Kalter Krieg Chruschtschows schönster TagSeite 4/4

Am meisten machten Powers die Presseberichte aus der Heimat zu schaffen. Einige der Journalisten fragten, warum er sich nicht mit der Giftnadel getötet habe. Warum nur hatte er das Flugzeug nicht zerstört? Und er habe ja wohl Geheimnisse verraten, sicherlich unter Drogen. War er »umgedreht« worden? Powers begriff, was man ihm eigentlich vorwarf: Er hatte überlebt, und lebend war er für sein Land ein Problem.

Am Morgen des 10. Februar 1962, nach 21 Monaten Haft, wurde Powers auf der Glienicker Brücke zwischen Potsdam und West-Berlin gegen den Sowjetspion Rudolf Abel ausgetauscht. Es war der erste Austausch von Agenten aus Ost und West, eine Premiere auch für den DDR-Anwalt Wolfgang Vogel. Ein freier Mann war Powers damit keineswegs. Mehrere Wochen lang wurde er von verschiedenen Kommissionen der CIA und der Air Force verhört, ein Test mit dem Lügendetektor inklusive. Der Abschlussbericht stellte fest, dass er korrekt gehandelt und dem Gegner keine Geheimnisse preisgegeben habe.

Seine letzte Ruhe findet Powers auf dem Heldenfriedhof Arlington

Der Bericht entlastete Powers zwar, aber da gab es einen Haken – er war geheim. Der neue CIA-Chef John McCone blieb skeptisch und ließ über das Ergebnis nichts verlauten. Die Verdächtigungen in der Presse nahmen daher kein Ende. Eine Kommission des Senats sprach ihn ohne Einschränkung frei, doch der Makel, der Powers anhaftete, blieb bestehen. John F. Kennedy, der neue Präsident, sagte einen angekündigten Empfang für Powers ab, ein Orden, den alle anderen U-2-Kameraden erhielten, wurde ihm versagt. Justizminister Robert Kennedy dachte sogar über einen Prozess gegen den Piloten nach.

Dabei hätte Powers vieles berichten können. Er hatte die Denkweise zweier feindlicher Geheimdienste kennengelernt, eine einzigartige Erfahrung. Vorteilhaft waren seine Schlussfolgerungen nicht. Die Dienste dachten zu starr, und sie wussten weitaus weniger über die Gegenseite als angenommen. Was der KGB nicht gefragt hatte, war viel wichtiger als das, was er hatte wissen wollen. Es interessierte niemanden.

Teile des »militärisch-industriellen Komplexes« sahen überdies ihre Kreise empfindlich gestört. Zwar hielt Lockheed Powers die Treue, auch sah sich die Raketenlobby gestärkt, aber andere Firmen, die an neuen Langstreckenbombern arbeiteten, waren von der erstarkten Verteidigungsfähigkeit der Russen irritiert. Das Interesse an dem genauen Hergang des Abschusses blieb erstaunlich gering. Selbst Eisenhower schrieb noch in seinen Erinnerungen, der Pilot habe aufgrund eines Flammabrisses tiefer fliegen müssen und sei deshalb abgeschossen worden – eine glatte Fehlinformation vonseiten der CIA.

1970 veröffentlichte Powers seine eigenen Memoiren. Operation Overflight ist ein erhellendes Buch, das einen anfangs unpolitischen, gelegentlich naiven Air-Force-Piloten zeigt, der zwischen die Mühlsteine der großen Politik geriet. Powers stellte viele Unwahrheiten richtig, die tatsächliche Flughöhe beim Abschuss nannte er auch diesmal nicht. Sein Hauptmakel aber blieb: Er hatte überlebt. Wäre er am 1. Mai 1960 ums Leben gekommen, hätte Amerika ihn zum Heros verklärt.

Francis Gary Powers starb am 1. August 1977 in Los Angeles bei einem Helikopter-Absturz. Er wurde auf dem Nationalfriedhof Arlington beigesetzt. Endlich hatte sein Land ihn als Helden angenommen.

Der Autor ist Publizist und lebt in Berlin

 
Leser-Kommentare
    • JUKOS
    • 30.04.2010 um 19:17 Uhr

    weder gefoltert noch unter Drogen gestellt. Von seinen eigenen Leuten wurde erwartet, dass er sich umbringt und die Anschuldigungen und Verdachtsaeusserungen seitens der Presse hoerten nie auf (so ein Verhalten ist man doch sonst eher von irgendwelchen Terrororganisationen oder Mafia-Grupen gewohnt). Nach 21 Monaten Haft wurde er entlassen.

    Da sieht man mal wieder, welcher Teil dieser Welt wie wahrgenommen wird und wurde, welcher Teil dieser Welt Menschenrechte respektiert und in welchem Teil dieser Welt Gefangene gefoltert und hingerichtet werden, wo man fuer ein Verbrechen einen ordentlichen Rechtsbeistand bekommt usw... und das alles im Jahr 1960 kurz vor dem Hoehepunkt des kalten Krieges, in dem Rassentrennung in Amerika und Kommunistenhetze noch alltaeglich waren. Leider gibt es solche kluge Berichterstattung nicht immer.

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    Verklären Sie bitte nicht die Sowjetunion!
    Beide Blöcke haben sich nie etwas geschenkt.
    Durch besonderen Humanismus haben sie sich auch nicht hervorgetan.
    Innerhalb der Sowjetunion waren Russen gleicher als andere Volksgruppen wie die Ukrainer oder die Balten usw.
    Auch gab es keine Reisefreiheit für Sowjetbürger innerhalb der Union.

    Rassismus, Ungleichbehandlung,Unterdrückung, alles Dinge die es zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt gibt und gab.
    Auch in der UDSSR.

    Verklären Sie bitte nicht die Sowjetunion!
    Beide Blöcke haben sich nie etwas geschenkt.
    Durch besonderen Humanismus haben sie sich auch nicht hervorgetan.
    Innerhalb der Sowjetunion waren Russen gleicher als andere Volksgruppen wie die Ukrainer oder die Balten usw.
    Auch gab es keine Reisefreiheit für Sowjetbürger innerhalb der Union.

    Rassismus, Ungleichbehandlung,Unterdrückung, alles Dinge die es zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt gibt und gab.
    Auch in der UDSSR.

  1. 2. Naaaja

    "... welcher Teil dieser Welt Menschenrechte respektiert und in welchem Teil dieser Welt Gefangene gefoltert und hingerichtet werden, wo man fuer ein Verbrechen einen ordentlichen Rechtsbeistand bekommt usw ..."

    Auch die USA haben keine reine Weste (bei Sklavenhaltung, Völkermord an den Ureinwohnern, Hiroshima, Nagasaki, Vietnam, Guantanamo, abu Ghraib etc. fragt man sich schon, woher dieses Volk sein Selbstverständnis als God´s chosen country nimmt), aber mir der stalinistischen Säuberung und den Zuständen in der SU kann man das nicht ganz vergleichen

  2. Verklären Sie bitte nicht die Sowjetunion!
    Beide Blöcke haben sich nie etwas geschenkt.
    Durch besonderen Humanismus haben sie sich auch nicht hervorgetan.
    Innerhalb der Sowjetunion waren Russen gleicher als andere Volksgruppen wie die Ukrainer oder die Balten usw.
    Auch gab es keine Reisefreiheit für Sowjetbürger innerhalb der Union.

    Rassismus, Ungleichbehandlung,Unterdrückung, alles Dinge die es zu jeder Zeit an jedem Ort der Welt gibt und gab.
    Auch in der UDSSR.

    Antwort auf "Wurde bei Verhoeren"
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    an beiden Blöcken stimme ich Ihnen zu. Bitte vergessen Sie aber nicht, dass uns im Westen - in Deutschland vornehmlich von den Springerblättern - immer wieder erklärt wurde, nur die Sowjetunion sei so. Die Verbrechen der USA blieben weitgehend unberücksichtigt, weil sie nicht in`s Weltbild passten.

    Innerhalb der Sowjetunion waren Russen gleicher als andere Volksgruppen wie die Ukrainer oder die Balten usw.

    Alle waren gleich.

    Auch gab es keine Reisefreiheit für Sowjetbürger innerhalb der Union.

    Was erzählen sie für ein Blödsinn, in der SU konnten alle reisen und sogar extrem Billig.

    Ich habe in der SU gelebt, deswegen brauchen Sie mir so ein misst nicht zu erzählen. Sie sind ein Typisches Beispiel für Westliche Aufklärung, BILD gelesen und Sie meinen Sie Wissen alles.

    an beiden Blöcken stimme ich Ihnen zu. Bitte vergessen Sie aber nicht, dass uns im Westen - in Deutschland vornehmlich von den Springerblättern - immer wieder erklärt wurde, nur die Sowjetunion sei so. Die Verbrechen der USA blieben weitgehend unberücksichtigt, weil sie nicht in`s Weltbild passten.

    Innerhalb der Sowjetunion waren Russen gleicher als andere Volksgruppen wie die Ukrainer oder die Balten usw.

    Alle waren gleich.

    Auch gab es keine Reisefreiheit für Sowjetbürger innerhalb der Union.

    Was erzählen sie für ein Blödsinn, in der SU konnten alle reisen und sogar extrem Billig.

    Ich habe in der SU gelebt, deswegen brauchen Sie mir so ein misst nicht zu erzählen. Sie sind ein Typisches Beispiel für Westliche Aufklärung, BILD gelesen und Sie meinen Sie Wissen alles.

  3. Lassen wir doch mal die Kirche im Dorf:

    Die ersten einsatzfähigen Atombomben wurden von den Amerikanern in Japan 1945 eingesetzt.

    Der Russe hatte damals keine!

    Deutschland wurde von den Westmächten gepalten:
    Zuerst die Bi- und dann die Tri-Zone geschaffen und dann wurde die Bundesrepublik gegründet - der Ami war mit von der Partie.

    Der Russe kam mal wieder zu spät!

    In Südostasien wurden während des Vietnam-Krieges flächendeckend chemische Waffen eingesetzt - vom Ami!

    Der Russe war da viel bescheidener - er setzte auf konventionelle Kriegsführung und gewann diesen Stellvertreterkrieg.

    Einzig in Afghanistan haben sich beide Großmächte die Zähne ausgebissen.

    Dafür beißen heute unsere deutschen Soldaten dort ins Gras!

    Soviel zum Thema Krieg und Frieden!

  4. an beiden Blöcken stimme ich Ihnen zu. Bitte vergessen Sie aber nicht, dass uns im Westen - in Deutschland vornehmlich von den Springerblättern - immer wieder erklärt wurde, nur die Sowjetunion sei so. Die Verbrechen der USA blieben weitgehend unberücksichtigt, weil sie nicht in`s Weltbild passten.

    Antwort auf "Verklärung"
    • Ius
    • 02.05.2010 um 10:38 Uhr

    Und wieder Jemand, der dem Staate diente und nicht der Saate ihm.

    RIP

    Lg

  5. Innerhalb der Sowjetunion waren Russen gleicher als andere Volksgruppen wie die Ukrainer oder die Balten usw.

    Alle waren gleich.

    Auch gab es keine Reisefreiheit für Sowjetbürger innerhalb der Union.

    Was erzählen sie für ein Blödsinn, in der SU konnten alle reisen und sogar extrem Billig.

    Ich habe in der SU gelebt, deswegen brauchen Sie mir so ein misst nicht zu erzählen. Sie sind ein Typisches Beispiel für Westliche Aufklärung, BILD gelesen und Sie meinen Sie Wissen alles.

    Antwort auf "Verklärung"

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