Die Doctores Fincham & Partners in der Benover Road, Maidstone, scheinen empfehlenswert. Sie kümmern sich offensichtlich vorzüglich um ihre Asthmapatienten. 45 von 45 möglichen Punkten. Ebenso gut steht die Praxis in der Behandlung von Herzkranken oder Diabetikern da. Nur ihre depressiven Patienten müssen Abstriche machen: In 10,7 Prozent der Fälle hatten die Hausärzte die Schwere einer ersten depressiven Episode nicht dokumentiert. Das erschwert die Kontrolle, ob die Therapie anschlägt.

Gnadenlos legt die offizielle Internetdatenbank des britischen nationalen Gesundheitssystems NHS Schwächen und Stärken der örtlichen Hausarztpraxen offen. Misstrauische Patienten können darin auch nachlesen, wie sehr sich eine Praxis über die Jahre verbessert hat und wie sie im nationalen Durchschnitt abschneidet. Freiwillig ist dieses System zwar, dennoch nehmen 99,8 Prozent aller Hausärzte teil. Wohl auch, weil der Punktestand sich auszahlt. Denn ein Viertel ihres Einkommens macht die pay for performance aus, ein Bonus, der davon abhängt, wie sie die rund 150 Qualitätsindikatoren erfüllen.

Ähnlich gläsern sind in Deutschland bisher nur Krankenhäuser, die alle zwei Jahre veröffentlichen müssen, wie häufig etwa bestimmte Diagnosen, Operationen, Komplikationen waren. Wie man die Qualität niedergelassener Ärzte objektiv erfassen kann, damit beschäftigt sich Joachim Szecsenyi. Der Direktor der Abteilung Allgemeinmedizin an der Universität Heidelberg hat schon als junger Wissenschaftler den Hausärzten nachgestellt.

Er wollte wissen, wie gut sie ihre Diabetespatienten therapieren. Der Mediziner fragte bei niedergelassenen Kollegen Kennwerte ab und meldete die Ergebnisse an alle Teilnehmer zurück. »Eine Praxis wurde schlagartig besser«, sagt Szecsenyi, »da habe ich den Kollegen gefragt, wie er das geschafft habe.« Er gab eine verblüffende Antwort: »Ich habe fünf Patienten, die immer so schlechte Werte hatten, empfohlen, sich einen anderen Hausarzt zu suchen. Ich wollte nicht immer so schlecht dastehen.«

Mit Kollegen gründete Szecsenyi das Institut für angewandte Qualitätsförderung und Forschung im Gesundheitswesen, kurz Aqua. Das Institut bietet das Europäische Praxisassessment (EPA) an. Die teilnehmenden Ärzte unterwerfen sich einer rigorosen Durchleuchtung. Ein Visitor geht in die Praxen, befragt Mitarbeiter und Patienten, begutachtet die Praxissoftware, schaut in die Schränke und prüft, ob die Hygienevorschriften eingehalten werden. Läuft alles gut, gibt es das Zertifikat.

Aqua ist nicht der einzige Anbieter, der größte Konkurrent heißt QEP (Qualität und Entwicklung in Praxen). Es ist die Marke der Kassenärztlichen Bundesvereinigung. In Deutschland unterwerfen sich 1700 Praxen der EPA-Prozedur, 28.000 Teilnehmer sind bei QEP eingeschrieben. Während bei EPA der Besuch eines externen Gutachters Pflicht ist, nimmt die Selbstverwaltung der niedergelassenen Ärzte Rücksicht auf ihre Klientel. Wer kein Qualitätsmanagement betreibt, muss keine Sanktionen befürchten.