Zappa-Festival Zappas größter Fan
In Bad Doberan treffen sich jedes Jahr die Fans des Rockmusiker Frank Zappa zur Zappanale. Veranstaltet wird das Festival von Wolfhard Kutz – vermutlich Zappas größter Fan.
© Evening Standard/Getty Images

Die Zappanale zu Ehren Frank Zappas ist das Bayreuth des progressiven Rocks
Es ist nur eine Schallplatte. Wolfhard Kutz aber wiegt sie in den Händen wie ein Neugeborenes. Kein Wunder, sie ist äußerst selten, aus Acetat, man kann sie zehnmal spielen, »dann ist sie hin«. Ziemlich kurzlebig für 500 Mark. »Klingt verrückt, oder?« Der Mittfünfziger lächelt scheu. Er würde es wieder tun. Frank Zappa ist es ihm wert. Kutz ist womöglich der größte Fan des Musikers mit dem dunklen D’Artagnan-Bart. Drei Jahre vor dem Tod seines Idols 1993 hat der Mecklenburger die Zappanale in Bad Doberan gegründet und eine Art Bayreuth des progressiven Rock daraus gemacht. Jahr für Jahr versammeln sich seither Originale, Jünger, Epigonen aus aller Welt in Kutz’ Heimatstadt. Am 13. August startet die 21. Auflage mit Filmen, Konzerten und nächtlichen Jamsessions. Dann verwandelt sich das Ostseebad für ein verlängertes Wochenende ins Mekka experimenteller Töne.
Viele Besucher werden sein wie Wolfhard Kutz, der Vorsitzende des einzigen eingetragenen Zappa-Fanklubs: ein ergrauter Marathonläufer mit Bierbauch und Fanshirt, der unter dem Dach seines Fachwerkhauses absurdeste Devotionalien des Soundgenies aus Baltimore hortet, ansonsten aber kaum Extravaganzen pflegt. Von Zappas 2000 katalogisierten Alben fehlt ihm nur noch ein Bruchteil, dazu kommen Coverbands, Weggefährten, Artverwandtes in fünfstelliger Zahl. Verrückt. Kutz nennt sich bodenständig.
Wer diese Musik verstehen wolle, sagt Jimmy Carl Black, brauche von beidem etwas, »wie Wolfhard«. Black ist der Drummer von Zappas Begleitband Mothers of Invention, Stammgäste in Doberan. Zu intellektuell sei die Musik. Zu virtuos, verstiegen, unverdaulich. All das kennzeichnet die widersprüchliche Nischenkarriere eines Jazzpunks, der seine Band dirigierte wie ein Musikkorps. Ein Bürgerschreck mit konservativem Eheleben, der Hippies und Drogen noch mehr hasste als Ronald Reagan. Die Zappanale ist die kanonische Konferenz, irgendwas zwischen Huldigung, Werkschau und Transmissionsriemen in alles Spätgeborene. Sein Schaffen fungiert als Instrument der Welterkenntnis mit eigener innerer Ordnung, der sich alles zu fügen hat. Zappas würdig zu sein erfordert Demut und Disziplin.
Auch bei Wolfhard Kutz herrscht zappaeske Struktur: verwirrend, doch akkurat. Ein Regalboden für Singles, einer für Kitsch, viele fürs Vinyl, akribisch katalogisiert. Kutz zieht einen Stapel identischer Plattenrücken heraus: Burnt Weeny Sandwich, 15 Pressungen. Eine macht ihn fast melancholisch: »Meine allererste LP von Zappa.« Ein Freund hat sie ihm zugesteckt, 1972, im Tausch, wie damals üblich. »So eine Platte hat ja 150 Ostmark gekostet.« Viel zu teuer für den 18-Jährigen, dessen Neigung staatlicherseits als »abweichende Konsummeinung« beäugt wurde. Kutz lacht: »Ich war stets ein guter Arbeitgeber: erst für 21 Stasibeamte, dann für meine Angestellten.« Neben der Zappanale hat der Diplomingenieur mehrere Elektrofirmen aufgebaut, also Jobs geschaffen. In Bad Doberan adelt das den Freak zum kommunalen Wohltäter. Was 1990 mit ein paar Dutzend Zuhörern und einer Band im offenen Lkw begann, lockt nun 4000 Besucher aus aller Welt auf die Galopprennbahn. Mit simplem Entertainment aber hat die Zappanale so viel zu tun wie Zappa mit Volksmusik. Oder einem ganz normalen Fest.
Die Zappanale findet vom 13. bis 15. August in Bad Doberan statt. www.zappanale.de
- Datum 10.08.2010 - 07:21 Uhr
- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
- Kommentare 6
- Versenden E-Mail verschicken
- Empfehlen Facebook, Twitter, Google+
- Artikel Drucken Druckversion | PDF
-
Artikel-Tools präsentiert von:











Kommt ja selten vor, so ein deja vu in der Zeit. Ich glaube, ich habe 1984 mal ein paar Tage bei Wolfhard in Bad Doberan verbracht, mit drei weiteren Freunden aus Wessiland. Zumindest wohnten wir bei einem Zappa-Freak, der sein Geld damit verdiente, Leuten heimliche westfernsehfähige Antennen zu montieren. War eine tolle Erfahrung, falls Du´s warst, Wolfhard: tausend Dank dafür!
höre ich mal wieder etwas von Zappa.
Leider wird dieses Genie viel zu wenig gewürdigt. Meine Empfehlung, mehr Zappa in den Schulen damit die ganze Konformistenbande mal aufgemischt wird.
...ist so ähnlich wie die Simpsons für Kinder. Sie lachen an den falschen Stellen und verstehen nicht viel.
Wozu soll das gut sein?
...ist so ähnlich wie die Simpsons für Kinder. Sie lachen an den falschen Stellen und verstehen nicht viel.
Wozu soll das gut sein?
...ist so ähnlich wie die Simpsons für Kinder. Sie lachen an den falschen Stellen und verstehen nicht viel.
Wozu soll das gut sein?
das war schon eher sinnbildlich gemeint.
Und wenn in den Schulen dann nicht unbegingt für Erstklässler die kein Englisch sprechen. duh!
das war schon eher sinnbildlich gemeint.
Und wenn in den Schulen dann nicht unbegingt für Erstklässler die kein Englisch sprechen. duh!
das war schon eher sinnbildlich gemeint.
Und wenn in den Schulen dann nicht unbegingt für Erstklässler die kein Englisch sprechen. duh!
... war 2x auf der zappanale, ich fand es ganz schlimm. ich hatte mir den zappa-fan immer anders vorgestellt.
ich habe mit 12 jahren das erste mal zappa gehört. ab da war er heilig, geliebt und verehrt. dann kam ich auf die zappanale und plötzlich waren da so dicke männer, die bier tranken und zu "torture never stops" mitstönten. da bin ich erschrocken. dann habe ich 11 jahre kein zappa mehr gehört. vor einigen wochen habe ich wieder angefangen zappa zu hören, ich habe mich als junge nicht geirrt, das ist ganz großes tennis. und nun liebe ich wieder und verehere und versuche die dicken-bier-gröl-männer zu vergessen. aber eigentlich bin ich auch etwas dicker geworden.
p.s. das mit zappa in der schule habe ich probiert, habe meiner klasse "while you were art II" von " jazz from hell" vorgespielt. die lehrerin hat es ausgemacht und gesagt: "das ist ja nur eine aneinanderreihung von tönen". mein einwand "das musik immer eine aneinanderreihung von tönen sei" ging im allgemeinen tumult unter.
... hatte sich die Brüllbierfraktion am Samstag Nachmittag schon weitgehend abgeschossen. Das ist ungefähr auch die Zeit, zu der der Tontechniker aufwachte. Von da an jagte ein Highlight das andere.
Bitte melden Sie sich an, um zu kommentieren