"Topographie des Terrors" Grauwert der Geschichte

Endlich: Die Gedenkstätte "Topographie des Terrors" wird in Berlin eröffnet – bescheidener als gedacht, aber angemessen.

Wo einst die Zentralen von Gestapo und SS standen, erinnert nun eine Dauerausstellung an das Terrorsystem der Nazis

Wo einst die Zentralen von Gestapo und SS standen, erinnert nun eine Dauerausstellung an das Terrorsystem der Nazis

In dieser Woche werden Gelände und Ausstellung der »Topographie des Terrors« der Öffentlichkeit zugänglich gemacht, es ist der letzte unter den zentralen Erinnerungsorten in Berlin, die die Verheerungen des Nationalsozialismus sinnfällig machen. Die Topographie des Terrors ist keine Gedenkstätte, sondern dient der Information. Sie ist den Tätern gewidmet, den Männern, die den europäischen Völkermord organisierten und ins Werk setzten. Sie liegt über den spärlichen Bauresten der Gestapo-Zentrale, des Hauptsitzes des Reichssicherheitshauptamtes, genau dort, wo sich am oberen Ende des Regierungsviertels in der Wilhelmstraße die Zentralen des Naziterrors etablierten, im Prinz-Albrecht-Palais und im alten Hotel Prinz Albrecht, wo die SS und Heydrichs Sicherheitsdienst residierten, und in der ehemaligen Kunstgewerbeschule, wo 1933 die Gestapo einzog.

Es hat 23 Jahre gedauert, bis die Topographie eröffnet werden konnte. Nun bildet sie so etwas wie den Schlussstein der Neuberliner Gedenk- und Erinnerungslandschaft, der letzte der authentischen Orte, die historische Wahrheit verbürgen und das Geschehen von damals dem großen, auch dem touristischen Publikum präsentieren. 500.000 Besucher werden pro Jahr erwartet.

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Die Eröffnung kommt spät. Sie erfolgt lange nach dem Ende der Debatten über das angemessene Gedenken an die Opfer und über die genaue und fachgemäße Aufbereitung der Relikte aus der Nazizeit. Diese Verspätung war in den vergangenen Jahren ein veritabler Skandal, denn es waren nicht inhaltliche Kontroversen, die die Fertigstellung verzögerten, sondern es lag an einer so nur in Berlin möglichen Gemengelage aus Finanzquerelen und mangelnder Bauaufsicht.

1993 hatte der Schweizer Architekt Peter Zumthor den Wettbewerb für die Topographie gewonnen, er plante ein spektakuläres, hoch emotionales Gebäude, das sich jedoch im Rahmen des Etats als unrealisierbar erwies. Zumthors Verzicht zum Weiterbau 2004 war eine bittere Niederlage für Berlin, wirkte aber geradezu erlösend. Leider gingen danach die Bauträger reihenweise pleite, sodass ratlose Ruhe einkehrte, bis am Ende die Berliner Architektin Ursula Wilms die Realisation des Ausstellungsbaus übernahm.

Es ist daraus nun ein flacher, funktionaler Bau hinter diskreten Lamellen entstanden, Raum für eine Dauer- und eine Wechselausstellung sowie für Veranstaltungen. Vielleicht ist alles etwas bescheidener als geplant oder erhofft ausgefallen. Es wirkt dem Ort aber durchaus angemessen.

Was gezeigt wird, ist nicht sehr umfänglich, es sind im Wesentlichen Tafeln zur Machtübernahme der Nazis, zur Organisation ihres Polizeiapparates, es ist Bildmaterial über den Terror in Europa. Eindringlich sind die Gesichter derer, die in den Kellern verhört und gefoltert wurden, die Polizeifotos von den Verschwörern des 20. Juli und den Mitgliedern der Roten Kapelle; viele Sozialdemokraten: Kurt Schumacher, Carlo Mierendorf oder Fritz Erler; Martin Niemöller darunter ebenso wie Werner Finck oder Erich Honecker. Aufschlussreich sind auch die Physiognomien der SS-Bürokraten, der jungen deutschen Juristenelite, die hier den Völkermord am Schreibtisch plante und mit den Folterknechten im selben Haus arbeitete.

Überraschenderweise hat sich das Grundstück – Älteren noch als Mauerbrache in Erinnerung – in eine auf den Ort gut abgestimmte, strenge Hügellandschaft verwandelt. Der Aachener Landschaftsarchitekt Heinz W. Hallmann verfüllte großflächig sächsische Grauwacke, einen Schotter, der beim Rundgang die wenigen erhaltenen Fundament- und Kellerreste hervorhebt.

Leser-Kommentare
    • JEH
    • 06.05.2010 um 13:21 Uhr

    Endlich? Als ob wir deutschen nichts besseres zu tun hätten...
    Ständig an der Vergangenheit rumgraben und dann mit dem Wort "Endlich" herkommen.
    Wann hat dieses heuchlerische gejammere über die Vergangenheit "Endlich" ein Ende?

    • k2
    • 06.05.2010 um 13:58 Uhr

    Zur Folterungen-Topologie nach
    der L._Sadat-Intervention gibt es keinen Konsens:
    http://avalon.law.yale.ed...

  1. 1. Vergangenheit ist spannend, man kann aus Ihr lernen und viel über Menschen lernen, denn auch die größten Kriegsverbrecher sind nun Menschen wie Du und ich...
    2. Ist der ehemalige Sitz der "Behörden" des Terrors ja etwas sehr wichtiges, kann man doch hier die Kälte des Regimes sehr deutlich machen, denn die "Judenfrage" wurde ja gelöst wie ein betriebliches Problem, mit Berechnungen, Zahlen und Besprechungen... Das RSHA war die zentrale Behörde für diesen Massenmord, an allen "Gegnern" nicht nur den Juden..
    3. Sicherlich gibt es in einer Gesellschaft immer "Aktuelleres" (habe ich jetzt mal aus dem "Besseren" übersetzt) aber man kann eine Nation nur als der Historie erklären.
    Von daher sage ich auch "endlich", jedenfalls halte ich das Zentrum für viel wertvoller als das Mahnmal....

    • Spnx
    • 07.05.2010 um 8:56 Uhr

    erschließt sich in dieser Konstruktion vom Typ
    'Mehrzweckhalle' mit Sicherheit nicht unmittelbar und vllt noch weniger als in der Freiluftausstellung, es fehlt der assoziierende Blick in die Umgebung des Geschehens . Erst die geistige Verknüpfung des Bild- und Textmaterials
    mit dem historisch authentischen Grund- und Boden, auf welchem man sich befindet, setzt die Phantasie in Gang ... Der spurensuchende Tourist wird zur Abstraktion gezwungen,
    nachdem der Titel der Ausstellung emotional Schauerliches für's Auge erwarten ließ ..

    Nach Kriegsende wurde m.E.zu schnell abgerissen und bereinigt, was heute eine Touristenattraktion wäre, denn Information liefert jedes Geschichtsbuch.
    Dennoch fand ich das gezeigte Bildmaterial außerordentlich erhellend.
    Ob dies für die jüngeren Generationen zutrifft, die durch diese Ausstellung schlendern oder eilen, ist fraglich... Für diese Gruppe haben die 'Berliner Unterwelten' sicherlich
    mehr zu bieten.

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    Ich möchte folgendes anmerken (und Sie dürfen es nicht persönlich nehmen bitte!):
    Sie argumentieren vielleict zu sehr, mit dem sicherlich existenten Typus Besucher, für Touristen.
    Im Grunde ist der Bau ja die zentrale Gedenkstätte für die Verbrechern des NS-Regimes. Dies erklärt sich zum einen aus dem Ort an sich, aber auch an mangelnden Orten. Sicher, man kann KZ´s besuchen oder das Stelenfeld (ein reiner Touristenort!) besuchen, aber eine wirklich zentrale Gedenkstätte hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Umso peinlicher der Weg dahin (dazu ein guter Artikel in er FAZ..).
    Ferner müsste man überlegen was, außer den Originalgebäuden, besser gepasst hätte als der entstandene Bau?
    Mit dem Abriss gäbe ich Ihnn Recht, aber was würde der Führerbunker heute für Besicher anziehen? Ein NS-Gruselkabinett? Und auch jüngere Besucher können hier viel Lernen, sicher mehr als in irgendwelchen "Unterwelten" der Vergleich ist wohl nicht statthaft...

    Ich möchte folgendes anmerken (und Sie dürfen es nicht persönlich nehmen bitte!):
    Sie argumentieren vielleict zu sehr, mit dem sicherlich existenten Typus Besucher, für Touristen.
    Im Grunde ist der Bau ja die zentrale Gedenkstätte für die Verbrechern des NS-Regimes. Dies erklärt sich zum einen aus dem Ort an sich, aber auch an mangelnden Orten. Sicher, man kann KZ´s besuchen oder das Stelenfeld (ein reiner Touristenort!) besuchen, aber eine wirklich zentrale Gedenkstätte hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Umso peinlicher der Weg dahin (dazu ein guter Artikel in er FAZ..).
    Ferner müsste man überlegen was, außer den Originalgebäuden, besser gepasst hätte als der entstandene Bau?
    Mit dem Abriss gäbe ich Ihnn Recht, aber was würde der Führerbunker heute für Besicher anziehen? Ein NS-Gruselkabinett? Und auch jüngere Besucher können hier viel Lernen, sicher mehr als in irgendwelchen "Unterwelten" der Vergleich ist wohl nicht statthaft...

  2. die größten Kriegsverbrecher sind nun eben nicht Menschen wie Du und ich - sie sind die größten Kriegsverbrecher und sollten nichts mit einem gemein haben. Diese allgemeinentlastende Frage "Wie hättest Du Dich denn verhalten" mit der implizierten Antwort "Du bist doch weder Held noch Märtyrer" exkulpiert nicht nur die größten Kriegsverbrecher aller Zeiten, sondern fördert in den Nachwachsenden einen Ethos des Relativen, Gleichgültigen, und letztlich Unehrenhaften: Denn "man kann ja eh nichts machen," ob in einer Diktatur oder, in der Schlussfolgerung, ganz generell.

    Fazit: Man versteht sich als passives Element, nicht als gestaltendes. Furchtbar! Treiben lassen, kein verbindliches Gewissen haben, nichts gutes anstoßen, wenn man Glück hat aber auch nichts schlechtes. Schildert das nicht ganz gut die Einstellungen der Generation Praktikum?

    Angesichts der NS-Verbrechen, nein, jedes einzelnen NS Verbrechens, ist moralische Entrüstung, Stellungbeziehen und aktives Handeln gegen dessen Relativierung Pflicht.

    Ach ja, und gut, das der Ort eine angemessene Form gefunden hat.

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    Ich meinte mit "Du und ich" auch vielmehr die Tatsache, dass die Nazis, die Verantwortlichen Planer z.B. im RSHA keine verwirrten Monster waren, sondern Menschen mit einem perversen Rassebild von Untermenschen. Die Planung, die Leitung der Verbrechen erfolgte kühl und berechnend, wie in einem Wirtschaftsunternehmen, es wurden "Einheiten" "sonderbehandelt" und erfasst, registriert und "Erfolge" gemeldet. Ich denke dieses Zusammenspiel, ähnlich wie in einem Unternehmen, lässt sich viel. an diesem Ort besonders erahnen.
    Ich denke auch dass nunmehr ein passender Ort und Rahmen gefunden wurde, es ist ja auch kein EXPO Paviliion, sondern die zentrale Erinnerung an den NS-Terror...

    Ich meinte mit "Du und ich" auch vielmehr die Tatsache, dass die Nazis, die Verantwortlichen Planer z.B. im RSHA keine verwirrten Monster waren, sondern Menschen mit einem perversen Rassebild von Untermenschen. Die Planung, die Leitung der Verbrechen erfolgte kühl und berechnend, wie in einem Wirtschaftsunternehmen, es wurden "Einheiten" "sonderbehandelt" und erfasst, registriert und "Erfolge" gemeldet. Ich denke dieses Zusammenspiel, ähnlich wie in einem Unternehmen, lässt sich viel. an diesem Ort besonders erahnen.
    Ich denke auch dass nunmehr ein passender Ort und Rahmen gefunden wurde, es ist ja auch kein EXPO Paviliion, sondern die zentrale Erinnerung an den NS-Terror...

  3. Ich möchte folgendes anmerken (und Sie dürfen es nicht persönlich nehmen bitte!):
    Sie argumentieren vielleict zu sehr, mit dem sicherlich existenten Typus Besucher, für Touristen.
    Im Grunde ist der Bau ja die zentrale Gedenkstätte für die Verbrechern des NS-Regimes. Dies erklärt sich zum einen aus dem Ort an sich, aber auch an mangelnden Orten. Sicher, man kann KZ´s besuchen oder das Stelenfeld (ein reiner Touristenort!) besuchen, aber eine wirklich zentrale Gedenkstätte hat es bislang in dieser Form nicht gegeben. Umso peinlicher der Weg dahin (dazu ein guter Artikel in er FAZ..).
    Ferner müsste man überlegen was, außer den Originalgebäuden, besser gepasst hätte als der entstandene Bau?
    Mit dem Abriss gäbe ich Ihnn Recht, aber was würde der Führerbunker heute für Besicher anziehen? Ein NS-Gruselkabinett? Und auch jüngere Besucher können hier viel Lernen, sicher mehr als in irgendwelchen "Unterwelten" der Vergleich ist wohl nicht statthaft...

  4. Ich meinte mit "Du und ich" auch vielmehr die Tatsache, dass die Nazis, die Verantwortlichen Planer z.B. im RSHA keine verwirrten Monster waren, sondern Menschen mit einem perversen Rassebild von Untermenschen. Die Planung, die Leitung der Verbrechen erfolgte kühl und berechnend, wie in einem Wirtschaftsunternehmen, es wurden "Einheiten" "sonderbehandelt" und erfasst, registriert und "Erfolge" gemeldet. Ich denke dieses Zusammenspiel, ähnlich wie in einem Unternehmen, lässt sich viel. an diesem Ort besonders erahnen.
    Ich denke auch dass nunmehr ein passender Ort und Rahmen gefunden wurde, es ist ja auch kein EXPO Paviliion, sondern die zentrale Erinnerung an den NS-Terror...

    Antwort auf "Ja, Endlich - aber"

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