Neues Centre Pompidou Metz, oh, là, là! Seite 3/3
© EPA/Centre Georges Pompidou-Metz/Roland Halbe

Durch das Fenster des Museums blickt man auf die Altstadt von Metz
Die türkischstämmige Modedesignerin betreibt am Domplatz eine kleine Boutique für extravagante Damenmode. Abendkleider mit waghalsigen Korsagen gibt es da, Kombinationen aus Grellgrün und Pink, goldene Brautkleider und tief ausgeschnittene Westernroben, wie man sie zuletzt an Claudia Cardinale in Spiel mir das Lied vom Tod gesehen hat. Wer sich bei Yavuz ein Kleid kauft, braucht schon ein bisschen Mut. »Ich mache halt mein Ding«, sagt die Mittvierzigerin mit der wilden blonden Mähne, die sich das Nähen selbst beigebracht hat.
Mit 15 hat sie ihre Eltern verklagt, weil die sie mit einem fremden Mann verheiraten wollten. 2004 hat sie das Geschäft eröffnet. Jetzt zieht es sie zur Kunst. Sie schreibt Gedichte auf Stoffe, behängt Abendkleider mit bunten Mineralwasserflaschen und Zeitungsausschnitten. Mit dem Centre Pompidou, so glaubt sie, kämen die entsprechenden Kunden.
Doch ob das neue Museum tatsächlich jene Klientel in die Stadt bringt, von der das junge Metz träumt? Wer sich für Picasso und Miró begeistert, kauft sich nicht zwangsläufig ein mit leeren Sprudelflaschen dekoriertes Abendkleid. Wer Pop-Art liebt, könnte dennoch von den Arbeiten, die die private Kunsthalle Faux Mouvements an der Place Saint-Louis derzeit in Metz zeigt, abgestoßen sein.
In dem abgedunkelten Ausstellungsraum hat der Konzeptkünstler Le Gentil Garçon alias Julien Amouroux ein von einem Motor bewegtes Mobile aus einem Grinsemaul, einer Nase und einem Augenpaar vor den Scheinwerfer eines Diaprojektors gehängt. Zu dem dramatischen Soundtrack alter Hitchcock-Filme wirft es einen Katzenkopf an die Wand, der einen mal freundlich angrinst, mal eine scheußliche Fratze zeigt. »Die Grenzen zwischen dem Guten und dem Bösen sind fließend. Was gerade noch als gut erschien, kann schnell ins Gegenteil umschlagen«, erklärt Cathie Menna die Arbeit des 35-jährigen Autodidakten aus Lyon.
Die kleine Frau mit dem strengen Pagenkopf arbeitet als »Kulturmediatorin« bei Faux Mouvements. Es ist ihre Aufgabe, Kunst zu erklären und so zu »entdramatisieren«. Zurzeit steht sie allerdings oft ganz allein neben dem Katzenkopfmobile. »Die Menschen fürchten sich vor Dingen, die sie nicht verstehen«, sagt Menna. Das sei schon immer das Problem von moderner Kunst gewesen, vor allem von solcher, die es noch nicht ins Museum geschafft habe. Dennoch betrachtet sie das Centre Pompidou nicht als Konkurrenz. Menna hofft, dass es »eine Brücke schlägt« zwischen etablierter und nicht etablierter Kunst. Schließlich hätten die Maler, die dort ausgestellt werden, auch nicht als Weltstars begonnen.
»Meisterwerke«, die große Eröffnungsausstellung des Centre Pompidou, begleitet ihr Haus mit einer eigenen Schau: »Meisterwerke? Was ist das?«

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- Datum 12.05.2010 - 13:33 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
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