Uni in Sachsen »Die wissen, was sie wollen«
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Im Februar 1993 entstand in Zittau das IHI

Deutsch ist Unterrichts- und Arbeitssprache am Institut. Aber auch ihre Muttersprache können Anna und Małgorzata hier gut gebrauchen – wenn sie etwa ihren deutschen Kommilitonen helfen. Die müssen nämlich eine der beiden Sprachen Polnisch oder Tschechisch lernen. Auch das gehört zur Internationalität des Instituts, das sich von Anfang an als Werkstatt des europäischen Denkens versteht, lange bevor Polen und Tschechien 2004 in die Europäische Union aufgenommen wurden. 

Die Entstehung des Instituts geht auf eine Empfehlung des Wissenschaftsrates aus dem Sommer 1991 zurück. Der Rat regte an, im Dreiländereck Deutschland-Polen-Tschechien eine internationale Bildungseinrichtung zu etablieren und so grenzüberschreitendes Studieren zu ermöglichen. Im Februar 1993 entstand dann in Zittau das IHI als gemeinsame Einrichtung der TU Bergakademie Freiberg, der Schlesischen Technischen Universität Gliwice (Gleiwitz), der Technischen Universität Liberec (Reichenberg), der Wirtschaftsuniversität Wrocław (Breslau) und der Hochschule Zittau/Görlitz.

Für Zittau war das auch eine Art Genugtuung. 1988 hatte seine damalige Ingenieurhochschule den Status einer Technischen Hochschule erhalten, zuvor schon das Promotionsrecht. Das verlor sie mit der Neugestaltung der sächsischen Hochschullandschaft nach der Wende wieder, wurde zur Fachhochschule und teilte damit das Schicksal ähnlicher Einrichtungen in Dresden, Leipzig, Mittweida oder Zwickau.

Jetzt, mit der Gründung des IHI, bekam Zittau plötzlich eine universitäre Einrichtung. Die immatrikulierte im Wintersemester 1993/94 den ersten Diplomstudiengang für Umwelttechnik. Heute stehen vier Masterstudiengänge auf dem Plan: Biotechnologie und angewandte Ökologie, Internationales Management, Projektmanagement sowie Business Ethics und CSR-Management. Letzteres steht für Wirtschaftsethik und unternehmerisches Verantwortungsbewusstsein – Begriffe, die in Zeiten von Finanzkrise und Globalisierung immer mehr an Bedeutung gewinnen.

So modern und global diese Disziplinen auch sind, so historisch und beschaulich ist der Ort, an dem sie gelehrt werden. Aus den Fenstern an der Vorderseite des IHI blickt man auf den barocken Markt von Zittau. Nach hinten bietet sich bei guter Sicht ein romantischer Blick auf die Erhebungen des Zittauer und des Jeschkengebirges. Das Haus Markt 23 wurde 1769 errichtet. Bis 1949 war es als Gasthaus Zum Weißen Engel bekannt.

Danach zog die Ingenieurschule für Energiewirtschaft ein, eine Vorgängerin der heutigen Hochschule Zittau/Görlitz. Der Weiße Engel wurde zum Lehr- und Verwaltungsgebäude, diente, wie erwähnt, als Studentenwohnheim und Mensa. 1993 bezog das IHI hier seinen Stammsitz; später bekam es noch das Nachbargebäude, in dem sich zu DDR-Zeiten ein kleines Kaufhaus namens Praktikus befand. Dort, wo einst Haushaltswaren und Spielzeug verkauft wurden, befinden sich jetzt Hörsäle und Computerkabinette.

Auf dem Platz vor den beiden Häusern ist jeden Mittwoch Zittauer Wochenmarkt, eine feste Größe im Veranstaltungskalender der Stadt. Auch ihn wird das IHI erobern: Im Rahmen ihres Studienganges Projektmanagement wollen Anna Porada und ihre Kommilitonen einen Markttag deutscher, polnischer und tschechischer Händler organisieren. Die können dann gemeinsam Waren anbieten, die sie sonst nur in ihren Heimatländern verkaufen. Vielleicht sind dann auch Pilze dabei, große und essbare natürlich.

 
Leser-Kommentare
  1. Wenn Gliwice, Jelenia Gora, Liberec und Wroclaw (letzteres sogar zweimal) zusammen mit ihrem früheren deutschen Namen genannt werden, gibt es keinen mir ersichtlichen Grund, dies bei Olsztyn (Allenstein) nicht zu tun.

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