Tier- und Datenschutz Kamera aus!

Ein britischer Forscher fordert mehr Privatsphäre für Tiere.

Dieses junge Gelbfuß-Felsenkänguru hat im Taronga-Zoo in Sydney kaum Privatsphäre

Dieses junge Gelbfuß-Felsenkänguru hat im Taronga-Zoo in Sydney kaum Privatsphäre

Wir Menschen haben Ilse Aigner. Sie kämpft gegen Facebook und für die Privatsphäre. »Privates muss privat bleiben«, schrieb die Verbraucherschutzministerin an Mark Zuckerberg, den Facebook-Gründer. Sollte er nichts ändern, sehe sie sich gezwungen, ihre Mitgliedschaft zu beenden. Das wirkt!

Neue wissenschaftliche Erkenntnisse aus Großbritannien zeigen nun: Auch die Tierwelt braucht eine Ilse Aigner, dringend.

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Tiere haben ein Recht auf Privatsphäre, sagt Brett Mills. Der Film- und Fernsehwissenschaftler der Universität von Ostanglien konnte zeigen, dass Tierfilmer systematisch Persönlichkeitsrechte verletzen. Tiere bauen Nester, verstecken sich in Höhlen, klettern auf Bäume. Sie wollen nicht gesehen werden. Statt dieses Verlangen zu respektieren, stellen ihnen Paparazzi mit Zoomobjektiven, Nachtsichtgeräten und Peilsendern nach. Unter dem Deckmäntelchen ökologischer Volkserziehung – Prädikat »besonders wertvoll« – zeigen sie Tiere bei der Balz, beim Sex, bei der Geburt. Nicht einmal vor ihrem Sterbebett machen sie halt.

Der Skandal: Filme, die die intimsten Momente im Leben eines Mistkäfers oder den Tod einer Blattlaus zur Unterhaltung der Massen inszenieren, laufen zur besten Sendezeit – nicht im privaten Schmuddelsender, sondern im öffentlich-rechtlichen Fernsehen. »Die ökologischen und pädagogischen Aspekte von Naturdokumentationen überlagern ethische Bedenken um die Privatsphäre der Tiere«, klagt Mills.

Und die Lösung des ethischen Dilemmas? »Mein Schlüsselgedanke ist, auch bei Tieren in den Kategorien öffentlich und privat zu denken«, sagt Mills. Wenn Menschen auf öffentlichen Plätzen gefilmt werden dürften, dann gelte das auch für Tiere. Selbstverständlich darf der Kameramann unverhohlen draufhalten, wenn Leoparden durch die Prärie spazieren oder Nilpferde im Fluss plantschen. Wenn aber der Löwe empört zu brüllen beginnt, das Krokodil vor Zorn mit dem Schwanz schlägt und der Affe sich schüchtern in einer Baumkrone verkriecht, heißt es: Kamera aus!

Nun ist Ilse Aigner nicht nur für den Verbraucherschutz zuständig, sondern auch für die Landwirtschaft. Für die Tiere! Da ist doch ein Brief an ARD und ZDF überfällig: »Die Privatsphäre aller Tiere muss umfassend geschützt werden. Sollten Sie sich in Zukunft nicht daran halten, sehe ich mich gezwungen, meine Zahlungen an die GEZ zu halbieren.«

 
Leser-Kommentare
    • outis
    • 06.05.2010 um 15:26 Uhr

    exhibitionistische Köter beispielsweise, die sogar Kinder bei ihren schamlosen öffentlichen Kopulationen zusehen lassen.

  1. "Nun ist Ilse Aigner nicht nur für den Verbraucherschutz zuständig, sondern auch für die Landwirtschaft. Für die Tiere! Da ist doch ein Brief an ARD und ZDF überfällig: »Die Privatsphäre aller Tiere muss umfassend geschützt werden. Sollten Sie sich in Zukunft nicht daran halten, sehe ich mich gezwungen, meine Zahlungen an die GEZ zu halbieren.«"

    Da liest sich der Artikel ganz ernsthaft, im letzten Absatz meint der Autor/die Autorin dann aber doch wieder, sich mit einem ironischen, vermeintlich witzigen letzten Absatz distanzieren zu müssen.

    Man muss sich (als JournalistIn) nicht mit dem Gegenstand der Berichterstattung zu identifizieren. Darüber lustig machen, sollte man sich aber ebensowenig.

  2. Unterlassen Sie persönliche Angriffe gegen den Redakteur. Die Redaktion / mh

  3. 4. Lustig

    Mh, ich hoffe dieser Artikel ist ironosch gemeint. Oder zahlen Tierphotographen den armen Affen morgen auch Schmerzensgeld? Sollte man die ausgebeuteten Kängurus nicht vor der Veröffentlichung der Fotos fragen? Man könnte schließlich Persönlichkeitsrechte verletzen!

    Wie sieht es mit psychologischer Behandlung aus? Dieses fotografierte Babykänguru wird in ein oder zwei Jahren Hilfe brauchen, wenn es die traumatischen Erfahrunge seiner Kindheit überwinden möchte.

  4. ...wenn berechtigte Diskussionen wie die Rechte von Tieren, durch so einen Schwachsinn ad absurdum geführt werden.
    Herr Mills tut den Tieren wirklich keinen gefallen mit dieser Aktion.

  5. Entschuldigung, aber ich kann es nicht anders nennen! Um eine Privatsphäre zu haben, muß man eine solche auch persönlich („subjektiv“) auch empfinden! Und gerade daran fehlts ja wohl bei der Katze, die „schamlos“ vor mir in meinen Garten kackt, ebenso wie bei dem Stier, der sich mit einer Kuh vor meinen Augen auf der Wiese vergnügt und auch bei dem genannten Alligator, der ohne meine Gefühle zu achten, just nun ein Zebra in für mich schrecklicher Weise zerreißt!
    Mehr will ich gar nicht schreiben – vielleicht nur, dass solche „Wissenschaftler“ erst mal ernsthafte Wissenschaft betreiben sollten und – noch besser – die Medien diesen ganzen Stuss nicht auch noch publicitywirksam (darauf kommts den „Forschern“ ja an) aufbereiten!

    • CM
    • 06.05.2010 um 16:23 Uhr

    Dieses Thema macht gerade unter Überschriften wie "Naturfotografen und die Persönlichkeitsrechte des Eichhörnchens bei der Paarung" Furore in diversen Foren.

    Es gibt Meldungen, die kann man fast nicht mehr ertragen ohne den Kopf so lange an die Wand zu schlagen, daß man den mentalen Schmerz ertragen kann.

    Wenn man bedenkt, daß viele Briten inzwischen auf jeden, der eine Kamera in der Hand hat, völlig paranoid überreagieren war eigentlich klar, daß solch eine Idee nur von der Insel kommen kann...

  6. Redaktion

    ...das habe ich jetzt auch noch mal ausdrücklich dazu geschrieben.

    Herzliche Grüße aus der Wissenschaftsredaktion.

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