Schach-WM in Sofia Sofiotisches HusarenschachSeite 3/3

In der dritten Partie am Dienstag konnte Topalow mit Weiß nicht punkten, es gab ein Unentschieden. Friedlichkeit kehrt aber nicht ein, wie das bizarre Ende der Partie zeigte: Topalow weigert sich, während des Spiels mit Anand zu sprechen. Dies sollen statt seiner die beiden Schiedsrichter tun. Als die beiden also immer die gleichen Züge wiederholten, weil es für niemanden mehr etwas zu gewinnen gab, fragte er nicht: »Remis?«, sondern stand auf und wandte sich an einen Schiedsrichter. Inzwischen hatte Anand wieder gezogen, also musste Topalow wieder ziehen, und bevor die beiden Schiedsrichter ihre vier Stunden lang eingeübte Schildkrötenhaftigkeit ablegen konnten, hatte Anand wieder gezogen, dann Topalow, und so ging es immer hin und her. Grußlos verließen sie schließlich die Bühne.

Auf der Pressekonferenz fragte der australische Großmeister und Schachjournalist Ian Rogers, ob dies wohl die erste Partie zwischen ihnen gewesen sei, die nicht mit einem Handschlag geendet habe. Topalow murmelte eine Antwort, die nicht recht zu verstehen war. Anand sagte süffisant, er hätte seine Hand wohl eher dem Schiedsrichter geben sollen, und hatte die Lacher auf seiner Seite.

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Ob man so Bulgarien in der Welt populär macht? Wie steht es überhaupt um das Schach im Land? Die Frage trifft die Veranstalter etwas unvorbereitet. Sie könnten den 200 akkreditierten Journalisten ihre Vereine und Schachschulen zeigen, aber es findet sich tagelang niemand vom Verband, der mal eine kleine Führung machen könnte.

»Gehen Sie in den Park«, rät stattdessen der Pressechef des Turniers. Und so geschieht’s. Vor dem Grandhotel, in dem das Team Topalow neue Angriffe einstudiert, liegt einer der herrlichen Gärten Sofias. Überall stehen kleine Tische, besetzt von teils abgerissenen Gestalten in Trainingshosen und Puschen, teils älteren Herren in Hut und Mantel, manche fallen auch in beide Kategorien. Sie haben ein Auge auf schachbegeisterte Fremde. »Spielen zwei Leva?«, heißt es dann – umgerechnet ein Euro. Und kaum hat man Platz genommen, bekommt man die bulgarische Schachstärke zu spüren. Die Levas gehen nur so weg, und wenn – nur mal so als Idee – die Zocker aus dem Hamburger Stadtpark gegen ihre bulgarischen Kollegen antreten müssten, sie hätten keine Chance. Die Sofioter spielen sogar im Regen.

 
Leser-Kommentare
  1. Lieber Herr Stock,

    gibt es das tatsächlich, Schach im hamburger Stadtpark?

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    Redaktion
    • stock
    • 02.05.2010 um 14:48 Uhr

    Verehrter Lijbosz Nek,

    wenn Sie mal da sind (und ich auch), ein Euro?

    Bis dahin...

    Redaktion
    • stock
    • 02.05.2010 um 14:48 Uhr

    Verehrter Lijbosz Nek,

    wenn Sie mal da sind (und ich auch), ein Euro?

    Bis dahin...

  2. Ehe ich es vergesse, lieber Herr Stock - ein dreifaches Hip-Hip-Hurra für Ihre sehr einfühlsamen und informativen Kommentare, die kleinen Bosheiten, die zwischen den Zeilen lauern, eingeschlossen. Mein alter Hippenstock Rosinante lechzt ihnen entgegen wie der nächsten Möhre.
    Schach im Hamburger Stadtpark?? Nöö, nich bei Schmuddelwetter - und schon gar nich wg. des Blechdosen-Monopols am Mexikoring. Jeder bessere Schach-Nonkonformist in Hamburg kennt doch mindestens einen, bei dem er in die Tastatur hauen darf - und Gusti, der Ober-Nonkonformist, spielt lieber Poker?! Aber im Central Park NY gab es mal einen Berufszocker namens Humphrey, der erst später als Bogart Karriere machte. Also haben Sie bitte ein Herz und jeden Tag 10 Euro über für die armen Schlucker mit dem Superhirn im Sofioter Park. Denen geht es wie ihren Kollegen im Gorki Park in Moskau - was bleibt ihnen denn? Vor Jahren habe ich mal einen aus Gorki Park kennengelernt - er hat sich leider schon zu Tode gesoffen. War Großmeister und hieß Arbakov, ist meines Wissens auch durch die Bundesliga und verschiedenste Open getingelt. Das größte Problem für Veranstalter und Teilnehmer sollen dessen intensive Ausdünstungen gewesen sein - wehe, man saß neben ihm, noch weher, man saß ihm gegenüber: Er pflegte einen sehr rustikalen Stil auf dem Brett, wie ein feuerspeiender Drache. Bekanntlich hat Jung-Siegfried nur einmal gewonnen - die anderen Kämpfe gewann der Drache. Wer weiß, welcher Drache noch in Topalov lauert?!

  3. Redaktion
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    • 02.05.2010 um 14:48 Uhr

    Verehrter Lijbosz Nek,

    wenn Sie mal da sind (und ich auch), ein Euro?

    Bis dahin...

    Antwort auf "Schach im Stadtpark"
  4. Hallo Herr Stock, viele Dank für die sehr interessanten Artikel. Zwei Fehler haben sich in den obigen Artikel aber eingeschlichen: Anand ist bereits seit 2007 Weltmeister (WM-Turnier in Mexiko), und die aktuelle WM ist die erste seit 1937 (nicht 1927), dass rein Russe oder Sowjetbürger teilnimmt.

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    Natürlich muss es "kein Russe oder Sowjetbürger" heißen

    Redaktion
    • stock
    • 03.05.2010 um 10:03 Uhr

    Danke für Ihr Interesse. Was die Fehler angeht: 1927 oder 1937? Da haben wir uns wohl beide vertan. 1921 war die letzte WM ohne russische Beteiligung, als Capablanca gegen Lasker spielte. Denn Aljechin, der auch die französische Staatsbürgerschaft hatte, war ja Russe. Und was die vielen - entschuldigen Sie – sogenannten WM-Titel außerhalb der traditionellen WM-Zweikämpfe angeht: Die habe ich bewusst ignoriert und glaube mich da eins mit den allermeisten Schachbeobachtern. Was ist ein sogenannter Weltmeistertitel wert, wenn kein normaler Schachspieler die Titelträger kennt? Das war eine traurige Episode zwischen 1993 und 2006, ausgelöst durch den Egoismus Kasparows, die mit viel Mühe zum Glück endlich überwunden ist. Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin, Euwe, Botwinnik, Smyslow, Tal, Petrosjan, Spasski, Fischer, Karpow, Kasparow, Kramnik, Anand das sind die Schachweltmeister. Es sind 15 seit 1886. Andere mögen sich so nennen.

    Natürlich muss es "kein Russe oder Sowjetbürger" heißen

    Redaktion
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    • 03.05.2010 um 10:03 Uhr

    Danke für Ihr Interesse. Was die Fehler angeht: 1927 oder 1937? Da haben wir uns wohl beide vertan. 1921 war die letzte WM ohne russische Beteiligung, als Capablanca gegen Lasker spielte. Denn Aljechin, der auch die französische Staatsbürgerschaft hatte, war ja Russe. Und was die vielen - entschuldigen Sie – sogenannten WM-Titel außerhalb der traditionellen WM-Zweikämpfe angeht: Die habe ich bewusst ignoriert und glaube mich da eins mit den allermeisten Schachbeobachtern. Was ist ein sogenannter Weltmeistertitel wert, wenn kein normaler Schachspieler die Titelträger kennt? Das war eine traurige Episode zwischen 1993 und 2006, ausgelöst durch den Egoismus Kasparows, die mit viel Mühe zum Glück endlich überwunden ist. Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin, Euwe, Botwinnik, Smyslow, Tal, Petrosjan, Spasski, Fischer, Karpow, Kasparow, Kramnik, Anand das sind die Schachweltmeister. Es sind 15 seit 1886. Andere mögen sich so nennen.

  5. Natürlich muss es "kein Russe oder Sowjetbürger" heißen

    Antwort auf "Zwei Fehler"
  6. Redaktion
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    • 03.05.2010 um 10:03 Uhr

    Danke für Ihr Interesse. Was die Fehler angeht: 1927 oder 1937? Da haben wir uns wohl beide vertan. 1921 war die letzte WM ohne russische Beteiligung, als Capablanca gegen Lasker spielte. Denn Aljechin, der auch die französische Staatsbürgerschaft hatte, war ja Russe. Und was die vielen - entschuldigen Sie – sogenannten WM-Titel außerhalb der traditionellen WM-Zweikämpfe angeht: Die habe ich bewusst ignoriert und glaube mich da eins mit den allermeisten Schachbeobachtern. Was ist ein sogenannter Weltmeistertitel wert, wenn kein normaler Schachspieler die Titelträger kennt? Das war eine traurige Episode zwischen 1993 und 2006, ausgelöst durch den Egoismus Kasparows, die mit viel Mühe zum Glück endlich überwunden ist. Steinitz, Lasker, Capablanca, Aljechin, Euwe, Botwinnik, Smyslow, Tal, Petrosjan, Spasski, Fischer, Karpow, Kasparow, Kramnik, Anand das sind die Schachweltmeister. Es sind 15 seit 1886. Andere mögen sich so nennen.

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    Ich sehe das genauso wie Sie, dass nämlich die "Weltmeister" der FIDE 1993 bis 2006 nicht als solche anzusehen sind. Allerdings fand die WM 2007 nach dem Vereinigungsmatch 2006 Kramnik-Topalow statt, und Kramnik als Weltmeister nahm auch daran teil. Insofern ist es völlig legitim, auch als Gegner der FIDE-WMs, Anand als Weltmeister 2007 anzusehen.

    Ich sehe das genauso wie Sie, dass nämlich die "Weltmeister" der FIDE 1993 bis 2006 nicht als solche anzusehen sind. Allerdings fand die WM 2007 nach dem Vereinigungsmatch 2006 Kramnik-Topalow statt, und Kramnik als Weltmeister nahm auch daran teil. Insofern ist es völlig legitim, auch als Gegner der FIDE-WMs, Anand als Weltmeister 2007 anzusehen.

  7. Ich sehe das genauso wie Sie, dass nämlich die "Weltmeister" der FIDE 1993 bis 2006 nicht als solche anzusehen sind. Allerdings fand die WM 2007 nach dem Vereinigungsmatch 2006 Kramnik-Topalow statt, und Kramnik als Weltmeister nahm auch daran teil. Insofern ist es völlig legitim, auch als Gegner der FIDE-WMs, Anand als Weltmeister 2007 anzusehen.

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