Uwe Ochsenknecht"Als Schauspieler bekam ich endlich Anerkennung"Seite 2/2

ZEITmagazin: Er hat Sie nicht geliebt?

Ochsenknecht: Nach seinen Möglichkeiten schon, die waren allerdings sehr begrenzt, deshalb hatte ich wohl immer ein Extrembedürfnis, diese Liebe in mir zu spüren, die ich zu Hause nicht bekommen hatte. Erst jetzt bin ich fähig zu einer bedingungslosen Liebe. Ein Wesen zu lieben mit all seinen Mängeln, das ist das Schönste.

ZEITmagazin: Sie konnten auch Frauen nie richtig lieben?

Herlinde Koelbl

gehört neben dem Coach Louis Lewitan und dem ZEIT-Redakteur Ijoma Mangold zu den Interviewern unserer Gesprächsreihe »Das war meine Rettung«. Die renommierte Fotografin wurde in Deutschland auch durch ihre Interviews berühmt

Ochsenknecht: Sie mussten vor allen Dingen bildschön sein, Modeltypen, gut gebaut. Das war für mich immer das Wichtigste. Und wenn sie dann noch witzig waren, war ich schon verliebt. Aber ich möchte mich nicht mehr nur in ein schönes Bild verlieben. Ich weiß, dass ich jetzt mehr als zuvor fähig wäre, mich in den Menschen, in das wahre Wesen zu verlieben.

ZEITmagazin: Suchten Sie sich solche Modeltypen, um Bestätigung zu finden? Waren das die Spätfolgen der mangelnden Liebe in Ihrer Kindheit?

Ochsenknecht: Ja, die Folge war ein extremes Geltungsbedürfnis. Das war wahrscheinlich auch der Antrieb für meinen Beruf. Ich wollte schon mit ganz jungen Jahren hervorstechen aus der Masse, berühmt werden, endlich Anerkennung und Lob bekommen. Applaus. Erfolg. Und das Tolle ist, dass ich das alles, was ich früher vermisste, jetzt doppelt und dreifach habe. Deswegen ist der Beruf für mich so existenziell wichtig. Und deswegen nehme ich ihn auch so ernst und betreibe ihn mit größter Demut und Hingabe, weil er letztendlich meine Rettung war.

ZEITmagazin: Durch den beruflichen Erfolg ist Ihr Anerkennungsdefizit…

Ochsenknecht: …nun so ziemlich auf null. Ich mag mich heute auch mehr als je zuvor. Früher habe ich mich nie als schön empfunden. Auf meinem Führerscheinfoto habe ich lange, dünne Haare und so eine große Hornbrille. Ich sah aus wie ein Mädchen. Schrecklich! Deshalb brauchte ich schöne Frauen, die mich aufwerteten. Aber mittlerweile bin ich fähig, einen Menschen zu lieben und mich dabei auch schön zu fühlen. Ich ruhe wirklich in mir selbst. Das ist ein tolles Gefühl, das habe ich nie so intensiv und so bewusst gehabt wie jetzt. Und ich merke auch, dass die Leute mich plötzlich lieben, ohne dass ich mich darum bemühe.

ZEITmagazin: Weil die Voraussetzung dafür war, dass Sie sich selbst lieben?

Ochsenknecht: So sagt man immer. Offensichtlich stimmt’s.

Das Gespräch führte Herlinde Koelbl

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