Recycelte Kleidung : Bloß nicht in die Tonne!

Pullover aus Plastikflaschen, kompostierbare T-Shirts: Wie Kleidung ökologisch korrekt hergestellt wird.
Aus PET-Granulat werden Flaschen und daraus später oft Jacken und Hosen gemacht © David Silverman/Getty Images

Der Chemieprofessor Michael Braungart hält nichts von Ökoeffizienz. Im Gegenteil: Verschwendung kann nützlich sein, meint er. Sein Zauberwort heißt Ökoeffektivität. Jedes Produkt soll so gestaltet werden, dass seine Bestandteile wiederverwertbar sind. "Cradle to Cradle" (von der Wiege bis zur Wiege) heißt dieses Prinzip. Es bietet sich für Kleidung besonders an. Denn Mode hat meistens eine sehr kurze Lebensdauer.

Die Grundidee des Recyclings ist an sich nicht neu. Aber momentan werden viele Produkte in Braungarts Perspektive nicht recycelt, sondern "downgecycelt", das heißt, aus einem hochwertigen Produkt wird nach der Wiederverwertung ein immer minderwertigeres, bis es schließlich ganz unbrauchbar und nur noch Müll ist. Braungarts Lösung heißt "Upcycling". Dabei wird das recycelte Material nach der Wiederverwertung zu einem hochwertigeren Stoff. Im Idealfall werden Materialien auf diese Weise unendlich oft genutzt. Damit das gelingt, müssen sie aber so hergestellt und verarbeitet werden, dass sie problemlos weiterverwertet werden können.

Dabei werden, wie nebenbei, auch Menschen und Umwelt geschützt. Denn meist bedeutet es auch den Verzicht auf künstlich hergestellte Schadstoffe – weil diese sich kaum wiederverwerten oder biologisch abbauen lassen. Das gilt auch für Textilien. Konventionell hergestellte farbige Kleidung enthält nach Angaben von Braungarts Firma EPEA Internationale Umweltforschung bis zu 150 Chemikalien. Ökologisch einwandfreie Textilien müssen ohne sie auskommen.

Wie alle Materialien werden Fasern nach dem Cradle-to-Cradle-Konzept entweder einem biologischen oder einem technischen Kreislauf zugeführt. Kleidung aus Naturfasern kommt in den biologischen Kreislauf. So wie das kompostierbare T-Shirt, das Braungarts Firma 2006 mit Trigema entwickelt hat. Das Shirt ist biologisch abbaubar, genauso wie ein BH, den Triumph 2007 auf den Markt gebracht hat. Nur etwas länger als ein Jahr dauert sein Abbau, obwohl der Naturfaser Baumwolle noch Elasthan hinzugefügt wird. EPEA ist es nämlich gelungen, auch für das Elasthan eine chemische Zusammensetzung zu finden, die biologisch abbaubar ist.

Als "sensationell" bezeichnet EPEA-Biologin Dagmar Parusel die Farbe des BHs: Schwarz. "Normalerweise ist schwarze Synthetikkleidung problematisch, weil sie unter anderem Schwermetalle enthalten kann", sagt Parusel. Über die Haut gelangen diese dann in den Körper, besonders gut aufnahmefähig ist die Haut, wenn sie eingecremt ist oder schwitzt. Häufig ist in schwarzer Synthetikkleidung beispielsweise Blei enthalten, das sich im Körper anreichern kann. Oder Antinom, das als krebserregend gilt. In dem von EPEA entwickelten BH kommen diese Schwermetalle nicht vor. 

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patagonia

Da die oben erwähnte Outdoorbekleidungsfirma enorm hohe Qualität herstellt, nicht jeden Modetrend mitmacht, und somit die Stücke auch keine sichbare "Jahreszahl" aufweisen, ihre Ware nicht über die Masse verramscht und obendrein auf alle Produkte lebenslange Garantie gibt, ist der Rücklauf auch aus diesem Grund vermutlich gering. Darüber hinaus spendet Patagonia 1% des Umsatzes an unabhängige Umweltschutzbewegungen und die Wiederherstellung der Natur und produziert ihre Ware für hauptsächlich ressourcenschonende Sportarten. Ich kaufe dort schon jahrelang aus vollster Überzeugung ein und in diesem Jahr sind 88% der angebotenen Texilien im Katalog bereits entweder aus ökologisch angebauten oder recycelten Fasern hergestellt. Nachhaltigkeit und verantwortungsvoller Umgang mit Natur und Mensch sind Überzeugungsentscheidungen ohne ständig auf die Gewinnmargen zu schielen und auch nicht nur eine Frage von "Greenwashing" von Firmen, die sich fürs Marketing aufhübschen wollen.