Ökumenischer Kirchentag Ganz oder gar nicht

Kann es einen Ökumenischen Kirchentag ohne volle gegenseitige Anerkennung geben? Der Streit ist vorab schon im Gange

Eine ökumenische Oster-Zeremonie in Paris

Eine ökumenische Oster-Zeremonie in Paris

Ein treuer Freund ist ein festes Zelt, sagt das Alte Testament, aber leider sind die beiden christlichen Kirchen, unterm Aspekt der Freundschaft und des Campings betrachtet, wacklige Unterkünfte. Während in München noch evangelische und katholische Laienorganisationen die Zelte des Ökumenischen Kirchentags aufschlagen, erhebt sich bereits Gegenwind. Der könnte Mitte Mai heftig auffrischen, dass uns die Halteleinen um die Ohren fliegen, denn einige Christen finden, die Ökumene war noch nie ein festes Obdach, es regnete immer schon durch, aber einmal muss Schluss sein mit der falschen Gemütlichkeit.

Friedrich Schorlemmer jedenfalls nennt den demnächst zu zelebrierenden Kirchenfrieden einen »Etikettenschwindel« und kündigt an, der Party fernzubleiben. Im letzten Publik-Forum, Deutschlands notorisch kritischer, auf Religion spezialisierter Zeitung, nannte der Wittenberger Theologe zwei triftige Gründe: Erstens gebe es immer noch keine volle gegenseitige Anerkennung der Kirchen – soll heißen, dass Rom die Protestanten als bloße Glaubensgemeinschaft betrachtet, böse Zungen behaupten: als Sekte. Zweitens fehle die freie eucharistische Gastbereitschaft – tatsächlich gilt noch immer das katholische Verbot des gemeinsamen Abendmahls.

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Ist das Abendmahl wirklich so wichtig? Man könnte ja sagen, dass Ökumene draußen vor der Kirchentür stattfindet, als Ehe, Seelsorge, Theologie. Doch viele Christen finden, dass ökumenische Symbolpolitik – wenn schon, denn schon – nicht halbherzig funktioniert. Sie sehen das geplante Münchner »Gedächtnismahl«, einen von Laien geleiteten Gottesdienst, bei dem die katholischen Priester vor Sanktionen geschützt sind, als feigen Kompromiss. Deshalb diskutieren die Leser des Publik-Forums nun, was konsequenter ist: nach München fahren, um für die Ökumene zu streiten, oder München aus Treue zur Ökumene boykottieren. In der nächsten Ausgabe der Zeitung wettert der Theologe Fulbert Steffensky, der den Kirchentag als »grundfreundlichen Ort des Streites« immerhin besuchen will, gegen die »Dreistigkeit« verbotsfroher katholischer Bischöfe. Vielleicht findet sich unter ihnen doch noch ein Mutiger, der das gemeinsame Abendmahl als Zeichen echter Versöhnung einfordert – so wie es kürzlich auf einer Synode der Bischof der evangelischen Landeskirche Berlin-Brandenburg, Markus Dröge, tat. Sonst bleibt die Kirchenfreundschaft flau. Sonst gilt auch weiterhin nicht der herzliebe Bibelspruch, sondern das brutaldeutsche Sprichwort: Besser allein als in böser Gemein!

 
Leser-Kommentare
  1. Ziemlich einfach, den Katholiken die Schuld zu geben, doch vielleicht könnten auch die Evangelen mal über ihren eigenen Schatten springen und einsehen, dass die heilige Messe für Katholiken eben heilig ist.
    Wer meint Ökumene hiesse, dass bald alle den gleichen Kathechismus haben werden, der sitzt meiner Meinung nach einem Irrtum auf. So wird es da nämlich nie geben, eben weil es fundamentale Unterschiede gibt, und Inhalte, welche vielen Gläubigen auf beiden Seiten persönlich wichtig sind und die deshalb nicht einfach durch ein Dekret von oben aus der Welt werden können.

  2. "So wird es das nämlich nie geben, eben weil es fundamentale Unterschiede gibt, und Inhalte, welche vielen Gläubigen auf beiden Seiten persönlich wichtig sind und die deshalb nicht einfach durch ein Dekret von oben aus der Welt geschaffen werden können."

    • fox85
    • 12.05.2010 um 1:03 Uhr

    WOW! Da regen sich 2 Theologen, von denen einer nicht gerade grundobjektiv ist und selbst in kirchlichen Kreisen kaum besondere Beachtung findet, den Vollzug der Ökumene und dann so ein Artikel.. Da bin ich wirklich bisl enttäuscht, habe hier schon bessere Sachen gelesen...
    Warum wollen die Katholiken kein gemeinsames Abendmahl mit den Evis feiern? Sollte man vielleicht mal beleuchten.. Da liegt nun mal ein gaaaaanz anderes Verständnis vor!! Und dann wird so rausgekehrt, dass "böse Zungen behaupten",[...] Rom würde die Protestanten [...]"als Sekte" betrachten!!! Die haben sogar schon deren Taufe anerkannt!! Wenn man sich mit der Materie bisl auskennt sieht man schnell, dass in dem Artikel Gemeinsamkeiten kaum Erwähnung finden und Gegensätze total überbewertet werden! Was spricht gegen einen Kirchentag mit getrennten Abendmählern??? Könnte mir merkwürdigere Dinge vorstellen, z.B. kompetente Minister oder unbefangene Parlamentarier...

    MFG an die Red.
    Der Fuchs

    • dth
    • 12.05.2010 um 1:55 Uhr

    Gut, es gibt ein unterschiedliches theologisches Verständnis' des Abendmahls, aber das ist doch kein Grund, kein gemeinsames Abendmahl zu feiern.
    Es ist ja gar nicht notwendig, dass die katholische Kirche das evangelische Abendmal als gleichwertig ansieht. Katholische Gläubige könnten trotzdem daran teilnehmen, es hätte für sie eben nicht die selbe religiöse Bedeutung. Umgekehrt könnte die Kirche doch auch evangelische Christen an ihrem Abendmahl teilnehmen lassen, auch wenn das evtl. ein paar theologische Winkelzüge braucht. So nach dem Motto: Wein wird nur zu Blut, wenn es ein Katholik trinkt.
    Es würde natürlich auch reichen, wenn den Katholiken nur die Teilnahme am "falschen" Abendmahl gestattet wäre. Käme auch der Realität entgegen, dass ihre ignoranten Schächen das ohnehin tun.
    Angehörige der unterschiedlichen Kirchen gehören heute eben oft den gleichen Familien an, da ist es unsinnig, den Menschen zu verbieten, am jeweils anderen Gottesdienst vollständig teilzuhaben.

    • Iona
    • 12.05.2010 um 2:17 Uhr

    -wie es grad so opportun ist - freute sich darauf, die "Glaubenskacke" endlich hinter sich zu haben, möchte aber immer noch für sog. "Evis" sprechen????:-)))
    Dumm gelaufen, für die Protestanten spricht jetzt Nikolaus Schneider - Gott sei Dank nicht under cover im Net.

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    • fox85
    • 12.05.2010 um 3:01 Uhr

    War mir in dem Moment zu lang.. außerdem: Wer weiß schon, wer sich hinter dem User fox85 verbirgt... ^^
    Nur soviel: Ich bin
    1.) Atheist und würde es daher
    2.)gerne dem Herrn Schneider überlassen für die Protestanten (12 Buchstaben - und es steckt "Tanten" drin! ;) ) zu sprechen. Wollte
    3.)nur meine Verwunderung über den Artikel zum Ausdruck bringen. Bin von der Zeit eigtl geringfügig "ausgewogenere" Artikel gewöhnt. Tut mir leid, wenn das nicht rüberkam, Iona...

    • fox85
    • 12.05.2010 um 3:01 Uhr

    War mir in dem Moment zu lang.. außerdem: Wer weiß schon, wer sich hinter dem User fox85 verbirgt... ^^
    Nur soviel: Ich bin
    1.) Atheist und würde es daher
    2.)gerne dem Herrn Schneider überlassen für die Protestanten (12 Buchstaben - und es steckt "Tanten" drin! ;) ) zu sprechen. Wollte
    3.)nur meine Verwunderung über den Artikel zum Ausdruck bringen. Bin von der Zeit eigtl geringfügig "ausgewogenere" Artikel gewöhnt. Tut mir leid, wenn das nicht rüberkam, Iona...

    • fox85
    • 12.05.2010 um 3:01 Uhr
    6. "Evis"

    War mir in dem Moment zu lang.. außerdem: Wer weiß schon, wer sich hinter dem User fox85 verbirgt... ^^
    Nur soviel: Ich bin
    1.) Atheist und würde es daher
    2.)gerne dem Herrn Schneider überlassen für die Protestanten (12 Buchstaben - und es steckt "Tanten" drin! ;) ) zu sprechen. Wollte
    3.)nur meine Verwunderung über den Artikel zum Ausdruck bringen. Bin von der Zeit eigtl geringfügig "ausgewogenere" Artikel gewöhnt. Tut mir leid, wenn das nicht rüberkam, Iona...

    Antwort auf "Der/ die Fuchs"
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    • Iona
    • 12.05.2010 um 21:45 Uhr

    ...jedenfalls mehr Personen als Dieter Müller.

    Auch ist bekannt, unter welchen nicks "ein ehrenwerter Journalist" hier schreibt.

    Ob die sendungsbewussten Athis auch gern hören, wenn LaBi Friedrich für die Protestanten spricht?

    • Iona
    • 12.05.2010 um 21:45 Uhr

    ...jedenfalls mehr Personen als Dieter Müller.

    Auch ist bekannt, unter welchen nicks "ein ehrenwerter Journalist" hier schreibt.

    Ob die sendungsbewussten Athis auch gern hören, wenn LaBi Friedrich für die Protestanten spricht?

  3. 7. Luther

    Seit Martin Luther liegen gerade die Deutschen in einem Streit über zwei verschiedene Anschauungen bezüglich ein und der selben Religion. Betrachtet man die mehrheitliche Verteilung von Katholiken, bzw. Protestanten in Deutschland heute von weit oben und vergleicht man diese mit den Grenzen des römischen Reiches, dann könnte sich der Verdacht aufdrängen, hier wird ein Konflikt ausgetragen, der in seinen Grundzügen viel älter ist, als die Reformation.

  4. muss jetzt in der verachteten Ökumene klein beigeben und sich auf einen fairen Dialog einlassen!
    Der gesamte rk-Klerus ist bloßgestellt vom pädophilen Gemeindepfarrer, über prügelnde Bischöfe bis hoch zum allwissenden und unfehlbaren Papst dem vormaligen Präfekten der "Heiligen Inquisition" heute der "Kath. Glaubenskongregation" in Rom.
    Die alleinseligmachende Amtskirche der RKK steht heute am Pranger und muss sich durch die Ökumene retten, sonst werden sie trotz der formal durch Geburt größten Christengemeinschaft von 1 Mrd.-Mitglieder zur Sekte!
    Zölibat, Unfehlbarkeit,Priesterordination, Frauen; Sexuallehre? Alles muss reformiert werden.

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    Soso, "muss" das also alles machen. Warum denn?

    Soso, "muss" das also alles machen. Warum denn?

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