Rating-Agenturen: Auf ihr Wort
Wie einige Herren über Griechenland den Daumen senkten und die Weltmärkte in Aufruhr versetzten. Ein Besuch bei Standard & Poor’s
Ganz am Ende, das Gespräch ist vorbei, der Notizblock zugeklappt, wirft Moritz Kraemer noch diesen Satz in den Raum. Es ist ein Satz, der, hätte er ihn am Anfang gesagt, nur als Chuzpe, ja Arroganz zu deuten gewesen wäre. Nun aber, nach langer Diskussion, ist klar, dass Kraemer von dem überzeugt ist, was er sagt: »Mit unseren Ratings stabilisieren wir die Märkte.« Mit Betonung auf »stabilisieren«.
Es ist gerade einmal eine Woche her, dass Kraemer und eine Handvoll weiterer Analysten bei der Rating-Agentur Standard & Poor’s (S&P) »die Märkte« weltweit in helle Aufregung versetzt haben. In Frankfurt stürzte der Aktienindex Dax um fast drei Prozent, auch die New Yorker Börse gab nach, der Kurs des Euro fiel. Die Risikoaufschläge für griechische Staatsanleihen schossen in die Höhe, in Athen war von einer »Attacke« auf das Land die Rede, in Brüssel appellierte die EU-Kommission an die Rating-Agenturen, »verantwortungsvoll« zu handeln. Und das alles, weil die Herren bei S&P über Griechenlands Kreditwürdigkeit beraten und den Daumen gesenkt hatten .
Gleich um drei Stufen senkten sie ihre Note, das sogenannte Rating. Mit einem Mal galten Athens Staatsanleihen als »Ramsch«, als spekulative Anlage, auf einer Stufe mit Papieren aus Aserbajdschan, Panama oder Kolumbien. So etwas wollen, ja dürfen viele Investoren nicht besitzen. Weil S&P auch die Kreditwürdigkeit Portugals herabstufte , sprechen viele nun von einem »Flächenbrand«, der Europa erfasst habe. Vom Ende des Euro.
Und nun dieser Satz: »Mit unseren Ratings stabilisieren wir die Märkte.« Frech. Frech?
Die Aufgeregtheit dieser Tage scheint seltsam fern, hier, im Frankfurter Büro von S&P, im 30. Stock des Main Tower, wenn einem »die Rating-Agenturen«, diese mächtigen, aber so anonymen Institutionen der Finanzwelt, in der Person des Moritz Kraemer gegenübersitzen. Er leitet bei S&P das Team für die Bewertung von Staaten in Europa, Nahost und Afrika – und entspricht so gar nicht den Klischees der Finanzwelt. Kraemer läuft eher wie ein Paradiesvogel herum. Sein Anzug ist tiefgrün, sein Hemd durchzogen von blauen und rosa Streifen, die Krawatte glänzt kräftig in Lila und Orange. Kraemer verzichtet sogar auf die branchenüblichen Anglizismen.
»Als wir Griechenland 2004 das erste Mal abgewertet haben, hat das keinen interessiert. Da haben sich die Märkte gar nicht bewegt«, erzählt Kraemer. Anfang 2009 erfolgte die zweite Herabstufung, Ende 2009 die dritte. Für Kraemer ist der jüngste Schritt nur konsequent. »Aus unserer Sicht haben sich – nicht nur für Griechenland – die mittelfristigen Perspektiven der Wirtschaft in den vergangenen Wochen nachhaltig zum Schlechteren verändert.« Die Risiken für Athen seien gestiegen, auch weil die vielstimmige Debatte über ein Rettungspaket zu einer »Erosion des Vertrauens« geführt und die Märkte »erheblich verunsichert« habe. »Für ein Land, das so verschuldet ist wie Griechenland, erhöhen sich dadurch die Refinanzierungskosten in der Zukunft, und zwar massiv. Entsprechend muss es deutlich mehr sparen; die Finanzen zu sanieren wird dann erheblich schwieriger.«
Kraemer spricht ruhig, in den gelassenen Worten eines Mannes, der Zahlen analysiert und ökonomischer Logik folgt. Die Aufregung sei weniger S&P als der Nervosität der Märkte geschuldet, sagt er. Diese seien »schon seit Monaten wesentlich pessimistischer als wir« und gingen »mit einer relativ hohen Wahrscheinlichkeit von einer Umschuldung aus«. S&P tue das nicht. Historisch betrachtet, sagt Kraemer, gingen Staaten in der Rating-Kategorie Griechenlands nur in 14 Prozent aller Fälle binnen zehn Jahren pleite.




Wenn jetzt noch die Ratingagentur gute Beziehungen pflegt zum Schuldner, dann wird ein Schuh daraus.
Und dann ist da ja noch Goldmann Sachs, etc.
Rating Agenturen, die Staaten-Retter der Neuzeit?
..., sagt Kraemer. »Wir haben nicht darum gebeten, dass Investmentfonds oder die Zentralbank unsere Ratings als Entscheidungskriterien vorschreiben.«
Das stimmt und es ist kaum vorstellbar, dass ein Beamter die Bewertung unabhängiger macht als mit Bankanalysten konkurrierende Ratingagenturen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass in jeder grösseren Bank Analysten sitzen, die die gleichen Kredite bewerten. Das sind Tausende Menschen.
..., sagt Kraemer. »Wir haben nicht darum gebeten, dass Investmentfonds oder die Zentralbank unsere Ratings als Entscheidungskriterien vorschreiben.«
Das stimmt und es ist kaum vorstellbar, dass ein Beamter die Bewertung unabhängiger macht als mit Bankanalysten konkurrierende Ratingagenturen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass in jeder grösseren Bank Analysten sitzen, die die gleichen Kredite bewerten. Das sind Tausende Menschen.
Die Merkel-Regierung hatte gehofft, dass sich eine künstliche Spekulationsblase für Griechenland bilden würde. So hätten die risikofreudigen Anleger das Risiko alleine geschultert, und es wären weniger Hilfsgelder nötig geworden.
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Die Ratingagenturen haben diesen Plan gründlich versaut.
Bitte keinen falschen Glorienschein bzgl. Ratingagenturen. Sie sind eigentlich vollkommen überflüssig, zumindest in Deutschland.
Und da liegt der Haken: jede Banke oder Bankenorganisation verfügt über entsprechende Analysten, außerdem gibt es Versicher wie Coface etc., die gründlichere Länderanalysen aus Eigeninteresse durchführen.
Die Ratingagenturen in den USA haben sich überlebt und gefährden das Finanzsystem hochgradig. Denn was werten sie für ihre Analysen aus? Offizielle Daten der Welthandelorgansiationen, des IWF, der Weltbank, der Statistischen Ämter sowie der Banken (!!!). Alles andere ist nicht objektiv und kann diese Daten nur ergänzen.
Die internen Daten der Banken fehlen.
Folgerichtig sind alle Abweichungen von den Topbewertungen immer dann erst vorhanden, wenn der Stein bereits in den Brunnen gefallen ist.
Sie werden damit immer zum Verstärker, aber niemals zum Warner eines Trends.
Wesentlich wären wie in Europa üblich die Analysen der Rückversicherer. Das us-amerikanische Modell der Rating-Agenturen macht ohne einen Bezug zu Kreditversicherungsangeboten keinen Sinn.
Alles andere ist Ideologie der Agenturen, um das eigene Geschäftsmodell zu verteidigen. Tatsächlich aber erreichen viele der Agenturen noch nicht einmal die Qualität der Aussagen von DIW oder Ifo.
Gemeint ist vermutlich der US Immobilienmarkt, wo Ratingagenturen minderwertige Immobilien sehr gut bewertet haben, damit diese anschließend über europäische Banken an deren Kunden verkauft werden konnten. Das und die Folgen mit dem Begriff "stabilisieren" zu belegen, zeugt von Frechheit.
Wie heißt es doch so schön in Bankerkreisen:
Bankkunden sind dumm und frech. Dumm, weil sie uns ihr Geld leihen und frech, weil sie es auch noch zurück haben wollen.
..., sagt Kraemer. »Wir haben nicht darum gebeten, dass Investmentfonds oder die Zentralbank unsere Ratings als Entscheidungskriterien vorschreiben.«
Das stimmt und es ist kaum vorstellbar, dass ein Beamter die Bewertung unabhängiger macht als mit Bankanalysten konkurrierende Ratingagenturen. Man darf nämlich nicht vergessen, dass in jeder grösseren Bank Analysten sitzen, die die gleichen Kredite bewerten. Das sind Tausende Menschen.
ich, als jemand, der in der wirtschafts - und finanzwelt nicht wirklich bewandert ist, sagt dieser artikel mir leider gar nichts. kraemer hat einen bunten anzug. toll. kraemers urteil bedeutet viel in der welt. dessen bedeutung haette ich gern gewusst!
immer diese Rechtfertigungen. Warum blos reduzieren die Ihre Ratings nicht auf die Konsumgüterherstellung? das würde völlig ausreichen. Für alle anderen Finanztransaktionen kann man sich auf die wieder einzuführenden konservativen regeln der Sparkassen beschränken und die Haushalte der nationen werden ja eh speziell behandelt.
Noch. Nicht auszudenken was passieren würde wenn auch noch die Nationalbanken privatisert werden würden (so wie in den USA) dann würde sich die Neoliberale Gesellschafts- äh Oekonomieordnung noch intensiver um sich selbst drehen. Nicht vergessen das die Oekonomie ein kleiner Teilaspekt der Sozialwissenschaften ist und sich diesen unterzuordnen hat. Der Mensch und seine Umwelt darf nicht mehr exklusiv von Oekonomen erklärt und gerechtfertigt werden. Also, raus aus den Medien mit den Oekonomen mit ihrem reduzierten Blick auf Bilanze, Profite, Investoren. Lasst die anderen auch mal zu Worte kommen...
Bitte guckt Euch dieses Video an. Mittlerweile, weiss man nicht mehr, wem man glauben soll:
http://www.youtube.com/wa...
Dort (!) steht drin, wie man sich traf um gegen GR. zu wetten. Man weiss sogar, was Soros und Co. aßen und tranken.
Dort (!) steht drin, wie man sich traf um gegen GR. zu wetten. Man weiss sogar, was Soros und Co. aßen und tranken.
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