Meißen kopiert China – bald darauf kopiert China Meißen
Meißen kopiert China – bald darauf kopiert China Meißen
Dieses Zwiebelmuster wurde das bekannteste Dekor der westlichen Welt – und das meistkopierte. Jede deutsche Manufaktur, die auf sich hielt, bot eine eigene Version davon an. Und bald schon kamen aus China Imitationen der Imitationen. Auch Kauffahrtei-Szenen, auf die man sich in Meißen verlegte, als die Asienmode abzuflauen begann, wurden in Fernost massenhaft kopiert.
Dabei tat man alles, um exklusiv zu bleiben. Als im Jahr 1735 sechs Meißner Maler versuchten, sich mitsamt ihren Mustern nach Bayreuth abzusetzen, behandelte man die »Bayreuther Verschwörung« in Sachsen wie Hochverrat. Die Flüchtlinge wurden umgehend nach Waldheim gebracht, ins größte Zuchthaus des Landes, bekannt für seine harten Haftbedingungen. Und hätte die Meißner Manufaktur nicht Kostgeld für die ehemaligen Kollegen gezahlt, wären die Künstler vermutlich umgehend verhungert.
Ähnlich drastisch hatte man sechs Jahre zuvor reagiert. War nicht vom König verfügt worden, dass Ware aus Meißen unter der Glasur durch zwei gekreuzte Schwerter zu kennzeichnen sei? Und nun das! Ausgerechnet im Hause seines Manufakturdirektors Karl Heinrich Graf von Hoym stellten königliche Beamte Hunderte Teller sicher, die das Schwerterkreuz nur aufgemalt trugen, sodass es leicht zu entfernen war. Ein französischer Kaufmann hatte den frankophilen Grafen zum Betrug überredet. Der Franzose wollte das Porzellan in der Heimat als asiatische Ware weiterverkaufen; denn nach wie vor war chinesisches Porzellan um vieles kostbarer als das europäische.
August tobte und ließ Hoym umgehend hinter Gitter bringen. Dass allerdings eine Zeit kommen würde, in der sein Porzellan teurer sein würde als die Ware aus Fernost, ja dass »Meissen« zum Inbegriff des europäischen Porzellans überhaupt werden sollte, das haben weder er noch sein braver Böttger damals auch nur ahnen können.
- Datum 07.05.2010 - 16:48 Uhr
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- Quelle DIE ZEIT, 06.05.2010 Nr. 19
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ein sehr schöner Artikel.
Danke für den Artikel! In der vergangenen Woche habe ich das Museum in Dresden besucht.
Hier würde ich gerne flattrn! Danke für diesen schönen Artikel.
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