Wenn genetisch veränderte Produkte, wie Mais oder Zuckerrüben, mehr Ertrag bringen, werden sie auch für Landwirte attraktiv © Ralph Orlowski/Getty Images

DIE ZEIT: Bauern wollen keine Gentechnik auf ihrem Acker. Stimmt das?

Carl-Albrecht Bartmer: Ich antworte gern mit einem Beispiel. Ein deutsches Saatzuchtunternehmen hat in den USA eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe auf den Markt gebracht, die herbizid-resistent ist. Innerhalb von zwei Jahren hat diese Rübe einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent erobert – nicht weil man das Saatgut verschenkt hat, sondern weil das Produkt so überzeugend ist.

ZEIT: Auf deutschen Äckern erscheint eine solche Dynamik undenkbar.

Bartmer: Wenn ich an meinen eigenen Betrieb denke, haben wir das gleiche Potenzial. Ein Rübenfeld unkrautfrei zu halten ist aufwendig. Sie müssen viele verschiedene Mittel einsetzen. Rüben sind extrem empfindlich. Wenn Sie einzelne Spritzmittel hoch dosieren, riskieren Sie Ernteausfälle.

ZEIT: Wie oft müssen Sie mit dem Traktor auf den Rübenacker?

Bartmer: Vier- bis fünfmal. Nicht nur die Spritzmittel selbst sind teuer, hinzu kommen Maschinenaufwand, Treibstoff, Arbeitsstunden. Wenn mir eine Neuzüchtung erlaubt, den Rübenacker mit einem oder zwei Spritzeinsätzen unkrautfrei zu halten, ohne die Rübe selbst zu schädigen, spare ich nicht nur Geld beim Anbau, ich habe auch eine höhere Ernte. Wenn es diese Rübensorten in Deutschland gäbe, würden sie sich also vermutlich ähnlich schnell durchsetzen wie in den USA.

ZEIT: Bislang sind die Europäer aber trotzdem skeptisch.

Bartmer: Das ist auch verständlich, weil sie gar keine Gelegenheit haben, den Nutzen dieser Technologie kennenzulernen. Da hier sogar der Versuchsanbau – denken Sie an die vielen unrechtmäßigen Feldzerstörungen – nahezu unmöglich ist, fällt es schwer, den Nutzen überhaupt zu beweisen oder die Technologie weiterzuentwickeln. Das ist aber unverzichtbar, weil Züchtungserfahrungen aus den USA gar nicht direkt auf europäische Standorte zu übertragen sind. Wir brauchen an europäische Verhältnisse angepasste Sorten.

ZEIT: Welche Sorten wünschen Sie sich denn?

Bartmer: Noch ein Beispiel aus der Zuckerrübenzucht. Im April wird die Zuckerrübe gesät, im Herbst geerntet, bis Dezember verarbeitet. Dann liegen die Felder brach, die Fabriken stehen still. Eine Winterrübe, die mithilfe der Gentechnik tieferen Temperaturen widersteht, könnte länger wachsen, höhere Erträge erzielen und die Auslastung der Fabriken deutlich verbessern. Das senkt die Produktionskosten enorm.