Stimmt's? Spucke drauf
"Kann man mit Speichel eine Wunde desinfizieren?", fragt Wolfgang Grasser aus Nürnberg
Viele Menschen stecken instinktiv den Finger in den Mund, wenn sie sich zum Beispiel eine kleine Schnittwunde zugezogen haben. Auch Tiere lecken ihre Wunden; Hunde manchmal so sehr, dass man sie sogar mit einer Halskrause davon abhalten muss. Das Lecken ist eine durchaus sinnvolle Reaktion, vor allem wenn kein sauberes Wasser greifbar ist – der Speichel reinigt die Wunde, und er enthält allerlei Substanzen, die gegen Bakterien wirken, zu nennen wäre etwa das Lysozym. Dass Speichel antibakteriell wirkt, sieht man daran, dass Wunden im Mundraum besonders schnell heilen.

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New England Journal of Medicine so einen Fall: Ein Diabetes-Patient hatte einen Fahrradunfall, bei dem er sich den Daumen leicht verletzte. Er leckte das Blut ab, und nach drei Tagen schwoll der Daumen an. Er war mit dem Bakterium Eikenella corrodens infiziert, das in der Mundflora vorkommt. Zwar wurde der Patient wieder gesund, der Daumen aber musste amputiert werden.
Allerdings ist der Mund auch mit vielen Bakterien besiedelt. Die sind normalerweise harmlos, aber für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie gefährlich werden. Ärzte aus Nordhorn schilderten 2002 im
Gesunde Menschen müssen von der Speichel-Therapie keine Nachteile befürchten. Allerdings nur, wenn es sich um den eigenen Speichel handelt! So sollten Eltern Wunden ihrer Babys nicht ablecken. Denn dabei können Erreger in die Blutbahn des Kindes gelangen, die man ihm lieber ersparen sollte, etwa Herpesviren.
Die Adressen für »Stimmt’s«-Fragen: DIE ZEIT, Stimmt’s?, 20079 Hamburg, oder stimmts@zeit.de.
Diesen Artikel finden Sie als Audiodatei im Premiumbereich unter www.zeit.de/audio
- Datum 03.05.2010 - 14:55 Uhr
- Serie Stimmt's
- Quelle DIE ZEIT, 29.04.2010 Nr. 18
- Kommentare 6
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mit Pippi übrigens auch. Sollte nur das eigene sein. Wie bei Spucke.
Aber vorher den Hals ordentlich mit alkohol spülen.
Nehmen wir mal an, das sei tatsächlich sooooo gefährlich, wie behauptet, warum sind nicht die instinktiven Finger-in-den-Mund-stecker schon längst ausgestorben?
Glauben wir allen Ernstes, unseren Nachwuchs vor den bösen Bazillen auf diese Weise schützen zu können?
Was ist übrigens mit den Wunden im Mund? Ach ja, "Dass Speichel antibakteriell wirkt, sieht man daran, dass Wunden im Mundraum besonders schnell heilen." Und was machen die ach so bösen Bazillen im Mund in der Zeit, sind die im Urlaub? Ich hätte natürlich auch was dagegen, wenn mich ein fremder Mensch unter dem Vorwand der Wundsäuberung einspeicheln würde, aber es geht hier um die eigene Verletzung, die eigenen Bazillen, das eigene Blut. Ich habe mir letzthin den Daumen mit einem Hammer aufgeschlagen, habe die Wunde in bewährter Weise mit darüber gestülptem Mund und der Zunge gereinigt, der Schmerz ließ nach und die Blutung auch, im Krankenhaus war man entzückt, eine so gut versorgte Wunde zu sehen - und ist dann schier ausgeflippt und hat mir um ein Haar den nahen Tod prophezeit, als man hörte, wie ich das gemacht hatte.
"Das Lecken ist eine durchaus sinnvolle Reaktion"
"Das Lecken ist eine durchaus sinnvolle Reaktion"
"Das Lecken ist eine durchaus sinnvolle Reaktion"
Als der Leck-Reflex vor Jahrmillionen entstanden ist ( ich vermute mit den Säugetieren ), gab es sicherlich nur "sauberes Wasser". Mich stört an den Aussagen das besserwisserisch-bedenkenträgische "ja, aber ...", wo ein nebensächliches Detail zum Maß der Dinge erhoben wird. Ich denke schon, dass ein ordentlicher "Bazillentod" aus dem Chemiebaukasten hilfreich ist, dass aber in der Wirkung gleich danach die eigene Spucke kommt. Außerdem: Wer definiert eigentlich, was "sauberes Wasser" ist? Nur aus der Leitung? Oder auch aus dem Bach? Auch dort leben jede Menge Bazillen, und wer weiß schon, was die alles können ...
Als der Leck-Reflex vor Jahrmillionen entstanden ist ( ich vermute mit den Säugetieren ), gab es sicherlich nur "sauberes Wasser". Mich stört an den Aussagen das besserwisserisch-bedenkenträgische "ja, aber ...", wo ein nebensächliches Detail zum Maß der Dinge erhoben wird. Ich denke schon, dass ein ordentlicher "Bazillentod" aus dem Chemiebaukasten hilfreich ist, dass aber in der Wirkung gleich danach die eigene Spucke kommt. Außerdem: Wer definiert eigentlich, was "sauberes Wasser" ist? Nur aus der Leitung? Oder auch aus dem Bach? Auch dort leben jede Menge Bazillen, und wer weiß schon, was die alles können ...
Als der Leck-Reflex vor Jahrmillionen entstanden ist ( ich vermute mit den Säugetieren ), gab es sicherlich nur "sauberes Wasser". Mich stört an den Aussagen das besserwisserisch-bedenkenträgische "ja, aber ...", wo ein nebensächliches Detail zum Maß der Dinge erhoben wird. Ich denke schon, dass ein ordentlicher "Bazillentod" aus dem Chemiebaukasten hilfreich ist, dass aber in der Wirkung gleich danach die eigene Spucke kommt. Außerdem: Wer definiert eigentlich, was "sauberes Wasser" ist? Nur aus der Leitung? Oder auch aus dem Bach? Auch dort leben jede Menge Bazillen, und wer weiß schon, was die alles können ...
ich befürchte die Serie "Stimmt´s" ist einfach nicht jedermanns Sache - Es sei denn jedermann echauffiert sich gerne über Phantomprobleme -
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