Hausärzte Retter in Weiß oder Billig-Mediziner?

Er soll das Gesundheitssystem retten. Doch häufig gilt der Hausarzt nur als Mediziner zweiter Klasse. Ein Besuch in den Praxen zeigt, wie gut er arbeitet – wenn man ihn lässt.

Eine Ärztin mit einem Stethoskop

Eine Ärztin mit einem Stethoskop

Damals, vor neun Jahren, schmerzte Anneliese B. aus Hamburg der Rücken. Sie konsultierte einen Radiologen, der nichts fand. Bald danach zog es im Brustkorb. Der Kardiologe war ratlos. »Eines Morgens fiel meiner Frau die Kaffeetasse aus der Hand«, erinnert sich ihr Ehemann. Nun war der Orthopäde an der Reihe. Er vermutete einen bedrängten Nerv. Dass es sich um eine vorübergehende Lähmung handelte, entging ihm.

Eines Morgens verstand der Ehemann nicht mehr, was ihm seine Frau sagen wollte. Diesmal riet der Orthopäde, einen Neurologen aufzusuchen. Der ordnete Röntgen an, kam zu keinem Ergebnis und schickte das Paar mit den Worten »Schlafen Sie sich mal aus!« nach Hause. Schließlich suchte Frau B. das Hamburger Universitätsklinikum auf. Dort lautete die Diagnose dann Schlaganfall. »Wären Sie mal früher gekommen«, sagte der aufnehmende Arzt.

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Wer sich auf eigene Faust ins Versorgungsdickicht der Fachärzte wagt, riskiert mitunter seine Gesundheit. Er läuft Gefahr, auf Spezialisten zu treffen, die nicht über den Tellerrand ihrer Disziplin hinausblicken – manche, weil sie nicht wollen, viele, weil sie nicht können.

In den Aufbaujahren war der Hausarzt die unangefochtene Zentralinstanz für alle gesundheitlichen Fragen, von der Kinderkrankheit bis zum Rheuma. Das Wissen der Ärzte wuchs, die Medizin zerfiel zunehmend in Unterdisziplinen. Mit der Spezialisierung begannen der Aufschwung der Kliniken und der niedergelassenen Experten – eine kostspielige Entwicklung, denn jedes Krankenhaus, jeder Facharzt besitzt einen teuren Gerätepark, der ausgelastet sein will.

Seit einigen Jahren jedoch versuchen Gesundheitspolitiker, Funktionäre und Fachleute, den Trend wieder umzukehren: Zurück zum Hausarzt. Der Allgemeinpraktiker, der Universalist, soll wieder die erste Anlaufstelle sein, der seinen Patienten Hilfe und Orientierung bietet. Bei ihm sollen alle Informationen zusammenlaufen. Und ganz nebenbei soll er noch helfen, die Kosten im Gesundheitswesen kräftig zu senken.

Die grüne Gesundheitsministerin Andrea Fischer war 1999 eine der Ersten, die den Hausärzten den Rücken stärkte. Dann kämpfte Ärztepräsident Jörg-Dietrich Hoppe für ihre Anerkennung. Vergangenes Jahr legte auf dem Hausärztetag Gesundheitsministerin Ulla Schmidt (SPD) nach: »Eine Gesellschaft des längeren Lebens braucht starke Hausärzte.« Jetzt hat Gesundheitsminister Philipp Rösler (FDP) die vernachlässigten Universalmediziner wiederentdeckt und macht sich für sie stark.

Für viele Hausärzte muss die neue Wertschätzung wie Hohn klingen. Zwar genießen sie bei ihren Patienten hohes Ansehen. Doch das Gesundheitssystem selbst degradiert sie immer wieder zu Medizinern zweiter Klasse. Sie werden von niedergelassenen Spezialisten ausgebootet, in kassenärztlichen Vereinigungen marginalisiert und von Universitätsprofessoren als wissenschaftlich unterbelichtet belächelt. Hat der Hausarzt das verdient?

Leser-Kommentare
  1. Wenn schon das Plakat und die angewandten Prinzipien des Vereins MEZIS (Mein Essen zahl ich selbst), erwähnt werden, warum dann nicht auch der Verein?
    Herr Dr. Blank ist glücklicherweise nicht der einzige Arzt in Deutschland, der evidenzbasiert und nicht pharmaindustriegesteuert arbeitet.
    Vielleicht wäre in dem Zusammenhang einmal ein Artikel über MEZIS (www.mezis.de) sinnvoll.

    Grüße
    Hinterfrager

    • macdoc
    • 29.04.2010 um 17:27 Uhr

    "Fachärzte schwatzen den Patienten Untersuchungen auf, die keiner braucht"
    Ich hätte gute Lust, den Autor wegen solch einer pauschalen Verunglimpfung zu verklagen!
    Mal sehen, vielleicht kommt ja noch was!
    Unglaublicher Schwachsinn!

    Ich hätte hierzu bitte eine öffentliche Stellungnahme von Herrn Albrecht hier im Forum, wie er auf so eine Aussage, und im Speziellen ALS ÜBERSCHRIFT kommt!

    Danke

    Eine Leser-Empfehlung
    • rola
    • 29.04.2010 um 18:52 Uhr

    Leider habe ich noch nie einen solch polemisierenden Artikel wie diesen in "der Zeit" gelesen. Wäre es nicht endlich an der Zeit ( und "DER ZEIT" )diese ewigen Grabenkämpfe zwischen Haus- und Fachärzten aufzulösen. Im Sinne des Patienten. Es muss beide Gruppen nebeneinander und in Achtung voreinander geben. Ich kenne viele Hausärzte die den Patienten unsinnige Vitaminkuren für sehr viel Geld verschreiben, Sauerstoff inhalieren war auch mal große Mode. Aber würde ich deshalb solche Fälle hervorheben.?Nein, ich würde mich auf die Masse konzentrieren und die hat den selben Patienten vor sich und ist daran interessiert, dass er gesund wird oder bleibt. Egal ob Fach -oder Hausarzt. Wenn selbst solche angeblich seriösen Medien wie " Die Zeit " auf das Modell: Neid, Missgunst, Verunglimpfung hereinfallen, um Leser zu beeindrucken, wird es nie so etwas wie Patientenvertrauen und Glaubhaftigkeit von Medizinern geben. Im übrigen ist die Statistik der Einkommen von einzelnen Fachgruppen unglaublich schlecht recherchiert. Ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Augenärzte und Orthopäden stelle die Gruppe mit den meisten ambulanten Operationen in Deutschland dar. Kann man das mit der Arbeit eines Hausarztes vergleichen ? Wohl nicht. Keiner Gruppe wird eine solche Statistik gerecht. Wenn diese Verschleierung der Tatsachen nicht endlich aufhört, müssen wir uns nicht wundern, wenn bald kein Student mehr in D eine Praxis übernehmen möchte. Egal, ob Haus oder Facharztpraxis.

    • Brauki
    • 02.05.2010 um 16:28 Uhr

    Die Aussagen von Herrn Albrecht sind in sich nicht stimmig:
    -dass eine Patientin mit Rückenschmerzen primär zu einem Radiologen geht ist unwahrscheinlich, denn dazu benötigt sie eine Überweisung. Von wem hat sie diese erhalten? Etwa vom Hausarzt?
    -dass der Orthopäde die Patientin beim Zweitkontakt zum Neurologen geschickt hat ist lobenswert, denn schließlich hatte die Patientin neurologische Ausfallsymptome.
    - dass der Neurologe dann eine Röntgenuntersuchung anordnete bei Sprachstörungen und passageren Lähmungen, dürfte nicht die Regel sein, denn damit hätte er die klassischen Symptome eines Schlaganfalles nicht erkannt.Außerdem kam die Patientin vom Radiologen und Orthopäden.
    - dass ein Schlaganfall mit Halbseitenlähmungserscheinungen und Sprachstörungen primär mit Rückenschmerzen beginnt, dürfte auch die Ausnahme sein.
    Was will uns der Autor also weismachen: Etwa dass der Hausarzt die Patientin mit Rückenschmerzen gleich in die Neurologische Abteilung der Universitätsklinik Eppendorf eingewiesen hätte?

    Eine Leser-Empfehlung
    • Brauki
    • 02.05.2010 um 16:43 Uhr

    Was glaubt ein Patient, der in einer Praxis als erstes ein großes Plakat mit der Aufschrift "Re-Zertifiziert" und TÜV-Stempel lesen würde? Wahrscheinlich, dass es sich bei dem Arzt um einen besonders qualifizierten handelt. Was würde er denken, wenn er wüsste, was es mit der sogenannten Zertifizierung wirklich auf sich hat. Zertifiziert wird nicht die Qualität der ärztlichen Behandlung und Diagnostik, sondern ausschließlich die Tatsache, dass in der Praxis jederzeit reproduzierbare Abläufe schriftlich festgehalten wurden. Der Arzt kann die größte Pfeife sein, Diagnostik und Therapie können regelmäßig völlig daneben liegen, er würde das Siegel dennoch erhalten, wenn die organisatorischen Praxisabläufe nur dargestellt wurden. Wer mit diesem Hintergrundwissen als Arzt mit diesem Gütestempel wirbt, muss sich Fragen lassen, ob er nicht bewusst seine Patienten desinformiert.

    • macdoc
    • 04.05.2010 um 18:18 Uhr

    ... bei diesem (zugegeben schlechten und polemisierenden) Artikel haben nur 6 (SECHS!) Leser einen Kommentar geschrieben.
    Wieso?
    - Ist ein solcher Artikel für "den Normalbürger" so uninteressant?
    - Ist der Artikel so schnell im Nirvana verschwunden, dass ihn keiner finden konnte / sollte?
    - Ist der Artikel einfach nur so schlecht, dass keiner Lust hatte ihn zu kommentieren???

    Ich kann mich nur wundern.

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