Guatemala Die Stadt, die Liebe und der Tod
Der Politiker Rodrigo Rosenberg aus Guatemala setzte elf Killer auf sich selbst an. Ein Aufschrei nach dem Mord an der Frau seines Lebens
© Tiane Doan na Champassak
Rosenberg starb geduscht.
Ein letztes Mal schloss er die Tür im zehnten Stock, 23. Straße A, Zone 14, Guatemala-Stadt. Er nahm den Aufzug aus falschem Marmor und fuhr ins Erdgeschoss.
Ein Sonntag.
Rosenberg trug eine kurze blaue Hose, ein blaues T-Shirt, weiße Socken, weiße Schuhe, seine Sonnenbrille. Er roch nach Seife. Rodrigo Rosenberg grüßte den Wächter vor dem Haus, stieg auf sein Fahrrad und fuhr los, vorbei an der All American Logistics S.A., an jungen Palmen und einer Kamera, 08:07:02 Uhr, 10. Mai 2009, dunstig. Am Ende der 23. hielt er nach Osten, bog in die 22. und setzte sich, 300 Meter neben seiner Wohnung, am Rand der Avenida de las Américas ins Gras.
Bougainvilleen blühten.
Rodrigo Rosenberg Marzano, 49 Jahre alt, Professor, Rechtsanwalt, Politiker, trug Stöpsel in den Ohren und hörte Musik, als fünf Kugeln ihn trafen, neun Millimeter, drei in den Kopf, eine in den Hals, eine in die Brust.
Es war Muttertag.
Jetzt steht ein dunkles Kreuz an der Avenida de las Américas in Guatemala-Stadt. Nelken leuchten. Und daneben, auf schwarzem löchrigem Plastik, ist zu lesen: Rodrigo Rosenberg. Held der guten Guatemalteken. No moriste en vano. Du starbst nicht umsonst.
Eine Kerze brennt.
Das Gewissen Zehntausender habe er geweckt, lobt sein Halbbruder, Eduardo Rodas Marzano, und weint am Edelholztisch.
»Was auch immer er tat«, flüstert der Bruder, »Rodrigo tat es aus Liebe.«

Die Geliebte von Rodrigo Rosenberg Marjorie Musa
Rodas schnäuzt in weißes Tuch und schweigt.
Rodrigo Rosenberg, geboren am 28. November 1960, war der einzige gemeinsame Spross seiner Eltern. Die Mutter, sehr reich und sehr schön, eine Italienerin, die sich auf Juwelen und Literatur verstand, hatte zwei Kinder in die Ehe gebracht, Rosenbergs Vater fünf. Der Vater, ein Kinobesitzer, stammte von deutschen Juden ab, er war selten zu Hause, und war er es doch, schwieg er, als ginge die Welt ihn nichts an.
»Eine kurze Ehe«, spricht der Bruder in sein kühles Büro, PF&F, Puntos Frios y Financieros de Centroamerica S.A., Westturm, elftes Stockwerk, Orchideen auf dem Sims, Bonsai und vielerlei Kunst, Glas nach allen Seiten.
Rodrigo sei ein guter Schüler gewesen, schnell, laut, aufmerksam.
Er besuchte das private katholische Liceo Guatemala, liebte die Musik von Carlos Santana, die Raserei der Formel 1 und das lange schwarze Haar seiner Mutter. Wärst du nicht Mama, sagte er, würde ich dich heiraten. Zweimal im Jahr reiste man nach Mexiko, Businessclass, und schwamm im Pazifik. Dem Gymnasium entkommen, fuhr Rosenberg im roten Toyota Celica, Mamas Geschenk, zur Privatuniversität Rafael Landívar und wurde, was sie sich wünschte, Jurist. Die Professoren priesen seinen Fleiß, die Mädchen seine Anmut. Heirat 1984.
Rosenbergs Frau, wie seine Mutter, hieß Rosa Maria und hatte langes schwarzes Haar.
Professor Rodrigo Rosenberg Marzano, den rechten Arm abgedreht, lag an der Avenida de las Américas, 22. Straße, Zone 14, rücklings, das Fahrrad zu seinen Füßen, 10. Mai 2009, 8.10 Uhr: ein Mord von Tausenden, die alljährlich in Guatemala geschehen, vor anderthalb Jahrzehnten erst dem Bürgerkrieg entwachsen. Bloß zwei Prozent der Verbrechen, manchmal drei, werden je aufgeklärt.
Die Polizei, wie immer, kam mit Krach und sammelte Hülsen, fotografierte und brachte die Leiche zur Autopsie. Rosenberg war von hinten rechts erschossen worden. Nur die erste Kugel, als hätte das Opfer seinem Mörder sich noch zugewandt, traf Rosenberg ins Gesicht, Schmauchfläche 8 x 3 Zentimeter, Verbrennung 3 x 0,5.
Rodrigo sei wohl sein bester Freund gewesen, sagt Luis Alberto Mendizábal Barrutia und spielt mit den Handys, die vor ihm liegen.
»Ein Romantiker, ein Ritter der Gerechtigkeit«, klagt Mendizábal, weißes Haar, weißes Hemd, darin ein Stift der Firma Montblanc, Typ Meisterstück.
Rodrigos Chauffeur habe ihn angerufen an jenem elenden Sonntagmorgen vor bald einem Jahr, als Rodrigo starb: Don Luis, heute kurz vor acht schellte mein Telefon. Es war Rodrigo. Es sei ein großer Tag, Muttertag, deshalb breche er jetzt zu einer Fahrradtour auf. Doch falls ihm etwas zustoße, möchte er, sein Chauffeur, sofort ihn anrufen, Don Luis.
»Und?«, fragte Luis Mendizábal, Verkäufer von Hemden, Krawatten und Anzügen, Boutique Emilio in der noblen Zone 10, auch Sicherheitsberater so mancher guatemaltekischer Regierung, Vertrauter von Generälen, ein Tänzer in Zeiten des Chaos, das Guatemala durchmisst.
»Rodrigo ist tot.«
Frisch verheiratet, 1985, war Rosenberg mit seiner Frau nach Cambridge, England, zur Fortbildung gezogen, Master of Arts in International Law and Comparative Law. Rosa Maria gebar einen Sohn. Rosenberg, ehrgeizig genug, reiste weiter nach Harvard, Massachusetts, Vereinigte Staaten von Amerika, holte sich einen weiteren Titel. Doch dann rief die Mutter nach Hause. Rosenberg gehorchte, gründete mit anderen eine Kanzlei, Spezialfach Unternehmensrecht, versah sein Büro mit Tropenholz und neuesten Rechnern, Edifico Geminis 10, Zona 10, hängte seine zwei Diplome, Cambridge und Harvard, über das Bild von Mama. 1989 eine Tochter.
Schließlich ernannte ihn die Privatuniversität Rafael Landívar zum Professor. Rosenberg, die Lautsprecher aufgedreht, fuhr im Sportwagen vor, schrieb seinen Namen an die Tafel und sprach zu den Studenten: Und noch ein Wort an die Damen hier im Saal. Machen Sie sich keine Hoffnung. Ich bin verheiratet.
Doch Rosa Maria Paiz Toriello, von ihrer Ehe enttäuscht, liebte längst einen anderen. Scheidung 1997.
Rosa Maria Marzano, die Mutter, tröstete: Söhnchen, du bist zu gut für diese Welt.
Rosenberg, einer der erfolgreichsten Wirtschaftsanwälte des Landes, nun stellvertretender Dekan einer juristischen Fakultät, Präsident der Schlichtungsstelle der guatemaltekischen Handelskammer, nahm sich Alejandra Margarita de Angoitia Noriega zur Frau, langes schwarzes Haar, die Schwester des stellvertretenden Direktors von Televisa, dem größten mexikanischen Medienkonzern.
Zwei Kinder.
Dann, 2003, kandidierte Rodrigo Rosenberg Marzano auf der Liste des Movimiento Reformador, Teil der wirtschaftsnahen Gran Alianza Nacional, für den Stadtrat von Guatemala-Stadt, ohne Erfolg. Mama tröstete mit Rosen und zwei Gutscheinen für eine Kreuzfahrt in der Karibik, Disney Cruise Line.
Immer öfter brachte Rosenberg seine Kinder zum Schulbus an der Avenida de las Américas.
Ich mach das schon, sagte seine Frau.
Aber ich tu das gern, widerstand Rosenberg.
»Ich raste zum Tatort. Da war nur noch Blut«, lärmt sein bester Freund, Luis Mendizábal, ins Zwielicht der Boutique Emilio, 16. Straße 3-13, Zone 10.
Schnell schlägt er die Füße unter den Stuhl, dass die Sohlen quietschen.
Der Trauerzug, an der Spitze der Wagen mit Rosenbergs Leiche, dann einer mit Blumen und Kränzen, schließlich die Autos der Hinterbliebenen, alle mit eingeschaltetem Warnlicht, bewegte sich westwärts durch Guatemala-Stadt, Montag, 11. Mai 2009, früher Nachmittag. Er querte die Zone 8, nahm die Calzada Roosevelt bis hinaus in den Vorort Mixco, wo der teure Friedhof Las Flores liegt, nichts als Rasen, darauf, in Messing gegossen, die Namen der Verstorbenen, die hier liegen, zahme Pfauen schlagen das Rad.
Rosenbergs Sohn aus erster Ehe, Student der Rechtswissenschaft, neben dem Sarg, rief, sein geliebter Vater habe ihm einst erzählt, wie er begraben werden wolle, und daran wolle er sich halten. Dann setzte er sich in den Chevrolet Camaro Z28 des Toten, gab Gas, dass der Motor heulte, 310 PS, fuhr zum offenen Grab, 95A, stellte den Motor ab, drehte die Lautsprecher auf, Samba Pa Ti von Carlos Santana, und gab den Totengräbern ein Zeichen.
Langsam versank Rodrigo Rosenberg Marzano in der Erde.
»Er tat es aus Liebe«, sagt der Bruder und wischt sich die Tränen weg.
»Rodrigo war verliebt in die Liebe.«

Rodrigo Rosenberg war Anwalt und Politiker, er kämpfte gegen Korruption. Nach seinem Tod wurde er mit Bildern wie diesem verehrt
Endlich trat Luis Mendizábal aus der Menge und holte aus, Rodrigo Rosenberg sei sein bester Freund gewesen, also erfülle er dessen Wunsch und überreiche allen, die sich dafür interessierten, Rodrigos Vermächtnis, eine Rede auf DVD, 150 Kopien.
Drei Stunden später, am frühen Abend des 11. Mai 2009, unterbrachen die Sender des Landes ihre Programme.
Mi nombre, sprach Rodrigo Rosenberg vor blauem Tuch, weißes Hemd, dunkler Anzug, mein Name ist Rodrigo Rosenberg, und wenn Sie diese Botschaft sehen, dann leider deshalb, weil ich ermordet wurde.
Seine Mörder, redete Rosenberg in ein rotes Mikrofon, seien der Präsident der Republik Guatemala, Álvaro Colom, dessen Ehefrau Sandra Torres de Colom, auch dessen Privatsekretär Gustavo Alejos und andere.
Ich war, sprach Rosenberg mit fester Stimme, ein Guatemalteke von 49 Jahren. Ich hatte vier göttliche Kinder. Ich hatte den besten Bruder, den man sich denken kann. Großartige Freunde hatte ich. Und das unbändige Verlangen, in meinem Land zu leben. Dieses Vermächtnis hinterließ ich für den Fall, dass mir etwas zustößt. Was nun leider geschah.
18 Minuten und 16 Sekunden lang legte Rosenberg dar, weshalb der Staatspräsident und seine Gehilfen ihn ums Leben gebracht hätten: weil er, Rodrigo Rosenberg, zu viel erfahren habe über das feige, korrupte, mörderische Gebaren dieser Regierung.
Und wiederum eine halbe Stunde später stand die Rede im weltweiten Netz.
Álvaro Colom, Sozialdemokrat, Staatspräsident seit 16 Monaten, verachtet von den Reichsten, geliebt von den Ärmsten, scharte seine Minister um sich und schwor: Was Herr Rosenberg sagt, macht keinen Sinn. Ich bin kein Mörder und kein Dealer. Nur tot bringt man mich aus meinem Amt.
Er bitte, näselte er, die Kommission der Vereinten Nationen gegen die Straflosigkeit in Guatemala, den Fall sofort zu klären, selbst die Hilfe des FBI sei ihm sehr willkommen.
Rosenbergs Frau Alejandra hatte sich oft gewundert, dass er ihre zwei Knaben, immer öfter, zum Schulbus brachte. Weil ich es gern mache, deshalb, beruhigte Rosenberg.
Auch Marjorie Musa, vier Stockwerke höher, Edificio Premiere Las Américas, 23. Straße A, Zone 14, brachte ihre Kinder zum Schulbus. Sie war, wie Rosenberg, verheiratet, Tochter von Khalil Musa, einem Libanesen, der Jahrzehnte zuvor nach Guatemala gekommen und reich geworden war, Kaffee, Textilien.
»Dass Rodrigo eine Geliebte hatte, erfuhr ich drei Wochen vor seinem Tod«, sagt der Halbbruder und lächelt fein.

Luis Mendizábal, ein Freund des Toten
»Wir hatten kaum Geheimnisse«, sagt der Freund, »aber den Namen seiner Geliebten sprach er nie aus.«
Rosenberg schickte ihr Rosen. Rosenberg schickte Schokolade. Marjorie, sechs Jahre jünger als er, Chemikerin, Spezialfach Textilfärbung, wich aus, monatelang, Rosenberg verlor an Gewicht.
Endlich der erste Kuss, 5. Mai 2006.
Rosenberg schenkte Marjorie Musa ein Handy, 52032471, rief an, schrieb SMS, zehn am Tag, zwanzig: Buenos dias, mi princesita divina. Te amo te amo te amo te amo. Nichts anderes begehre ich für den Rest meines Lebens, als neben dir zu erwachen, mein göttliches Prinzesschen.
»Es war, als liebte er zum ersten Mal«, knurrt sein Freund Luis Mendizábal, Herrenbekleidung, Sicherheitsberatung.
Nun erst verstehe er, sagt der Halbbruder, Eduardo Rodas Marzano, parfümierter Direktor von Puntos Frios y Financieros de Centroamerica S.A., weshalb Rosenberg in seinen letzten Jahren, obwohl die zweite Ehe bereits am Scheitern gewesen sei, glücklicher gewirkt habe als je zuvor.
Mama wurde krank, Krebs, die Bauchspeicheldrüse. Die Ärzte gaben ihr, wenn überhaupt, noch ein halbes Jahr. Rosenberg begleitete sie in die Vereinigten Staaten von Amerika zur Chemotherapie. Rosenberg saß an ihrem Bett, hielt ihr die Hand, wusch ihr langes graues Haar und weinte. Manchmal las er ihr aus einem Buch vor, erzählte erfundene Geschichten, bis sie lachte.
»Seine Liebe zu Mama war bedingungslos«, haucht der Bruder und dreht sich zu den Fotos im Gestell, Rodrigo, Mutter Rosa Maria, die Brüder, Kinder, Nichten, Neffen.
Weißt du noch, Mama, dass ich dich heiraten wollte?
Rosenberg brachte seine Mutter zurück nach Guatemala und harrte aus an ihrem Bett, fütterte sie, summte Lieder, reichte ihr die Schminke. Rosa Maria verlor ihr langes Haar, Rodrigo, ihr Jüngster, schrieb Marjorie: Gute Nacht, meine kleine göttliche Prinzessin. Du bist die schönste, süßeste und sinnlichste Frau auf Erden. Für diesen Segen danke ich Gott. Du weißt nicht, wie es sich anfühlt, Dich zu berühren. Du weißt nicht, dass jede Berührung mich Dir noch näher bringt. Te amo te amo te amo te amo. Mein Leben ist ein Märchen . Ich danke Dir, meine göttliche kleine Prinzessin. Gute Nacht, meine Marjorie Rosenberg. Ich verehre Dich, meine Liebe. Dein Prinz für immer. PS: Ich liebe Dich, meine Liebe, jeden Tag mehr. Sos mi vida entera. Du bist mein ganzes Leben. Ich liebe Dich, meine Liebe. Te amo te amo te amo.
17. Mai 2009, Hunderte zogen durch die Straßen von Guatemala-Stadt, Tausende, Zehntausende, hellhäutige Studenten privater Universitäten, Kinder der guatemaltekischen Oberschicht, angestachelt von der Handelskammer, der Industriekammer, dem Unternehmerverband, sie trugen weiße Hemden und schrien gegen Präsident Colom, nannten ihn einen Dieb und Mörder und verlangten seinen Rücktritt. Colom karrte Widerrufer in die Stadt, arme Leute vom Land, darunter 250 Bürgermeister, die meisten indianischer Abstammung, steckte sie in grüne Hemden und ließ sie seine Unschuld auslärmen.
Es war Krise im Staat Guatemala.
Du hast eine andere, schrie Rosenbergs Frau.

Wieder mal werden in Guatemala-Stadt, wo Rosenberg lebte, die Spuren eines Mordes beseitigt – ein gewohntes Bild aus einem gewöhnlichen Viertel
Sobald Mama tot ist, lasse ich mich scheiden, schrie Rosenberg.
So lange warte ich nicht, sagte Alejandra, nahm ihre Söhne, sechs und neun Jahre alt, und zog nach Mexiko.
Mama Rosa Maria Marzano starb am Morgen des 16. Mai 2007 in Rosenbergs Armen. Er zitterte vor Schmerz, aß tagelang nichts.
Zweite Scheidung 2008.
Manchmal bat Rodrigo Rosenberg die Geliebte Marjorie Musa in seine Wohnung, 10. Stock, Premiere Las Américas. Er kaufte teuren französischen Wein, Spargel und Langusten, deckte den Tisch mit farbigen Bändern und Schlaufen und mit den Blüten von roten Rosen, gelben Gladiolen oder weißen Lilien. Dann, um sich beim nächsten Mal nicht zu wiederholen, fotografierte er sein Werk.
Ganze Alben habe er mit solchen Fotos gefüllt, sagt der beste Freund, zwei Handys vor sich, die ständig summen und blinken.
»Ein Romantiker«, schreit Luis Mendizábal und wechselt aufs blaue Sofa.
SMS von 55100115 an 52032471: Göttliche kleine Prinzessin, guten Morgen. Ich ging um 10:30 ins Bett und stand um 1 wieder auf, weil ich den Schmerz nicht ertrug, nicht bei Dir zu sein. Ich war zu Tode eifersüchtig. Aber dann erreichte mich Deine Botschaft. Ich war so unendlich dankbar dafür und fand endlich ein bisschen Schlaf. Ich liebe Dich, meine Marjorie Rosenberg. Ohne Dich an meiner Seite kann und will ich keine Sekunde länger leben. Ich habe Dich so sehr vermisst. Du bist mein. Ich bin Dein. Wir sind Zwillingsseelen. Ich verehre Dich. Te amo te amo te amo te amo. Dein Prinz. PS: Das Nasonex habe ich genommen, oh Liebe meines Lebens.
Immer öfter, weil ihm vorkam, sie sei noch schöner als die blonde blauäugige Fee aus einem Trickfilm von Walt Disney, nannte er Marjorie Tinker Bell.
»Marjories Problem«, sagt der Freund, »war wohl nicht ihr Ehemann, sondern ihr Vater, dieser strenge Araber, Khalil Musa, der nicht zugelassen hätte, dass sie sich scheiden ließe.«
Gute Nacht, meine göttliche kleine Prinzessin. Diese Nacht ist die 1. seit 10 Tagen, dass ich wieder glücklich schlafen kann, weil ich heute die Gnade erfuhr, Dich in meinen Armen zu halten, Dich zu küssen, zu lieben in Leidenschaft. Und ich will nichts anderes, als bis zum Ende unserer Tage mit Dir zu sein. Du bist buchstäblich mein ganzes Leben. Ich werde Dich lieben, jeden Tag mehr, noch 1250 Jahrhunderte lang. Ich verehre Dich mit all meiner Kraft, Du meine Liebe. Dein Prinz für immer. PS: Nicht für eine Minute habe ich aufgehört, mich daran zu erinnern, wie göttlich und großartig Du in Deinem Bikini und in Deiner Bluse aussahst. Und noch göttlicher sahst Du aus, als Du sie ablegtest. Heirate mich.
Der Ständige Rat der Organisation Amerikanischer Staaten, besorgt um die Ruhe in Zentralamerika, sandte seinen Generalsekretär nach Guatemala. Der besprach sich mit Präsident Álvaro Colom, lobte dann dessen Versprechen, sich Rosenbergs Klage zu stellen. Auf Facebook und Twitter riefen Coloms Gegner zum Sturz der Regierung auf, sie sammelten Unterschriften, 30.000, die Handelskammer beriet den Generalstreik. Colom aber verhüllte seinen Palast mit einem großen Plakat: In jenem Guatemala, das wir besitzen, leben 51 Prozent in Armut, 60 Prozent auf dem Land, 23 Prozent sind Analphabeten, 50 Prozent der Kinder unter fünf Jahren leiden an chronischer Unterernährung.
© Tiane Doan na Champassak
Rosenberg schenkte Marjorie eine Bluse. Er bat sie, diese Bluse an einem besonderen Tag zu tragen: nur für ihn.
Am 14. April 2009, einem Dienstag, rief Rosenberg seine Geliebte, wie er es fast jeden Morgen tat, um 6.38 Uhr ein erstes Mal an. Er lud sie zum Abendessen ein.
»Marjorie sagte, sie komme, wenn sie den Tisch mit ihm, Rodrigo, gemeinsam decken dürfe, zum ersten Mal gemeinsam. Sie sagte auch, sie werde die neue Bluse tragen«, weiß der Freund, Luis Mendizábal.
Seine letzte SMS schickte Rosenberg um 10.30 Uhr und 7 Sekunden: Ich vermisse Dich so sehr, meine göttliche kleine Prinzessin. Und ich liebe Dich. Ich brauche Dich mehr denn je, meine Liebe. Ich verehrte Dich. Dein Prinz für immer und ewig. Oh Du Liebe meines Lebens.
Marjorie Musa, 12.38 Uhr, saß an der Seite des Vaters Khalil, Avenida Petapa, 35. Straße, Zone 12, sie warteten in ihrem Wagen vor einer Ampel, als Schüsse durch die Scheiben schlugen.
Die Polizei zählte die Hülsen.
»Gegen halb zwei rief mich Rodrigo an. Luis, irgendetwas stimmt nicht. Ich fragte: Was? Seine Geliebte gehe nicht ans Telefon. Ich sagte: Mach dir keine Sorgen. Denn in der Petapa steht der Verkehr still, jemand ist erschossen worden. Was!, wer? Keine Ahnung, sagte ich. Find es heraus, find es heraus, schrie Rodrigo, vielleicht ein Mann und eine Frau, Vater und Tochter?, Luis, find es heraus.«
Er holt Luft.
»Und ich fand es heraus.«

18 Uhr im Zentrum von Guatemala-Stadt. Im letzten Licht des Tages sind noch ein paar Fußgänger unterwegs. Im Dunkeln wagt sich keiner, der bei Verstand ist, ohne Auto auf die Straße
Rosenberg setzte sich in seinen Wagen und fuhr zur Avenida Petapa, er blieb sitzen in seinem Chevrolet Camaro Z28, sah zwei Särge auf dem Asphalt.
Und dann, erzählt Luis Mendizábal, sei Rodrigo zu ihm gekommen, habe sich hier auf dieses blaue Sofa gelegt, nur geweint und nur geschluchzt, gezittert und gebebt, wohl zwei Stunden lang, wortlos, drei Stunden lang.
»Und endlich, ganz heiser, sagte er: Sie hatte die neue Bluse an.«
Am nächsten Morgen, als niemand ihn sah, fuhr Professor Rodrigo Rosenberg Marzano zum noblen Friedhof Las Flores und legte den Weg zu Marjories Grab, in das sie nachmittags gelegt würde, mit roten Rosen aus.
Dort, an Marjories Grab, habe Rodrigo wohl geschworen, ihre Mörder zu finden, flüstert der Bruder am Edelholztisch und faltet die Hände, als wollte er beten.
»Rodrigo weinte, er werde nicht ruhen, bis er die Wahrheit kenne, wie ein Soldat im Krieg, 24 Stunden am Tag, werde er die suchen, die Marjorie töteten«, sagt der Freund.
Rosenberg schlief nicht mehr, Rosenberg aß nicht mehr.
Er rief Marjories Schwester an und bat sie in seine Wohnung. Sie betrete nun, sagte er, eigentlich Marjories Heim, er zeigte ihr Marjories Kleider, die Wäsche, ihren Schmuck, die Fotos der gedeckten Tische, darauf Blätter von Rosen, Gladiolen, Lilien. Die Schwester überließ Rosenberg Marjories Handy, auf dem er sie immer angerufen hatte, 52032471.
Am 20. April 2009, sechs Tage nach dem Tod seiner Geliebten, schenkte Rodrigo Rosenberg Marzano die Brosche, die Mama ihm hinterlassen hatte, der Putzfrau.
»Er bereitete seinen Abschied vor«, haucht der Bruder.
In der Kanzlei, Rosenberg-Marzano, Marroquín-Pemueller y Asociados S.A., 3a Avenida 12-38, Zone 10, Edificio El Paseo Plaza, 10. Stock, Büro 1002, rief er Kollegen und Angestellte in den Sitzungsraum, Rosenberg, die Stimme ruhig und feierlich, teilte mit, die Sicherheitslage in Guatemala sei katastrophal, die Justiz genauso, jedermann im Land könne jederzeit überall ermordet werden.

Eduardo Rodas Marzano, der Halbbruder des Toten
»Er fragte mich: Wozu noch leben?«, weint der Bruder.
Am 21. April, eine Woche nach Marjories Ende, kaufte Rosenberg auf dem Friedhof Las Flores zwei Gräber, 95A und 96A, jedes 30.000 US-Dollar teuer, eines für sich, das andere für sie.
Dann schrieb er sein Testament.
Irgendwann in diesen Tagen schellte Marjories Handy, das Rosenberg ihr geschenkt hatte. Ein Juwelier rief an und sagte, der Ring, den eine gewisse Marjorie Musa bestellt habe, Geschenk für einen Mann zum dritten Jahrestag der ewigen Liebe, sei abholbereit. Rosenberg fuhr hin und las, ins Gold gestanzt, die Buchstaben MMR, Marjorie Musa Rosenberg. Der Ring, sagte der Juwelier, sei längst bezahlt. Rosenberg lachte, er weinte.
Danach sei er hierhergekommen, erzählt Luis Mendizábal vom blauen Sofa, und habe ihm den Ring gezeigt: stolz, verwirrt, zerstört.
Und irgendwann in diesen Tagen rief Rechtsprofessor Rodrigo Rosenberg Marzano die Cousins seiner ersten Frau Rosa Maria Paiz Toriello um Hilfe, die Brüder Valdes Paiz, Eigentümer mehrerer pharmazeutischer Unternehmen, die sich, weil sie so reich waren, mit Leibwächtern umgaben, ehemaligen Polizisten und Soldaten, zu mancher Tat bereit. Es gebe da etwas zu bereden, sagte Rosenberg.
»Und langsam ging es ihm besser«, sagt der Halbbruder.
»Es ging ihm besser«, sagt der Freund.
In der Nacht des 3. Mai 2009, 19 Tage nach Marjories Tod, traf sich Rosenberg mit einem alten Freund. Er leide, sagte Rosenberg, unter der Trennung von seinen zwei kleinen Söhnen, die nun in Mexiko lebten, unendlich. Der Freund, Rechtsanwalt und Politiker, erzählte von einem Termin beim Vizepräsidenten. Richte dem Arschloch aus, bat Rosenberg, dass ich der Anwalt der Familie Musa bin und sehr genau weiß, dass die Regierung sie ermorden ließ.
Am nächsten Morgen, Tag 20 nach Marjorie, scharte Rosenberg wieder die Angestellten um sich und teilte mit, seine Geschäfte übergebe er bis auf Weiteres der Kollegin Marroquín, er sei derzeit mit privaten Dingen beschlagen, die ihn vielleicht noch sein Leben kosteten.
Gegen Mittag rief der Privatsekretär des Präsidenten an, Gustavo Alejos, und fragte, wie er, Professor Rosenberg, dazu komme, die Regierung Mörder zu nennen. Rosenberg schrie: Du Hurensohn, weder du noch sonst jemand bringt mich zum Schweigen.
© Tiane Doan na Champassak
Rosenberg – 5. Mai 2009, der Tag, da seine Liebe zu Marjorie sich zum dritten Mal gejährt hätte – schickte seinen Chauffeur aus, ein Handy zu kaufen. Der Chauffeur erstand es im Einkaufszentrum La Pradera, Nummer 57759747.
»Am späten Abend«, erzählt Luis Mendizábal, Kleiderhändler und Sicherheitsberater, »rief er mich an und sagte, soeben habe ihm jemand mit dem Tod gedroht, die Nummer des Unbekannten laute 57759747. Luis, schreib das auf, 57759747.«
Luis Mendizábal schlug vor, Rosenberg möchte alles, was ihn drücke und gefährde, auf einem Video festhalten. Wenn er wolle, sagte Mendizábal, bringe er ihn mit jemandem zusammen, der von Video viel verstehe.
Am folgenden Tag, Mittwoch, überschrieb Rodrigo Rosenberg Marzano seine Anteile von Rosenberg-Marzano, Marroquín-Pemueller y Asociados S.A., den Kindern aus erster Ehe. Die Sekretärin wies er an, ein Honorar, einen Scheck über 40.000 US-Dollar, der in den nächsten Tagen, abgeschickt in Panama, eintreffen müsste, sofort den Cousins seiner ersten Frau zu senden, den Brüdern Valdes Paiz.
Drei Tage vor seinem Tod, am Abend des 7. Mai 2009, 17.56 Uhr, setzte sich Rosenberg in den Räumen eines gewissen Mario David García, Anwalt, Journalist und Politiker der Opposition, vor blaues Tuch, Avenida La Reforma 13-13. Ein großes rotes Mikrofon stand auf dem Tisch, Rosenberg, weißes Hemd, dunkler Anzug, hellblaue Krawatte, sprach ohne Manuskript, 18 Minuten lang und 16 Sekunden.
Mein Name ist Rodrigo Rosenberg, und wenn Sie diese Botschaft sehen, dann leider deshalb, weil ich ermordet wurde.
»Er glaubte, was er sagte«, seufzt der Bruder.

Sehr selbstverständlich trägt dieser Passant Machete. Er ist in der Zone 10 unterwegs, dem reichsten Viertel von Guatemala-Stadt, in dem Rodrigo Rosenberg seine Kanzlei hatte
Seine Mörder seien jene, die schon Khalil und Marjorie Musa auf dem Gewissen hätten, nämlich Präsident Álvaro Colom, dessen Ehefrau Sandra Torres de Colom, auch dessen Privatsekretär Gustavo Alejos und andere. Denn Khalil Musa, vom Präsidenten vor Monaten noch in den Verwaltungsrat der Bank Banrural berufen – die erfolgreichste Bank im Land, an der der Staat Guatemala zu einem Fünftel beteiligt ist –, Khalil Musa habe sofort bemerkt, dass dort Korruption regiere, Geldwäscherei und nichts als Misswirtschaft.
Deshalb habe er sterben müssen. Und mit ihm Marjorie Musa, deren einzige Sünde es gewesen sei, eine vorbildliche Tochter zu sein, die ihren Vater treu begleitet habe.
Genug!, sprach Rosenberg mit ruhiger Stimme in die Kamera, lasst uns unser Land retten vor Dieben, Mördern und Drogenhändlern, lasst uns miteinander unser Guatemala neu erbauen, lasst uns zurückfinden zu unseren Werten und unserem Glauben an die Gerechtigkeit. Lasst uns diesen Marionettenpräsidenten aus dem Amt schmeißen und ins Gefängnis stecken, mit allen anderen Dieben und Mördern.
An seiner Linken trug Rosenberg den breiten goldenen Ring, den Marjorie ihm hatte schmieden lassen, MMR.
Dann fuhr er, drei Pakete bei sich, 150 DVDs darin, zu seinem besten Freund, Luis Mendizábal, 16. Straße 3-13, Zone 10, Boutique Emilio, und bat ihn, das Vermächtnis zu streuen, sollte ihm, Rosenberg, je etwas zustoßen.
»Ich sah ihn zum letzten Mal.«
Am Samstag, 9. Mai 2009, 19 Stunden vor dem Abgang, rief Rosenberg seinen Chauffeur, er fragte, ob das Fahrrad bereits repariert sei. Er rief seinen Bruder an, Eduardo Rodas Marzano, und besprach mit ihm das Wetter. Er telefonierte mit Marjories Schwester. Langsam sehe er Licht am Ende des Tunnels, morgen leiste er sich eine Fahrradtour.
Rosenberg stand früh auf an seinem letzten Tag.
Muttertag.
Er duschte.
Um 7.04 Uhr, zweieinhalb Minuten lang, und um 8 Uhr, anderthalb Minuten lang, telefonierte er mit seinen Mördern, die er, vermittelt von den Brüdern Valdes Paiz, Cousins der ersten Frau, gedungen hatte.
Der Feigling, der ihm ans Leben wolle und deshalb wegzuputzen sei, sagte er, sei heute Morgen mit dem Fahrrad unterwegs, kurze blaue Hose, blaues T-Shirt, weiße Socken, weiße Schuhe, Avenida de las Américas, 22. Straße, Zone 14.
Um fünf nach acht verließ Rosenberg die Wohnung, er roch nach Seife. Dann setzte er sich ins Gras und wartete, Musik in den Ohren, Avenida de las Américas, 22. Straße.
Kaliber neun Millimeter.
Vor den Fahnen der Vereinten Nationen und der Republik Guatemala frohlockte ein halbes Jahr später, am 12. Januar 2010, die Kommission gegen die Straflosigkeit in Guatemala, der Fall Rosenberg sei gelöst, der Staatspräsident frei von jeder Verstrickung. Rodrigo Rosenberg Marzano habe seinen Tod gesucht und angestrengt, er sei nicht ermordet worden, er habe seine Ermordung bestellt. Von einem Handy aus, seit Tagen erst in seinem Besitz, 57759747, habe er, um glaubhaft zu sein, sich jeweils selbst angerufen und selbst bedroht. Die Brüder Valdes Paiz indes seien auf der Flucht, die eigentlichen Mörder, die nicht wussten, wen sie erschossen, in Haft, elf an der Zahl, ehemalige Polizisten und Soldaten.
Doch Rosenberg, im Übrigen, gelte weiterhin als das, was er immer gewesen sei: ein guatemaltekischer Ehrenmann.
- Datum 06.05.2010 - 14:23 Uhr
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- Quelle ZEITmagazin, 06.05.2010 Nr. 19
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hätte man auch auf eine statt auf fünf Seiten packen können.
Ein liebeskranker guatemaltekischer Bürgersohn inszeniert seinen Tod und gibt die Schuld daran den natürlichen Feinden des Bürgertums - gibt es nichts wichtiges aus Südamerika zu berichten?
ich habe beim Lesen dieses Artikels Höllenqualen durchlitten. Die absatzweisen Sprünge durch Raum und Zeit bereiteten mir zunehmend Unbehagen. Wird "Die Zeit" nun zum Forum für ambinierte Romanautoren? "Die Zeit" ist doch eine Tageszeitung mit Anspruch. Von ihr erwarte ich Artikel, die mir den Stoff ohne ambitionierte Umschweife vermitteln.
Mir wurde letztlich nicht klar, ob der Mann ein Spinner mit Ödipuskomplex und (nachvollziehbarem) Verfolgungswahn gewesen ist, der selbst mit gedungenen Mördern dem Präsidenten die beste Steilvorlage lieferte den Fall schnell zu den Akten legen zu können - oder ob der Präsident hinterher nur gut vertuscht hat?
...und ich tue mir den Roman kein zweites Mal an, um herauszufinden, ob nicht doch noch irgendwo ein Hinweis zu finden ist, zu welchem Schluß der Verfasser gekommen ist.
Nachhaltig verändert haben, wird der arme Mann wohl nichts. Als lautstarker Abgang aus Liebeskummer wird die Geschichte wohl eher in Erinnerung bleiben.
Auf kunstvolle Weise verknuepft der Artikel die wichtigsten Dinge im Leben: Liebe, Tod und Menschenrechte. Die Collage-Form ist klug gewaehlt und verknuepft die verschiedenen Ebenen auf eindringliche Weise.
Gerade wegen solcher Artikel lese ich die Zeit und manchmal bleiben diese fuer lange Zeit erinnerbar. Wollte ich blosse "Informationen" ohne Kontext, koennte ich ja Statistiken im Internet herraussuchen.
Vor Jahren gab es mal einen Artikel "Werden Sie Guru". Er schilderte den Aufstieg eines selbsterkorenen Gurus und den, von der Polizei vereitelten, aber geplanten Selbstmord seiner deutschen Anhaengerschaft, ich meine, auf Teneriffa.
Jahrelang hing dieser ironische Artikel ueber meinem Schreibtisch in Hamburg. Jetzt lebe ich in Bangalore, Indien und erinnere mich sehr oft daran. Er ist in meinem Langzeitgedaechtnis, nicht zuletzt wegen seiner literarischen Form, gespeichert.
Weiter so, Zeit!
>ich habe beim Lesen dieses Artikels Höllenqualen durchlitten.
Ging mir genauso. Ich habe dann irgendwann nur noch quergelesen, bis die interessanten Infos kamen (auf Seite 5).
Da kann ich Ihnen nur voll und ganz zustimmen!!!
Nach Lesen des Aufmachers zu dem Artikel, in dem darauf hingewiesen wird, dass der Autor sich fast in Lebensgefahr begeben hat, war ich sehr neugierig darauf zu erfahren, was er bei dieser Recherche so alles rausgefunden hat. Fazit: nichts, weil es nichts rauszufinden gab!!!
Wieso muss man einem vom Leben verwöhnten, suppereichen Guatemalteken so ein großes Forum geboten werden? Einem Menschen der immer in Watte gepackt gelebt hat und der beim ersten Schicksalschlag gleich ausflippt und die Regierung seines Landes für den Tod seiner Geliebten verantwortlich macht??? Man könnte meinen, der Herr möchte zum Helden eines Romans von Gabriel Garcia Marquez werden und lässt sich deshalb operettenhaft hinrichten.
Auf kunstvolle Weise verknuepft der Artikel die wichtigsten Dinge im Leben: Liebe, Tod und Menschenrechte. Die Collage-Form ist klug gewaehlt und verknuepft die verschiedenen Ebenen auf eindringliche Weise.
Gerade wegen solcher Artikel lese ich die Zeit und manchmal bleiben diese fuer lange Zeit erinnerbar. Wollte ich blosse "Informationen" ohne Kontext, koennte ich ja Statistiken im Internet herraussuchen.
Vor Jahren gab es mal einen Artikel "Werden Sie Guru". Er schilderte den Aufstieg eines selbsterkorenen Gurus und den, von der Polizei vereitelten, aber geplanten Selbstmord seiner deutschen Anhaengerschaft, ich meine, auf Teneriffa.
Jahrelang hing dieser ironische Artikel ueber meinem Schreibtisch in Hamburg. Jetzt lebe ich in Bangalore, Indien und erinnere mich sehr oft daran. Er ist in meinem Langzeitgedaechtnis, nicht zuletzt wegen seiner literarischen Form, gespeichert.
Weiter so, Zeit!
>ich habe beim Lesen dieses Artikels Höllenqualen durchlitten.
Ging mir genauso. Ich habe dann irgendwann nur noch quergelesen, bis die interessanten Infos kamen (auf Seite 5).
Da kann ich Ihnen nur voll und ganz zustimmen!!!
Nach Lesen des Aufmachers zu dem Artikel, in dem darauf hingewiesen wird, dass der Autor sich fast in Lebensgefahr begeben hat, war ich sehr neugierig darauf zu erfahren, was er bei dieser Recherche so alles rausgefunden hat. Fazit: nichts, weil es nichts rauszufinden gab!!!
Wieso muss man einem vom Leben verwöhnten, suppereichen Guatemalteken so ein großes Forum geboten werden? Einem Menschen der immer in Watte gepackt gelebt hat und der beim ersten Schicksalschlag gleich ausflippt und die Regierung seines Landes für den Tod seiner Geliebten verantwortlich macht??? Man könnte meinen, der Herr möchte zum Helden eines Romans von Gabriel Garcia Marquez werden und lässt sich deshalb operettenhaft hinrichten.
Auf kunstvolle Weise verknuepft der Artikel die wichtigsten Dinge im Leben: Liebe, Tod und Menschenrechte. Die Collage-Form ist klug gewaehlt und verknuepft die verschiedenen Ebenen auf eindringliche Weise.
Gerade wegen solcher Artikel lese ich die Zeit und manchmal bleiben diese fuer lange Zeit erinnerbar. Wollte ich blosse "Informationen" ohne Kontext, koennte ich ja Statistiken im Internet herraussuchen.
Vor Jahren gab es mal einen Artikel "Werden Sie Guru". Er schilderte den Aufstieg eines selbsterkorenen Gurus und den, von der Polizei vereitelten, aber geplanten Selbstmord seiner deutschen Anhaengerschaft, ich meine, auf Teneriffa.
Jahrelang hing dieser ironische Artikel ueber meinem Schreibtisch in Hamburg. Jetzt lebe ich in Bangalore, Indien und erinnere mich sehr oft daran. Er ist in meinem Langzeitgedaechtnis, nicht zuletzt wegen seiner literarischen Form, gespeichert.
Weiter so, Zeit!
>ich habe beim Lesen dieses Artikels Höllenqualen durchlitten.
Ging mir genauso. Ich habe dann irgendwann nur noch quergelesen, bis die interessanten Infos kamen (auf Seite 5).
Das war der mieseste Artikel, den ich seit langem gelesen habe. Ich habe auch nur weitergelesen, weil mich interssiert hat, warum er Killer auf sich selbst ansetzte. Aber dieses seitenlange Gesülze war nur auszuhalten, in dem ich viele Passagen weitgehend übersprungen habe... ätz.
In der Tat ein unerträglicher Schreibstil! Investigativer, objektiver Journalismus sieht anders aus - das hier ist gefühlsduselndes Boulevardblatt-Geschmiere.
Ein sehr guter Artikel, der im literarischen Stil versucht, die Umstaende von Rosenbergs Tod zu beleuchten. Ich habe seit ungefaehr einem Jahr auf diesen Artikel gewartet, nachdem der Mord in Guatemala solche grossen Wellen nicht nur im Land selbst, sondern auch in der internationalen Presse geschlagen hat. Ich haette mich allerdings auch gefreut, wenn die Umstaende von Khalil Musas Tod etwas mehr Beachtung bekommen haetten. Ist dieser Mord nun politisch motiviert gewesen, wie von Rosenberg behauptet, oder einer der vielen Drogenmorde, die jedes Jahr unzaehlige Menschenleben fordern? Und wenn er politisch war, waren tatsaechlich Alvaro Colom oder seine Frau dahinter? Die Korruptionsvorwuerfe gegen Colom stammen noch aus der Zeit vor seiner Wahl. Welche Grundlage haben sie? Ist das auch nur Propaganda der Rechten, wie anscheinend dieser inszenierte Tod?
Die interessanten Fragen bleiben unbeantwortet. Und selbst die Information, die drinsteckt, muss man sich mühsam zusammenklauben.
Diese Mängel könnte auch der allerbeste "literarische Stil" nicht vergessen machen. Ob es sich hier um den allerbesten handelt, möchte ich gar nicht diskutieren.
Die interessanten Fragen bleiben unbeantwortet. Und selbst die Information, die drinsteckt, muss man sich mühsam zusammenklauben.
Diese Mängel könnte auch der allerbeste "literarische Stil" nicht vergessen machen. Ob es sich hier um den allerbesten handelt, möchte ich gar nicht diskutieren.
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