Technik im Trend Höllisches Werkzeug
Für Eingeweihte ist der Dremel das ultimative Vielzweckgerät. Unbedarfte wundern sich über die Leidenschaft der Nutzer.
Nein, ein Dremel ist kein Drehschemel, auch keine Kurzform für Dreh- oder Wendeärmel, nicht einmal ein von einem gewissen Dremel erfundenes Zubehörteil für das britische Spinnereiwesen. Ein Dremel, das muss hier zuerst einmal geschätzten 85 Prozent der Leser und über 99 Prozent der Leserinnen erklärt werden, ist ein Multifunktionswerkzeug. Also praktisch ein Schweizer Messer, nur mit Motor. Allerdings ist dieses Werkzeug noch weit mehr als das. Erst ein Dremel macht einen Mann zum Mann. Treffen sich zwei Männer, die sich nicht kennen, und es stellt sich heraus, dass beide der Szene der Dremelmänner angehören, erröten sie leicht, der Puls beschleunigt sich, die Stimmen werden tiefer, die Augen größer, und man weiß: Man ist unter sich. Man teilt eine Leidenschaft.
Gibt man einem Uneingeweihten einen Dremel in die Hand, etwa den neuen kabellosen Dremel 7700, der von einem Nickel-Cadmium-Akku versorgt wird, fängt der erst mal an, in alles, was nicht niet- und nagelfest ist, winzige Löcher zu bohren.
Wir sprechen von wirklich winzig, unter einem Millimeter Lochdurchmesser. Die Computermaus muss dran glauben, Hartgeld, Brillenbügel. Schon wird ein Hochgeschwindigkeits-Fräsmesser in den Dremel gespannt, und Regale, afrikanische Holzfiguren und Fachbücher ändern ihre äußere Form. Anschließend sind die Bürofenster dran – mit dem Graviermesser werden Namen eingeritzt.
Was jeden »Bediener«, so sagt man in Dremelkreisen, vom Fleck weg enthusiasmiert, ist die beachtliche Drehzahl, die der Akkudremel erreicht. 20000 Umdrehungen pro Minute – das ist doch mal eine Hausnummer. Auch wenn das Geräusch eher an den Zahnarzt erinnert. Doch irgendwann nach dem berauschenden Erstkontakt kommt auch der begeisterte Novize nicht an der Frage vorbei: Was zum Teufel soll man mit dem Ding im Alltag anfangen?
Die meisten Dremelbesitzer können diese Frage bis ins hohe Alter nicht beantworten. Trotzdem ist der Dremel ein Must-have. Angefüttert wird man mit dem Grundgerät zum Preis unter 70 Euro. Die unmittelbar einsetzende Sucht verlangt nach mehr – und hier kommt die eigentliche Stärke des Prinzips Dremel zum Tragen. Ab sofort bekommt der Dremelmann zum Geburtstag, zum Namenstag, zu Weihnachten und insbesondere zum Vatertag Dremelzubehör geschenkt. Weit über hundert Zubehörteile, meist etwa zehn, zwanzig Euro teuer, sind erhältlich; Diamanttrennscheiben, ein Kreissägevorsatz, Schwabbelscheiben zum Polieren, ein Dremelschraubstock, Edelstahlbürsten, Schleifsteine, Frässtifte aus Wolfram-Carbid, ein Winkelvorsatz, biegsame Wellen et cetera et cetera. Irgendwann reichen 20.000 Touren nicht mehr, dann müssen 34.000 her. Und zum Siebzigsten gibt es den VersaFlame-Gasbrenner 4 in 1 mit Zubehör zum Löten und Brutzeln. Wie gesagt, das steht alles nur rum, wird fast nie gebraucht, ist nutzlos – aber maskulin.
Zwei-, dreimal im Leben muss der Dremelmann am Fahrrad eine Winzigkeit vom Schutzblech wegfräsen. Oder ein kleines Loch in eine Puppe bohren, um den Arm mit einer Schraube zu befestigen. Ein großer Moment in seinem Leben, der nachträglich auch jeden Aufwand rechtfertigt.
Das Werkstück wird in die Dremelwerkbank eingespannt. Schutzbrille und Atemschutz werden angelegt. Wie nebenbei wird der ominöse Spindelarretierungsknopf gedrückt, das 0,8-Millimeter-Bohrerchen eingesetzt und fixiert. Die maximale Drehzahl wird vorgewählt. Vorsichtig erfolgt die Präzisionsbohrung in den Puppenarm. Fertig! Scheinbar unberührt vom Lob der Kleinfamilie packt der Dremelmann sein Equipment wieder zusammen. Man kann den Dremel aber auch ganz anders nutzen. Das zeigt ein Blick in das Land, in dem der Dremel erfunden wurde.
- Datum 10.05.2010 - 17:35 Uhr
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- Serie Technik im Trend
- Quelle DIE ZEIT, 06.05.2010 Nr. 19
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Ein normales Krankenhaus hat keine Zahnstation. Wenn dann ein Patient durch eine Prothese eine Druckstelle im Mund hat, wird man gerufen. Man nimmt eine Dremel, ein Schleifsteinchen und einen Polierer mit. Problem gelöst. Ein ähnliches Gerät auf dem "Für den Zahnarzt" steht, kostet das Zwanzigfache!
Die Geschichte vom Dobermann ist durchaus kein Witz, sondern eine praktische Anwendung - mancher Hund, der beim Anblick der Krallenschere sofort die Flucht ergreift, lässt es sich gerne gefallen, mit dem Dremel (oder vergleichbaren Produkten, zu nennen wäre etwa der deutsche Hersteller Proxxon) die überlangen Spitzen seiner Krallen abschleifen zu lassen. Schließlich läuft man nicht Gefahr, den Krallennerv zu treffen, und der Hund wird die Pfote wegziehen, sobald er spürt, dass es warm wird. Ein echter Geheimtipp.
Nachdem mir bereits zwei Dremel grundlos durchgebrannt sind, bin ich fast der Meinung, dass Proxxon die bessere Kleinbohrmaschine herstellt. Sie ist schlanker, ebenfalls stark und ging mir bisher noch nicht kaputt.
Ich habe ihn zu schätzen gelernt, als es galt, alten Lack aus Profilen zu entfernen, der sich dort vor dem Abbeizer verkrochen hatte.
Ich gehöre dann wohl zum einen Prozent der Frauen, die wissen, was ein Dremel ist.
Und zu den von Herrn Strassmann gefühlten 0%, die ihn beruflich nutzen: als Schreinerin zu Restaurationszwecken, also zum Schleifen von schwer zugänglichen Ecken.
So toll das Ding auch ist, manche Aufsätze sind für die Tonne - muss man minütlich wechseln. Also doch eher ein Spiel- als ein Werkzeug?
Diese Marke ist mir komplett unbekannt, habe aber jahrelang mit kreischenden Proxxon Boehrerchen und Schleiferchen Architekturmodelle operiert - lustig wie unvermittelt voellig neue Produkte auftauchen und lifestylemaessig gehypt werden...
Den Dremel gibt es seit nahezu 80 Jahren. Als so ganz "voellig neu", wie Sie schreiben, würde ich das Produkt daher nicht bezeichnen. Merke: nicht jede Marke, die Ihnen unbekannt ist, ist ein völliger neuer Lifestyle-Hype.
Guten Abend,
der Hersteller des DREMEL ist die Firma SB Powertools, frueherer Firmensitz in Walnut Ridge, Arkansas heute in Mexicali, Mexico. Diese Firma ist ein Anhaengsel der Firma BOSCH.
Mit Freundlichen Gruessen
Den Dremel gibt es seit nahezu 80 Jahren. Als so ganz "voellig neu", wie Sie schreiben, würde ich das Produkt daher nicht bezeichnen. Merke: nicht jede Marke, die Ihnen unbekannt ist, ist ein völliger neuer Lifestyle-Hype.
Guten Abend,
der Hersteller des DREMEL ist die Firma SB Powertools, frueherer Firmensitz in Walnut Ridge, Arkansas heute in Mexicali, Mexico. Diese Firma ist ein Anhaengsel der Firma BOSCH.
Mit Freundlichen Gruessen
Den Dremel gibt es seit nahezu 80 Jahren. Als so ganz "voellig neu", wie Sie schreiben, würde ich das Produkt daher nicht bezeichnen. Merke: nicht jede Marke, die Ihnen unbekannt ist, ist ein völliger neuer Lifestyle-Hype.
Guten Abend,
der Hersteller des DREMEL ist die Firma SB Powertools, frueherer Firmensitz in Walnut Ridge, Arkansas heute in Mexicali, Mexico. Diese Firma ist ein Anhaengsel der Firma BOSCH.
Mit Freundlichen Gruessen
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