Gentechnik Der Verbraucher wird getäuscht
Gentechnik ist bei 80 Prozent unserer Lebensmittel im Spiel. Ohne sie geht es nicht, sagt Bauernvertreter Carl-Albrecht Bartmer und verlangt eine ehrliche Kennzeichnung.
© Ralph Orlowski/Getty Images

Wenn genetisch veränderte Produkte, wie Mais oder Zuckerrüben, mehr Ertrag bringen, werden sie auch für Landwirte attraktiv
DIE ZEIT: Bauern wollen keine Gentechnik auf ihrem Acker. Stimmt das?
Carl-Albrecht Bartmer: Ich antworte gern mit einem Beispiel. Ein deutsches Saatzuchtunternehmen hat in den USA eine gentechnisch veränderte Zuckerrübe auf den Markt gebracht, die herbizid-resistent ist. Innerhalb von zwei Jahren hat diese Rübe einen Marktanteil von mehr als 90 Prozent erobert – nicht weil man das Saatgut verschenkt hat, sondern weil das Produkt so überzeugend ist.
ZEIT: Auf deutschen Äckern erscheint eine solche Dynamik undenkbar.

Carl-Albrecht Bartmer aus Löbnitz an der Bode ist ein erfolgreicher Landwirt und Präsident der Deutschen Landwirtschaftsgesellschaft (DLG). Nach Abitur und landwirtschaftlicher Lehre studierte Bartmer Agrarwissenschaften in Göttingen
Bartmer: Wenn ich an meinen eigenen Betrieb denke, haben wir das gleiche Potenzial. Ein Rübenfeld unkrautfrei zu halten ist aufwendig. Sie müssen viele verschiedene Mittel einsetzen. Rüben sind extrem empfindlich. Wenn Sie einzelne Spritzmittel hoch dosieren, riskieren Sie Ernteausfälle.
ZEIT: Wie oft müssen Sie mit dem Traktor auf den Rübenacker?
Bartmer: Vier- bis fünfmal. Nicht nur die Spritzmittel selbst sind teuer, hinzu kommen Maschinenaufwand, Treibstoff, Arbeitsstunden. Wenn mir eine Neuzüchtung erlaubt, den Rübenacker mit einem oder zwei Spritzeinsätzen unkrautfrei zu halten, ohne die Rübe selbst zu schädigen, spare ich nicht nur Geld beim Anbau, ich habe auch eine höhere Ernte. Wenn es diese Rübensorten in Deutschland gäbe, würden sie sich also vermutlich ähnlich schnell durchsetzen wie in den USA.
ZEIT: Bislang sind die Europäer aber trotzdem skeptisch.
Bartmer: Das ist auch verständlich, weil sie gar keine Gelegenheit haben, den Nutzen dieser Technologie kennenzulernen. Da hier sogar der Versuchsanbau – denken Sie an die vielen unrechtmäßigen Feldzerstörungen – nahezu unmöglich ist, fällt es schwer, den Nutzen überhaupt zu beweisen oder die Technologie weiterzuentwickeln. Das ist aber unverzichtbar, weil Züchtungserfahrungen aus den USA gar nicht direkt auf europäische Standorte zu übertragen sind. Wir brauchen an europäische Verhältnisse angepasste Sorten.
ZEIT: Welche Sorten wünschen Sie sich denn?
Bartmer: Noch ein Beispiel aus der Zuckerrübenzucht. Im April wird die Zuckerrübe gesät, im Herbst geerntet, bis Dezember verarbeitet. Dann liegen die Felder brach, die Fabriken stehen still. Eine Winterrübe, die mithilfe der Gentechnik tieferen Temperaturen widersteht, könnte länger wachsen, höhere Erträge erzielen und die Auslastung der Fabriken deutlich verbessern. Das senkt die Produktionskosten enorm.
- Datum 02.05.2010 - 14:58 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
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Aus Herrn Bartmers großagrarischer Produzentensicht wird umgekehrt ein Schuh: seine Zuckerrüben sind gegenüber importiertem Rohrzucker sowieso nicht konkurrenzfähig. Warum bitte sollen die Rübenbauern eine Milliarde Subventionen aus EU-Mitteln kassieren, die dem Konsumenten Preisnachlässe im Cent-Bereich bringen (wenn überhaupt), dafür aber auf eine Weise angebaut wird, die niemand hier will? Warum soll wir eine Produktionsweise zulassen, die zu massivem Herbizideinsatz führt, große finanzielle Vorteile für ein paar wenige Zuckerproduzenten bringt, aber auf der Gegenseite vermutlich zehntausende Arbeitsplätze im Bio- und Nebenerwerbslandbau vernichtet?
Für eine strikt durchökonomierte Landwirtschaft, die keinerlei Rücksicht mehr auf die ökologische Vielfalt der natürlichen Lebensräume nehmen möchte, darf es schlicht keinen Cent Subventionen geben, und es muss im Gegenteil der Anteil der Naturschutzflächen massiv erhöht werden, weil solche agrarischen Intensivplantagen eben keinen Beitrag mehr zum Erhalt unserer natürlichen Ressourcen (Trinkwasser, genetische Vielfalt etc.) mehr leisten können. Wenn sich diese Art Agrarunternehmer dann noch ohne Subventionen gegen die ausländische Kokurrenz behaupten können, bitte! Ob aber die Deutschen dafür in einem Land leben möchten, in dem die freie Landschaft nur eingezäunte Produktionsfäche einer handvoll agrarischer Multis ist, denen langfristige Bodenfruchtbarkeit, Trinkwasserqualität und ländliche Sozialstruktur egal ist?
Eine Ökologisierung ist ja ok. Aber auch wenn der Anteil an Käufern noch wächst, der größte Teil der Deutschen ist nicht bereit einen Lebensmittelpreis zu zahlen, der einem Landwirt zustände. Da ist der Knackpunkt.
Lebensmittelmarkt irrational: Preisschub 2008 - Panik. Solange Preise günstig sind wird aber die Nase ob der Steuern (EU-Subventionen) fressenden Lanwirte gerümpft. Nicht ok.
Fazit: Es gibt viel Änderungsbedarf. Allerdings ist das nicht so einfach wie viele Menschen denken. Im übrigen ist eine Ökologisierung der Landwirtschaft m.E. zunächst nur über die Zahlung von Subventionen möglich.
Eine Ökologisierung ist ja ok. Aber auch wenn der Anteil an Käufern noch wächst, der größte Teil der Deutschen ist nicht bereit einen Lebensmittelpreis zu zahlen, der einem Landwirt zustände. Da ist der Knackpunkt.
Lebensmittelmarkt irrational: Preisschub 2008 - Panik. Solange Preise günstig sind wird aber die Nase ob der Steuern (EU-Subventionen) fressenden Lanwirte gerümpft. Nicht ok.
Fazit: Es gibt viel Änderungsbedarf. Allerdings ist das nicht so einfach wie viele Menschen denken. Im übrigen ist eine Ökologisierung der Landwirtschaft m.E. zunächst nur über die Zahlung von Subventionen möglich.
Sorry, ich mißtraue dem redaktionellen Gehalt dieses "Interviews". Der Aufbau des Interviews, die Wortwahl des antwortgebenden Herrn der DLG und die nicht gestellten Fragen des Interviewers machen micht stutzig. Das klingt nach einem Propaganda-Interview aus der Feder einer PR-Agentur (ich selbst bin Freier Journalist). Die Vergleiche zur Automobilindustrie hinken, da wir bekanntermaßen dank der Millionen von PKW auf den verstopften Straßen mittlerweile enorme Umweltprbleme haben (werden). Auf jede gestellte Frage kommt eine aalglatte Antwort nach dem Motto "schön ist sie und unproblematisch, diese neue Welt". Die entscheidenden Fragen werden dabei nicht gestellt: Welche Macht haben die Gen-Firmen, wenn jeder Bauer von ihren Rüben abhängig ist? Warum kaufen (wenn ich richtig informiert bin) Gen-Firmen wie Pioneer oder Montsanto weltweit viel Land auf und versuchen, die kleinen Bauern platt zu machen? Welche Rolle spielen künftig die Regierungen, wenn das so selig machende Gen-Saatgut allein einem dient: dem Profit von wenigen Unternehmen? Warum gibt es hierzu keine Volkabstimmung: Land, Wasser, Luft sind doch letztendlich für jeden zum Leben da? Wer ist verantwortlich, wenn Gen technisch veränderte Produkte in vielleicht Jahrzehnten Umwelt- und gesundheitliche Probleme und Schäden verursachen (das ist das gleiche wie bei der Atomkraft: der Müll ist Sache des Staates, der Profit ein Anliegen der Unternehmen).
Gentechnik hat viele verführerische Seiten - und immer sind es kurzfristige Möglchkeiten, schneller Geld zu verdienen.
Oder sollte man besser so forumieren?
Gentechnik hat auf den ersten Blick viele verführerische Seiten - und immer fallen darauf diejenigen herein, die kurzfristig denken und nur in der Lage sind, wenige Aspekte in ihre Überlegungen einzubeziehen.
Der Traum vom schnellen Geld mit Gentechnik hat sich für viele Landwirte in den USA, Südamerika, Indien und vielen anderen Ländern nicht nur nicht bewahrheitet, sondern in eine Abhängigkeit gegenüber den Anbietern des Saatguts und der genau dazu passenden Pestizide verkehrt, die schlimmer nicht sein kann.
Fakt ist:
- Überall in der Welt wird eine dominante Lobbystrategie GEGEN die Interessen von Bauern und Verbraucher gefahren (und dieses Interview ist ein Teil davon).
- Der Marktführer Monsonto stellte auch nebenher noch nette Sachen wie PCB und Agent Orange her. So jemand kann nicht an unserer Gesundheit sowie an der Situation der Bauern Interessiert sein, sondern nur an besonders hohem Gewinn. Deshalb gibt es schon viele Skandale um diese Firma die das Saatgutmonopol anstrebt.
- Grüne Gentechnik ist unberechenbar (es gibt dafür viele bewiesene Beispiele). Unsere Äcker sowie unsere Gesundheit ist kein Langzeitlabor.
- Produzenten machen Bauern von sich abhängig, da das meiste Saatgut auch nur in Verbindung mit den hauseigenen Produkten genutzt werden kann.
- Nachhaltige Nahrungsgewinnung wird immer beliebter, sehr hohe Wachstumsrate im Absatz. Genfelder in Bio-Erzeugernähe schmälern den Absatz dieser und gefärden den "Dorffrieden".
-USA ist ein absolutes Negativbeispiel in Sachen Landwirtschaft, es gibt dort viele Probleme die auf genmanupiliertes Saatgut zurück geführt werden. Die Lanwirtwirtschaftsaufsicht wurde von der Lobby unterwandert > genmanupiliertes Saatgut hat den selben Status wie herkömmliches Saatgut (mit den selben Zulassungskriterien).
- Viele Länder wenden sich wieder von Gentechnik ab (Mexiko, etc).
Länder die ganz Gentechnik frei sind, wie Österreich, erzielen hörere agrawirtschaftliche Gewinne.
und, und, und ...
So naiv, wie sich der Interviewer den Verbraucher ausmalt ist er wohl nicht. Was die Menschen skeptisch macht ist die Angst vor dem Unbekannten. Es geht dem Landwirt und den Lebensmittelindustrien wohl kaum um das Wohl des Verbrauchers, sondern um Profit.
Wenn ich einkaufen gehe, tue ich das mit der Gewissheit, einer Industrie gegenüber zu stehen, die permanent bemüht ist mich zu betrügen und hinters Licht zu führen um ihren Profit zu maximieren.
Würde man z.B. den an Wahnsinn grenzenden Fleischkonsum per Gesetz und Preispolitik reduzieren, würde niemand verhungern und die Menschen würden den Sonntagsbraten wieder zu schätzen lernen. Dann könnte man sich auch gentechnisch verändertes Futter sparen um die Kreatur so schnell wie möglich schlachtreif zu mästen.
Aber das wiederstrebt der perversen Wachstumsideologie und Profitgier wobei noch jeder Dreck verwurstet wird. Der Verbraucher wünscht es ja so.
Gerade die Aktivitäten großer Konzerne wie "Monsanto" machen es dem einigermaßen aufgeklärten Konsumenten nicht leicht an die Segnungen der Gentechnik zu glauben. Wem nützt Gentechnik in Lebensmitteln wirklich?
Saatgutzüchtung und Genveränderung von Saatgut sind zwei Paar Schuhe; Zuckerrübe in den USA sagt in zwei Jahren noch nichts aus über die Anpassung der sogenannten Unkräuter etc.; gleichzeitig lesen wir über die extreme Lebendigkeit rund um den Mt. St. Helens: Das ist die natürliche Einbindung der Stoffe mit einer Energie, die kein Mensch nachmachen kann, von der aber ALLES lebt. - Wenn wir die Lebendigkeit der europäischen landwirtschaftlichen Böden erhalten wollen, leben wir MIT den natürlichen Bindekräften, wollen wir sie zerstören, machen wir so weiter mit menschengemachter Genschnipselei! - Die Summe der Teile wird aber nie mehr das Ganze. -
Eine Zuckerrübe, die Rübenanbau zum Kinderspiel macht. Toll. Aber …
Kein Wort darüber, dass es inzwischen schon einige Unkräuter gibt, die gegen Roundup Ready resistent sind. Kein Wort darüber, dass Pflanzenschutzmittel, die wir in Deutschland nutzen, seit Jahrzehenten insbesondere darauf untersucht werden, dass sie schnell abbauen und keine unerwünschten Seiteneffekte auf Nutzpflanzen und Nutztiere haben.
Kein Wort darüber, dass Gentechnik keine Züchtung ist, sondern dass Züchtungserfolge für mehr Ertrag, für mehr Feuchte- oder Trockenresistenz und Ähnliches eben mit konventioneller Züchtung erreicht werden und alle bisherigen gentechnischen Versuche in diese Richtung drastische Misserfolge waren. Die fremden Gene werden erst hinterher eingebraucht, wegen des besseren Patentschutzes im Vergleich zum Schutz des normalen Saatguts.
Kein Wort davon, dass in Amerika ganz anders Landwirtschaft betrieben wird, als bei uns. Durch die riesigen Monokulturen verarmen die Böden. Durch die künstliche Bewässerung versalzen die Böden und das Grundwasser geht rasant zurück. Dort wo unsere Bauern bemüht sind, durch nachhaltige konventionelle Bodenbearbeitung und Fruchtwechsel, die Böden möglichst gesund zu halten, greifen die Amerikaner mit massiven Chemikalieneinsatz ein.
(...)
(...)
Kein Wort davon, dass es z. B. für die Stärkekartoffel Amflora ebenso leistungsfähige konventionelle Kartoffeln gibt. Die Informationsselektierung ist hier ganz besonders offensichtlich zu erkennen.
Kein Wort davon, dass es schon immer zur Politik der Gensaathersteller gehörte, sich schleichend in der Nahrungskette der Menschen auszubreiten, eben weil viele Konsumenten von Anfang an skeptisch waren. Mit dem Wunsch der Gensaatbeführworter nach mehr Aufklärung der Konsumenten, wird also nur planmäßig der zweite Giftkelch überreicht.
Kein Wort davon, dass die Studien, die die Unbedenklichkeiten der genveränderten Saat von den Herstellern selbst kommen. Leider kommen von dort keine Studien, die die Schwierigkeiten aufzeigen.
Kein Wort davon, dass in den amerikanischen Zulassungsgremien viele Ex-Mitarbeiter und Zuarbeiter gerade der Chemie- und Landwirtschaftindustrie angestellt sind, die genveränderte Saaten zulassen wollen. Kein Wort davon, dass kritische Mitarbeiter der Zulassungsinstitutionen in der Vergangenheit beim ersten Aufflackern kritischer Nachfragen ihre Anstellung verlieren.
Das ist alles längst und jedem, der es wissen will, bekannt. Ein oder zwei Punkte davon hätte man im Interview schon mal ansprechen können.
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