Wer Kunst sammelt, der will sie irgendwann auch zeigen. Er will den Menschen einen Gefallen tun, seinen Reichtum präsentieren oder guten Geschmack beweisen. Zu den deutschen Großsammlern, die zu diesem Zweck eigene Ausstellungshallen in Berlin betreiben, gehört von kommendem Wochenende an auch Thomas Olbricht. Früher war Olbricht Arzt und Aufsichtsratsvorsitzender der Wella AG. Heute ist der Essener nur noch Kunstsammler und Kunstzeiger. Bevor er sein Erbe weiterreiche, möchte er damit noch ein wenig Spaß haben, sagt er.

Zum Spaß hat er sich nun ein ziemlich klobiges Haus in die Auguststraße, gleich neben die nicht ganz so großen, für Berlins Aufstieg zur Kunsthauptstadt aber prägenden Ausstellungsräume der Kunst-Werke gesetzt. Am 1. Mai, also genau zum Berliner Gallery Weekend, eröffnet Olbricht seinen me Collectors Room, der neben der Sammlung auch teure Wohnungen, einen Shop und ein Café beherbergt. Olbricht will die Berliner Besucher das Staunen lehren.

Und das Staunen wird wahrlich groß sein, denn so etwas hat man hier noch nicht gesehen: Die erste Ausstellung aus der Sammlung ist so unterirdisch, so kitschig und so naiv zusammengestellt, dass es fast schon Freude bereitet. Bereits der an Softsexfilmchen aus den siebziger Jahren gemahnende Ausstellungstitel Passion Fruits deutet an, dass sich Olbricht und sein Kurator Wolfgang Schoppmann nicht viel aus jener Konzeptkunst machen, die auch nebenan in den Kunst-Werken gezeigt wird. Es sind vor allem bunte, spektakuläre, saftige Werke, die sie in den beiden großen Ausstellungsräumen im Erdgeschoss des Neubaus ausgebreitet haben: Da sitzt auf einem gigantischen Gemälde von Kehinde Wiley der verstorbene Michael Jackson in Prunkrüstung hoch zu Ross, da steht ein albtraumhafter Junge mit zu groß geratenen, grün besudelten Händen von Jonas Burgert im Raum, da darf ein großformatiger, nach außen schielender Frauenkopf des Chinesen Feng Zhengjie neben einer Jackie von Andy Warhol hängen. Ist das Camp? Oder schon jene angestrengte, weniger befriedigende Form des Camp, die Susan Sontag als »Camping« bezeichnete?

Um die strengen Kritiker ein wenig zu verwirren, haben Olbricht und Schoppmann auch eine filigrane Skulptur der Schweizerin Sylvie Fleury, eine trockene Installation der Britin Anthea Hamilton und drei abstrakte Gemälde der Südtirolerin Martina Steckholzer dazwischengemischt. Auch kann man der Sammlung nicht vorwerfen, dass sie sich nur um Bekanntheit und Preis der Künstler schert. Gekauft wird beides: teure Chinesen und unbekannte Belgier.

Olbricht sammelt allerdings nicht nur zeitgenössische Kunst. Seit einem guten Jahrzehnt ist er nun auch damit beschäftigt, eine Kunstkammer mit wertvollen Antiquitäten aufzubauen. Teile dieser Sammlung von chinesischen Elfenbeinschnitzereien, Schrumpfköpfen, Taschengloben, anatomischen Geräten und anderen Kuriositäten zeigt er nun im ersten Stock seines Neubaus und stellt so mit der Wunderkammer auch seine zeitgenössische Kunstsammlung in die historische Tradition der Barockfürsten: Gesammelt wird aus Leidenschaft, und zwar alles, wonach es gerade gelüstet – vom Mainzelmännchen bis zum geschnitzten Tödlein aus dem 17. Jahrhundert.

Dass man nun auch in Berlin diese Spielart des supersubjektiven, betont leidenschaftlichen Kunstsammelns begutachten kann, hat seine Vorteile. Die einen wird die wunderliche Sammellust des Thomas Olbricht anstecken, für die anderen aber wird der me Collectors Room ein begehbares Exempel des schlechten Geschmacks sein, ein Monstrositätenkabinett des Kunstmarkts. Fans wie Kritiker werden mit dieser Sammlung also richtig Spaß haben.