Frankreich Voilà, es ist aus

Im kriselnden Frankreich breitet sich der Nationalismus aus. Deutschland wird zum Sündenbock

Deutschland, der Sündenbock: Frankreichs Nicolas Sarkozy (r.) begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris

Deutschland, der Sündenbock: Frankreichs Nicolas Sarkozy (r.) begrüßt Bundeskanzlerin Angela Merkel in Paris

Nichts gegen Chinesen. Es ist nur etwas irritierend zu hören, man stamme aus dem »kleinen China«. Dieser Ausdruck kursiert derzeit in Paris, und gemeint ist Deutschland, das egoistisch gewordene Land der niedrigen Löhne und des unbedingten Willens zum Export. Das Land, dessen Kanzlerin angeblich die antieuropäische Rolle Margaret Thatchers übernommen hat; aus der bewunderten »Mutti« ist die verhasste »Madame Non« geworden. Berlin zwinge Athen in die Knie und trage doch Mitschuld am Desaster: »Die Deutschen haben Waffen an die Griechen verkauft und jetzt kritisieren sie deren Budgetpolitik«, entrüstete sich unlängst Jean-Michel Quatrepoint, ein angesehener Wirtschaftspublizist.

Vielleicht informiert ihn mal jemand darüber, dass Deutschlands Industrie nicht verstaatlicht ist?

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Quatrepoints Äußerung fiel auf einer bemerkenswerten Veranstaltung. Eingeladen hatte die Stiftung Res Publica, die Jean-Pierre Chévènement leitet, ehemals sozialistischer Innen- und später Verteidigungsminister; gekommen waren Rechte und Linke, die Quatrepoint stürmisch applaudierten, als er forderte, auf die Deutschen müsse jetzt Druck ausgeübt werden. Zum Beispiel mit der Drohung, die Euro-Zone aufzuspalten: »Wir machen dann eben Eurofranc und Euromark.« Maliziös fügte er an, für einige Deutsche sei Frankreich offenbar kein echter Partner mehr, sondern im Wesentlichen nur noch ein Reiseland, und »das war ja schon 1940 die Meinung«. Die Versammlung wurde von Chévènement mit dem Ausruf beschlossen: »Vive la France!«

Tags darauf ein Artikel des Philosophen André Glucksmann im Figaro, in dem er von einer »radikalen Wende Deutschlands« schrieb, das nicht mehr um Europas willen zahlen, sondern stattdessen am russischen Modernisierungsgeschäft verdienen wolle – »adieu Paris, bonjour Moscou« formulierte Glucksmann und drückte damit den verbreiteten Vorwurf aus, dass Deutschland wieder einen verhängnisvollen Sonderweg zwischen Ost und West eingeschlagen habe. Der altgediente Publizist Alexandre Adler, auf dessen Wort gemeinhin zu Recht gehört wird, verstieg sich gar dazu, ausgerechnet die Amtszeit der Ostdeutschen Angela Merkel als »posthumen Triumph einer Art DDR« zu bezeichnen, »wie sie die Kanzlerin verkörpert: preußisch, autark und slawophil«. Die Preußen! Hatten die sich nicht mit dem Zaren gegen Napoleon verbündet? Frankreichs Wortführer stellen mit Vorliebe Schlachten der Vergangenheit nach. Manchmal ist diese Marotte liebenswert, zuweilen aber heuchlerisch.

Immerhin ist es Frankreichs staatlicher Marinekonzern DCNS, der gerade über den Verkauf von vier Schlachtschiffen an die Russen verhandelt, mit denen diese die strategische Lage im Schwarzen Meer zu ihren Gunsten verschieben wollen. Der Sohn des an diesem Deal mitverdienenden russischen Milliardärs Sergej Pugatschew hat unterdessen zwanzig Millionen Euro in das bis dato halb tote Boulevardblatt France Soir gepumpt, dem nicht gerade Oppositionslust nachgesagt werden kann und dessen frischbestallte Chefredakteurin soeben von Nicolas Sarkozy persönlich in die Ehrenlegion aufgenommen wurde. Drushba!

Gleichwohl, aus Pariser Sicht sind es die Deutschen, die sich den Russen an den Hals werfen. Gerhard Schröders Engagement für das Pipeline-Projekt von Gazprom gilt als Beleg, dasjenige Joschka Fischers für eine konkurrierende Gasleitung nicht als Gegenbeispiel. Und warum betreibt Siemens seine Atomgeschäfte lieber mit der russischen Rosatom als mit der französischen Areva? Nicht aus geopolitischen Sehnsüchten. Sondern weil die Franzosen den Deutschen keine Gleichberechtigung zubilligen wollten. Es gibt übrigens noch ein weiteres nukleares Großunternehmen in Europa, das dieser Tage mit Rosatom anbandelt: Frankreichs staatlich kontrollierten Stromkonzern EDF.

Das Russland-Argument ist nichts wert. Aber die veröffentlichte Meinung gibt auch nicht bloß Pariser Geschnatter wieder. Da ist mehr.

Eine Spur legte die Wirtschaftsministerin Christine Lagarde, als sie öffentlich Deutschlands Außenhandelsüberschuss kritisierte. Sie erhielt aus allen Lagern Beifall, und der Begriff der »illoyalen Kunkurrenz« kam in Umlauf. Konkurrenz, gewiss; aber wieso soll es illoyal sein, dass in Deutschland gelang, was in Frankreich nicht glücken will, nämlich die Senkung der Lohnnebenkosten? Es war auch nicht der DGB, der die 35-Stunden-Woche in Frankreich eingeführt hatte. Und wäre es denn im Interesse Frankreichs gewesen, hätte Deutschland die Wiedervereinigung weniger gut bewältigt? Frankreich sollte lieber froh darüber sein, dass sein Nachbarland wachstumsstark ist und jetzt wieder beginnt, Zwischenprodukte nachzufragen.

Deutlicher wurde die Tageszeitung Le Monde, in der es an die deutsche Adresse gerichtet hieß: »Es wird dringlich, dass dieses Land ein bisschen den anderen ähnelt und sich daranmacht, mehr auszugeben und zu konsumieren« – und das, obwohl Berlin gerade einen Rekordhaushalt verabschiedet hat. Aber wie ist das gemeint, Deutschland solle mehr den anderen ähneln – wem zum Beispiel? Griechenland, Portugal? Und was Frankreich betrifft: Dort ist die Konsumneigung der privaten Haushalte geringer als bei uns.

Die Botschaft indes ist angekommen. Die deutsche Konkurrenz wird zum Sündenbock einer Regierung, die kurz vor dem Scheitern ihrer Reformpolitik steht. Eine bemerkenswerte Umkehrung der offiziellen Propaganda übrigens. Immer und immer wieder hatte Nicolas Sarkozy seine Landsleute mit der rhetorischen Frage gequält: »Wer ist das stärkste Land in Europa?« – um dann selbst mit »Deutschland« zu antworten und die Dringlichkeit darzulegen, mit der auch Frankreich reformiert werden müsse. Der Präsident trampelte dermaßen unerbittlich auf dem französischen Minderwertigkeitskomplex gegenüber Deutschland herum, dass sich zwangsläufig Groll aufbauen musste.

Seit dem Ende des französischen Wirtschaftswunders, der trente glorieuses von 1947 bis 1974, und besonders seit der deutschen Wiedervereinigung erlebt Frankreich eine unaufhaltsame Verringerung seines internationalen Gewichts. Es wähnt die Globalisierung nicht auf seiner Seite, anders als sein großer Nachbar. Misstrauisch blickt es um sich her, reagiert gekränkt auf alles, was nach Bewunderungsentzug aussieht, kann sich beispielsweise fürchterlich über protokollarische Gepflogenheiten des Weißen Hauses erregen und ruft bei verlorenen Ausschreibungen oder schlechtem Abschneiden im Bildungsvergleich »Schiebung!«

In internationalen Firmen wiederum ist der Effizienzvorsprung deutscher Unternehmensteile vor französischen Gegenstand von Heimlichtuerei und Neid. Man ist beleidigt. Es hebt die Laune auch nicht, wenn deutsche Manager ihr Überlegenheitsgefühl zur Schau tragen. Oder wenn Berliner Politikbeamte Selbstbewusstsein mit Ungezogenheit verwechseln und den Franzosen, die sie doch als Partner brauchen, mit Wurschtigkeit begegnen.

Ein hoch entwickeltes Kernland Europas, Deutschlands wichtigster Verbündeter auf dem Kontinent, droht unter dem Druck der Globalisierung in einen Sog zu geraten, für den es ein hässliches Wort gibt: Nationalismus. Schon gelingt es Nicolas Sarkozy trotz allen Geweses um Burkas und nationale Identität nicht mehr, Frankreichs rechte Wählerschaft in Gänze hinter seiner Partei zu versammeln. Den Regionalwahlen blieben rechte Wähler in großen Scharen fern, oder sie stimmten für den rechtsextremen Front National. Eine Situation, in der die Versuchung groß ist, den Unmut nach außen zu lenken, über den Rhein hinweg.

Deutschen Außenpolitikern entgeht das nicht, weshalb Sarkozy wie zum Ausgleich diplomatisch flötet, wenn er auf Angela Merkel trifft. Die deutsch-französischen Berufsoptimisten wiegeln ebenfalls ab. Es stimmt ja auch, in der Nachkriegsgeschichte gab es bereits Phasen noch schlimmeren Ärgers. Aber das war zu jener Zeit, als der Ost-West-Konflikt die Partner verlässlich zusammenzwang. Unterhalb der Politik, auch das ist wahr, dehnt sich eine stabile Verquickungszone beider Gesellschaften aus, von Städtepartnerschaften bis zum Austausch unter den Eliten. Doch gegen ernsthafte Konflikte richten solche Netzwerke nichts aus. Ihre geschäftige Selbstverständlichkeit ist trügerisch. Sie verführen zur Gemütlichkeit, zum Ableugnen dessen, was schiefläuft zwischen Frankreich und Deutschland.

Die rheinische Weisheit »Et hätt noch immer jot jejange« ist historisch leider widerlegt. Deshalb sollte die Kaste der Kommentatoren einmal innehalten und darüber nachdenken, was sie da eigentlich gerade anrichtet.

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Der Verfasser des Artikels hält dem Vorwurf, Deutschland
    habe den Griechen Waffen geliefert, entgegen, die deutsche
    Industrie sei nicht verstaatlicht. Dabei hat er anscheinend
    nicht berücksichtigt, daß der deutsche Waffenexport staat-
    lich kontrolliert wird, u.a. nach dem Außenwirtschafts- und
    dem Kriegswaffenkontrollgesetz. Insoweit trifft auch die
    Bundesregierung eine Miterantwortung.

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    Moin Moin,

    allerdings ist das Außenwirtschafts- und Kriegswaffenkontrollgesetz ein Erlaubnisgesetz mit Verbotsvorbehalt. D erlaubt Waffenexporte daher prnzipiell es sei denn {Vorbehalt}.
    Zu den Vorbehalten gehört nicht die Verpflichtung die zukünftige Bonität des Käufers zu prüfen. Das würde dann interessanterweise auch den Waffenexport an Staaten abschaffen. Denn welche Staaten haben einen positiven Haushalt?

    CU

    Das Kriegswaffenkontrollgesetz bezweckt aber nur, zu vermeiden, daß Waffenlieferungen Kriege anheizen (es zielt also auf die außenpolitische Situation des Käufers ab, nicht auf seine vermutete Zahlungsfähigkeit).
    Abgesehen davon gehören Deutschland und Griechenland ein und demselben Militärbündnis an (NATO), und insofern wäre es Schwachsinn, Griechenland den Waffenkauf verbieten zu wollen. Da Griechenland ständig vom türkischen Militär belästigt wird, würde die einzige Alternative ja auch darin bestehen, daß die NATO unmißverständlich klar macht, daß sie jeden Übergriuff der Türkei mit einem massiven Angriff auf letztere beantworten wird. Solang das nicht der Fall ist, muß Griechenland sich eben allein absichern.

    Griechenland ist ein souveräner Staat und kann nicht von anderen Staaten zum Kauf von Waffen gezwungen werden.

    Das der Kauf von Waffen kontraproduktiv ist und die Wirtschaft jedes Landes schädigt gilt nicht nur für Griechenland. Der größte Teil unserer Staatsverschuldung, die von interessierter Seite auf unser Sozialsystem zu schieben versucht wird, ist ein Resultat der Aufrüstung im Kalten Krieg. Mit dem Aufbau der Bundeswehr begann gleichzeitig die Staatsverschuldung. Und sie geht weiter im Afghanistankrieg, für den wir Schulden machen um unseren angeblichen Freunden zu gefallen.

    • 2eco
    • 29.04.2010 um 12:20 Uhr

    Böses Deutschland. Die haben einfach so Waffen nach Griechenland geliefert und die Griechen dann gezwungen diese zu kaufen. Die konnten sich dagegen einfach nicht wehren.

    Wenn ich nach einem Kaufrausch Privatinsolvenz anmelde, dann sage ich auch dass Karstadt, Amazon und Co an meinem finanziellen Ruin Schuld sind.

    Ich glaube wir Deutschen sollten das Ganze einfach gelassen aufnehmen. Wenn die Franzosen Spaß daran haben so etwas zu publizieren, dann sollen sie das doch machen. C'est la vie...
    Einfach nicht aufregen.

    Moin Moin,

    allerdings ist das Außenwirtschafts- und Kriegswaffenkontrollgesetz ein Erlaubnisgesetz mit Verbotsvorbehalt. D erlaubt Waffenexporte daher prnzipiell es sei denn {Vorbehalt}.
    Zu den Vorbehalten gehört nicht die Verpflichtung die zukünftige Bonität des Käufers zu prüfen. Das würde dann interessanterweise auch den Waffenexport an Staaten abschaffen. Denn welche Staaten haben einen positiven Haushalt?

    CU

    Das Kriegswaffenkontrollgesetz bezweckt aber nur, zu vermeiden, daß Waffenlieferungen Kriege anheizen (es zielt also auf die außenpolitische Situation des Käufers ab, nicht auf seine vermutete Zahlungsfähigkeit).
    Abgesehen davon gehören Deutschland und Griechenland ein und demselben Militärbündnis an (NATO), und insofern wäre es Schwachsinn, Griechenland den Waffenkauf verbieten zu wollen. Da Griechenland ständig vom türkischen Militär belästigt wird, würde die einzige Alternative ja auch darin bestehen, daß die NATO unmißverständlich klar macht, daß sie jeden Übergriuff der Türkei mit einem massiven Angriff auf letztere beantworten wird. Solang das nicht der Fall ist, muß Griechenland sich eben allein absichern.

    Griechenland ist ein souveräner Staat und kann nicht von anderen Staaten zum Kauf von Waffen gezwungen werden.

    Das der Kauf von Waffen kontraproduktiv ist und die Wirtschaft jedes Landes schädigt gilt nicht nur für Griechenland. Der größte Teil unserer Staatsverschuldung, die von interessierter Seite auf unser Sozialsystem zu schieben versucht wird, ist ein Resultat der Aufrüstung im Kalten Krieg. Mit dem Aufbau der Bundeswehr begann gleichzeitig die Staatsverschuldung. Und sie geht weiter im Afghanistankrieg, für den wir Schulden machen um unseren angeblichen Freunden zu gefallen.

    • 2eco
    • 29.04.2010 um 12:20 Uhr

    Böses Deutschland. Die haben einfach so Waffen nach Griechenland geliefert und die Griechen dann gezwungen diese zu kaufen. Die konnten sich dagegen einfach nicht wehren.

    Wenn ich nach einem Kaufrausch Privatinsolvenz anmelde, dann sage ich auch dass Karstadt, Amazon und Co an meinem finanziellen Ruin Schuld sind.

    Ich glaube wir Deutschen sollten das Ganze einfach gelassen aufnehmen. Wenn die Franzosen Spaß daran haben so etwas zu publizieren, dann sollen sie das doch machen. C'est la vie...
    Einfach nicht aufregen.

  2. wussten wir doch was hierzulande abgeht, wenn wir denn nur wollten.

    Und in dem Punkt hat Frankreich recht, wir sind das Land das prozentual den grössten Niedriglohnsektor aller Industrienationen hat. Und die grösste Kinderarmut aller EU Staaten. Beides laut OECD Studie.
    Und unser Exportüberschuss ist in Wahrheit ein Importdefizit das dem geschwächten Geldbeutel des Binnenmarktes geschuldet ist.
    Staaten die die Finanzierung ihrer Sozialen Systeme vom Export abhängig machen werden früher oder später Probleme bekommen.

  3. Eine Schäfchenherde hat ein schönes Leben -- außer der Wolf wohnt mit im Haus. Ebenso könnten alle mit Sozialstaatlichkeit prosperieren -- außer ein Superkapitalistenreich zieht allen Wohlstand zu sich ab.

    Wer indes Superkapitalismus für alle predigt, der übersieht, daß Wölfe die Schäfchen brauchen, um sich von ihnen zu ernähren.

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    Nichts ist dem hinzuzufügen.
    Kann man getrost unterschreiben.
    Gruss

    Nichts ist dem hinzuzufügen.
    Kann man getrost unterschreiben.
    Gruss

    • joG
    • 29.04.2010 um 7:28 Uhr

    .....dass Deutschlands Industrie nicht verstaatlicht ist?"

    Es gibt immer eine Entschuldigung. Fakt ist, dass man von der Produktion CO2 produzierender Auto lebt und anderen vorwirft CO2 zu produzieren. Man lebt vom Export und wirft vor, dass man die exportierten Waffen in diesem Fall mit Staatskrediten bezahlt. Wenn zweifelhaft ist, dass die Griechen bezahlen können, so sollte man nicht liefern. Jedenfalls sollte man nicht jammern. Das wirkt da draussen in der Welt pharisäerhaft.

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    • Chali
    • 29.04.2010 um 12:42 Uhr

    *g*

    • Chali
    • 29.04.2010 um 12:42 Uhr

    *g*

  4. Oh Mann, Gero! Es wird Zeit, dass Du mal wieder aus Paris raus kommst; das "Pariser Geschnatter" bekommt dir gar nicht gut.
    Also erstens wäre es ganz nett, wenn Du dem deutschen Leser die verschiedenen Leute erst mal präsentierst. Chevènement zum Beispiel, der hat schon 1993 die Sozialisten verlassen, weil er sie zu pro-europäisch fand und steht heute mit seinem "mouvement républicain et citoyen" ziemlich einsam in der politischen Landschaft. Alexander Adler besitzt außer einem gesunden Ego auch die Gabe immer mal wieder jahrhundertübergreifende geo-politische Spekulationen in die Welt zu setzen, denen man auch nicht immmer folgen kann. Ganz nebenbei war er auch für den Krieg im Irak - Frankreich zum Beispiel nicht. Und Glucksmann, das ist noch ein ganz anderer Fall - das geht hier alles gar nicht rein. Kurz - die oben zitierten Personen sind hauptsächlich damit beschäftigt, sich selbst in den Medien zu repräsentiern - und auf jeden Fall nicht die öffentliche Meinung; und dass Deutschland seine eigenen Interessen vertritt, ist ja wohl klar, und auch ganz normal; und die decken sich halt nicht immer mit denen der anderen Länder - et alors?! Das darf man doch dann auch mal feststellen.
    Du solltest dich mal etwas entspannen; komm mal hier runter, nach Marseille (3 Stunden mit TGV). Ich verspreche Dir - Du bekommst einen ganz neue Distanz zur Pariser Szene; und ich glaube, das täte Dir ganz gut.

  5. Moin Moin,

    allerdings ist das Außenwirtschafts- und Kriegswaffenkontrollgesetz ein Erlaubnisgesetz mit Verbotsvorbehalt. D erlaubt Waffenexporte daher prnzipiell es sei denn {Vorbehalt}.
    Zu den Vorbehalten gehört nicht die Verpflichtung die zukünftige Bonität des Käufers zu prüfen. Das würde dann interessanterweise auch den Waffenexport an Staaten abschaffen. Denn welche Staaten haben einen positiven Haushalt?

    CU

    Antwort auf "Waffenhandel"
  6. Mich überkommt ein Grauen bei so viel Oberflächlichkeit. Ich wünsche mir ein Medium in dem nicht von Wortführern, Parisern, Deutschen, Russen etc. gesprochen wird.

    Man könnte das angelehnt an die Ente als ein Zeitungshuhn bezeichnen.

    Kann denn niemand wenigstens den Versuch unternehmen hinter die Kulissen zu schauen und die wirklichen Ursachen und Ziele thematisieren? Die haben mit Sicherheit oder hoher Wahrscheinlichkeit nichts mit natinalen Interessen zu tun.

    So ein Zeitungshühnchen ist nur das Instrument anderer.

  7. Ich lebe seit 30 Jahren in Frankreich. Dieser Artikel zeigt in der Tat auf, wie derzeit untergründig und offen Ressentiments gegen Deutschland unter Führung des destabilisierten Präsidenten Sarkozy geschürt werden. Dies ist eine Dummheit. Man weiß hier sehr genau, dass in der deutschen Industrie die Löhne der produzierenden Arbeiter und Angestellten immer noch wesentlich höher sind als in der französischen Industrie.

    Der größte Vorwurf der französischen Rechten an die deutsche Adresse wird zur Zeit nicht offen ausgedrückt: Die Militärausgaben seine viel zu gering.

    In der Tat sind die Prokopfausgaben für das Militärbudget in Frankreich die zweithöchsten in der Welt, direkt nach den USA, etwa dreimal so hoch wie in Deutschland. Sarkozy scheint zu ahnen, dass das Volk diese enorme Verschwendung der knappen Mitteln nicht mehr gewillt ist mitzumachen. Noch ist dies kein Thema. Wie lange noch?

    Es ist ein ungeheurer Schock für die französische Rechte, dass die deutschen Rüstungsexporte seit einigen Jahren die französischen Rüstungsexporte überholt haben und im vergangenen Jahr weit hinter sich gelassen haben. Man fühlt sich gedemütigt.

    Das Volk hat ganz andere Sorgen. Fast jeder hier ahnt, dass die Kreditwürdigkeit der Nation bald von den Rating Agenturen genauso abgewertet werden könnte, wie die von Spanien, Portugal, Griechenland etc. Eine Horrorvision für Sarkozy und die Rechte.

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