Stadtplanung Yuppies raus!
Luxussanierung – ein Horror für die Bewohner günstiger Stadtviertel. Ihr Protest findet jetzt öfter Gehör bei Stadtplanern
Der grüne Zaun ist verblichen. Das Gestrüpp auf dem Hof ein trockenes Ocker. »Erotic Art Museum« steht an der entblößten Häuserwand links – das Museumsgebäude steht schon lange leer. Auch das Restaurant Zirkus Erich in einem Anbau ist Vergangenheit. Die Lampen hängen geknickt von der Decke, die Wand zum Museum ist durchbrochen. Ein purpurner Vorhang gibt den Blick auf eine Bühne frei, die keine mehr ist. Auf einem Arbeitstisch liegt eine Holzplatte verlassen unter einer dicken Staubschicht. Als hätte jemand vor langer Zeit nur vergessen wiederzukommen.
Hier, auf diesem verwahrlosten Grundstück zwischen der Hamburger Bernhard-Nocht-Straße und der Erichstraße, treffen sich zwei Visionen. Hier, sagt Andreas von Bargen, könnten Eigentumswohnungen für »um die 3500 Euro pro Quadratmeter« entstehen oder moderne Mietwohnungen zu »zwölf, dreizehn Euro« pro Quadratmeter. Gemeinsam mit Helmut Köhler gehört ihm die Immobiliengesellschaft Köhler & von Bargen, deren Eigentum der Hof und acht umliegende Häuser sind. Sie planen ein neues, schickes Quartier. Vom sechsten Stock der Neubauten aus soll man über den Hafen schauen können.
Hier, warnt dagegen die Bürgerinitiative NoBNQ, würden Eigentumswohnungen eine gewachsene Gemeinschaft zerstören. Quer über die Bernhard-Nocht-Straße sind Leinen gespannt, an denen gelbe Wimpel hängen. NoBNQ steht mit rosafarbenen Lettern darauf – kein Bernhard-Nocht-Quartier. Auch die Anwohner wollen neuen Wohnraum. Aber sie denken dabei an viel günstigere Mietwohnungen. Und an einen Waschsalon mit Elbblick auf dem Dach und eine Mini-Brauerei, die nach dem Wegzug von Astra das einzige echte Sankt-Pauli-Bier braut.
Proteste gegen Privatisierung sind auf Sankt Pauli nichts Neues. Dieses Mal aber fliegen keine Steine. Die Häuser sind nicht besetzt. Etwa 100 Anwohner haben sich nach Angaben von NoBNQ zusammengetan, sie sind alt, jung, erwachsen gewordene Hausbesetzer, Studenten, Künstler, alteingesessene Bürger. Statt andere Initiativen als zu links, zu rechts oder zu mittig auszuklammern, arbeitet man nun quer durch die Stadt über das Netzwerk »Recht auf Stadt« zusammen. Und noch etwas ist neu: Die Gegner sind nicht nur dagegen. Sie sind auch dafür: Sie wollen das Bernhard-Nocht-Quartier zurückkaufen und ihre Vision des Viertels verwirklichen. Knapp zehn Millionen Euro sollen die Grundstücke kosten, plus Sanierungskosten – eine Menge Geld für eine Bürgerinitiative. NoBNQ arbeitet deswegen mit dem Mietshäuser Syndikat zusammen, das bundesweit 50 selbst organisierte Hausprojekte und 17 weitere Initiativen betreut. Private Geldgeber habe man bereits an der Hand, versichert NoBNQ-Mitstreiter und Anwohner Stefan Simonis.
Auf Sankt Pauli wollen die Bürger nicht mehr zugucken beim Monopoly der Stadtentwickler, sondern selbst mitspielen – nach ihren Regeln. Nicht nach denen der Stadtplaner, die das Viertel der Gentrifizierung aussetzen wollen. So sperrig der Begriff, so simpel ist das Phänomen: Eine abgerissene Gegend wird erst schöner, cooler, schicker. Dadurch wird der Wohnraum knapp und teurer. Investoren steigen ein und beschleunigen den Prozess der Wertsteigerung. So weit, so gut. Doch der Widerstand wächst: gegen die steigenden Mieten. Gegen die Verwandlung von Mietfläche in Eigentum, durch die ärmere Bürger zwangsläufig verdrängt werden, gegen einen Umbau und Ausverkauf der Stadt. Glastürme und Backsteingebäude sind die Protagonisten dieses Dramas. Immobiliengesellschaften, Privatpersonen und auch die Kommunen selbst. Ein Klassiker, der seit den 1960er Jahren in den industrialisierten Städten der Welt aufgeführt wird. Der letzte Akt schien bisher immer derselbe zu sein: Am Ende verliert der Kleine.
Neuerdings gleicht die Inszenierung eher einer von David und Goliath: Die Investoren, die großen Geldgeber und Geldnehmer, wanken. Ihre Gegner können Erfolge feiern. In der Bernhard-Nocht-Straße verhandeln die Anwohner mit den Investoren. Im Hamburger Gängeviertel hat die Stadt nach der Künstleraktion »Komm in die Gänge« das historische Areal in der Innenstadt vom niederländischen Investor Hanzevast zurückgekauft. Die Stadt will das Viertel nun nicht mehr aus der Hand geben, versichert Enno Isermann, Sprecher der Behörde für Stadtentwicklung und Umwelt (BSU). »Unser Nutzungskonzept und das der Initiative stimmen zum großen Teil überein«, sagt Isermann. Nun soll das Areal zum Sanierungsgebiet erklärt werden, damit Fördermittel fließen können. »Eine Luxusmodernisierung ist ausgeschlossen«, heißt es im BSU-Eckpunktpapier zum Gängeviertel.
- Datum 03.05.2010 - 14:45 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
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Klischee und Schubladendenken.
Immobilienbesitz in solchen Gegenden sind ein Faß ohne Boden. Linken Farbbeuteln und Gewalttaten sei dank, dass sich das bald ändert. Har Har Har
Klassische Fremdenfeindlichkeit - nur anders verpackt
>>Klassische Fremdenfeindlichkeit - nur anders verpackt.<<
das ist sicher nicht ganz falsch, hängt aber am ehesten mit dem im grunde kleinbürgerlichen charakter des links-autonomen gesellschaftsbildes zusammen. danach werden objektiv bedingte veränderungen schlicht als angriff auf das angestammte 'gemeinschaftsidyll' gedeutet und zurückgewiesen. auf dem dorf ist es nicht anders.
andererseits sind es jedoch gerade die links-alternativ geprägten bezirke, die städte wie berlin und hh speziell für junge, kreative leute und auch für touristen attraktiv machen. kaum jemand wird wegen der gepflegten bürgerlichkeit charlottenburgs von london nach berlin ziehen. und wo rechte subkultur die atmosphäre prägt, möchte man eh nicht tot überm zaun hängen.
allen anti-'linken' affekten (und häme-bekundungen) zum trotz entsteht ein entspanntes, liberales sozialklima meist (nur?) dort, wo sich eine aktiv-renitente links-alternative szene (inkl. 'farbbeutel-fraktion) ansiedelt. dass diese lebensweltliche wertsteigerung auch die bionade-bohème und zahlungskräftige 'erlebnis-wohner' anlockt, ist logisch. ebenso, dass in der folge die mieten steigen, die szene abzieht und das begehrte anarchische flair dem etwas piefigen ambiente der demeter- und 'carloft'-postbourgeoisie weicht. das ist weder gut noch schlecht. so läuft das halt. so wirds auch in neukölln laufen.
>>Klassische Fremdenfeindlichkeit - nur anders verpackt.<<
das ist sicher nicht ganz falsch, hängt aber am ehesten mit dem im grunde kleinbürgerlichen charakter des links-autonomen gesellschaftsbildes zusammen. danach werden objektiv bedingte veränderungen schlicht als angriff auf das angestammte 'gemeinschaftsidyll' gedeutet und zurückgewiesen. auf dem dorf ist es nicht anders.
andererseits sind es jedoch gerade die links-alternativ geprägten bezirke, die städte wie berlin und hh speziell für junge, kreative leute und auch für touristen attraktiv machen. kaum jemand wird wegen der gepflegten bürgerlichkeit charlottenburgs von london nach berlin ziehen. und wo rechte subkultur die atmosphäre prägt, möchte man eh nicht tot überm zaun hängen.
allen anti-'linken' affekten (und häme-bekundungen) zum trotz entsteht ein entspanntes, liberales sozialklima meist (nur?) dort, wo sich eine aktiv-renitente links-alternative szene (inkl. 'farbbeutel-fraktion) ansiedelt. dass diese lebensweltliche wertsteigerung auch die bionade-bohème und zahlungskräftige 'erlebnis-wohner' anlockt, ist logisch. ebenso, dass in der folge die mieten steigen, die szene abzieht und das begehrte anarchische flair dem etwas piefigen ambiente der demeter- und 'carloft'-postbourgeoisie weicht. das ist weder gut noch schlecht. so läuft das halt. so wirds auch in neukölln laufen.
>>Klassische Fremdenfeindlichkeit - nur anders verpackt.<<
das ist sicher nicht ganz falsch, hängt aber am ehesten mit dem im grunde kleinbürgerlichen charakter des links-autonomen gesellschaftsbildes zusammen. danach werden objektiv bedingte veränderungen schlicht als angriff auf das angestammte 'gemeinschaftsidyll' gedeutet und zurückgewiesen. auf dem dorf ist es nicht anders.
andererseits sind es jedoch gerade die links-alternativ geprägten bezirke, die städte wie berlin und hh speziell für junge, kreative leute und auch für touristen attraktiv machen. kaum jemand wird wegen der gepflegten bürgerlichkeit charlottenburgs von london nach berlin ziehen. und wo rechte subkultur die atmosphäre prägt, möchte man eh nicht tot überm zaun hängen.
allen anti-'linken' affekten (und häme-bekundungen) zum trotz entsteht ein entspanntes, liberales sozialklima meist (nur?) dort, wo sich eine aktiv-renitente links-alternative szene (inkl. 'farbbeutel-fraktion) ansiedelt. dass diese lebensweltliche wertsteigerung auch die bionade-bohème und zahlungskräftige 'erlebnis-wohner' anlockt, ist logisch. ebenso, dass in der folge die mieten steigen, die szene abzieht und das begehrte anarchische flair dem etwas piefigen ambiente der demeter- und 'carloft'-postbourgeoisie weicht. das ist weder gut noch schlecht. so läuft das halt. so wirds auch in neukölln laufen.
....über alles in der Welt", könnte man sagen. Immer auf er Seite der Witwen und Waisen, der Entrechteten, der Erniedrigten, Beleidigten und Enterbten, selbst dann, wenn's totaler Quatsch ist. Ich könnte garnicht soviel saufen wie ich besoffen sein möchte, um dieses Gesinnungsklientel zu ertragen.
Ziehen "Besserverdienende" in ein Viertel, dann schreien Möchtegernmenschenfreunde: "Vertreibung, Gentrisierung, Yuppiesierung". Ziehen hingegen "Besserverdienende" aus einem Stadtviertel raus, schreien die gleichen selbsternannten Gerechtigkeitsguerilleros entgegen jede Logik nun plötzlich: "Ghettoisierung, Entsolidarisierung, Verslumung". Tja, man kann's den edlen Seelen halt nie Recht machen. Muss man als resignierter "Schlechtmensch" wohl oder übel hinnehmen.
"...arbeitet man nun quer durch die Stadt über das Netzwerk »Recht auf Stadt« zusammen."
Schlau schlau, diese Wortartilleristen. So kann man im doppeldeutigen "Häuserkampf" natürlich auch Geländegewinne machen. Ein "Recht auf Stadt". Da fühlen sich natürlich alle Bewohner einer Stadt(Hamburg) angesprochen. Klingt so herrlich erdbeermangofruchtig-allgemeinnützig nicht wahr, obwohl ja in Wahrheit damit nur das "Recht" auf INNEN-stadt!!!!! gemeint ist. Aber das gibt es nunmal nicht, genausowenig wie das Recht auf Karibikurlaub, auf schönes Wetter, auf einen Mercedes, einer schönen Partnerin mit üppiger Oberweite, oder halt das Recht auf Vorstadt, Dorf oder Kleinstadt.
Gäbe es hingegen das "Recht auf Innenstadt" und würden alle Stadtbewohner davon Gebrauch machen wollen, so müsste man folgerichtig im Zenrum der City, auf einen engen Flächenraum begrenzt, eine entsprechende Anzahl an 1 bis 2 Kilometer hohen Hochhäusern hinklotzen und den dann leer gezogenen Rest der Stadt drumherum abreißen.
Wolkenkratzerinseln umgeben von einem wüsten Meer der Ödnis. Naja, zumindest bräuchte man in solchen Gebilden kein Auto mehr und könnte alles mit dem Fahrrad erledigen. Vielleicht ist dies ja auch die tatsächliche Intention dieser "Recht"haber. Wer weiß das schon?
Und was soll daran so schlimm sein wenn zwischen den vielen "auf wirtschaftlichkeit beruhenden Projekten" auch mal das ein oder andere haus zu finden ist welches keinen Gewinn abwirft?
Das einfach nur da steht und sich selber trägt und damit den Zweck eines Hauses, Unterkunft und Schutz zu bieten, völlig gerecht wird.
Aber hier ist ja etwas selbstbestimmtes, auf Solidarität beruhendes, gemeint.
Das sowas dann auch noch an Banken vorbei und ohne staatliche Unterstützung funktioniert kann schon Angst machen...
Diese Konflike sind hausgemacht...wer den sozialen Wohnungsbau vernachlässigt und Investoren das Feld überlässt schafft genau diese Konflikte. Irgentwann muss dann der Mitarbeiter von McDonalds 50min mit der S-Bahn zur Arbeit fahren (oder 2h wie in New York?)...
Ist doch wunderbar unsere schöne neue Yuppiewelt. Kein Dreck, kein Schmutz und keine Drogen...mitten in Sankt-Pauli. Dass hier früher mal die Post abging, mit Party und Musik, Künstlern und Multikulti...daran kann sich schon lange keiner mehr erinnern. Auf der Straße ist eigentlich keiner mehr, denn alle haben Dachterassen mit Terracotta und Carports mit Aufzug in die Wohnung...
Eigentlich hätte man auch gleich in einen ruhigen Vorort ziehen können in ein Haus mit Garten, aber Sankt Pauli hört sich wenigstens nicht so Spießermäßig an...zum Feiern muss man eben raus in die verlotterten Vororte fahren...ist auch ok...
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