Hausärzte Retter in Weiß oder Billig-Mediziner?
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Der Hausarzt hat einen großen Vorteil: Er kennt seine Patienten

Der Hausarzt hat einen großen Vorteil: Er kennt seine Patienten

Um die Qualität der hausärztlichen Versorgung endlich zu erfassen, schlägt Ferdinand Gerlach, Mitglied des Sachverständigenrats Gesundheit der Bundesregierung, einen radikalen Systemwechsel vor. Nicht der einzelne Hausarzt stünde in der Verantwortung, sondern es ginge alle Gesundheitsberufe und die Patienten etwas an. Als Bewertungsmaßstab schlägt Gerlach, der auch Vizepräsident der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin ist, sogenannte Area-Indikatoren vor: »Für die Gesundheitsversorgung einer Region wird gemessen, wie lange die Leute auf einen Termin warten, wie zufrieden sie mit der Behandlung sind und ob sie die notwendigen Untersuchungen und Therapien auch bekommen.«

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Nicht mehr einzelne Ärzte stünden im Fokus der Qualitätskontrolle, sondern der aggregierte Gesundheitszustand einer Region. Am Resultat wirken Klinikärzte, ambulant tätige Ärzte, Apotheker und Vertreter anderer medizinische Berufe gleichermaßen mit. Sie müssten sich gemeinsam organisieren. Leistungen würden kollektiv vergütet. Gerlach sieht darin Vorteile: »Zahlt man im Voraus Gesamtvergütungen, richtet sich das System viel stärker auf Prävention aus.«

Ein solches Gesamtsystem bedarf allerdings eines gemeinsamen Datenpools. Während in Großbritannien oder Schweden die Daten von Krankenhaus, Facharzt und Hausarzt an einer Stelle zusammenfließen dürfen, verhindert dies hierzulande der Datenschutz. Außerdem sind die Computersysteme der Hausärzte untereinander kaum kompatibel. In diesem elektronischen Tal der Ahnungslosen ist eine Auswertung über die Güte der Versorgung unmöglich.

In Deutschland dient der Computer bei vielen Ärzten lediglich als aufgepeppte Textverarbeitung und Registrierkasse im Sprechzimmer. Nur selten überprüft die Software, ob der Doktor gerade einen ungesunden Arzneimittelcocktail verschreibt, noch wird sie genutzt, um chronisch Kranke regelmäßig einzubestellen oder aktualisierte Leitlinien anzuzeigen.

Schlecht ausgebildet – darin sind sich die meisten Experten einig – sind die deutschen Hausärzte nicht. Aber viele von ihnen haben ihre Praxis schlecht organisiert, einige sind unreflektiert, wenige schlicht ignorant. Joachim Szecsenyi von der Universität Heidelberg vergleicht die Mediziner mit einem PS-starken Auto: »Die Hausärzte wissen viel. Aber sie bringen die Power nicht immer auf die Straße.«

Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn schon das Plakat und die angewandten Prinzipien des Vereins MEZIS (Mein Essen zahl ich selbst), erwähnt werden, warum dann nicht auch der Verein?
    Herr Dr. Blank ist glücklicherweise nicht der einzige Arzt in Deutschland, der evidenzbasiert und nicht pharmaindustriegesteuert arbeitet.
    Vielleicht wäre in dem Zusammenhang einmal ein Artikel über MEZIS (www.mezis.de) sinnvoll.

    Grüße
    Hinterfrager

    • macdoc
    • 29.04.2010 um 17:27 Uhr

    "Fachärzte schwatzen den Patienten Untersuchungen auf, die keiner braucht"
    Ich hätte gute Lust, den Autor wegen solch einer pauschalen Verunglimpfung zu verklagen!
    Mal sehen, vielleicht kommt ja noch was!
    Unglaublicher Schwachsinn!

    Ich hätte hierzu bitte eine öffentliche Stellungnahme von Herrn Albrecht hier im Forum, wie er auf so eine Aussage, und im Speziellen ALS ÜBERSCHRIFT kommt!

    Danke

    Eine Leser-Empfehlung
    • rola
    • 29.04.2010 um 18:52 Uhr

    Leider habe ich noch nie einen solch polemisierenden Artikel wie diesen in "der Zeit" gelesen. Wäre es nicht endlich an der Zeit ( und "DER ZEIT" )diese ewigen Grabenkämpfe zwischen Haus- und Fachärzten aufzulösen. Im Sinne des Patienten. Es muss beide Gruppen nebeneinander und in Achtung voreinander geben. Ich kenne viele Hausärzte die den Patienten unsinnige Vitaminkuren für sehr viel Geld verschreiben, Sauerstoff inhalieren war auch mal große Mode. Aber würde ich deshalb solche Fälle hervorheben.?Nein, ich würde mich auf die Masse konzentrieren und die hat den selben Patienten vor sich und ist daran interessiert, dass er gesund wird oder bleibt. Egal ob Fach -oder Hausarzt. Wenn selbst solche angeblich seriösen Medien wie " Die Zeit " auf das Modell: Neid, Missgunst, Verunglimpfung hereinfallen, um Leser zu beeindrucken, wird es nie so etwas wie Patientenvertrauen und Glaubhaftigkeit von Medizinern geben. Im übrigen ist die Statistik der Einkommen von einzelnen Fachgruppen unglaublich schlecht recherchiert. Ein Vergleich von Äpfeln mit Birnen. Augenärzte und Orthopäden stelle die Gruppe mit den meisten ambulanten Operationen in Deutschland dar. Kann man das mit der Arbeit eines Hausarztes vergleichen ? Wohl nicht. Keiner Gruppe wird eine solche Statistik gerecht. Wenn diese Verschleierung der Tatsachen nicht endlich aufhört, müssen wir uns nicht wundern, wenn bald kein Student mehr in D eine Praxis übernehmen möchte. Egal, ob Haus oder Facharztpraxis.

    • Brauki
    • 02.05.2010 um 16:28 Uhr

    Die Aussagen von Herrn Albrecht sind in sich nicht stimmig:
    -dass eine Patientin mit Rückenschmerzen primär zu einem Radiologen geht ist unwahrscheinlich, denn dazu benötigt sie eine Überweisung. Von wem hat sie diese erhalten? Etwa vom Hausarzt?
    -dass der Orthopäde die Patientin beim Zweitkontakt zum Neurologen geschickt hat ist lobenswert, denn schließlich hatte die Patientin neurologische Ausfallsymptome.
    - dass der Neurologe dann eine Röntgenuntersuchung anordnete bei Sprachstörungen und passageren Lähmungen, dürfte nicht die Regel sein, denn damit hätte er die klassischen Symptome eines Schlaganfalles nicht erkannt.Außerdem kam die Patientin vom Radiologen und Orthopäden.
    - dass ein Schlaganfall mit Halbseitenlähmungserscheinungen und Sprachstörungen primär mit Rückenschmerzen beginnt, dürfte auch die Ausnahme sein.
    Was will uns der Autor also weismachen: Etwa dass der Hausarzt die Patientin mit Rückenschmerzen gleich in die Neurologische Abteilung der Universitätsklinik Eppendorf eingewiesen hätte?

    Eine Leser-Empfehlung
    • Brauki
    • 02.05.2010 um 16:43 Uhr

    Was glaubt ein Patient, der in einer Praxis als erstes ein großes Plakat mit der Aufschrift "Re-Zertifiziert" und TÜV-Stempel lesen würde? Wahrscheinlich, dass es sich bei dem Arzt um einen besonders qualifizierten handelt. Was würde er denken, wenn er wüsste, was es mit der sogenannten Zertifizierung wirklich auf sich hat. Zertifiziert wird nicht die Qualität der ärztlichen Behandlung und Diagnostik, sondern ausschließlich die Tatsache, dass in der Praxis jederzeit reproduzierbare Abläufe schriftlich festgehalten wurden. Der Arzt kann die größte Pfeife sein, Diagnostik und Therapie können regelmäßig völlig daneben liegen, er würde das Siegel dennoch erhalten, wenn die organisatorischen Praxisabläufe nur dargestellt wurden. Wer mit diesem Hintergrundwissen als Arzt mit diesem Gütestempel wirbt, muss sich Fragen lassen, ob er nicht bewusst seine Patienten desinformiert.

    • macdoc
    • 04.05.2010 um 18:18 Uhr

    ... bei diesem (zugegeben schlechten und polemisierenden) Artikel haben nur 6 (SECHS!) Leser einen Kommentar geschrieben.
    Wieso?
    - Ist ein solcher Artikel für "den Normalbürger" so uninteressant?
    - Ist der Artikel so schnell im Nirvana verschwunden, dass ihn keiner finden konnte / sollte?
    - Ist der Artikel einfach nur so schlecht, dass keiner Lust hatte ihn zu kommentieren???

    Ich kann mich nur wundern.

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