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Raue Burschen, rauer Wind und jede Menge spanischer Austern – von Küste zu Küste in galicischen Fischerbooten. von Merten Worthmann

Muschelsucher in der Brandung an der Costa de Morte

Muschelsucher in der Brandung an der Costa de Morte   |  © Thomas Vilhelm/Cover/Getty Images

Es ist sieben Uhr morgens. Der kräftige Nordwind, der schon über Nacht ums Haus ging, bläst unvermindert weiter. Im Hafen von Lira, einem kleinen Ort an Galiciens Westküste, hocken die Fischer in den Lagerschuppen und warten ab. Mit Wollmützen auf dem Kopf und Ölzeug am Körper lugen sie hinaus auf den Kai, hinüber zu den Booten, und fachsimpeln über den gestrandeten Kutter, den der Wind in der Nacht durch die Hafenbucht getrieben und an die Kaimauer geknallt hat.

Andrés Domínguez, Kapitän eines anderen Kutters, ein stämmiger Kerl mit schmaler Brille, ist bereits seit sechs Uhr hier. Er will mit drei Männern, seiner Besatzung, zum Fischen auslaufen. Während es hinter den nahe gelegenen Hügeln langsam hell wird, riecht Andrés in den Wind hinein. Er und seine Mannschaft können dem heftigen Wetter trotzen, doch heute soll noch ein Gast an Bord gehen – »nicht zur Besatzung gehöriges Personal«, wie es offiziell heißt. Lokale Fischerverbände haben in Galicien vor Kurzem den Turismo Marineiro ins Leben gerufen, den Fischerei-Tourismus. Er bietet interessierten Urlaubern Ausfahrten mit Küsten- oder Muschelfischern an. Der Tour-Ablauf richtet sich nach dem Stundenplan der Fischer. Das heißt: Früh geht’s raus, und der Ausflug kann gut acht Stunden dauern. Einen Reiseleiter gibt es nicht.

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Andrés sagt mit halbem Lächeln: »Na – Frühaufsteher?« Geht so…

Dann sagt er, den Nacken in die schwere Windjacke vergraben: »Da draußen wird es dir schlecht ergehen. Hast ja gesehen, was mit dem Kutter passiert ist. Willst du dir das wirklich antun?« Na ja… Ja.

»Also gut. Auf ins Leiden.«

Ich frage nach Gummistiefeln und Ölhose. Andrés kramt aus dem Schuppen Stiefel und Wetterzeug hervor. Dann geht er los, um das Boot zu holen. Als wir am Pier wieder aufeinandertreffen, sieht er mich skeptisch an. »Du hast deine eigene Jacke anbehalten.« Die ist wasserabweisend. Aber wenn du meinst. »Ich meine gar nichts. Du kannst dich nackt ausziehen, wenn du willst. Ist bestimmt auch ’ne Erfahrung.« Ich entscheide mich doch lieber für seine Jacke. Einer der Fischer eilt noch mal zum Schuppen und bringt sie. Dann springen alle an Bord, und es geht los. Andrés steht am kleinen Steuerrad in der winzigen Führerkabine, alle anderen drücken sich dahinter in den Windschatten. Wir schippern hinaus in die Bucht von Carnota. Es ist inzwischen hell geworden. Vor uns liegt Galiciens längster Sandstrand, ein weißes Band von acht Kilometern, zu dieser Stunde menschenleer. Wir steuern kleine Bojen an, unter denen die gestern ausgeworfenen Netze hängen. Die ersten beiden werden eingeholt. Gut 20 Seezungen haben sich darin verfangen, außerdem Steinbutte, Tintenfische, Rochen, Kraken und Seespinnen. Die Fischer stecken sich Kippen in die Mundwinkel, ihren Fang kommentieren sie nicht. Lässig werfen sie die Fische über Deck, die mit saftigem Platsch und dumpfem Plumps in verschiedenen Eimern und Ecken landen.

Anreise

Flüge nach Vigo oder Santiago de Compostela zum Beispiel mit Air France oder Iberia.

Unterkunft

Das Hotel Xanela da Lua in Lira bietet Übernachtung mit Frühstück im DZ ab 50 Euro. Sehr persönliche Atmosphäre. Tel. 0034-981/761306, www.xaneladalua.biz

Das Hotel Cova da Balea in Aldán bei Cangas liegt auf dem Gelände einer ehemaligen Netzflickerei. DZ ab 60 Euro. Tel. 0034-986/329276, www.covadabalea.com

Das Norat/Mar Atlántico in O Grove ist mit seinem jüngst eröffneten Anbau die beste Wahl in der Innenstadt. DZ ab 60 Euro. Tel. 0034-986/732590, www.hotelnorat.com

Außerhalb im Grünen liegt das Mar Atlántico. San Vicente Do Mar, Tel. 0034-986/738061, www.hotelmaratlantico.com, DZ ab 60 Euro

Essen

Die Casa da Crega ist ein traditionelles Restaurant in Liras Nachbarort Caldebarcos, seit vier Generationen in Händen derselben Familie. Spezialität des Hauses: Krake mit Muscheln. Caldebarcos, Carretera Santiago-Fisterra, Tel. 0034-981/762543

Das So-a-vela in Cangas gehört einem ehemaligen Fischer, der Fisch und gute Weine anbietet. Rúa Baiona 22, Tel. 0034-986/305574

Das moderne Fischrestaurant Beiramar in O Grove liegt direkt am Hafen. Avenida Beiramar 30, Tel. 0034-986/731081, www.restaurantebeiramar.com

Auskunft

Die Website des galicischen Fremdenverkehrsverbands Turgalicia www.turgalicia.es mit dem Programm des Turismo Marineiro liegt auch in deutscher Fassung vor, unter der Rubrik "Angebote". Es werden Ausfahrten mit zwei bis vier Gästen an Bord, Marktbesuche und Workshops angeboten

An den nächsten Bojen beginnt das dornige Glück des Tages. Nach und nach kommen zwei Netze voller Seespinnen hoch. Die dunkelroten Biester machen eine Menge Arbeit, bringen aber viel Geld. Die vier Fischer, stoisch am Werk, brauchen mehrere Stunden, um Scheren und Stachelpanzer aus dem Geknäule herauszuwinden. Die Hälfte der Tiere geht gleich wieder über Bord; sie kommen für dieses Mal davon, weil sie nach EU-Norm zu klein sind. Trotzdem ein guter Fang, oder? Andrés antwortet vorbildlich galicisch, was bedeutet, dass er sich nicht festlegen lässt. »Mhm. Mal fängt man mehr, mal weniger. So ist das.«

Leserkommentare
  1. Danke fuer den interessanten Artikel! Welche Sprachekenntnisse sind denn fuer diese Touren zu empfehlen? Reicht Englisch aus oder ist Spanisch noetig? Oder sollte man sogar Galicisch koennen?

    Reaktionen auf diesen Kommentar anzeigen

    spanisch sollte funktionieren, englisch geht kaum. War mal mit meiner Freundin dort, die etwas spanisch spricht, und sie konnte sich gut verständigen. Grüße, tomtom

    Redaktion

    Lieber Martin Kraus,

    laut Merten Worthmann, dem Autor des Textes, erschwert es die Reise, wenn man kein Spanisch spricht. Herr Worthmann sagte mir, die Fischer sprächen kaum Englisch, unterhielten sich untereinander auch viel auf Galicisch.

    Das Fremdenverkehrsamt kann Ihnen aber durchaus helfen, die Reise mit allen Ab- und Anfahrtsdaten soweit zu organisieren, dass Sie auch ohne Spanischkenntnisse mitfahren können. www.turgalicia.es

    Es wird dann vielleicht etwas abenteuerlicher als gewohnt. Meist macht man bei solchen Reisen aber die Erfahrung, dass die Verständigung mit Gesten besser klappt, als erwartet.

    Viele Grüße

    Jessica Braun

  2. spanisch sollte funktionieren, englisch geht kaum. War mal mit meiner Freundin dort, die etwas spanisch spricht, und sie konnte sich gut verständigen. Grüße, tomtom

    Antwort auf "Sprache?"
  3. Redaktion

    Lieber Martin Kraus,

    laut Merten Worthmann, dem Autor des Textes, erschwert es die Reise, wenn man kein Spanisch spricht. Herr Worthmann sagte mir, die Fischer sprächen kaum Englisch, unterhielten sich untereinander auch viel auf Galicisch.

    Das Fremdenverkehrsamt kann Ihnen aber durchaus helfen, die Reise mit allen Ab- und Anfahrtsdaten soweit zu organisieren, dass Sie auch ohne Spanischkenntnisse mitfahren können. www.turgalicia.es

    Es wird dann vielleicht etwas abenteuerlicher als gewohnt. Meist macht man bei solchen Reisen aber die Erfahrung, dass die Verständigung mit Gesten besser klappt, als erwartet.

    Viele Grüße

    Jessica Braun

    Antwort auf "Sprache?"
  4. Hallo,

    da komme ich bei Ihnen ein bisschen spät an, um einen Kommentar zu hinterlassen. Es ist ein sehr toller Bericht!!!!

    Falls jemand weitere Information über Meerestourismus in Galicien braucht, stehe ich gerne zur Verfügung. Und wie Jessica Braun hinweist, auf unseren Internetseite findet weitere Information zu diesem Thema: http://bit.ly/fz9w9b

    Schöne Grüße aus dem grünem Spanien.

    Anabel (Community Manager von Turgalicia, öffentliche Gesellschaft für die touristische Promotion Galiciens)
    Twitter: @BelTurgalicia
    Facebook: anabel.cmturgalicia
    www.turgalicia.es

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