Die Reise selbst bezahlt, nicht gespendet
Am Morgen danach sagt Markus Kammann: »Wahrscheinlich habe ich einen Partner gefunden.« Der Unternehmer aus Paderborn verkauft berufliche Bildung. Die Maschinen, an denen künftige Facharbeiter lernen, kommen alle von deutschen Firmen: von Miele, Bosch, Siemens, Bayer. »Viele Unternehmen können ihre Produkte nur dann verkaufen, wenn die Leute sie auch bedienen lernen. Die Maschine muss mit der nötigen Bildung verkauft werden. Und die liefern wir«, sagt Kammann. Vor zwölf Jahren hat der Ingenieur seine Firma gegründet, heute arbeiten für ihn 37 Leute. Er ist froh, dabei zu sein – auch wenn er zu Hause einigen Spott hat über sich ergehen lassen müssen. »Na, hast du schon an die FDP gespendet?«, sei er häufiger gefragt worden. Er verneint das vehement. Auch die Reise bezahle er selbst. Die sei ein seriöser Türöffner.
Türöffner: Dieser Begriff fällt immer wieder, beim Empfang, beim Warten auf die Anschlussflüge, im Bus. Ein Ticket in der Ministermaschine sei auch heute noch ein Sesam-öffne-dich. Es sorge zwar nicht direkt für ein Geschäft, aber es helfe bei der Kontaktanbahnung im Ausland: Plötzlich gibt es Termine, die vorher undenkbar waren. Selbst für Firmen wie die Bahn, die schon lange in Brasilien vertreten sind, sorgt so ein Besuch offensichtlich wieder mal für Tempo.
Auch ganz praktisch: In São Paulo geht es mit Rotlichteskorte von Termin zu Termin. Die steht zwar offiziell nur Regierungschefs zu. Aber angeblich soll ein deutsches Schweinshaxenfest für viel Sympathie bei der Polizei gesorgt haben – so können ein paar Extratermine eingeplant werden.
Brüderle verteidigt auch, dass er den Fregattenverkäufer mitgenommen hat. Brasilien sei ein zuverlässiger und sicherer Partner, sagt er. Ein Verkauf der Schiffe könne der Sicherung von Arbeitsplätzen bei Blohm und Voss dienen. Was der Minister nicht sagt, hört man abends an der Bar. Bisher habe sich die Bundesregierung viel zu wenig um die Exportförderung gekümmert – auch bei solchen Produkten. »Wir machen in Deutschland viel zu wenig Industriepolitik«, findet beispielsweise Günther Mull. Und dann erwähnt der Geschäftsführer von Dermalog, einem Biometrie-Hersteller, die Franzosen. Die seien eigentlich kein Vorbild, aber mit denen stehe man schließlich im Wettbewerb. Und deren Präsident sei zuletzt mit zwei Maschinen nach Brasilien gereist, habe dort Atom-U-Boote versprochen und Aufträge für die Kernkraftwirtschaft mitgenommen. Der damalige Wirtschaftsminister Karl-Theodor zu Guttenberg hatte zuvor seinen Termin mit Präsident Lula da Silva abgesagt. Ihm ging der Wahlkampf vor.
Der französische Präsident ist zuletzt mit zwei Flugzeugen angereist
Brüderle will es besser machen, auch besser als Westerwelle. So sagt er das zwar nicht. Zur Reise des Parteikollegen schweigt er, behauptet aber ohne Umschweife: Ich bin der »erste Handelsvertreter des Landes« oder: »Hauptsache, wir kommen zum Zug«, oder: »Unsere Aufgabe ist es, die Exportziffer nach oben zu bringen.« Deswegen will er nun regelmäßige Wirtschaftstreffen mit den Brasilianern.
Noch auf der letzten Etappe, in Rio, eilt er von Termin zu Termin, als die wirtschaftspolitischen Sprecher von CDU- und FDP-Fraktion, Martin Lindner und Joachim Pfeifer, längst mit dem EADS-Vertreter auf den Zuckerhut und an die Copa Cabana verschwunden sind. Das Lob der Unternehmer ist ihm spätestens danach sicher.
Auch Christian Roth zieht eine positive Bilanz. Der Unternehmer, der mit seiner Symbiose AG Konzepte für Flughäfen erstellt, ist froh, dass seine Bewerbung für diese Reise erfolgreich war. Er hat neue Partner gefunden. Und sein Respekt für die Politik sei gewachsen. Das sagt er diesmal ganz ernst.
- Datum 10.05.2010 - 17:12 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.05.2010 Nr. 19
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Pluspunkte für Rainer Brüderle.
So kommt er weg vom Image als Fachminister für Weinproben hinzu zum Bundesminister für die Exportwirtschaft. Und da scheint er einen guten Job zu machen wie früher als wirklich erfolgreicher Wirtschaftsminister in Rheinland-Pfalz.
Da hat er Gestaltungsräume. Man muss bei aller Kritik auch berücksichtigen wie sehr das Bundeswirtschaftsministerium in den vergangenen Legislaturperioden von anderen Ministerien gefleddert wurde. Na ja - bei Vorgängern wie Bangemann-Möllemann-Hausmann. Da hatten ein Erhard oder ein Schiller andere Möglichkeiten.
Totgesagte leben länger - wer glaubt dass Westerwelle den Brüderle so einfach auswechseln und abschieben könne, der verkennt die Stimmung an der Basis. Und die ist eher für Brüderle als für den Pleitier Westerwelle.
Die FDP vom Image der Mövenpick-Partei oder als Handlanger der Versicherungswirtschaft bzw. der Neoliberalen wegzuführen wird Westerwelle nicht gegeben sein.
Was bitte hat dieser Jurist mit dem entsprechenden Curriculum denn mit dem Mittelstand zu tun? Brüderle und andere schon eher.
Hab mich gefreut endlich mal einen freundlichen Artikel über ihn zu lesen der auch den Tatsachen entspricht.
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