenhändler, Hexer, Vergewaltiger und Aids-Verbreiter stigmatisiert. Sie würden für alle Übel verantwortlich gemacht, von der wachsenden Arbeitslosigkeit bis zur ausufernden Kriminalität.

Ahmed Dawlo glaubt, dass viele Attacken nicht spontan erfolgten, sondern wohlorganisiert waren. Er verweist auf Protokolle der Polizei. Mancherorts würden sogar Politiker und Funktionäre der Regierungspartei ANC mitmischen, um vom eigenen Versagen abzulenken. Denn in zahlreichen Gemeinden werden die kommunalen Dienstleistungen immer schlechter – eine Folge von Inkompetenz und Selbstbereicherung des Verwaltungspersonals. Auch lokale Geschäftsleute sollen die Marodeure aufgestachelt haben, um so ausländische Händler loszuwerden, die ihre Waren oftmals billiger anbieten. »Es geht also nicht nur um den anonymen Mob, sondern um die ganze Gesellschaft.«.

Die Xenophobie, sagt auch der Migrationsforscher Loren Landau, sei allmählich von den Armenvierteln in die Wohnzimmer der Bessergestellten gewandert. Die neue schwarze Mittelschicht empöre sich zwar über das mörderische Treiben, zugleich aber betrachte sie ihr Land als Heimat der »echten« Südafrikaner – man habe schließlich selbst genug Sorgen und könne nicht auch noch die Probleme Afrikas lösen, so die Argumentation. Im Alltag ist vom kosmopolitischen Geist der neuen Verfassung nicht mehr viel zu spüren. »Südafrika gehört allen, die hier leben«, steht in der 1996 beschlossenen Präambel. Heute wäre ein anderer Satz zutreffender: »Südafrika gehört allen, die hier geboren sind.«

 
Leser-Kommentare
    • Medley
    • 02.05.2010 um 13:28 Uhr

    ...ein Mensch.

    "Ihr bescheidener Erfolg weckt Neid und Missgunst der Einheimischen..."

    Neid und Missgunst? Ist dererlei Betrachtung nicht vielleicht doch etwas abgehoben? Schließlich herrscht in SA, zumindest unter den Schwarzen, eine inoffizielle Arbeitslosigkizt von ca 40%...? Da kann man schon mal frustig werden, find ich, auch wenn es nun nicht unbedingt edle Gefühle sind, die einem zudem auch noch nicht besonders gut zu Gesichte stehen.

    • Medley
    • 02.05.2010 um 13:28 Uhr
    2. Teil 2

    "Sie werden nicht als Leidensgefährten wahrgenommen, sondern als Konkurrenten im Verteilungskampf um knappe Güter..."

    Na und? Nächstenliebe und Egoismus schließen sich nicht ja
    nicht als ein Antagonismus aus, der jedwede Parallelität und Gleichsamkeit kategorisch negiert. Im Gegenteil. Wohl sicher zu 90% aller Zeit unseres Lebens machen wir Dinge, die sowohl den Anderen bedenken, als aber auch uns selber nützen. Herr Grill schreibt für uns interessante Berichte, gleichzeitig bestreitet er aber damit ebenso seinen Lebensunterhalt. Right?! Sie, die schwarzen Südafrikaner und ihre kontinentalen Brüder, sind daher Leidensgefährten UND Konkurrenten in Einem, da, wo sie sich im Leben treffen. Würden jedes Jahr zehntausende ausgebildete Journalisten aus aller Welt nach Deutschland einwandern, als was würde dann der Autor dieses Artikels sie wohl betrachten? Als Leidensgenossen oder als Konkurrenz?

    • Medley
    • 02.05.2010 um 13:29 Uhr
    3. Teil 3

    "....zugleich aber betrachte sie ihr Land als Heimat der »echten« Südafrikaner – man habe schließlich selbst genug Sorgen und könne nicht auch noch die Probleme Afrikas lösen, so die Argumentation......Im Alltag ist vom kosmopolitischen Geist der neuen Verfassung nicht mehr viel zu spüren........Heute wäre ein anderer Satz zutreffender: »Südafrika gehört allen, die hier geboren sind.«"

    Derartige Argumente kommen mir ziemlich bekannt vor, insofern sie in einer sehr ähnlich gelagerten Asylbewerber- und Flüchtlingsdebatte, Anfang der 90ziger in Deutschland, auch angewandt wurden. "Das Boot ist voll, wir können nicht die Probleme der Welt lösen" bzw. "....wir sind schließlich nicht das Sozialamt der Welt." und "Deutschland den Deutschen, Ausländer raus " wären wohl die passenden Äquivalente aus unserer Hemisphere dazu. Ja, der Mensch ist so wie er ist und das lässt sich mutmaßlich auch nie ändern. Und man sieht auch, Afrikaner, bzw. "Schwarze" sind nicht viel anders als wir. Nicht schlechter, aber auch nicht besser, wie's scheint.

    • Medley
    • 02.05.2010 um 13:31 Uhr

    Warum kann man eigentlich hier nicht die vollen 1550 Buchstaben ausschöpfen. Bei ca. 800 ist nämlich schon Schluss. So'n Sch........ Dieser Javamurks ist wirklich schlimm. :o(((((

  1. Nelson Mandela´s Verdienste für Südafrika richteten sich mal für die Gleichberechtigung von Weiß und Schwarz - Gleichheit für ALLE. Über zwei Jahrzehnte musste er für diese Überzeugung in Haft gehen, um für sein Land einzustehen: Persönliche Freiheit zugunsten einer nationalen Freiheit aufopfern.

    Nun, 16 Jahre nach der Apartheid, greifen die einstigen Opfer der Rassentrennungspolitik ähnliches xenophobes Gedankengut auf, wie die Vertreter der DA/Apartheid. Ich erachte es für sehr traurig und gefährlich zugleich, wie sich das demokratische Südafrika, die Gesellschaft, entwicklelt. Solange soziale Defizite das Schwellenland prägen, werden moralische Grundsätze zugunsten ökonomischer Erwägungen über Bord geworfen.

    Weitere Hintergrundartikel im Südafrika-Portal unter: http://2010sdafrika.wordp...

    • rondo
    • 02.05.2010 um 16:50 Uhr

    "Solange soziale Defizite das Schwellenland prägen, werden moralische Grundsätze zugunsten ökonomischer Erwägungen über Bord geworfen."
    Der Mensch ist von Natur aus Egoist

    Solange man nicht den Menschen in ihren Heimatländern hilft wird es diese Probleme geben.
    Diese Zustände, wenn auch noch nicht so brutal, gibt es bei uns doch auch schon. Bildung macht keine besseren Menschen.
    Politiker, die die meiste Schuld daran tragen, machen sich danach aus dem Staub, denn sie haben ja schon nach kurzer Amtszeit ausgesorgt.
    Politiker haben ja nichts gelernt, sie probieren einfach nur herum. Und wenn's nicht geklappt hat, hat das Volk Pech gehabt. Politiker tragen keine Verantwortung, sie müssen nicht für ihre Fehler bezahlen. Auch bei uns nicht.

    • locuta
    • 03.05.2010 um 10:41 Uhr

    "...man habe schließlich selbst genug Sorgen und könne nicht auch noch die Probleme Afrikas lösen, so die Argumentation."

    Na, das ist doch die Gelegenheit für die hiesige Gutmenschenkamarilla nebst angeschlossener Sozialarbeiterindustrie (an der Spitze angeführt von der unvermeidlichen Bundesbetroffenheitsbeauftragten mit vor "Ergriffenheit" zitternder und sich überschlagender Stimme), ein fulminantes Zeichen für die "Weltoffenheit" und Hilfsbereitschaft der "BRD" zu setzen!
    Lasset die Kindlein zu uns kommen, wenn Südafrike sie nicht haben will, wir brauchen schließlich Jeden! Irgendwer muß doch unsere Renten bezahlen, nicht wahr!
    Wenn wir schon weite Teile des türkischen und arabischen Prekariats beherbergen und alimentieren, dann kommt es auf ein paar Afrikaner auch nicht mehr an, "wir hams ja!"
    Man denke nur an die von Schäuble mit stolzgeschwellter Brust verkündete "BRD"-Praxis: "wir sind ein Land, das nie ausgewählt hat!"

    Also, frisch ans Werk!

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    aber Sie sind auf jeden Fall um Welten realistischer als die Einwanderung=Bereicherung- Schwadroneure.
    Nirgendwo auf der Welt werden von zuwandernde, aber nicht gebrauchte Menschen von den deklassierten Einheimischen auch noch freudig empfangen. Sich auch noch darüber zu wundern istz schon ziemlich weltfremd.

    aber Sie sind auf jeden Fall um Welten realistischer als die Einwanderung=Bereicherung- Schwadroneure.
    Nirgendwo auf der Welt werden von zuwandernde, aber nicht gebrauchte Menschen von den deklassierten Einheimischen auch noch freudig empfangen. Sich auch noch darüber zu wundern istz schon ziemlich weltfremd.

  2. aber Sie sind auf jeden Fall um Welten realistischer als die Einwanderung=Bereicherung- Schwadroneure.
    Nirgendwo auf der Welt werden von zuwandernde, aber nicht gebrauchte Menschen von den deklassierten Einheimischen auch noch freudig empfangen. Sich auch noch darüber zu wundern istz schon ziemlich weltfremd.

    Antwort auf "Jetzt aber schnell!"

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