Energiepolitik Die Strom-OffensiveSeite 4/4
Niemand im Lande weiß aber auch besser als Ahmels: Das allein wird nicht reichen. Wenn der Plan funktionieren soll, darf er selbst an den deutschen Landesgrenzen nicht enden. Deutschlands Stromnetz müsste Teil eines ganz großen, eines fast paneuropäischen Netzes werden, das vom Nordkap bis an die Sahara reicht.
Es klingt paradox: Aber ein besonders großes Netz wäre sogar der ökonomischste Weg, Überangebote oder Unterversorgung zu vermeiden.
Je weiter Windparks oder Solarstromanlagen voneinander entfernt sind, desto geringer ist tatsächlich die Wahrscheinlichkeit, dass überall Flaute herrscht oder der Himmel wolkenverhangen ist. Die Versorgung wird deshalb sicherer – vorausgesetzt, der Strom erreicht die Verbraucher auch aus großen Distanzen. Herkömmliche Leitungen sind dafür ungeeignet, die Verluste wären immens. Es gibt aber eine Alternative, Autobahnen sozusagen, für den fast verlustfreien Stromtransport: die Hochspannungs-Gleichstrom-Übertragung (HGÜ).
Die Technik wird bereits seit mehr als 50 Jahren genutzt, inzwischen auf allen Kontinenten. In Europa verbindet zum Beispiel eine HGÜ-Leitung die Insel Gotland mit dem schwedischen Festland, auch Italien und Griechenland sind per HGÜ elektrisch verbunden. Zu einem Netz von Stromautobahnen – Neudeutsch: supergrid – sind die Kabel aber bisher nicht zusammengewachsen. Es wäre die billigste Möglichkeit, um die grüne Energiezukunft zu ermöglichen. Der Transport einer Kilowattstunde über große Distanzen ist nach Angaben des Verbandes der Elektrotechnik (VDE) mit zwei bis drei Cent »sehr günstig«.
Zum Mix der Zukunft gehört auch mehr gespeicherter Strom. Dann ließe sich heute Energie erzeugen, die erst morgen genutzt wird. Speichern lässt sich Elektrizität in Batterien, als Druckluft und als Wasserstoff. Die billigste Alternative sind laut VDE aber Pumpspeicherkraftwerke. Nur: In Deutschland gibt es kaum noch Standorte dafür.
Pumpspeicherkraftwerke sind Wasserkraftwerke, in denen elektrische Pumpen Wasser von einem Unter- in ein Oberbecken befördern, wenn die Stromerzeugung größer als die Stromnachfrage ist. Ist es umgekehrt, wird das im Oberbecken lagernde Wasser durch Rohre auf Turbinen geleitet und in Strom zurückverwandelt. In Deutschland gibt es rund drei Dutzend solcher Speicherkraftwerke. Viel mehr lässt die Topografie nicht zu.
Ganz anders sieht das aber zum Beispiel in Norwegen aus. Das Gebirge, das sich praktisch entlang der gesamten Küste auftürmt, bildet für die atlantischen Tiefdruckgebiete eine Barriere. Es regnet viel, der Regen füllt viele Seen, und das natürliche Gefälle, um aus dem Wasser Strom werden zu lassen, fehlt auch nicht. Norwegen erzeugt praktisch seinen gesamten Strom auf diese Weise, vollkommen CO₂-frei. Könnte der Rest Europas daran nicht teilhaben?
Er könnte, allerdings müssten die norwegischen Wasserkraftwerke umgebaut werden. Bisher sind es ganz normale Wasserkraftwerke, die Strom ausschließlich aus natürlichen Wasserzuflüssen erzeugen. Sollen aus ihnen Pumpspeicherkraftwerke werden, müssen Pumpen und Steigleitungen gebaut werden. Norwegens Wasserkraftstrom und der Nordsee-Windstrom der Zukunft könnten dann allerdings eine perfekte Verbindung eingehen. Immer wenn die Turbinen auf See überschüssigen Strom erzeugten, würde er nach Norwegen geleitet, um dort die Pumpen norwegischer Speicherkraftwerke mit Strom zu beschicken – während aus Norwegen Wasserkraftstrom in Richtung Süden flösse, wenn in der Nordsee einmal Flaute herrschte.
Fantasterei?
Tatsächlich nimmt die Angelegenheit bereits Gestalt an. Seit zwei Jahren verbindet eine Stromautobahn das norwegische mit dem niederländischen Netz; es ist das längste unterseeische Stromkabel der Welt. Ein weiteres Hochleistungskabel zwischen Norwegen und Deutschland ist geplant; es soll 2015 in Betrieb gehen. Statkraft, Europas größter Produzent von grünem Strom, hat sich vorgenommen, Europas swing producer zu werden, also auf dem grünen Strommarkt für den Ausgleich von Angebot und Nachfrage zu sorgen.
Auch sonst tut sich etwas auf Europas Strommarkt. Die sogenannte Desertec-Initiative lotet im Augenblick aus, ob in Nordafrika erzeugter Solarstrom auch für Europa eine zuverlässige Stromquelle werden kann. Greenpeace und der Europäische Windenergie Verband (EWEA) haben Blaupausen für den Nordsee-Verbund entwickelt. Neun EU-Staaten, darunter Deutschland, verständigten sich im Dezember vergangenen Jahres grundsätzlich darauf, die Nordsee mit elektrischer Infrastruktur zu erschließen. Zehn europäische Konzerne, darunter Hochtief und Siemens, bilden seit Anfang März den Verein Friends of the Supergrid. Da ist etwas in Bewegung gekommen.
Fragt sich nur: Ist es genug? Das Netz müssten am Ende die Netzbetreiber bauen – das sind 42 in Europa, manche privat und manche staatlich, manche Teil von Stromkonzernen und andere nicht. Ob sie jemals koordinierte Investitionen zusammenbekommen, ist ungewiss.
Kann sein, dass genau das der Stoff ist, über den künftig in der Energiewirtschaft gestritten wird. Politiker werden darüber nachdenken, was sie Netzbetreibern vorschreiben dürfen. Immerhin wird da ein natürliches Monopol bewirtschaftet, und natürliche Monopole stehen traditionell unter staatlicher Aufsicht. Das berechtige den Staat auch, ihnen zu sagen, »was zu tun ist«, meint der Flensburger Ökonom Hohmeyer.
- Datum 30.04.2010 - 07:23 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
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möglich sind. RWE, EON, Vattenfall, Siemens u. Umweltverbände haben daran mitgearbeitet.
Die deutschen Pumpspeicher (Kapazität von 8 TWh) im Süden Dtls werden derzeit nur von Kohle- und Atomkraftwerken benutzt damit diese auch nachts durchlaufen können weil die Nachfrage nachts selbst mit Niedertarifen nicht mehr gesteigert werden kann.
Natürlich kann man es begrüßen wenn endlich die bereits vor über 10 Jahren von der DENA geforderten 800km zusätzlichen Stromleitungen gebaut werden.
Auch die Anbindung von Norger KS an Norwegen ist sinnvoll, die Stauseen können 130 TWh Strom speichern. Es ist korrekt dass dies nur Stauseen sind und noch keine Pumpspeicher, bei viel Windstrom können aber die norwegischen Verbraucher mitversorgt werden während das Wasser in den Stausee verbleibt bis es gebraucht wird.
Erdkabel müssen nicht unbedingt teuerer sein, es hängt von der Stromspannung ab. Letztendlich machen etwas teurere Erdkabel am Stromendpreis so gut wie nichts aus. In Dänemark werden übrigens nur Erdkabel verlegt.
Strom kann auch als Methan=Erdgas gespeichert werden. Der große Vorteil ist dass auf diese Weise über 200 TWh Strom gespeichert werden könnte. Bei negativen Strompreisen, die durch die unflexiblen Großkraftwerke entstehen, macht es besonders Sinn den überschüssigen Strom als Gas zu speichern.
".... 100 Milliarden Dollar? Nach dem Wechselkurs von 2008 entspricht das rund 70 Milliarden Euro. Das ist fast ein Drittel dessen, was Europas 500 größte, börsennotierte Unternehmen im Durchschnitt der vergangenen Jahre investierten. ..."
Ganz ohne richtige Kosten; Peanuts sozusagen.
".... 100 Milliarden Dollar? Nach dem Wechselkurs von 2008 entspricht das rund 70 Milliarden Euro. Das ist fast ein Drittel dessen, was Europas 500 größte, börsennotierte Unternehmen im Durchschnitt der vergangenen Jahre investierten. ..."
Ganz ohne richtige Kosten; Peanuts sozusagen.
".... 100 Milliarden Dollar? Nach dem Wechselkurs von 2008 entspricht das rund 70 Milliarden Euro. Das ist fast ein Drittel dessen, was Europas 500 größte, börsennotierte Unternehmen im Durchschnitt der vergangenen Jahre investierten. ..."
Ganz ohne richtige Kosten; Peanuts sozusagen.
Nochmal: Die ECF-Studie wurde unter Mitwirkung von EON, RWE u. Vattenfall gemacht. Man sollte nicht glauben dass diese Leute sich nicht auskennen, auch was die Mehrkosten betrifft.
Die 70 Mrd werden in vielen Jahren ausgegeben, eben bis 2050. Auch wenn man auf EE verzichten würde muß immer investiert werden. Auch fossile Kraftwerke halten nicht ewig, Neubauten kosten viel Geld.
Nochmal: Die ECF-Studie wurde unter Mitwirkung von EON, RWE u. Vattenfall gemacht. Man sollte nicht glauben dass diese Leute sich nicht auskennen, auch was die Mehrkosten betrifft.
Die 70 Mrd werden in vielen Jahren ausgegeben, eben bis 2050. Auch wenn man auf EE verzichten würde muß immer investiert werden. Auch fossile Kraftwerke halten nicht ewig, Neubauten kosten viel Geld.
Desertec - erinnert irgendwie an die Sowjetunion, als Stalin das gesamte Land mit seinen "Flusskraftwerken" elektrifizieren wollte. Ist "erfolgreich" gescheitert!
Im Übrigen geht es nicht um "Erneuerbare Energien" oder "Klimaschutz" - in Wirktlichkeit geht es um reinen "Öko-Faschismus", welcher in seinem "Irrsinn" keine Grenzen mehr zu kennen scheint!
Bin gespannt, wann auch die Redaktion der "Zeit" mal daraufkommen wird, wieder echten Journalismus anzuwenden und mal anfängt kritische Fragen zu stellen - anstatt den "Ökofaschisten" ewig das Wort zu überlassen?
Es wird Zeit, sich wieder zur Demokratie zurück zu bewegen und "Ingenieurskunst" zu fördern, dort kommen die wirklich wirtschaftlichen Ideen her, nicht von einer "Gesellschafts-Veränderung". Zukunftsforscher?
Daß mir da das Lachen nicht auskommt - eher "Ökofaschisten"!
zu den 70 Millarden:
laut Greenpeace wirde der Atomstrom mit bis zu 165 Milliarden Euro subventioniert und 92,5 Milliarden Euro kommen künftig an Ausgaben noch hinzu.
und laut FAZ:
35 Milliarden Euro Subventionen für die Steinkohle
und an das was gerade im Golf von Mexico passiert will ich gar nicht denken !!!
http://docs.google.com/vi... stromspeicherung als methan&hl=de&gl=de&pid=bl&srcid=ADGEEShzc-I_ltq63x9n6JjyvuVq-hNlMaMRV3o7rbiaYUBzWLbWjDe6N_l4yhNZrsn3ogBpK-j8595dcVaaDfRRt1g_3l7fBWV-EM1Dswlqte05mzLocKhKX-750IhGRWGw1BE0o3AZ&sig=AHIEtbQa3A_MhhfPxY70wCR7GFwnEYq6TQ
SpeicherEffizienz ~28 - 45% (vergleichbar der WasserstoffNutzung),
allerdings wäre ein vorhandenes ErdgasNetz nutzbar?
Methan=Erdgas und kann damit in den vorhandenen Gaskavernen gespeichert werden. Derzeit werden noch weitere Kavernen gebaut sodaß in einigen Jahren ca 30 Mrd m3 Gas=300 KWh gespeichert werden können.
Der Wirkungsgrad beträgt ca 60%. Verluste treten auf bei der Elektrolyse zu H2 (20%) und der Umwandlung von H2 zu Methan (20%)
Dann ersetzt 1 KWh Methan genau 1 KWh Gas. Egal ob damit nun geheizt (über 80% des dt. Gasverbrauchs.) oder Strom (ca 10-15% des dt. Gasverbrauchs) erzeugt wird.
Nach Angaben der Erdgasbranche kann auch 5% Wasserstoff dem Erdgas beigemischt werden. Damit könnte man einen Wirkungsgrad von 80% erreichen da nur die Verluste der Elektrolyse auftreten.
Stadtgas hat übrigens gar einen Anteil von 50% Wasserstoff, es muß also niemand Angst vor 5% H2 haben.
Wie oben geschrieben muß die Erzeugung von Methan aus Strom nur dann erfolgen wenn der aktuelle Preis an der Strombörse dies erlaubt. Auf jeden Fall ist es immer besser als Strom zu negativen Preisen zu verkaufen.
Methan=Erdgas und kann damit in den vorhandenen Gaskavernen gespeichert werden. Derzeit werden noch weitere Kavernen gebaut sodaß in einigen Jahren ca 30 Mrd m3 Gas=300 KWh gespeichert werden können.
Der Wirkungsgrad beträgt ca 60%. Verluste treten auf bei der Elektrolyse zu H2 (20%) und der Umwandlung von H2 zu Methan (20%)
Dann ersetzt 1 KWh Methan genau 1 KWh Gas. Egal ob damit nun geheizt (über 80% des dt. Gasverbrauchs.) oder Strom (ca 10-15% des dt. Gasverbrauchs) erzeugt wird.
Nach Angaben der Erdgasbranche kann auch 5% Wasserstoff dem Erdgas beigemischt werden. Damit könnte man einen Wirkungsgrad von 80% erreichen da nur die Verluste der Elektrolyse auftreten.
Stadtgas hat übrigens gar einen Anteil von 50% Wasserstoff, es muß also niemand Angst vor 5% H2 haben.
Wie oben geschrieben muß die Erzeugung von Methan aus Strom nur dann erfolgen wenn der aktuelle Preis an der Strombörse dies erlaubt. Auf jeden Fall ist es immer besser als Strom zu negativen Preisen zu verkaufen.
http://www.eurosolar.de/d... 1_2010_Sterner_farbig.pdf
und die großen modernsten Kohlekraftwerke haben kommen maximal auf einen Wirkungsgrad von 46%
Der Wirkungsgrad von Kohlekraftwerken weltweit beträgt im Mittel 31 %, in Deutschland liegt er bei 38 %. www.wikipedia.de
bestehend aus unzähligen kleinen einzelgesteuerten Netzen klingt gut.
Bevor aber mit dem Ausbau begonnen wird, müssen die Sicherheitsrisiken genau untersucht und es muss zuverlässig verhindert werden, dass Unbefugte sich in das System einloggen und das gesamte europäische Netz lahmlegen können.
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