Nachtleben an ausgewählten Orten Freitagnacht in Anklam
Unser Reporter Moritz von Uslar beginnt das Wochenende an den aufregendsten Orten der Welt
Autor Moritz von Uslar hat seinen ersten Auftritt. Für seine Reihe »Freitagnacht« wird er Menschen an unterschiedlichen Orten beim Feiern beobachten. Diesmal war er in Anklam in Vorpommern. Uslar, 39, zuvor beim »Spiegel«, wurde bekannt durch die Serie »100 Fragen an...« im »SZ-Magazin«. Im Herbst erscheint sein Buch »Deutschboden. Eine teilnehmende Beobachtung«
Es zeichnete sich einer dieser grandios aufgeregten Berliner Abende ab (an der Friedrichstraße sollte die King Size Bar eröffnen, gegen Mitternacht würden die Gäste des Deutschen Filmpreises den Friedrichstadtpalast verlassen und wieder nicht wissen, wo sie weiterfeiern sollten, was immer für lustige Szenen sorgte) – als ich, gegen Mittag, den Entschluss fasste, diese Freitagnacht nicht in Berlin, sondern ganz woanders zu verbringen: in Anklam. In dieser – so konnte man vielleicht sagen – kaputtesten, fertigsten, unseligsten Stadt Deutschlands.
Wer sich in den vergangenen 20 Jahren die Probleme Ostdeutschlands (Arbeitslosigkeit, Abwanderung, Überalterung) vor Augen führen wollte, der hatte immer nur auf diesen Ort zu blicken brauchen: Kleinstadt Anklam, 12.000 Einwohner, im Nordosten Mecklenburg-Vorpommerns gelegen.
Neueste Nachrichten aus der Hauptstadt Dunkeldeutschlands: Ein-Euro-Jobs hatten die Arbeitslosigkeit von 33 auf 22 Prozent gedrückt. Rechtsradikale hatten hier den so entscheidenden Schritt von der Protestpartei in die Mitte der Gesellschaft, die Normalität, den Alltag vollzogen (die NPD sitzt in Stadtparlament und Kreistag). So rund war das Bild von der Symbolstadt des kaputten Ostens über die Jahre geworden, dass Anzeichen des Aufschwungs, die es auch gab, da fast nur störten. Der Reporter stellte sich die Soziologen und die Kollegen mit den Fernsehkameras vor, die sich an der Ampelkreuzung von Anklam aufstellten und die genervte Bevölkerung ausfragten: Entschuldigung, aber wo geht es hier bitte zum sozialen Brennpunkt?
Bahnhof Anklam: 18 Uhr. Ein Backsteingebäude. Ich war der Einzige, der ausstieg. Ein Schild listete Hoteladressen auf: 1-A-Hotel, Hotel Schwarz, Hotel Pommernland. Im Café Müller & Co. hing das Wahlplakat des Kandidaten der Initiative für Anklam. Am Sonntag waren hier Bürgermeisterwahlen.
Ich, Reporter, wollte ja nicht viel – nur ankommen und die Leute, die da eventuell herumstanden, fragen, ob man hier noch irgendwo ein Bier trinken konnte. Meine Frage war: Was treibt ihr, Anklamer, wenn ihr, gegen alle Wahrscheinlichkeit, doch einmal gute Laune habt?
Nächste Frage: Wie lief man noch mal in eine Kleinstadt hinein? Richtig, immer die Hauptstraße hinunter. Die hieß hier Pasewalker Straße. Und mit den ersten Schritten war gleich die ganze Tristesse, das ganze Drama der deutschen Kleinstadt da.
Es kamen erst mal fünf, sechs kaputte Häuser: blinde Scheiben, der Putz der DDR (Spritzbeton), das mit der Hand geschriebene Schild »Objekt zu verkaufen«. An der Ecke lag eine Spielothek (Glück, Spiel, Chance, 24 Stunden geöffnet). Dann kam ein Erotiklokal und Massagestudio (Barbetrieb, ständig neue Aushilfskräfte gesucht). Dann das China-Restaurant Atlantik (Mittagsmenü ab 3,90 Euro). Die Ferienwohnung mit Dusche, Heizung und Fernseher war frei. Anklamer Einzelhandel: Happy Damenmoden, Studio Nagelneu, Kosmetiksalon Hautfreundlich, das Bräunungsstudio Sun for you. Bild Mecklenburg-Vorpommern meldete an diesem Freitag: »Lohnmauer höher. Ostdeutsche arbeiten länger, verdienen weniger«. Und da hing auch schon, so normal und unauffällig, dass es dem Fußgänger förmlich ins Auge sprang, das Schild vom Bürgerbüro der NPD. Das Fenster war mit Styroporplatten zugenagelt.
Staunen. Gruseln. Weiterirren. Es gab einen runden Platz (Neuer Markt) und einen viereckigen Platz (Rathausmarkt). Der festungsartig überdimensional große Neubau der Sparkasse. Das architektonische Prinzip der Kleinstadt, so viel hatte ich nach einer Viertelstunde verstanden, bestand aus drei wuchtigen Türmen der Backsteingotik (renoviert) und aus Plattenbauten (ebenfalls renoviert). Wenig, so dachte der Reporter, sah so gemein, so widersinnig, so menschenverachtend aus wie in Pastelltönen gestrichene und mit Metallbalkonen verkleidete Plattenbauten. Da trat dem Reporter vor der Begegnungsstätte für Senioren (Spiele für jedermann, altersgerechte Gymnastik, gemeinsames Frühstücken) der erste Anklamer in den Weg: Trainingsanzug, viel Metall im Gesicht. Was sollte ich den jetzt, bitte, fragen? Richtig, man konnte ja auch nichts fragen und einfach weitergehen.
Der Reporter betrat den Kleiderladen »New Dawn / Streetwear / Musik & More«: New-Balance-Turnschuhe, Sweatshirts der Marke Thor Steinar, die Garderobe des jungen, modernen, zeitgemäß gekleideten Nazis. Der Typ hinterm Tresen, er trug ein schwarzes Kapuzenshirt, erzählte erst dies und das. Er fragte: »Journalist?« Dann stand er, Typ in Schwarz, auf und zeigte zur Tür: »Da geht’s hinaus. Aber ganz schnell. Tschüss.«
Im Theater Anklam – in den achtziger Jahren hatte es das Haus unter der Leitung des späteren Volksbühnen-Chefs Frank Castorf zu einem Wallfahrtsort der kritischen DDR-Intelligenz gebracht. Heute gab hier der Schlagersänger Dirk Michaelis, in der DDR mit der Rockband Karussell bekannt geworden, ein Konzert: glückliches, mitklatschendes Anklamer Publikum, Kurzhaarfrisuren in Hennarot, Wattejacken in Beige. Der Intendant, nach mehr als 25 Dienstjahren selber fast schon eine Legende, hatte vor dem Konzert nachdenkliche Worte gesprochen: »Die Rechten werden hier in Anklam nicht stärker, die anderen werden nur immer schwächer.« Als sich der Reporter aus dem Saal schlich, sang der Schlagersänger gerade: »Vielleicht gestehe ich dir heute alle meine Liebeslieder.«
Abendessen im Gasthaus am Steintor. Dann wurde es Nacht.
Aus den Schatten niedriger Häuser trat der Fußgänger immer wieder auf Highways hinaus. Das gelbe Licht des Ostens. Viel Straße, viel Kreuzung, wenige Autos, noch weniger Fußgänger. Die Autos der Freitagnacht, Kleinwagen mit getunten Motoren, bohrten die Highways rauf und runter. Ein Mädchen trug sein Popmusik plärrendes Handy den Bürgersteig hinab. Ein vielleicht 100-jähriger Mann schob sein Fahrrad. Da kamen mir zwei Jungs mit Nasenringen und Backenbärten entgegen. Auf der Straßenseite gegenüber lief ein Trupp ganz in Schwarz gekleideter Männer: glatzköpfig, tätowiert, stumm. Kein Mensch konnte mehr sagen, ob das Nazis, Linke oder letztlich friedfertige Playstation-Spieler waren. Als die Marienkirche zehn schlug, war es gefühlt zwei Uhr nachts.
Zu Aral. Vielleicht gab es wenig, was so abenteuerlich und romantisch war, wie sich zu Fuß und bei Mondlicht einer Tankstelle im Nordosten Deutschlands zu nähern. Der Reporter konnte die Jugend, die sich an Tankstellen traf, gut verstehen, denn dieser Nachtort war besser als die anderen: luftig, offen, modernistisch gestaltet, mit dem besten Essensangebot.
Da standen Mike (Gießereimechaniker), Hanno (Ausbildung zum Rettungsassistenten) und Krusie (derzeit auf Hartz IV). Anja (demnächst Banklehrling in Berlin) war auch da. Der Beruf des Kochs war hier oft vertreten (Möglichkeit der Saisonarbeit auf der nahe gelegenen Insel Usedom). Die Jeansmarke Rusty Neal hatte jetzt ihren Auftritt. Keiner sah wie ein Nazi, alle sahen eher wie Menowin von Deutschland sucht den Superstar aus. Es waren helle, freundliche Gestalten. »Gesehen werden bei Aral«, so lautete ihr Wahlspruch. Wer sie alle beisammenhabe, so Krusie, der lasse die Kleinstadt schnell hinter sich: »Die Doofen bleiben, die nicht ganz Doofen gehen.« Ihre Diskothek sei das Colosseum in Neubrandenburg, 45 Kilometer entfernt.
Einer machte nun die Bewegung heftigen Alkohol-in-den-Hals-Schüttens nach: »Was geht heute noch? Koma?« Nach zehn, so Krusie, gebe es hier am Freitagabend nur noch Duewell’s Bierstuben: Das sei die beste Kneipe Anklams und, natürlich, auch ein Treff der Kurzrasierten. Gegen Mitternacht steige dann in der großen Baracke mit der Aufschrift »Bowling Center/Der Club« die »Black is Beautiful«-Night: kostenloser Eintritt, Freibier. Trotzdem gehe da kein Arsch hin. Gelächter, müdes Abwinken bei den Kindern von der Tankstelle: Mit »Black« sei natürlich nicht schwarze Musik gemeint, sondern die CDU. Die wolle bei jungen Leuten für ihren Bürgermeisterkandidaten werben.
Über die Hauptstraße zogen nun sechs Mannschaftswagen der Polizei: verstärkte Präsenz. Die Rockerbande Bandidos sollte am morgigen Samstagabend das einjährige Bestehen ihrer vor der Stadt gelegenen Clubzentrale feiern.
In Duewell’s Bierstuben: Ich schaffte eine Pilslänge. Es war ein übler und, natürlich, kein schlecht übler Ort: die Rocker-, Hooligan- und Knastbruder-Szene von Anklam. Wer Western und die Filme von Quentin Tarantino mochte, der konnte dieses Lokal nicht schlecht finden. Das Schild »Für Bier würde ich sogar arbeiten«. Da saß ein Alter mit zutätowiertem Gesicht und Wehrmachtskreuz um den Hals. Der Reporter spürte die Hitze des sozialen Brennpunkts – verrückt, aber es war ein Feuer, an dem der Mensch sich auch wärmen konnte (die Bedrohung war ja nicht wirklich, die Bedrohung fand natürlich im Kopf des Reporters statt). Ein Männerchor sang: »Marco, Marco, Marco gibt einen aus.« Auf den Klos randalierten tätowierte Skinheads.
Ich hätte es fast noch in die Discothek Der Club geschafft (aus der Baracke drang die entsetzliche Proll-Hymne Hey das geht ab), als mein Telefon klingelte. Anruf vom King Size auf der Berliner Friedrichstraße. Die Stimme am Telefon fragte, wo ich eigentlich bleibe. Ich wurde hektisch. Ich hatte plötzlich Angst, doch noch eins aufs Maul zu kriegen. Der schwarze Freitagnachthimmel von Anklam. Ich sagte: »Ich bin gleich da.«
- Datum 10.05.2010 - 10:27 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 06.05.2010 Nr. 19
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Als ich diesen Bericht das erste mal las, musste ich schon ein wenig schmunzeln, da es wahrlich eine dokumentarische Umsetzung, des von mir an jedem Wochenende erlebten ist. Es macht einen traurig, dass es für Anklam keine Perspektive mehr gibt und man als Schüler, nach beenden des Abiturs,der Realschule oder auch der Hauptschule schnell aus der Stadt flüchten sollte. Anklam ist immernoch Heimat, aber garantiert nicht, weildie Stadt so toll ist, sondern dort die Familie wohnt und man sich an jedem langweiligen Wochenende wenigstens noch mit Freunden treffen kann.
Das ist so traurig.
Jemand wie Sie, sehr geschätzter Hans Moritz Walther Freiherr von Uslar-Gleichen, hat es doch gar nicht nötig, auf kredibel zu machen und sich in solch groteske Orte zu begeben. Menschen ohne Zukunft und es gibt weder Theater, Gymnasium, Museen, eine Grafik- und Design-Schule, erfolgreiche Unternehmen wie bspw. Sta-Bau oder einen Fußballverein mit in der Landesliga. Wirklich unglaublich, dass es solche strukturschwachen Regionen in unserem Land überhaupt gibt. Ich konnte es gar nicht fassen. Denn das Thema Arbeitslosigkeit ist ja eigentlich nur ein Vorwand im Wahlkampf der Politiker. Eine völlige Täuschung. In Wirklichkeit schreiben wir alle Bücher, reisen um die Welt, lassen uns vom Feuilleton als Dandy bezeichnen, interviewen Pamela Anderson, gehen auf Filmpremieren und schaffen so unseren wirklich wahnsinnig wichtigen Beitrag an der Kunst. Sie haben ja so Recht. Ich freu mich schon riesig auf Ihre Reportage über München.
Ja es gibt noch Menschen die ihren wichtigen Beitrag zum Stadtbild und zur Stadt selber beitragen. Nur leider werden es immer wenige und Zeak hat es schon recht treffend beschrieben: Die, die was draufhaben versuchen die Stadt und die Situation hinter sich zu lassen. Kann mich da leider nicht ausschließen. Man kann nur hoffen, das sich bald etwas frappierend ändern wird und auf sozialer Ebene mehr geschaffen wird, sodass es sich auch mal wieder lohnt mehr als ein Wochenende in Anklam zu verbringen
Ja es gibt noch Menschen die ihren wichtigen Beitrag zum Stadtbild und zur Stadt selber beitragen. Nur leider werden es immer wenige und Zeak hat es schon recht treffend beschrieben: Die, die was draufhaben versuchen die Stadt und die Situation hinter sich zu lassen. Kann mich da leider nicht ausschließen. Man kann nur hoffen, das sich bald etwas frappierend ändern wird und auf sozialer Ebene mehr geschaffen wird, sodass es sich auch mal wieder lohnt mehr als ein Wochenende in Anklam zu verbringen
Das der Ort und die Situation für jemand Außenstehenden trostlos, verwahrlost und sinnbildlich für die „Ach so verkommene Gegend Nordostdeutschland“ sein muss, kann ich akzeptieren und sogar verstehen. Die Situation mit den Rechtsradikalen nimmt langsam überhand und auch so kann man der immer schlimmer werdenden Notlage förmlich zusehen. Menschen verlieren ihre Arbeit, Läden schließen und das Äußerliche der Stadt wird immer schäbiger.
Und trotzdem muss ich sagen, dass ich immer wieder gerne hinfahre (fast jedes Wochenende). Man hat dort seine Freunde, seine Familie. Es macht Spaß mit diesen dort etwas zu unternehmen auch wenn man nur begrenzte Möglichkeiten hat.
Schade dass der Reporter sich fast nur Orte gesucht hat, die zwar zutreffend beschrieben sind, aber meines Erachtens nicht für Anklam als Ganzes gelten.
Aber man selbst kennt die Stadt ja besser und weiß wo es noch angenehme Plätze zum verweilen gibt.
Nichtsdestotrotz kann man nur hoffen, dass sich die Situation dort endlich bessert. Wünschen würde ich das meinem Geburtsort.
Es ist und bleibt halt meine Heimat.
Ich hatte ich schon beim Lesen des Titels die Befürchtung was mit der fortschreitenden Analyse des Artikels bestätigt wurde. Ihre Ausführung lässt Anklam in einem Licht stehen welches mich als gebürtiger Anklamer schwer enttäuscht.
Ihrer Darstellung liegt ein grundsätzliches Problem zur Grunde: Sie ziehen keinen Querschnitt durch die gesamten Bevölkerung Anklams.
Sicherlich passt das Wort Perspektivlosigkeit sehr gut auf das Bild Anklams, allerdings führt dies dazu das die Bevölkerung die sich nicht in das von Ihnen beschrieben Bild eingliedern lässt, Freitagabends nicht dort anzutreffen ist wo Sie Ihre Recherche durchgeführt haben. Es gibt noch Bewohner die sich ganz und gar nicht als rechtsradikal und arbeitslos beschreiben lassen oder mit hennaroten Kurzhaarfrisuren auf die Straße gehen. Ich möchte Ihnen damit empfehlen das nächste Mal nicht nur die Extreme darzustellen und diese dann auch noch erheblich überspitzt, sondern sich ausführlich mit der Thematik auseinander zu setzen und objektiv zu bewerten.
Ja es gibt noch Menschen die ihren wichtigen Beitrag zum Stadtbild und zur Stadt selber beitragen. Nur leider werden es immer wenige und Zeak hat es schon recht treffend beschrieben: Die, die was draufhaben versuchen die Stadt und die Situation hinter sich zu lassen. Kann mich da leider nicht ausschließen. Man kann nur hoffen, das sich bald etwas frappierend ändern wird und auf sozialer Ebene mehr geschaffen wird, sodass es sich auch mal wieder lohnt mehr als ein Wochenende in Anklam zu verbringen
In der Schule hätten für so einen einseitigen Mist was um die Ohren bekommen!
Ich hab am Lilienthalgymnasium gelernt, mir fremde Dinge tolerant und respektvoll zu betrachten.Haben Sie als Journalist etwa eine andere Einatellung zum Leben? Traurig! Das Gymnasium ist das Einzige von 4 Gymnasien im Landkreis, das auf lange Sicht die, vom Ministerium festgesetzten Schülerzahlen, erreichen wird (gibt hier wohl dochnicht nur dumme Einwohner,wa??!!)
Dem Namensgeber der Schule wurde in Anklam zudem ein Museum gewidmet(da staune man ... Kultur in Anklam!)
Und was heißt hier überhaupt "drei wuchtige Türme aus der Backsteingotik"? Warum werten Sie unsere Kirchen so dermaßen ab? Es gibt viele Anklamer,die eine Menge Engagement daran setzen, die Nikolaikriche zu restaurieren. In Anbetracht klammer Stadtassen hat die Stadt diesbezüglich viel geleistet, was man nicht wissen kann,wenn man sich die Informationstafeln nicht durchliest
Ganz nebenbei ist das Bild zu Ihrem Artikel so dermaßen veraltet. In diesem Laden hat sich seit Jahren eine Frau mit Damenbekleidung privat gemacht. Keine Second hand Ware! Markenware! Der Laden hält sich!
Bei allem Respekt, aber so eine Hetze gegen eine ostdeutsche Kleinstadt hab ich selten erlebt
Anstatt über die Rechten in unserer Stadt zu meckern, kümmern Sie sich um Ihre randalierenden Autonomen in Berlin!
Wir kennen unsere Probleme UND PACKEN DIESE VERDAMMT NOCHMAL AN!
U.a. durch so'ne Artikel wird sich der Ost-West-Graaben nie schließen!
...wirklich ein sarkastisches Meisterwerk.
Ich denke, dass man es als solches sehen muss, denn wenn man dies nicht tut, ist es diskrimminierend gegenüber den Menschen und wirkt wie ein arroganter Blick eines Westdeutschen auf die ostdeutsche Provinz. Sicherlich gibt es Probleme in Anklam, aber daran ist nur bedingt die Bevölkerung Schuld. Der Staat bzw. das Land muss hier handeln und die Region noch mehr unterstützen, aber das findet nicht statt. Die prekäre Situation wird sich auch weiter verschlechtern, sollte Anklam der Kreisstadtstatus aberkannt werden. Dadurch gehen wieder Arbeitsplätze verloren, genauso wie durch einen Verlust der Polizeidirektion. Eine Gesundung der Lage in der vorpommerschen Provinz kann doch so überhaupt nicht erfolgen. Das Anklam in einem so schlechten Zustand ist liegt also meiner Meinung nicht an den Menschen mit Nasenringen, sondern an den Menschen in Schwerin bzw. in Berlin.
Etwas was mich wirklich stört, ist Ihre Missachtung gegenüber den Wenigen, die in Anklam die Kultur aufrechterhalten. Auch das Gymnasium der Stadt findet in Ihrem Artikel keine Erwähnung, keine Sportvereine. Nur das Klischee, wenn es auch zutrifft, des "Nazi- überschwemmten" Anklams wird dargestellt.
Ich kann es nicht verstehen, dass sich hier einige Kommentatoren auf das Lilienthal-Gymnasium und Sportvereine beziehen, wenn es dem Autoren doch um das freitagabendliche Stadtbild ging. Allg. versteh ich nicht, wie man sich das so zur Brust nehmen kann. Gymnasien gibts in Deutschland wie Sand am Meer, von Sportvereinen gar nicht zu reden. Wenn sie jemand in anderen Regionen fragt, wo sie herkommen und was es dort so gibt, berichten sie dann voller Stolz von den Schulen und den Vereinen? Ich erzähle von Otto Lilienthal und stelle es richtig, dass nicht die Gebrüder Wright die ersten fliegenden Menschen waren. Das war es dann aber auch schon, was man von Anklam erzählen kann. Den Rest interessiert niemanden, weil es jeder andere Bürger der BRD selbst bei sich hat. Auch sein Erfahrungsbericht über die Situation am Abend in Anklam, ist für mich keine Unwahrheit. Mir selbst geht es genauso, wenn ich zum Wochenende in die Heimat komme. Es muss sich da nun keiner auf ein Vis-A-Vis oder sonstige Lokale berufen (denn ein Bar-Testbericht sollte dies ja auch nicht werden). Der Journalist ging dort hin, wo etwas zu der Zeit noch los ist und mir würde sich dort kein anderes Bild bieten, wie oben beschrieben. Vielleicht rüttelt der Artikel einfach mal ein paar Menschen wach.
Die Menschen beziehen sich auf diese Orte, weil sie sich angegriffen fühlen. Ich kenne Anklam nicht, aber ich kenne die Region, obwohl ich dort nicht abstamme.
Aus dem Artikel lese ich heraus, dass der Autor eine Kleinstadt mit einer Großstadt vergleicht, und dass er dabei verkennt, dass das öffentliche Leben in abgeschiedenen Gegenden anders abläuft. Ich denke nur an Oslo.
Selbstverständlich zieht die Kleinstadt in so einer Darstellung den Kürzeren – und mich selbst kann nichts dazu bewegen in eine Kleinstadt zu ziehen. Dass er diesen besonderen Vergleich zieht, erkenne ich daran, dass er sich ausgerechnet am vielbesungenen Freitagabend orientiert. Ich nehme an, der Autor ist nie in Norwegen, außerhalb Oslos gewesen. Die Norweger feiern anders als hiesige Großstädter in Cafes, Bars oder Theatern.
Das öffentliche Leben ist in abgeschiedenen Regionen anders. Oslo ist eine Großstadt und hat sich dahingehend gewandelt; aber die osloer Umgebung ist sich gleich geblieben. Dort besucht man sich zu Hause, deswegen hat man den Keller oder Garten des Hauses in einen Freizeitpark mit Sauna und Bar verwandelt. In Orten wie Anklam geht man auf Scheunenfeste, besucht Lagerfeuer, betrinkt sich in Kellern oder Wohnzimmern. Und die Jugendlichen treffen sich mit ihren schicken Karren vor Tankstellen, etwas gelangweilt, weil im Fernsehen mehr los ist.
Allerdings überrascht mich, ganz klar, dass der Chefredakteur solch einen naiven Artikel in seine Printausgabe aufgenommen hat.
Die Menschen beziehen sich auf diese Orte, weil sie sich angegriffen fühlen. Ich kenne Anklam nicht, aber ich kenne die Region, obwohl ich dort nicht abstamme.
Aus dem Artikel lese ich heraus, dass der Autor eine Kleinstadt mit einer Großstadt vergleicht, und dass er dabei verkennt, dass das öffentliche Leben in abgeschiedenen Gegenden anders abläuft. Ich denke nur an Oslo.
Selbstverständlich zieht die Kleinstadt in so einer Darstellung den Kürzeren – und mich selbst kann nichts dazu bewegen in eine Kleinstadt zu ziehen. Dass er diesen besonderen Vergleich zieht, erkenne ich daran, dass er sich ausgerechnet am vielbesungenen Freitagabend orientiert. Ich nehme an, der Autor ist nie in Norwegen, außerhalb Oslos gewesen. Die Norweger feiern anders als hiesige Großstädter in Cafes, Bars oder Theatern.
Das öffentliche Leben ist in abgeschiedenen Regionen anders. Oslo ist eine Großstadt und hat sich dahingehend gewandelt; aber die osloer Umgebung ist sich gleich geblieben. Dort besucht man sich zu Hause, deswegen hat man den Keller oder Garten des Hauses in einen Freizeitpark mit Sauna und Bar verwandelt. In Orten wie Anklam geht man auf Scheunenfeste, besucht Lagerfeuer, betrinkt sich in Kellern oder Wohnzimmern. Und die Jugendlichen treffen sich mit ihren schicken Karren vor Tankstellen, etwas gelangweilt, weil im Fernsehen mehr los ist.
Allerdings überrascht mich, ganz klar, dass der Chefredakteur solch einen naiven Artikel in seine Printausgabe aufgenommen hat.
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