Viele Menschen stecken instinktiv den Finger in den Mund, wenn sie sich zum Beispiel eine kleine Schnittwunde zugezogen haben. Auch Tiere lecken ihre Wunden; Hunde manchmal so sehr, dass man sie sogar mit einer Halskrause davon abhalten muss. Das Lecken ist eine durchaus sinnvolle Reaktion, vor allem wenn kein sauberes Wasser greifbar ist – der Speichel reinigt die Wunde, und er enthält allerlei Substanzen, die gegen Bakterien wirken, zu nennen wäre etwa das Lysozym. Dass Speichel antibakteriell wirkt, sieht man daran, dass Wunden im Mundraum besonders schnell heilen.

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New England Journal of Medicine so einen Fall: Ein Diabetes-Patient hatte einen Fahrradunfall, bei dem er sich den Daumen leicht verletzte. Er leckte das Blut ab, und nach drei Tagen schwoll der Daumen an. Er war mit dem Bakterium Eikenella corrodens infiziert, das in der Mundflora vorkommt. Zwar wurde der Patient wieder gesund, der Daumen aber musste amputiert werden.

Allerdings ist der Mund auch mit vielen Bakterien besiedelt. Die sind normalerweise harmlos, aber für Menschen mit geschwächtem Immunsystem können sie gefährlich werden. Ärzte aus Nordhorn schilderten 2002 im

Gesunde Menschen müssen von der Speichel-Therapie keine Nachteile befürchten. Allerdings nur, wenn es sich um den eigenen Speichel handelt! So sollten Eltern Wunden ihrer Babys nicht ablecken. Denn dabei können Erreger in die Blutbahn des Kindes gelangen, die man ihm lieber ersparen sollte, etwa Herpesviren.

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