ZEITmagazin Autotest Ein leises Fauchen
Der ZEIT-Redakteur Hanns-Bruno Kammertöns fährt den Jaguar XFR 5.0
© Jaguar

Der Jaguar XFR
Schnelllebig ist unsere Zeit, für die Ewigkeit ist leider kaum noch etwas geschaffen. Zum Beispiel Volvo. Die schwedische Marke war Anfang des Jahrtausends plötzlich ein Teil von Ford und wurde jetzt an einen chinesischen Autobauer weiterverkauft. Zhejiang statt Göteborg, so kann es gehen. Oder Lamborghini, einst die tiefergelegte Alternative zu Ferrari, läuft mittlerweile an der Kette von Audi. Aus Alfa wurde Fiat. Rover war BMW, bevor sich die Werkshallen schlossen.
Nicht viel anders die Lage bei Jaguar: 1989 übernahm Ford den britischen Wildkatzenstall und reichte ihn vor zwei Jahren an den indischen Tata-Konzern weiter. Auch wer Automobilen jedes Gefühl abspricht, wird zugeben, dass diese Bräuche ziemlich herzlos sind. Ausgerechnet Jaguar, wie viel Nostalgie schwingt da mit? Schon der Name stimuliert die Sinne, all die Gedanken an Kippschalter, Tweed und brüchiges Leder! Der Jaguar E, gern auch nur E-type genannt – der ganze Wagen ein einziger Motor mit einer kleinen Fahrgastzelle am Heck. Zwölf geschmeidige Zylinder unter einer Haube, die bis zur Erdkrümmung reichte. Vorbei.
Heute, in den Tata-Zeiten, ist Jaguars Bester der XFR, nur noch mit acht Zylindern ausgestattet, eine Limousine in Coupé-Form. Ein Zwitter mit vier Rädern, wenn man so will. Doch Vorsicht! Wer den XFR etwas länger betrachtet, dem fallen die tiefer heruntergezogenen »Seitenschweller« im »Karosseriekleid« auf. Mehr noch, unwillkürlich meint man ein leises Fauchen zu vernehmen. Grund dafür sind die multiplen kiemenartigen Luftauslässe in der gewölbten Außenhaut. Kiemen über dem Motor und seitlich an den Flanken: Ohne Zweifel besitzt der XFR damit – anders als etwa ein rumänischer Dacia – reichlich Überholprestige. Kiemen, wohin man sieht, lediglich am Heck haben die britischen Techniker in Tata-Diensten auf Bewährtes zurückgegriffen und eine zweiflutige Auspuffanlage mit großen, verchromten Endschalldämpfern angeschraubt.
»Surprise and delight« haben sich die verantwortlichen Inder als Motto gegeben, jedenfalls stimmt der XFR-Katalog mit diesen Worten auf das Cockpit unseres Testwagens ein. Als ein Beispiel dafür, dass das Überraschungs-Konzept aufgeht, dürfen die vier rotierenden Lüftungsdüsen der Klimaautomatik genannt werden. Dagegen scheint die phosphorblaue Beleuchtung des Innenraums gewöhnungsbedürftig. Beifahrerinnen, die ihren Teint im Spiegel der Sonnenblende nicht auffrischen, wirken da leicht leichenblass.
Technische Daten
Motorbauart: 8-Zylinder-Benzinmotor
Leistung: 375 kW (510 PS)
Beschleunigung (0–100 km/h): 4,9 s
Höchstgeschwindigkeit: 250 km/h
CO2-Emission: 292 g/km
Durchschnittsverbrauch: 12,5 Liter
Basispreis: 90.050 Euro
Hanns-Bruno Kammertöns ist ZEIT-Redakteur
- Datum 06.05.2010 - 10:50 Uhr
- Serie Autotest
- Quelle ZEITmagazin, 06.05.2010 Nr. 19
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Ich wage einfach mal die "kühne" Behauptung in den Raum zu stellen, dass der XFR genauso wie der XF keinerlei Einflüsse aus dem Tata Konzern unterlag. Der XF wurde noch komplett unter der Regie von Ford entwickelt und auf diesem basiert nun einmal der XFR. Die sich drehenden Lüftungsdüsen, das blaue Licht, der pulsierende und ausfahrende Schaltdrehregler, das komplette Außenkleid der (besonders von hinten) agilen Raubkatze, das alles kommt noch von Ford. Ja selbst der neue XJ ist fast komplett unter der Regie von Ford entstanden. Man wird vielleicht in 2, 3 oder 4 Jahren vom Einfluss Tatas sprechen können, wobei ja angekündigt wurde, dass Tata Jaguar weitestgehend freie Hand bei der Entwicklung lassen will (zum Glück).
Dem Artikel hätten übrigens ein paar Zeilen zum eigentlich Fahrgefühl gut gestanden, an Stelle des Essays über die Entwicklung von Luxusmarken und der recht oberflächlichen Beschreibung der Karosserie, die auch nur von Bildern und einem Besuch im Showroom möglich gewesen wäre.
Der Wagen ist aber dennoch eine Wucht, endlich ist Jaguar im 21. Jahrhundert angekommen und das unsägliche Experiment namens S-Type ist abgehakt.
...so geil dran, im 21.Jahrhundert anzukommen?
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